Noch ein bisschen mehr Sommerferien 2016 – aktiv, wunderbar und wirklich erholsam | Komplizierte Fragen

Jetzt geht schon die zweite Schulwoche zu Ende. Tenzin ist nun in der 4. Klasse und Yangzom (im Kindergarten) bei den Gummibärchen. Aber die Erinnerungen an unseren dreiwöchigen Sommerurlaub und an die Sommerferien mit den vielen wunderbaren Aktivitäten vor allem draußen sind immer noch sehr präsent.

Aufgrund des nicht erhaltenen Visums mussten wir kurzfristig (aber auch schon lange vorher dunkel geahnt) umplanen und entschieden uns für eine Radtour am Bodensee entlang. Darüber berichtete ich schon. Eine Woche lang radelten wir mit drei Rädern, zwei Anhängern und einem Zelt ca. 180 km um den schönen Bodensee herum, badeten (fast) jeden Tag und zelteten jede Nacht. Das war eine große Aktivität in diesen Sommerferien, aber beileibe nicht die einzige.

In diesen Ferien gab es so viele Berge für uns wie schon lange nicht mehr. Am Bodensee hatten wir ja täglich Blick auf die deutschen, österreichischen und Schweizer Berge. Bestiegen oder befahren haben wir bei dieser Runde jedoch keinen einzigen. Aber es gibt ja auch nicht weit von München schöne Alpen- und Voralpenziele.

Tegernseer Höhenweg
So wiederholten wir alle vier die Wanderung auf dem Tegernseer Höhenweg, die ich vor zweieinhalb Jahren mit den Kindern gemacht hatte. Damals saß Yangzom noch in der Kraxe, diesmal schaffte sie es, fast die ganze Strecke (vielleicht zweieinhalb-drei Stunden) allein zu laufen. Ein paar Mal durfte sie auf unseren Schultern sitzen. Wir sind in einem völlig überfüllten Zug nach Gmund gefahren, erstaunlicherweise waren trotzdem alle Mitreisenden gut gelaunt. Von dort geht es dann hoch zum Höhenweg und dann immer oberhalb des Tegernsees entlang durch den Wald mit Blick auf den Tegernsee bis zur Ortschaft Tegernsee. Am Tegernsee konnten die Kinder dann sogar noch kurz ein wenig in den kühlen See rein und sich abkühlen. Ich kenne ja aus meiner Reintal-Zeit vor allem das Wetterstein und liebe es über alles und denke auch immer als an erstes an dieses Wanderziel und vergesse dabei, dass es ja gar nicht so weit weg von München so wunderbare Ziele gibt. An den Tegernsee fährt man nur eine Stunde mit der BOB-Bahn und fällt dann auch schon auf den Wanderweg, während man von Garmisch-Partenkirchener Bahnhof aus erst noch ein ganzes Stückchen zu gehen hat.

Ammergauer Gebirge und „echtes“ Reiten
Mit einer befreundeten Familie mit Kindern im gleichen Alter (allerdings ohne die dazugehörigen Männer resp. Väter) machten wir einen Ausflug zum Kolbensattel bei Oberammergau. Eigentlich wollten wir Mamas zum Wank rauffahren, aber meine Freundin erwähnte den Alpincoaster, mit dem man vom Kolbensattel nach Oberammergau runtersausen kann, und schon bestimmten die beiden großen Jungs das Ziel. Die beiden kleinen Mädchen hatten zumindest beim Rauflaufen ein wenig das Nachsehen. Denn der Weg, den man ungefähr eine gute Stunde bergauf geht, ist ziemlich steil für kleine Kinderwaden und ist nicht sehr motivierend. Trotzdem haben wir es alle geschafft. Yangzom krabbelte – mehr aus Spaß allerdings – den kurzen Rest des Weges auf allen Vieren über eine Wiese. Nach einer Mittagsrast fuhren wir dann alle mit dem Alpincoaster (Zweisitzer auf Schienen, die man individuell bremsen kann) wieder den ganzen Berg hinunter. Die beiden Jungs zusammen und die Mamas mit ihren jeweiligen Töchtern. Yangzom fand es Klasse, ich war schon etwas aufgeregt – vorher und währenddessen und habe sicherlich auch eher einmal zu viel gebremst. Für mich war es schon ein rechter Nervenkitzel. Am Nachmittag konnten meine zwei endlich auch mal auf „richtige“ Pferde steigen – also nicht auf Jahrmarktpferde, die wahrscheinlich nur einem Brummkreisel im Kopf haben, von den hundert Runden pro Tag. Ehrlich gesagt, war auch das für mich ein rechter Nervenkitzel, denn ich habe einen Heidenrespekt vor solch großen Tieren. Tenzin war da lockerer und hatte kein Problem damit, Yangzom am Führstrick zu führen. Höhepunkt war dann, dass wir fast wie im Wilden Westen mit den Pferden zum Bahnhof gebracht wurden und auf die Kinder auf dem Bahnsteig entlang ritten. Vielen Dank, Doris!!!

Familienfrei im Höllental und am Kreuzeck
Am letzten Freitag während unseres Urlaubes habe ich mir endlich mal wieder familienfrei genommen, habe mich ganz in der Früh, als alle noch schliefen, aus dem Haus geschlichen und bin mit der ersten Bahn nach Garmisch gefahren. Mein Ziel war das Höllental. Leider hatte der Zug Verspätung, so dass ich (und andere Frühaufsteher) die Zugspitzbahn nach Hammersbach verpasste und fast eine Stunde warten musste. Störte mich nicht weiter, ich nutzte die Zeit, um noch die restlichen Urlaubspostkarten zu schreiben. Das erste und letzte Mal war ich vor ca. 25 Jahren auf der Höllentalangerhütte und war damals auch durch die Klamm gelaufen, hatte daran aber keine großen Erinnerungen mehr und die Höllentalangerhütte wurde nun auch komplett neu und größer gebaut (die alte wird im Laufe der nächsten Monate im Garten des Alpinen Museums wiederhergestellt). Deshalb wollte ich die Strecke mal wieder laufen und testen, ob das auch etwas für meine Kinder wäre. Das dann eher weniger. Für Tenzin wäre die Strecke mit der manchmal doch engen und niedrigen Klamm und den kleineren und größeren Sturzbächen und Tropfen in der Klamm von oben, den Resten eines Elektrizitätswerkes und dem manchmal ausgesetzten Weg sicherlich interessant. Aber mit Yangzom (4 Jahre) wäre das Nasse, Niedrige, Schmale und dann die Länge der Strecke leider nichts. Obwohl der Weg passagenweise wirklich sehr schön und reizvoll ist und die Hütte selbst an einem Platz liegt, der Kindern Spaß machen könnte. Ich hätte sie jedoch auch nicht tragen können, dafür war mir die Klamm eben zu niedrig und nass und zu rutschig. Deshalb entschied ich mich dann für eine andere Tour, als wir mit meiner Mutter wandern waren (dazu mehr unten).

Die Höllentalklamm ist ganz anders als die Partnachklamm – länger, wilder, nasser, weniger extrem gesichert. Man muss erst einmal ein ganzes Stückchen hinlaufen, bevor man mit den anderen Massen durch ein winziges Kassenhäuschen an einem winzigen Gasthäuschen vorbei in die Klamm geschleust wird. Und es tropft und spritzt die ganze Zeit. Nach der Klamm ist man dann schnell aus dem Wald heraus und läuft durch Geröll und niedrige Bäume und Sträucher. Spätestens hier verlaufen sich dann auch die Wandermassen. An der Hütte angekommen, gönnte ich mir eine leckere Erbensuppe mit Wiener und ein kühles Radler dazu. Letzteres merkte ich dann doch auf meinem Weiterweg. Ich hatte mich dann doch entschlossen (obwohl anfangs noch unsicher – wo ist meine alpine Selbstsicherheit geblieben???), nicht den schattigen und nassen Weg durch die Klamm zurück zu laufen, sondern weiter bergauf zum Kreuzeck und dann wieder ins Tal hinunter. Auch hier wieder ein schöner Weg am Berg entlang, manchmal mit Drahtseil gesichert, manchmal steil bergauf. Oben auf dem höchsten Punkt rastete ich noch einmal und dann noch einmal kurz hinter dem Kreuzeck, aber da gab es dann jeweils das Selbstmitgebrachte. Vom Kreuzeck runter gibt es leider wirklich keinen schönen Weg, es ging ziemlich steil runter. Und weil ich keine Lust hatte, eine Stunde unten auf die Bahn zu warten, stieg ich schnell ab – meine armen Knien und Zehen. Aber der Tag an sich hat mir so gut getan! Einfach mal raus und machen, was ich will – in meinem Tempo und nach meinem Gusto.

Von Tegernsee nach Schliersee
Mit meiner Mutter, die Tenzin dann mit nach Berlin nehmen wollte, (dafür ohne Gendun) ging es noch einmal an den Tegernsee bzw. vom Tegernsee zum Schliersee. Für diese Tour brauchen Erwachsene etwa vier Stunden. Wir brauchten mit Yangzom, die teils in der Kraxe saß und teilweise selbst tapfer lief, und mit Tenzin, inklusive unserer Pausen gut sechs Stunden, meine ich. Wir fuhren wieder mit der BOB-Bahn, gingen jedoch nicht zum Tegernsee runter, sondern gleich den Berg rauf Richtung Neureuth. Auf der Alm dort mit einer tollen Aussicht Richtung Tegernsee und Voralpen gab es eine etwas längere Pause, um zu trinken. Unsere mitgebrachte Brotzeit konnten wir dort natürlich nicht verspeisen und wanderten weiter zur Gindelalm. Wir kehrten dort diesmal nicht ein, sondern setzten uns auf eine Bank, um Käse, Landjäger und Vitamine zu verspeisen. Bevor wir uns jedoch stärken konnten, mussten wir durch eine Gruppe Kühe durch, die etwas rauflustig waren – zwar nur untereinander, mir aber trotzdem deswegen nicht weniger geheuer. Wir folgten dem sogenannten Prinzenweg nicht ganz Richtung Schliersee, sondern – um abzukürzen – ließen wir die Kreuzbergalm links liegen und gingen die ziemlich steile Forststraße runter zum Schliersee. Nach Ende der Forststraße zog es sich noch einmal ganz schön eine Straße entlang. Aber auch diese nahm ein Ende. Und weil ich meine Mutter mit ihrer Vorliebe für das Konditorn kenne, googelte ich unterwegs schnell nach einer Konditorei am Schliersee. Und so verspeisten wir im Café Mesner leckere Torten nach der schönen Wanderung, bevor es mit der Bahn wieder zurück Richtung München ging.

Noch mehr Radeln
Ansonsten waren wir mit dem Rad unterwegs – ins Schwimmbad, wieder an den Flaucher (Isar) und ganz neu entdeckt haben wir den Unterföhringer See. Wir Eltern wollten an der Isar entlang radeln. Ich hatte gedacht, wir schaffen es irgendwie nach Freising und würden vielleicht unterwegs an der Isar eine Stelle zum Reinspringen finden. Aber da machten uns sowohl die Isar als auch die Kinder einen Strich durch die Rechnung. Es gab keine mir richtig zusagende Stelle flussaufwärts und Yangzom hatte keine Lust, im Anhänger zu sitzen. Also kürzten wir das Ganze ab und – das hatte ich zum Glück noch im Hinterkopf – bogen rechts ab zum Unterföhringer See. Ein kleiner See mit Badestelle ohne großen Schnickschnack. Zumindest als wir dort waren, war es angenehm leer. Eine schöne Alternative, wenn wir mal keine Lust auf Flaucher oder Schwimmbad haben, denn beides kann manchmal ganz schön voll sein.

Schon außerhalb unseres Urlaubes bekamen wir beide noch einen Tag frei und unternahmen mit den Kindern spontan eine weitere Rad-Zelt-Tour. Diesmal mit nur einer Übernachtung am Wörthsee in der Nähe von München. Wir hatten die Idee, nicht mit der Bahn aus der Stadt zu fahren, aber im Nachhinein betrachtet, war das keine so gute Idee. Denn der Weg aus der Stadt heraus ist zumindest auf dieser Strecke überhaupt nicht schön, geht nur an großen Straßen entlang und an Baustellen vorbei. Wir sind bestimmt anderthalb Stunden geradelt, bevor es überhaupt nur ansatzweise ländlich wurde. Ausgeschildert war es auch nicht besonders gut. Trotz Karte wusste ich nicht immer weiter. Am Wörthsee fanden wir einen kleinen Zeltplatz – ganz anders als die riesigen Zeltplätze am Bodensee, aber ganz schön, der Spielplatz war gleich vom Zelt aus in Sichtweite, der Strand ebenso. Wir waren schon mittags da und die Kinder verbrachten die Zeit vor allem im Wasser. Für den nächsten Tag war schlechtes Wetter vorhergesagt und es regnete auch wirklich in Strömen. Jedes Mal, wenn ich im Handy auf den Wetterbericht schaute, verlängerte sich die Schlechtwetterphase. Wir suchten dann kurz Unterschlupf bei Freunden am Wörthsee und bekamen ein schönes Frühstück, in der Hoffnung, dass dann das Wetter besser würde, aber dem war leider nicht. Im strömenden Regen fuhren wir zur übernächsten S-Bahn-Station. Da war das Wetter dann besser, aber wir alle, außer Gendun, waren demotiviert und wollten einfach nur nach Hause. War trotzdem schön!

Was sonst noch?
Für uns Eltern war der Sommerurlaub vorbei, für Tenzin die Ferien noch nicht. Er ging eine gute Woche in den Hort. Einmal war ich mit den Kindern vor Hort und Kindergarten zum Frühstück in der „Frooteria“, wo man leckere Smoothis (oder Schmusis, wie Yangzom sagt) und leckere Bagels gibt. Mit Yangzom habe ich mir zweimal die Zeit genommen und auf dem Weg zum Kindergarten (wenn wir radeln) auf der Wiese hinter dem Rathaus und habe Seifenblasen in die Luft gepustet, die sie versuchte zu fangen. Einmal haben wir noch im Westpark gegrillt.

Zum Schluss kam Mama noch nach Berlin und verbrachte einen Tag mit den Kindern im Deutschen Museum und in der Bibliothek und wir trafen uns zum „Picknicken“ auf dem Viktualienmarkt und am zweiten Tag unternahmen wir oben beschriebene Wanderung. Dann fuhr sie mit Tenzin nach Berlin, der eine gemütliche Zeit mit Lesen, Rtterfest und Wannsee dort verbrachte. Ich fuhr eine Woche später mit Yangzom hin. Und weil das Wetter so schön war, fuhren wir auch an den Wannsee (ich war noch nie vorher dort im Schwimmbad) und am Sonntag schnappte sich der Opa die Kinder und ging mit ihnen auf ein anderes Ritterfest, während Mama und ich durch Kreuzberg streuselten und bei „Mr Minsch“ lecker Torte aßen.

Zum Abschluss meiner heutigen News noch etwas ganz anderes: In der letzten Zeit bin ich viel mit dem Rad unterwegs und Yangzom hintendrin im Anhänger. Und da gilt es immer wieder, schwierige Fragen zu beantworten bzw. manchmal fällt mir auf die Schnelle nichts ein, was ich, gegen den Verkehrslärm anbrüllend, wirklich gut erklären könnte.

Wir passieren die hungerstreikenden abgelehnten Flüchtlinge am Sendlinger Tor: Warum schlafen die da? Wad ist eine Demonstration? Yangzom mit ihrer Perspektive einen Meter unter mir aus dem Anhänger: Was ist das Bild mit schwarz, gelb, blau und weiß. Es dauert eine Weile, bis ich realisiere, dass sie die Fahnen in Schwarz-gelb und Blau-weiß, die momentan wegen des Oktoberfestes an den Straßen hängen und die Trambahnen dekorieren. (Schwarz-gelb für München und Blau-weiß für Bayern). Solche Fragen und Antworten leiten dann gerne über zu „Ist Deutschland in München?“ Warum sieht man den Rathausturm nicht mehr (beim Weiterfahren verschwindet der Turm hinter dem davor stehenden Haus) Warum stehen die Polizisten da? (An der Zufahrt zum Oktoberfest stehen nun mehr Polizisten.) Wieso hast Du eigentlich mich und Tenzin bekommen? Und dann gleich der Zusatz: Ich wollte zuerst kommen. Manche Fragen sind leicht zu beantworten, manche im Fahren unmöglich (z.B. Perspektivefrage mit dem Rathaus), schade, denn abends denkt man doch nicht mehr daran.

Manchmal können diese Fragen anstrengend sein, vor allem wenn sie kein Ende finden. Aber manchmal sind sie einfach nur schön und manchmal auch fast ein wenig philosophisch und existentiell.

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