Zwischen Therapie und Auszeit – Mutter-Kind-Kur – Mit den Kindern auf der Insel Poel

Drei Wochen Ostsee mit den Kindern – einfach so zwischendurch. Nun ja, ganz „einfach so“ ist es natürlich nicht, mit den Kindern zur Mutter-Kind-Kur wegzufahren. Da muss zuerst der Hausarzt und vielleicht sogar noch der Kinderarzt ein entsprechendes Formular ausfüllen und diese Kur befürworten, dann muss zum Beispiel die Krankenkasse zustimmen, wenn diese Bedingungen erfüllt sind, wartet man nur noch auf einen Terminvorschlag der Klinik. In unserem Fall bekamen wir erst diesen Termin im Februar (02.-23.02.) – im Nachhinein zum Glück, denn mein Wunschtermin im Oktober / November hätte letztlich wegen der aktuellen Situation im Büro (kranke Kollegin, Vertretung noch nicht da) nicht funktioniert. Aufgrund von Tenzins Infektanfälligkeit wurden quer durch Deutschland an die Ostsee geschickt.

Dann war es endlich so weit. Das Ticket bekamen wir vom Krankenkassenreisebüro zwei Wochen vorher zugeschickt. Die Klinik informierte ich über unsere Ankunft in Wismar (von dort sollten wir dann mit dem Auto abgeholt werden). Eine gute Woche vorher schickte ich schon ein Paket mit einigen Sachen, die in München nicht mehr benötigt wurden, in die Klinik. Denn das Verschicken des ganzen Gepäcks mit dem Gepäckservice der Bahn wäre nicht gegangen, weil die als Abholtermin eine mehrstündige Zeitspanne angeben (ist für uns mit meiner Arbeit nicht realisierbar, rückzu konnten wir es dann einen Koffer schicken). Trotzdem hatten wir auf beiden Fahrten noch einen riesigen Rucksack dabei, der über meinen Kopf hinausragte, die Kinder ihre kleinen Rucksäcke, den Kinderkoffer und noch meinen kleinen Rucksack und noch eine Umhängetasche. Wahnsinn! (Und mit diesem ganzen Gepäck mussten wir in Hamburg zum nächsten Bahnsteig hetzen, weil der Zug Verspätung hatte.) Letztlich waren wir jeweils ca. 10 Stunden in drei Zügen und einem Auto unterwegs. In dem Fall muss ich sagen – ob pädagogisch sinnvoll oder nicht – ich war froh, dass wir ein Tablet mit Kinderfilmen dabei hatten und jedes Kind jeweils einen Film schauen durfte.

Die Klinik liegt am nördlichsten Ende der Insel Poel in einem Ferienort, der wie ausgestorben war. Ich glaube, nur im Sommer ist dort etwas los. Der schöne Sandstrand fast menschenleer. Ein kleines Geschäft um die Ecke war geöffnet, die Restaurants alle zu. Der nächste Supermarkt in Kirchdorf war vielleicht eine halbe Stunde zu Fuß entfernt. Dort waren wohl noch Restaurants offen. Aber die kleinen Häuschen „Am Schwarzen Busch“ standen größtenteils leer und warteten auf Feriengäste.

Die Klinik selbst war ein ziemlich großes Gebäude, in dem ca. 100 Mütter (in unserem Fall auch zwei Väter) plus die dazugehörigen Kinder (meistens kamen sie mit einem oder zwei Kinder, aber es waren auch drei oder vier Kinder dabei, Alter: etwa 2-13 Jahre). Im Haus selbst war ein kleines Schwimmbad, eine Sauna, eine Sporthalle, ein Gymnastikraum, Physiotherapie, Entspannungsräume, Kreativräume, eine kleine Bibliothek. Neben der eigentlichen Therapie gab es die verschiedensten Angebote (Basteln, Ausflüge, Kino etc.). Wir hatten ein kleines Appartment mit Wohnzimmer inkl. Schlafnische für mich und ein kleines Kinderzimmer, wobei für Yangzom ein Babybett drin stand und sie eh lieber bei mir schlafen wollte. Um die Klinik herum gab es einen großen Park mit schönem Spielplatz. Und direkt danach gleich ein Zugang zum Ostseestrand. Natürlich gab es noch einen großen Speisesaal. Das Essen war abwechslungsreich, wenn auch nicht immer so wahnsinnig lecker. Aber das Buffet morgens und abends fand ich schon gut, auch wenn ich während der Mahlzeiten dann oft wegen der Kinder (die erst ab zehn allein ans Buffet durften) fünfmal hinlaufen musste. Außer am Wochenende oder wenn die Kinder krank waren, aßen die Erwachsenen mittags ohne Kinder. Das einzige, worum man sich kümmern musste, war die Wäsche und darum, pünktlich zu den Anwendungen zu erscheinen.

Anreisetag war in unserem Fall der Dienstag. Termin zur Aufnahmeuntersuchung war am Donnerstag und dann bekam man schon den ersten Therapieplan für die ersten Tage. In unserem Fall war alles etwas anders. Tenzin und ich waren vor der Kur bereits krank und blieben auch jeweils einen Tag zu Hause. Es stellte sich heraus, dass wir uns hätten richtig auskurieren sollen. Denn Tenzin reiste bereits mit Fieber an, ein paar Tage später bekam ich Fieber und zum Schluss auch noch Yangzom. Jeder von uns hatte mehrere Tage hohes Fieber und lag wirklich flach, so dass ich dann die ganzen verschriebenen und freiwilligen Therapie- und Sportangebote die ersten zehn Tage nicht nutzen konnte. Irgendwann hatte ich herausgefunden, dass man kranke Kinder, die nicht in die Kinderbetreuung dürfen, im Patientenzimmer bei den Schwestern lassen kann. Das habe ich dann in den Zeiten, in denen ich fit war, auch teilweise so gemacht, um noch das Beste rauszuholen.

Ich war mit großen Vorsätzen zur Kur gefahren: Wollte jeden Tag Sport machen, joggen, in die Sauna gehen und möglichst viel für mich und mein Wohlbefinden machen. Die Krankheitszeit belehrte mich dann eines Besseren. Ich habe es irgendwann akzeptiert und auch irgendwie positiv gesehen, denn zu Hause hätte ich uns (mit Kindergarten, Schule und vor allem Arbeit) nicht so die Zeit gegeben, um wieder gesund zu werden. Trotz Fieber waren wir jeden Tag wenigstens kurz draußen an der frischen Luft, meistens sind wir zum Ostseestrand gelaufen und haben dort Muscheln und Steine (keine Hühnergötter und keine Bernsteine) gesammelt, haben den Wellen zugeschaut, im Sand gebuddelt und ich war jedes Mal davon fasziniert, wie unterschiedlich die Ostsee und der Himmel und alles drumherum aussehen kann. Spiegelglatt und hellgrau-blau, rauschende Wellen, dunkles Wasser, blauer Himmel, Wolkenspiele, Sonnenuntergang, Caspar David Friedrich-ähnliche Stimmungen usw. Als die Kinder wieder gesund waren, habe ich mich trotzdem nicht ans Joggen gewagt, weil es einfach oft auch zu kalter und schneidender Wind war und ich nicht gleich wieder eine Erkältung haben wollte, aber ich war (mit und ohne Stöcke) walken oder spazieren. Irgendwann waren wir auch wieder fit genug fürs Schwimmbad und haben die Zeit dort sehr genossen. Nur zur Sauna konnte ich Yangzom leider partout nicht überreden. Und allein für mich hat es dann von den Zeiten her nicht mehr gepasst.

Die Kinder waren tagsüber in der Betreuung. Tenzin hatte dann nach den bayerischen Faschingsferien noch eine Woche Schule. Das konnte man aber unter Ulk verbuchen, es war letztlich nur eine Stunde pro Tag. Aber zum Glück ist er ein guter Schüler, ich denke, er hat es gut aufgeholt. Die Kinder waren in nach Alter getrennten Gruppen. Yangzom hatte eine wunderbar nette Erzieherin namens Hildi, die auch noch Gitarren spielen konnte und viele Lieder mit den Kindern gesungen hat. Die anderen Erzieherinnen kamen manchmal etwas nordisch-kühl rüber, aber Tenzin fand seine auch nett. Die größeren Kinder durften dann auch allein von der Betreuung aus allein zum Tischtennis oder Kicker spielen. Und sie hatten auch Sport und Schwimmen mit der ganzen Gruppe. Nach dem Mittagessen bis zum frühen Nachmittag waren die Kinder bei den Eltern. Vormittags war Yangzom gerne bei ihrer Erzieherin, aber nachmittags, wenn dann die Gruppen zusammengelegt wurden, wollte sie dann oft nicht mehr in die Betreuung und ich habe mit ihr etwas gemacht. Tenzin fand dann nach seiner Gesundung auch Anschluss und ging nachmittags manchmal wieder in die Betreuung. Oder ich habe ihn auch manchmal noch zum Sport angemeldet. Das hat ihm Spaß gemacht.

Was hatte ich noch für Therapien / Anwendungen? Massage natürlich, Fango, medizinische Sporttherapie (auf diesen großen Bällen – fand ich nicht so toll), irgendeine Wackelmassage auf einer Art Wasserbett (habe ich wieder abgegeben, wahrscheinlich als die einzige), Walking habe ich einmal mitgemacht, aber nachdem die nur auf der Straße lang sind und ich lieber am Strand entlang laufen wollte, bin ich lieber allein gelaufen. Ergometer bin ich gefahren, einmal auch mit Tenzin, der einmal ziemlich lange mitgestrampelt ist. Die Gestaltungstherapie (statt psychologischer Einzel- oder Gruppengespräche) war mal interessant mitgemacht zu haben, aber brauche ich nicht immer. Ich habe einfach gemerkt, dass ich am besten beim Sport entspannen kann. Wassergymnastik – fand ich diesmal sogar ziemlich gut (bei meiner ersten Kur vor ca. sieben Jahren fand ich Wassergymnastik total doof – hängt aber sicherlich auch vom Trainer ab).

An den Wochenenden haben wir uns so beschäftigt oder nutzten die Angebote des Hauses. Den letzten Samstag bekamen wir auch Besuch von den Berliner Großeltern und spazierten durch starken Wind an der Ostsee entlang und wurden in Wismar zum Mittag essen eingeladen. Das war eine schöne Abwechslung zum Klinik-Alltag.

Fazit: Den Kindern hat es im Großen und Ganzen gefallen, mir auch. Ich habe es sehr genossen. Freundschaften habe ich keine geschlossen, was auch dadurch erschwert wurde, dass wir anfangs alle krank waren, aber auch dadurch, dass die Familien ja aus ganz Deutschland kamen und ich es vielleicht nicht so forciert habe. Aber ich habe sympathische Frauen getroffen mit ganz verschiedenen Geschichten. Manche hatten es leichter im Leben als ich, viele aber doch auch schwerer.

Ich werde auf jeden Fall noch einmal eine solche Kur beantragen. Aber dann nicht mehr an der Ostsee (Reizklima gibt es ja nicht nur dort, sondern auch in den Bergen).

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