News April bis Mai 2015

Vom „Kopfkissenbuch“ von Sei Shonagon schrieb ich schon einmal. Bei meinen jetzigen News werde ich mich wieder daran erinnern, auch wenn ich mein Geschriebsel nicht mit den Aufzeichnungen der Hofdame vergleichen möchte. Ich will mich nur etwas rausreden, dass es diesmal zwar nicht aus dem Pinsel fließt, sondern aus den Fingerspitzen in die Tastatur und dadurch vielleicht weniger tiefschürfend ist, sondern auch einfach nur einige Betrachtungen. In der deutschen Übersetzung des Kopfkissenbuches, das mir vorliegt, sind diese Gedanken zu einem Thema manchmal auch nur eine halbe Seite lang oder eine kleine Liste. Um mich ein wenig an die Hintergründe zu erinnern, musste ich noch einmal bei Wikipedia googeln, ich zitiere: „Der Name des Werks wird auf die Aufbewahrung der Aufzeichnungen in einem hohlen Kopfkissen (枕) aus Porzellan zurückgeführt. Das Kopfkissenbuch besteht aus 320 meist kurzen Einträgen zu verschiedenen Themen des Alltags am kaiserlichen Hof und bildet so eine Sammlung scharfsinniger Beobachtungen, verschiedener Anekdoten, Aufzählungen von Dingen und sehr direkter, offener Meinungen sowie Eindrücke und Gefühle. Es ist so eine wichtige Quelle für die Kulturgeschichte der Heian-Zeit. Die Einträge sind scheinbar kunstlos niedergeschrieben. Dieser Schreibstil wird mit dem Ausdruck „zui-hitsu“ – „aus dem Pinsel geflossen“ bezeichnet. Sei Shonagon gilt als die erste Meisterin dieses Stils.“

Kinderbücher
Vom Kopfkissenbuch zum Kinderbuch: Eines meiner Lieblingskinderbücher und auch von meinen Kindern gern vorgelesen bekommen, ist das Buch „Theodor trödelt“ von Rian Visser über einen ewig bummelnden Theodor, der jeden Morgen von seiner Mutter angetrieben wird, sich zu beeilen, weil sie sonst zu spät zum Bus und zur Schule kommen. Natürlich lässt sich Theodor davon nicht beeinflussen, bindet in Ruhe seine Schnürsenkeln, räumt noch auf, spielt Klavier, plaudert mit der alten Dame… und rettet dadurch dem Hausmeister in der Schule das Leben. Mein Lieblingssatz aus diesem Buch: „Wir kommen genau richtig für den nächsten Bus.“ Jedes Mal, wenn ich das Buch lese, denke ich mir, dass das doch eher ein Buch für die Eltern ist, etwas gelassener zu sein. Und oft, wenn ich mit Yangzom auf den Schultern über die Ampelkreuzung haste, um die Straßenbahn zu bekommen, muss ich an dieses Buch denken. Was mag in den Köpfen der Kinder vorgehen, wenn sie die Geschichte hören? Fühlen sie sich in ihrer Art und Weise, alles etwas langsamer anzugehen und noch zwischendurch dies und das zu machen, bestätigt?

A propos Kinderbücher: Leider sind die Lieblingsbücher der Eltern nicht unbedingt die Lieblingsbücher der Kinder. Und gerade die kunstvoll gestalteten lassen die Kinder leider oft links liegen (gilt auch für DVDs wie wahrscheinlich auch viele Spielsachen). Tenzin liest derzeit wieder und wieder die diversen „Star Wars“-Bücher und verschiedene Comics. Bin ich froh, dass er selbst lesen kann. „Star Wars“ mag ich einfach nicht vorlesen. Und Comics, finde ich, eignen sich einfach nicht. Was mich freut, dass Tenzin die „Digedags“ besser findet als die „Abrafaxe“. (Natürlich liest er auch „pädagogisch sinnvolle Literatur“ – dies wurde mit einem Schmunzeln geschrieben. Das Buch von Tom Saywer wollte er nicht lesen, weil der so viel Quatsch macht, da war ich dann doch verwundert. Vielleicht muss ich es doch noch einmal ausleihen.)

Seit acht Jahren
Seit acht Jahren (und vielleicht etwas mehr) singe ich abends Schlaflieder, es sind immer die gleichen. Bei Tenzin war es vor allem „Weißt Du, wie viel Sternlein stehen“, gefolgt von „Der Mond ist aufgegangen“ und „Guten Abend, gute Nacht“ (letzteres habe ich manchmal abgewandelt). Tenzin war da anspruchsloser, Yangzom will meist „Lalelu“ zum Einschlafen und derzeit „Bruder Jakob auf Französisch“. Warum gerade dieses Aufstehlied zum Einschlafen, weiß ich nicht. Bei Tenzin hat mich immer gewundert, dass er nach den vielen Jahren Vorsingen gerade diese Lieder nicht singen konnte und kann. Yangzom kann sie wenigstens teilweise mitsingen.

Seit acht Jahren singe ich also und lese vor. Zuerst kommt das Lesen, dann das Singen. Bei Tenzin wird es langsam weniger, weil ich, wie schon geschrieben, bestimmte Bücher nicht mehr vorlese und wir seine Bücher (Dinosaurier, Ritter, Mittelalter, andere Länder, halt Sachbücher) schon rauf und runter gelesen haben. Bei Yangzom geht es querbeet. Wir leihen auch oft Bücher aus der Bibliothek aus. Beliebt bei beiden ist übrigens das Pixi-Buch von „Ritter Bodobert ruft das Abenteuer“. Die andere Geschichte von „Ritter Bodobert und der Yeti“ gibt es leider nur als App.

Selbstständigkeit und groß werden und ich bin ich
Komisch, dass Kinder auf dem Weg in die Selbstständigkeit sind (und dies auch irgendwie einfordern) und immer und immer wieder ihre Freunde treffen wollen, aber trotzdem immer und immer wieder das Kuscheln einfordern. Tenzins erste Worte nach der Bauernhoffahrt vom Hort, waren nicht etwa „Hallo, wie geht es Dir? Die Fahrt war super.“, sondern (ohne Begrüßung) „Kann ich heute bei Angel bleiben?“ (ungelogen). A propos Selbstständigkeit: Am Samstag ist Tenzin wieder allein nach Berlin geflogen.

„Ich bin schon groß“, „wenn ich groß bin…“ – Das ist derzeit ein wichtiges Thema für Yangzom. Diesen Satz in allen möglichen Varianten hören wir immer wieder. In diesem Zusammenhang kommt natürlich auch gerne der Satz „Ich bin nicht klein“, aber dabei ist sie doch meine kleine Kuschelmaus. Oder Yangzoms Antwort, wenn ich sie frage: „Bist du meine Kuschelmaus (o.ä.)?“ – „Ich bin keine Kuschelmaus!“ – „Was bist Du dann?“ – „Ich bin eine Yangzom!“ (Ich muss immer über das „eine“ schmunzeln.)

Streik
Der Post- und der Bahn- und der Pilotenstreik hat uns wenig betroffen. Nein, ich muss korrigieren: Als wir Ostern nach Berlin fahren wollten, fuhr unser eigentlich gebuchter Zug nicht. Also gingen wir zwei Stunden vorher zum Bahnhof und schafften wirklich einen doch fahrenden, vorherigen Zug und ergatterten sogar Sitzplätze.

Der Kita-Streik betrifft uns natürlich schon, zum Glück nur bei Tenzin. Der Hort hat seit knapp vier Wochen geschlossen. (Yangzom geht in eine Elternini, dort wird nicht gestreikt.) Zum Glück fällt der Streik auch in unsere Pfingstferien. Letzte Woche war Tenzin mit dem Hort auf einem Bauernhof (die Fahrt fand glücklicherweise doch statt) und diese Woche ist er bei den Großeltern in Berlin. Die beiden Wochen davor konnte er teils zu anderen Familien nach Hause, zum Teil habe ich ihn auch ins Büro mitgenommen und nach den erledigten Hausaufgaben vor einer DVD geparkt, bis Gendun, der quasi um die Ecke arbeitet, ihn dann hier bei mir abholte.

Ich kann die Forderungen der Gewerkschaft bzw. der ErzieherInnen nachvollziehen nach mehr Anerkennung und mehr Geld bzw. Höherstufung der Gehaltsgruppe (auch wenn Berufsanfänger wohl teils mehr verdienen als ich jetzt). Trotzdem geht dieser Streik zu Lasten der Eltern, Kindern und Familien. Und die Belastungen der Erzieherinnen, der schlechte Betreuungsschlüssel, Burn out… werden durch mehr Geld auch nicht geändert.

Für uns ist der Streik noch einigermaßen zu managen. Ich muss halt länger im Büro bleiben, wenn ich Tenzin mittags von der Schule abhole und dadurch länger Mittagspause mache. Aber dass Tenzin dann hier im Büro sitzt und ruhig sein muss, finde ich nicht gut. Für andere Familien sieht die Situation ja ganz anders aus. Ohne ein entsprechendes Netzwerk geht da gar nichts.

Silikon
Letztens hatten wir mal wieder Handwerker der Wohnungsgenossenschaft bei uns, die eine lose Leiste reparierten. Und wieder dachte ich mir, dass Silikon die Wunderwaffe zumindest dieser Handwerker ist. (Aber vielleicht sehen das alle Handwerker so.) Eine wackelnde Kloschüssel wurde so wieder festgemacht. Die Leiste wurde vor dem Bohren mit Silikon festgeklebt. Fugen werden mit Silikon verbessert.

Wäsche
Seit Jahren predigt mir meine Mutter, ich solle meine Wäsche nach Farben etc. sortieren. Nun, mit einer vierköpfigen Familie, gelingt das: Yangzom liebt Rosa, Tenzin eher blau und grau, Gendun hat viel schwarz, ich mittlerweile leider auch, sogar Kochwäsche bekomme ich zusammen. Ob das nun so eine tolle Meldung ist, weiß ich nicht. Wohl eher nicht. Bedeutet ja auch, dass es mehr zu waschen gibt. Und Gendun fragt mich jedes Wochenende, warum ich so viel Wäsche wasche 🙂

Tibetisch wird deutsch
Immer wieder amüsant, wenn Gendun deutsche Züge aufweist, z.B. wenn er sich ärgert, dass jemand zu spät kommt oder wenn er mich, wie verstärkt in letzter Zeit, fragt, ob ich wieder einen Kuchen gebacken hätte.

Kindergarten
Nicht seit acht Jahren, aber im Herbst seit ca. sieben Jahren wurde erst Tenzin, nun auch Yangzom in der Elterninitiative „Die Bärchen“ betreut. Bei Tenzin hatten wir uns damals gegen einen anderen Kindergarten entschieden, als er ins Kindergartenalter kam. Nun mit zwei Kindern und wieder Vollzeitarbeit ist es uns doch wichtiger, eine Betreuungseinrichtung zu finden, die uns neben dem Geld nicht auch so viel Zeit kostet. Den Die Bärchen liegen entgegengesetzt zu unserer Arbeit und zwischen 15 Minuten (mit dem Rad) oder 30 Minuten (mit der Bahn) von uns zu Hause entfernt. Außerdem müssen pro Jahr 45 Elternstunden geleistet werden. Ich muss gestehen, die Luft ist bei uns raus. (Elterninis sind toll, keine Frage, aber doch eher geeignet für Familien mit nur einem Kind oder wenn einer der Elternteile nicht Vollzeit arbeitet, vielleicht muss man auch gelassener sein.) Wie damals bei den Anmeldungen beim Hort haben wir Yangzom bei ca. 13 Kindergärten angemeldet und bis jetzt zehn Absagen bekommen. Aber immerhin kam auch eine Zusage von einem Kindergarten – leider nicht bei uns im Wohnviertel, aber dafür gleich zwischen meiner und Genduns Arbeitsstelle. So hätten wir alle drei zumindest den gleichen Weg. So wie es aussieht, wird Yangzom also ab Oktober in einen städtischen Kindergarten gehen.

Ferien
Die Osterferien war ich mit den Kindern in Berlin. Ich habe meine Freundin Gesine getroffen, wir waren in einem Kindercafé, so dass wir, während Yangzom mehr oder weniger allein spielte, in Ruhe reden konnten. Wir waren im Park von Sanssouci, dort war ich das letzte Mal als Teenager wahrscheinlich. Die Ostereier wurden wieder im Garten meiner Mutter gesucht. Für Yangzom versteckten wir einfach ein paar von den bereits gefundenen Teilen wieder, damit sie weiter suchen konnte. Meine Mutter hat wieder lecker gekocht und gebacken. Wie immer schön!

Die Pfingstferien sind nun schon bald wieder rum. Tenzin war fast die ganze Zeit nicht zu Hause. Zwischen seinen beiden Reisen waren wir auf einem Erdbeerfeld. Wieder war ich erstaunt, wie viele Kilo doch in diese kleinen Spielplatzsandkasteneimer reinpasst. 5,5 kg haben wir mit nach Hause genommen. Nun haben wir endlich wieder ein paar Gläser selbst gemachter Marmelade parat. Lecker! Donnerstag ist in Bayern Feiertag. Mal sehen, was wir beim endlich sommerlichen Wetter machen. Tenzin kommt am Samstag wieder. Da müssen wir dann erst einmal wieder Wäsche waschen.

Ob wir in den Sommerferien nach Tibet fahren können, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wir haben zwar vor einem Monat unsere Visa beantragt, aber leider noch keine positive Antwort bekommen. Zum Glück konnte das Reisebüro unsere Reservierung noch bis Mitte Juni verlängern. Ich hoffe so sehr, dass wir bis dahin eine Antwort haben.

Museumspädagogik
Zum Internationalen Museumstag habe ich mich im Alpinen Museum mal als Museumspädagogin versucht – ansatzweise. Zurzeit läuft dort eine Ausstellung zu den Gebrüdern Schlagintweit, die als Forschungsreisende u.a. den Himalaya, Indien, Tibet usw. bereisten. Und meine ehemalige Kollegin fragte mich, ob ich Lust hätte, etwas zu den tibetischen Symbolen und zur Schrift zu machen. So habe ich mit den (leider nur wenigen) Kindern Gebetsfahnen gebastelt und mit den erwachsenen Besuchern etwas über die tibetische Schrift gesprochen. Es war eine interessante Erfahrung gepaart mit der Erkenntnis, dass Vermittlung im Museum nicht so einfach ist. Trotzalledem wird das Programm vielleicht noch einmal wiederholt.

Alles voll
Nicht nur die Terminkalender sind immer voll, auch der Kopf ist immer voll. Mit Terminen, mit Aufgaben, mit Wünschen von anderen und auch den eigenen. Alles muss irgendwie koordiniert werden. Hort-, Schul-, Kindergartentermine, Arztbesuche, Anmeldung im Kindergarten, Termine in der Arbeit, Treffen mit Freunden, Organisation der Betreuung während des Streiks, Organisation der Ferien. Tausend verschiedene Kennwörter muss man sich merken. Und dann wundere ich mich doch jedes Mal, warum ich mir eigentlich merke, wie die E-Mail-Adressen unserer freien Mitarbeiter anfangen. Aber Telefonnummern, die habe ich leider nicht mehr parat. Na ja, so ist es eben heutzutage.

Der Sommer ist in Anmarsch, hoffentlich bleibt es so.
Ich wünsche Euch eine schöne Sommerzeit!

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