Familienorganisation im 21. Jahrhundert und last news

Eigentlich wollte ich den heutigen Newsletter „Mama 2.0“ nennen, aber nachdem ich die Bedeutung von Web 2.0 nachgeschlagen habe, musste ich feststellen, dass dieser so schöne Titel doch nicht ganz passt. Mit Web 2.0 (heute sagt man eher „Social Media“ – und so lerne ich eben doch nie ganz aus) ist gemeint, dass die Nutzer nicht nur das Internet konsumieren, sondern via Facebook, Instagram, Twitter, Blogs etc. selbst produzieren. Das eigentliche Thema ist meine Organisation des Familienalltags mittels analogen und digitalen Mitteln. (Aber Mama 2.0 passt insofern zum Teil auch, weil natürlich dieser Newsletter auch online erscheint, ich Fotos über Social Media gerne teile. Das jedoch nur so am Rande.)

Neben meinem Kopf bzw. dem, was drin ist (und das ist ganz schön viel), ist eine ganz wichtige Grundlage meiner Familienorganisation der Kalender – bzw. eigentlich sind es fünf. In der Küche hängt ein sogenannter Familienkalender (mit schönen Fotos für jeden Monat), in den in einer schönen Übersicht alle Termine für jedes Familienmitglied stehen. Der dient auch der Information darüber, ob Bücher in der Bibliothek abgegeben werden müssen, ob ich länger arbeite, ob Gendun mit den Kindern zum Arzt muss. Ich denke, diesen Kalender nutzt mittels Nachschauen am meisten Gendun. Ich schreibe meist nur die Termine rein. Dann gibt es noch ganz klassisch den Taschenbuchkalender in meinem Rucksack, mit einem schönen Einband, vielen Notizseiten. Dieser wird eher stiefmütterlich behandelt, dafür stehen manchmal aber auch schöne Erlebnisse drin. Im Büro gibt es noch einen Wochenkalender vor meinem Schreibtisch, hier stehen meist auch die privaten Termine, aber auch Termine von Pressekonferenzen, Besprechungen usw. Eigentlich identisch mit diesem ist dann mein Outlook-Kalender. Ich muss jedoch zugeben, dass der Kalender in meinem Smartphone am aktuellsten ist – zumindest was die Termine betrifft, die für die Organisation des Familienlebens wichtig sind. Und das tolle an diesem Kalender ist, ich kann die jeweiligen Termine mit den Orten verbinden, mit Notizen und – was eigentlich das wichtigste ist – er kann mich zweimal vorher an den Termin erinnern.

Chat-Apps sind neben SMS und E-Mail aus dem alltäglichen Leben auch nicht mehr wegzudenken: Hat Yangzom etwas Besonderes im Kindergarten mit, schicke ich eine Nachricht an Gendun, damit er dieses eine Besondere auch ja nicht vergisst. Während des Streiks letztes Jahr hatte ich noch keine Smartphone und musste mich mit E-Mails behelfen, bei diesjährigen Hortausfällen (aus welchen Gründen auch immer) geht es natürlich ganz einfach, wenn die beiden Mütter, mit denen ich mich immer kurzschließe und reihum die Jungs betreue, und ich die Betreuung dann über eine solche App regeln. Teilweise haben wir auch schon vergessene Hausaufgaben fotografiert und per App verschickt. Letztens jedoch musste Tenzin, der eine Hausaufgabe vergessen hatte und die von einem Foto nicht abzuschreiben war, sich diese selbst bei einem Freund abholen und auch allein zum Copyshop gehen, um sich eine Kopie zu machen. Die Organisation des gemeinsamen Hausaufgaben-Erledigens (denn dafür hatte der Freund das für die Hausaufgabe notwendige Lehrbuch vergessen) geschah dann doch wieder über App.

In einer Kolumne wurde bedauert, dass durch diese ganzen Apps etc. das Telefonieren ausstürbe. Stimmt, es ist merklich weniger geworden. Aber zum Beispiel am Wochenende, wenn sich meine Kinder verabreden wollen, schicke ich lieber eine kurze Nachricht, so bekommt die andere Familie Zeit und Gelegenheit drüber nachzudenken und entsprechend positiv oder negativ zu antworten. Ich denke mir immer, wenn ich anrufe, dann hat das etwas von einem Überfall. Vielleicht ist das aber auch meine ganz persönliche Wahrnehmung. Zettel, die im Kindergarten herumhängen, kann man mit dem Smartphone auch schön fotografieren und kann sich dann die wichtigen Fakten in Ruhe zu Hause anschauen und abschreiben. (Dies bezieht sich auf die Kontakte zu den Eltern anderer Kinder, die man vielleicht nicht so gut kennt.)

Ich gebe zu, manchmal gehöre ich auch zu den Smombies, die im Gehen am Handy lesen. Aber ich habe auch schon vorher zu den Leuten gehört, die im Gehen ein spannendes Buch oder Zeitung gelesen haben. Der Unterschied ist dann vielleicht auch nicht mehr so groß. Oder? Mein Handy weckt mich auch jeden Morgen um fünf (neben meinem Wecker) und da unser Küchenradio nicht mehr so richtig wird, höre ich übers Handy Internetradio. Trotzdem wird mir auch immer wieder bewusst, dass ich öfter mal Handy-Pausen einlegen sollte.

Was ist in den letzten Wochen (seit Ostern) passiert?

  • Maifest im Kindergarten mit dem Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ – Yangzom war eine (von vielen kleinen) Katzen
  • Tenzin war bei einem tollen Architekturworkshop in der Pinakothek der Moderne
  • An einem verregneten Sonntag waren mit mit zigtausend anderen Familien im Museum „Mensch und Natur“
  • Zu „Kinder und Buddhismus“ haben wir es die letzten Male nicht geschafft – leider, leider
  • Pfingstmontag war ich mit den Kindern im Verkehrszentrum vom Deutschen Museum. Leider ist die tolle lange Rutsche für Kinder an Wochenenden und Feiertagen generell gesperrt – weil unter der Woche ja auch so viele Familien kommen
  • Ich drücke mich vor dem Abschluss meiner Steuererklärung, aber diese Woche dann… – jedoch ist dieses Elster-Formular furchtbar

Tenzin wird (zumindest teilweise) immer selbstständiger und würde sich am liebsten jedes Wochenende mit seinen Freunden verabreden. Mir ist es manchmal zu viel. Und ich denke mir manchmal ich sehe ihn, wenn ich arbeite, ca. 10 Stunden nicht, da möchte ich am Wochenende auch mal ganz normales Familienleben haben, auch wenn nichts Besonderes geplant ist. Manchmal wird nun auch Yangzom etwas eifersüchtig, weil sie nie verabredet ist. Der Wunsch ist jetzt aber auch neu bei ihr und meine letzten Versuche, etwas für sie zu organisieren, sind leider immer fehlgeschlagen. Wird uns auch noch gelingen. Dafür hatte sie letztens eine Freundin über Nacht zu Besuch. Diese schlief mit ihrem Bruder (Tenzins Freund) bei uns, weil die Eltern übers Wochenende weg waren.

Jetzt sind gerade Pfingstferien in Bayern. Tenzin ist seit gestern (und noch bis Freitag) mit dem Hort zur Ferienfahrt in der Gegend von Traunstein. Ich hoffe, sie haben gutes Wetter. Nächste Woche haben Gendun und die Kinder frei (sowohl Hort als auch Kindergarten) haben geschlossen. Spontan kam Gendun dann letzten Donnerstag die Idee, er könne mit den Kindern nach Paris zu seinem Bruder fahren. Nach meinem ersten Erschrecken – schluck – hatte ich mich an den Gedanken mehr als gewöhnt und freute mich riesig auf ein paar Tage ohne Familie, zwar mit Arbeit, aber mit Zeit für mich, ich hatte schon Pläne gemacht – Kino, Shopping, Wandern an Fronleichnam, Joggen unter der Woche. Dann sagte mir Gendun gestern nach einem Gespräch mit seinem Bruder, dass dieser nun nach München kommen wolle. Es steht noch nicht ganz fest, wer wohin fährt, sie telefonieren noch einmal. In diesem Fall hatten wir nun auch schon einen Personalausweis beantragt, weil die Pässe ja bei Visa-Stelle sind. Aber wenn ich so kommunizieren würde, würde wohl einiges schief laufen. Gendun merkte mir meine Enttäuschung dann wohl auch etwas an und konnte nicht ganz nachvollziehen, warum mir ein paar Tage ohne Familie so wichtig wären. Na, Hauptsache ich weiß es J. Und im Oktober fahre ich zum Abi-Treffen nach Berlin und werde dann endlich mein Wochenende ohne haben.

Zum Abschluss noch zweimal Kindermund von Yangzom „Wie wird man alt?“ – eine sehr philosophische Frage, weil es ihr nicht nur um die Äußerlichkeiten ging – sowie mit Blick auf die Frauenkirche „Wo ist die Männerkirche?“

Und damit wünsche ich Euch noch eine schöne zweite Mai-Hälfte!

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