Die verrückte Familie Palden auf Abenteuerreise rund um den Bodensee

Diese Überschrift bedarf doch einer Erklärung. Das Wort „verrückt“ stammt von Gendun, der unsere Idee mit Kind und Kegel, Rädern und Zelt um den Bodensee zu radeln, als ein solches Unterfangen empfand. Dass wir doch nicht so verrückt waren, zeigte sich dann unterwegs. Ein „Abenteuer“ war es für uns alle, denn wir hatten so etwas in dieser Form und Zusammenstellung noch nie gemacht. Wobei man natürlich auch sagen muss, das, was für uns ein Abenteuer ist, ist für andere Pippifax und total unspektakulär. Und „rund um den Bodensee“ ist nicht ganz korrekt als Beschreibung für unsere Tour, weil wir uns die Freiheit herausgenommen haben, auch mal abzukürzen. Aber der Reihe nach, denn geplant war für unseren Urlaub etwas ganz anderes.

Wir unternahmen auch dieses Jahr wieder den Versuch, in Genduns Heimat zu fahren, um endlich die Familie wieder besuchen zu können. Aber nachdem die Botschaft dem Reisebüro mitteilte, dass die Bearbeitung der Visaanträge unabhängig vom Abreisedatum ist und wir mehr als zwei Monate umsonst warteten, forderten wir die Pässe kurzerhand und kurzfristig, nämlich knapp zwei Wochen vor Urlaubsbeginn, zurück. Nachdem die Enttäuschung riesengroß und die Tränen runtergschluckt waren, war nun, wie letztes Jahr, wieder Phantasie und Kreativität darin gefragt, ganz schnell wieder einen tollen Urlaub zu organisieren. Ich gebe zu, dass ich schon parallel zum Ausharren, ob das Visum kommt oder nicht, im Kopf schon ein paar Alternativen durchspielte und sich bei mir eigentlich ein Wunsch herauskristallisierte, den wir dann letztlich auch umgesetzt haben. Genduns Idee, ein Auto zu mieten und durch Deutschland zu touren, wandelte ich ab in einen Gegenvorschlag – nämlich dass wir doch mit Rad und Zelt eine Fahrradtour machen könnten.

Dagegen sprach, dass gerade kurz vorher mein geliebtes Rad geklaut wurde, dass wir keinerlei Campingausrüstung hatten und dass wir so etwas noch nie zusammen als Familie zelten waren. Aber da die Idee bei allen Anklang fand, vor allem bei Tenzin, der dafür sogar auf einen Sonne-Sommer-Strandurlaub verzichtete, waren dies eigentlich keine Hindernisse mehr. Ein neues Rad wurde gekauft und hinterher kam sogar noch die Erstattung durch die Hausratversicherung, so schmerzte der Verlust nicht zu sehr. Ein 3-Mann-Zelt, zwei Schlafsäcke für die Kinder, Isomatten, ein Lastenanhänger für Genduns Rad, Kocher und Kochzubehör waren schnell gekauft. Zumindest ich war schon zelten (nicht oft), wenn auch das letzte Mal in meine Studentenzeit fällt, als ich mit meiner Freundin an der Loire entlang gereist bin und wir die Schlösser besichtigt haben. Und die eine Sorge, die wir noch hatten, ob nämlich unser Anhänger für Yangzom, in dem auch schon Tenzin saß, die Tour noch aushalten würde, diese Sorge blieb, stellte sich jedoch – zumindest für die Dauer dieser Tour als unbegründet heraus.

Ich muss zugeben, dass ich kein großer Campingfan bin. Die Zelte waren immer zu eng, immer wurden die Schlafsäcke vom Kondenswasser feucht, nachts im Dunkeln zum WC tappen, alles mitschleppen. Das war alles nicht so anheimelnd. Die Alternative jedoch wäre gewesen, einen Last Minute-Urlaub zu buchen, wovon uns die Dame im Reisebüro aufgrund der aktuellen Situation abriet.

Und so starteten wir dann am Dienstag nach Ferienbeginn in unser Abenteuer – mit 3 Fahrrädern, 2 Anhängern und 1 Zelt. Die Zeit des ausführlichen Tagebuch-Schreibens ist vorbei. Dafür fehlt die Zeit und Muße, wenn man mit Kindern unterwegs ist und dann auch noch zusammen in einem Zelt schläft, in dem spätestens nach der Dämmerung das Licht aus ist.

DI 02.08. | mit dem Zug nach Lindau, 10 km radeln bis kurz bei Bregenz in Österreich

Wegen Bauarbeiten fuhr der durchgehende Zug nach Lindau leider nicht und wir mussten in Ulm umsteigen. Einstieg und Umstieg und Ausstieg gestalteten sich nicht unbedingt einfach, da ferienanfangbedingt die Züge voll waren und vor allem auch die Fahrradabteile voll mit Rädern. Erstaunlicherweise waren sowohl die anderen Radler als auch die Zugbegleiter gut gelaunt und optimistisch und hilfsbereits, so dass wir alle mitfahren konnten und sogar teilweise Sitzplätze hatten. Am Nachmittag kamen wir am Bodensee an. In Lindau schauten wir nur ganz ganz kurz vom Hafen zum Löwen und schwangen uns dann auf unsere Räder. Den Bodensee-Radweg fanden wir relativ schnell und nach einer kurzen Strecke durch die Stadt (mit vollen, engen Straßen und Tenzins erstem Kreisverkehr) waren wir dann auf dem Weg nach Bregenz. Da es relativ viele Campingplätze am Bodensee gibt, haben wir nie irgendwo reserviert oder vorher angerufen, sondern sind immer drauflos geradelt und bekamen auch immer einen Platz. Auf dem Campingplatz „Seecamping“ starteten wir unsere erste Nacht. Dies war der einzige Zeltplatz, bei dem der Strand nicht direkt dazu gehörte, aber dafür war er auch gleich auf der anderen Seite des Weges. Dafür gab es hohe, schattige Bäume. Auf diesem Zeltplatz gab es WLAN am Rezeptionshaus. Die jüngeren Nutzer standen abends alle an die Hauswand gelehnt, in der Hand Handy, Tablet oder Laptop, um irgendwie online zu gehen.

Unter freiem Himmel – Campingplätze allgemein

Meine letzten Zeltplatzerfahrungen liegen nun wirklich schon über zwanzig Jahre bestimmt zurück. Wie schon oben beschrieben, sind die Erinnerungen zwiespältig. Von den Zeltplätzen am Bodensee (die wahrscheinlich den heutigen Campingplätzen allgemein ähneln) war ich positiv überrascht. Zeltplatz kann man ja nicht wirklich sagen. Bei einem Campingplatz gab es ein paar Informationen zu den Stellplätzen: 220 Plätze sind reserviert für Dauercamper, 180 Plätze vorgesehen für Touristikcamper (die mit Wohnwagen u.ä. unterwegs sind) und dann gab es noch eine kleine Wiese, auf der einige (kleinere) Zelte drauf passten für Leute, die wie wir mit Rad oder Auto unterwegs sind und immer nur eine Nacht blieben. Überall gab es einen kleinen Laden, mal eher wie ein Kiosk, mal fast ein kleiner Supermarkt, überall gab es ein kleines Restaurant (unterschiedlicher Qualität), überall ausreichend Duschen, Toiletten, extra Spülen zum Abwaschen, teils Waschbecken zum Wäsche waschen und Waschmaschinen. Für immer eine Nacht finde ich diese Campingplätze für mich völlig ausreichend, weil mir diese Art des Reisens doch eine preiswerte Flexibilität ermöglicht. Zwei Wochen (oder gar noch länger) mit dem Wohnmobil auf ein und demselben Campingplatz zu stehen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Irgendwie steht man doch immer unter Beobachtung – beim Essen, beim Abwaschen, beim Zähneputzen…. Die Wohnmobile sind zwar relativ groß und bequem, trotzdem ist es eng und teils sitzt man fast auf dem Schoss des Nachbarn. Witzigerweise erschienen mir gerade die männlichen Campingplatzbesucher (Teenager und mittelalte) alle Typen eines Schlages, sie sahen für mich fast alle gleich aus.

Täglicher Bedarf

Richtig stolz war ich auf mein Kalkulieren und Packen. Die Kleidungsstücke für jeden einzelnen von uns passten in einen kleinen Stoffbeutel (vielleicht etwas größer als A4) – ein Minimum an Wechselkleidung mit Jacke, langer und kurzer Hose, T-Shirts, Wäsche zum Schlafen. Auch bei den Handtüchern wurde gespart, zum Baden gab es für alle nur eins. Ich war ganz stolz, dass wir uns so reduzieren konnten. Aber wir hatten natürlich auch Glück insofern, dass Sommer war und wir gar nicht so viel mitnehmen mussten. Die langen Hosen und Regenponchos brauchten wir nicht einziges Mal. Lernergebnis Eins: Man kann wirklich und gut reduzieren! Den ersten Proviant hatten wir von München mitgenommen: Genduns Idee war, dass wir jeden Morgen Tsampa (Mehl aus gerösteter Gerste) verrührt mit heißem Wasser, Butter und Honig essen würden. Dementsprechend nahm er bestimmt zwei Kilo mit. Durchgehalten haben wir es nicht lange. Butter und Honig wurden dann für Brote genommen. Nudeln hatten wir dabei, Marmelade, Speck und Käse. Später kauften wir dann auch Fleisch, Nudeln und Obst im Supermarkt und dann auf der deutschen Seite von Straßenständen. Hier gab es dann die ersten Bodensee-Äpfel. Nur eins hatten wir vergessen: Salz! (Da fiel mir dann das Märchen von der Gänsehirtin am Brunnen ein, die von ihrem Vater verstoßen wurde, weil sie ihm sagte, er sei ihr genauso wichtig wie Salz – und nicht etwa Gold und Edelsteine.) Wir konnten diesen Mangel ein wenig durch Gemüsebrühe kompensieren. Zur großen Freude von Tenzin kauften wir einmal auch einen Einweggrill und grillten lecker Fleisch auf dem Zeltplatz.

MI 03.08. | ca. 50 km durchs Rheindelta bis nach Arbon in der Schweiz

Landschaftlich sehr schön war die Strecke durch das Rheindelta immer mit Blick auf die Berge, Berge und Berge, aber hier wurde dann auch schnell klar, dass der Bodensee-Radweg zwar Bodensee-Radweg, dass dies aber nicht unbedingt und zwangsläufig bedeutet, dass man permanent den Bodensee sieht. Dafür haben wir von der Ferne einen Hundertwasser-Supermarkt gesehen. Da Gendun anfangs noch Kilometer schrubben wollte, habe ich einen kleinen Abstecher dorthin nicht angeregt. Auf dieser Strecke und an diesem Tag hatten wir uns mit dem Trinken vertan und mussten dann in der Mittagshitze noch einen kleinen Umweg zum nächsten Supermarkt machen, um Nachschub zu holen. Danach hatten wir glücklicherweise immer genug zu trinken dabei und haben auch öfter Pause gemacht. Unser Tagesziel war Arbon, eine schöne alte Stadt, die wir allerdings nur passierten und danach zum Campingplatz „Buchholz“ fuhren – einem Zeltplatz mit angeschlossenem Strandbad (für Camper kostenfrei) und einer relativ großen Zeltwiese ohne einen einzigen Schattenbaum. Zum Glück wurde es abends am Bodensee immer – trotz Hitze und Sonne tagsüber – relativ schnell wieder kühl, so dass wir wirklich nachts angenehm schlafen konnten.

Aktiv statt Kultur

Hier wurde schon klar, dass unser Urlaub kein Kultur-Urlaub, sondern wirklich ein Aktiv-Urlaub werden würde. Wir haben uns weder Arbon noch später Konstanz oder Insel Mainau oder das malerische Meersburg angeschaut. Einmal war ich mit den Kindern im Museum (das Pfahlbauten-Museum in Uhldingen) und zum Abschluss sind wir in der Nachmittagshitze durch das touristenvolle Lindau gelaufen. Aber ansonsten sind wir nur geradelt, haben die Landschaft auf uns wirken lassen, waren fast jeden Tag baden. Warum das so war, lag einmal daran, dass Gendun nicht so der Kultur-Mensch ist, er wäre sicherlich am liebsten jeden Tag 50 km geradelt und vielleicht noch mehr. Aber es lag auch daran, dass wir uns für diese Radtour doch recht spät entschieden und ich dann auch nicht mehr den Nerv hatte, noch groß zu recherchieren und zu planen. Bei einer nächsten größeren Radtour würde ich vorher schauen, was sich lohnt anzuschauen, was für die Kinder interessant sein könnte und dann müsste ich vorher mit den Kindern und auch mit Gendun besprechen, was man besichtigen möchte und dann müsste man eben auch die entsprechenden Stopps einplanen. Aber so war es auch mehr als in Ordnung. Und so aktiv war ich in einem Urlaub schon lange (seit die Kinder da sind) nicht mehr.

DO 04.08. | ca. 41 km an Konstanz vorbei bis hinter die Insel Mainau (wieder in Deutschland)

Durch viele Apfelplantagen, schon voll mit fast reifen Äpfeln, über sehr, sehr viele kleine Bahnübergänge und vorbei an kleinen Häfen mit Segelbooten radelten wir am Bodensee entlang Richtung Konstanz. Bei Güttingen konnte ich Gendun zu einer Pause an einem freien Badestrand („Badiplatz“, wie die Schweizer sagen) überreden, so dass die Kinder, vor allem Yangzom, die ja die ganze Zeit untätig im Anhänger saß, sich beim Baden etwas austoben konnten. Und mir tat es auch gut. Denn nach dem gestrigen Tag hatte ich doch gemerkt, dass ich einfach genug Trinken und auch etwas Gescheites zum Brotzeiten brauchte, sonst würde ich durchhängen. In Konstanz versuchten wir Genduns Bruder, der mit seiner Familie gerade in der Schweiz Urlaub machte, zu treffen, aber es klappte leider nicht. Stattdessen aßen wir in einem Restaurant zu Mittag und entschlossen uns zur ersten Abkürzung. Den Zipfel, der die Insel Reichenau einschließt, würden wir am wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen und dann am zweiten Zipfel Richtung Insel Mainau radeln. Wie bei so vielen größeren Orten auch war das Durchqueren Konstanz‘ etwas stressig, aber dann Richtung Mainau ging es durch eine wunderbare Allee am Bodensee entlang. Wir steuerten dann den Campingplatz „Fliesshorn“ an. Hier erlebten wir unsere erste Sturzflutregennacht, Yangzom hatte Durchfall (Ergebnis von zuviel Brausetabletten-Wasser) und musste bestimmt zwanzig Mal aufs Klo (zum Glück alles noch vor dem Regen). Ab 19 Uhr saßen wir in unserem Zelt und waren trotzdem glücklich. Wir spielten ein wenig Uno (Kartenspiel) und ich erzählte abends immer die Geschichte von der verrückten Familie Palden. Oder, wenn ich mich von Yangzom überreden ließ, von Yangzom mit dem Regenbogenhaus und von Tenzin mit dem Zuckerwattehaus.

Children first

Nach dem ersten Tag hatte ich schon gemerkt, dass wir mehr auf die Bedürfnisse der Kinder achten müssten. Eigentlich weiß ich das natürlich, aber trotzdem ist man ja nicht nur Mutter (bzw. Vater), sondern auch ein normaler Erwachsener und möchte – ebenso verständlich – andere Sachen machen als Kinder. Ich weiß das und mir war das auch immer wieder bewusst, Gendun weniger, ihm war es immer wieder wichtig, mal etwas schneller zu radeln oder durchzuradeln oder mehr zu radeln. Aber auch wenn er etwas murrte, setzte ich diese Badistrand-Pause oder auch mal eine Spielplatz-Pause durch. Unsere Radelstrecken wurden immer kürzer, es gab jeden Tag ein Eis, fast jeden Tag waren wir baden. Der Schifffahrt-Wunsch wurde auch erfüllt. Lernergebnis Zwei: Man muss immer wieder mehr auf die Kinder eingehen und sich an deren Tempo anpassen, wenn man mit Kindern unterwegs ist (ist aber auch ein ewiger Lernprozess).

Yangzom hintendran

Yangzom fand den Urlaub toll – mit dem Campen und Baden… Das Sitzen im Anhänger fand sie nicht immer so spannend. Letztlich ist es ja so, dass das Kind ungefähr von einer Höhe von einem Meter in die Landschaft schaut. Wenn ich über eine Böschung oder Hecke hinweg zum Bodensee gucken kann, sieht Yangzom nur grünes Gras oder grüne Blätter. Dementsprechend oft tönte es dann hinter mir (ich zog den Kinderanhänger, Gendun den Lastenanhänger): „Wann sind wir endlich am Zeltplatz?“ Und nicht nur in diesen Situationen war ich der Entertainer für Yangzom und musste vertrösten und ermutigen, noch etwas geduldig zu sein. Ich musste auch zwischendurch immer wieder – obwohl mir fast die Puste ausging – Lieder für Yangzom singen oder tausend Fragen beantworten und teils gegen Wind, weniger gegen vorbeifahrende Autos ankommen. Zwischendurch ist sie dann immer mal eingeschlafen. Witzig oder vielmehr interessant war auch, dass Yangzom anfangs nicht wirklich nachvollziehen konnte, dass wir jeden Tag zu einem anderen Zeltplatz und einem anderen Strand unterwegs waren, aber dass wir trotzdem auch immer am selben See waren.

FR 05.08. | Zweite Abkürzung über den See, ca. 22 km bis kurz hinter Immenstaad

Nach dieser total verregneten Gewitternacht (Abbau des Zeltes bei Regen) und angesichts eines komplett Wolken verhangenem Himmel und dem immer wieder geäußerten Wunsch nach einer Schifffahrt entschlossen wir uns, zur nächsten Anlegestelle zu fahren und von dort auf die andere Seite des Sees überzusetzen. Wir fuhren die zwei Kilometer nach Dingelsdorf. Und da der nächste Dampfer nach Überlingen eine Stunde später kam als der nach Uhldingen, wurde die Abkürzung etwas länger und wir fuhren nach Uhldingen. An diesem Tag sah man fast nichts von den umliegenden Bergen. Es war kühl und bewölkt. In Uhldingen ging ich mit den Kindern ins Pfahlbauten-Museum, ein wirklich sehr spannendes Freilicht-Museum. Allerdings waren wir nicht so warm angezogen und Gendun wartete außerhalb, so dass wir nicht sehr lange dort verweilten und uns danach in einem kleinen Hotel bei Kaffee und heißer Schokolade aufwärmten. Von Uhldingen radelten wir weiter durch zunehmend mehr Weinberge (statt Apfelplantagen), die Altstadt von Meersburg, die Burg oben streiften wir nur mit den Augen und am Hafen dort machten wir eine kleine Pause. Ich gebe zu, dass ich Meersburg gerne angeschaut hätte, aber ich wusste, dass ich Gendun nicht dazu überreden könnte. Wir fuhren weiter bis kurz nach Immenstaad, wo wir auf dem Campingplatz „Schloss Helmsdorf“ Quartier bezogen. Zu diesem Campingplatz gehört nicht nur ein kleiner Strand, sondern auch ein kleiner Hafen, der vollgestellt war mit Segelbooten. Nachmittags regnete es noch einmal, so dass wir nicht baden konnten, ich wollte auch vielleicht noch einmal nach Immenstaad. Deshalb konnte ich Gendun davon überzeugen, doch einen Ruhetag einzulegen.

Sonnenschein und Regenwetter und Bergsicht

Wir hatten die ganze Zeit über eigentlich schönes Wetter. Bis auf die eine Regennacht bei Mainau und den grauen Tag danach. Die letzte Nacht, bevor wir wieder zurück nach München fuhren, regnete es auch noch einmal sehr stark. Ansonsten war es immer sehr warm, teils heiß und sonnig. Unsere Bodensee-Tour war zwar keine bergige Tour (meistens ging es flach entlang), aber wir hatten die Berge immer vor Augen. Über den See waren immer irgendwelche Berge zu sehen. Dieses Motiv See-glitzerndes Wasser-Segelboote-Bergkette habe ich viele etliche Male während dieses Urlaubs auf die Festplatte unserer Kamera gebannt.

SA 06.08. | Ruhetag mit Spaziergang nach Immenstaad

Am Vormittag lief ich mit den Kindern am See entlang nach Immenstaad. Ich brauchte etwas aus der Apotheke, ich wollte mich bewegen und am Hafen sollte es das beste Eis von Immenstaad geben. Endlich war wieder Sonnenschein und wir konnten am Hafen das wirklich leckere Eis verputzen, außerdem gab es noch ein Picknick mit Leckeren vom örtlichen Metzger. Nach dem Baden radelten wir noch schnell zum Rewe, wo Gendun besagten Einweggrill kaufte. Der Himmel verdunkelte sich bedenklich (aber es kam zum Glück kein Regen), Tenzin war vom campen nicht mehr ganz so begeistert und die Wetteraussichten waren für ein paar Tage später nicht mehr so berauschend, so dass wir unschlüssig waren, wie es weitergehen sollte. Wir entschlossen uns, erst einmal noch weiter Richtung Lindau zu fahren, aber auch zu gucken, ob wir mit den Rädern Richtung Ulm fahren würden.

Gut ausgestattet

Da es unsere erste Rad-Zelt-Tour war, mussten wir einiges neu kauften. Das Zelt ist für 3 Personen ausgelegt, aber dadurch dass Yangzom noch klein ist, war es für uns ausreichend. Fasziniert war ich von unserem kleinen Topf, in den zwei Schüsselchen und zwei Trinkbecher reinpassen. Da Gendun keinen Gepäckträger hat, kauften wir einen Lastenanhänger, den wir auch später für Ausflüge nutzen können. Den Kinderanhänger haben wir ja schon seit acht Jahren und haben ihn, bis auf die Zeit, als Tenzin dafür zu groß und Yangzom noch zu klein war, auch wirklich intensiv genutzt. (Unsere Sorge, dass er vielleicht während der Tour den Geist aufgeben würde, war zum Glück unbegründet.) Bei den Isomatten hatten wir uns aus Platz- und Budgetgründen für die dünnsten (nicht aufblasbaren) entschieden. Und hier zeigte sich – Lernergebnis Drei -, dass man manchmal doch nicht sparen sollte. Bis auf Yangzom stöhnten wir alle über diese dünnen Matten und über die daraus resultierenden Rückenschmerzen. Pflaster etc. hatten wir natürlich dabei, brauchten wir jedoch nicht ein einziges Mal. Auch das Reparaturset wurde unversehrt wieder nach München zurückgebracht. Es gab keine Blessuren, keine blutenden Wunden, keine abgesprungenen Ketten und keine Platten!

SO 07.08. | ca. 30 km bis nach Kressbronn

Bei schönem Sonnenwetter radelten wir weiter. Kurz vor Friedrichshafen kauften wir frische Kirschen und ein frisch gebackenes Brot an einem Hofladen. Die Kirschen verputzten wir an einem Spielplatz am Hafen von Friedrichshafen. In Langenargen gab es die Reste vom Grillen – wieder eine Rast mit Blick auf Bodensee, Segelboote, Berge… Kurz vor Kressbronn hielten wir noch einmal an einem Hofladen an, um Erdbeeren, Nektarinen und frische Kartoffeln zu kaufen. Am Campingplatz „Iriswiese“ gab es einen steinigen Strand, der den Kindern aber wunderbar gefiel. Für Tenzin war es der schönste, und Yangzom trocknete unsere Rücken mit den aufgewärmten Steinen. Auf einem Zeltplatz hatte ich einen kleinen Badeball gekauft, mit dem die Kinder – dann endlich auch mal wieder zusammen – spielten.

Tenzin on the road

Die Isomatten waren ein Grund dafür, dass Tenzin irgendwann und teilweise ein bisschen die Motivation verlor. Es wurde dann deutlich, dass er, der unbedingt zelten wollte, sich auch wieder nach Hause sehnte. Ihm war das Zelt zu klein, die Isomatte zu hart, Freunde und Spielsachen fehlten ihm, sagte er uns. Trotzdem hatte er an der Tour im Ganzen großen Spaß und ist auch wirklich immer gut mitgeradelt. Die zurückgelegten Strecken waren kein Problem für ihn. Und ich war auch immer wieder stolz auf ihn, wie gut er das packte. Im Verkehr kam er gut zurecht, aber ein-, zweimal gab es auch etwas brenzlige Situationen, die gut ausgingen, die unser Bewusstsein dafür schärften und aus denen er auch lernte. Er kümmerte sich teils gut um Yangzom (ich denke, die Tour hat die beiden auch wieder etwas näher gebracht), teils gab es bei den beiden Reibereien. Was für uns manchmal stressig war.

Nicht nur heile Welt

Denn eine solche Tour birgt natürlich immer wieder Momente, in denen die Nerven blank liegen. Eben wenn die Kinder wegen Pippifax oder größeren Problemen streiten, wenn man den Weg verloren hat, wenn es zu warm, der Hunger / Durst zu groß ist, wenn der eine radeln will, der andere aber eine Pause braucht, wenn man das Zelt aufbauen wollte, aber der andere herumträumte, die eine immer die größte Portion wollte oder das schönste oder was auch immer. Aber eben so wie im normalen Alltag auch.

MO 08.08. | nach Lindau und hin und her, ca. 24 km

Wie fast jeden Morgen ging ich, die immer als erstes aufwachte, in der Dämmerung zum Strand und genoss die schöne Stimmung und das schöne Licht. Angesichts des vorgesagten schlechten Wetters ab Dienstag und Tenzins Heimweh (wenn man so sagen will) sowie Genduns Rad ohne Gangschaltung entschieden wir uns, wirklich nur noch nach Lindau zu fahren, noch einmal zu campen und dann den Zug Richtung München zu nehmen. In Lindau waren wir schnell. Knapp fünf Kilometer hinter Lindau checkten wir dann beim „Parkcamping am See“ (der übrigens auch Kochkurse anbot) ein. Der Zelt-Zeltplatz war direkt am dazugehörigen Kinderspielplatz, was ich für den Abend, als wir nicht mehr am Strand waren, ganz angenehm fand. Wir fuhren noch einmal in die Stadt zurück, weil wir das Ticket für den nächsten Tag kaufen wollten. Und weil ich dachte, es ist schön, noch einmal durch die Altstadt zu schlendern, aber eigentlich war es viel zu heiß und voll mit Touristen. Ich war ganz froh, dass wir dort noch einmal an den Strand und ins Wasser konnten.

DI 08.09. | 4,5 km nach Lindau und mit dem Zug zurück nach München

In der Nacht regnete es wieder. Am Abend zuvor hatte ich immer wieder auf den sich immer wieder ändernden Wetterbericht geschaut. Gendun und ich hatten beschlossen, so früh wie möglich aufzustehen und in einer am frühen Morgen angekündigten Regenpause zu packen und loszuradeln und dann am Bahnhof zu frühstücken. Gegen acht Uhr waren wir am Bahnhof und kauften beim Bäcker ein schönes Frühstück, Kaffee und heiße Schokolade. Mussten dann aber noch bis 10:40 Uhr warten, bis unser Zug – diesmal durchgehend – kam. Der Zug war nicht voll, wir kamen mit unserem ganzen Geraffel rein, fanden ein freies Abteil und reisten entspannt zurück nach München. Am selben Tag wusch ich noch die ganze Wäsche und somit war das gröbste schon aufgeräumt. Und nach den harten Isomatten und dem Essen auf dem Boden freuten wir uns alle auf unseren Küchentisch und unsere gemütlichen Betten.

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