News Dezember 2014

Nach fünf Monaten Ganztagsarbeit kann ich nun ein erstes Fazit ziehen, denn nur zur Weihnachtszeit, mit den vielen zusätzlichen Terminen und Aufgaben, fällt der Unterschied eklatant auf.

Einige Arbeiten haben sich in Genduns Aufgabenbereiche verlagert. Zwar bin ich immer noch für die Morgengestaltung (wochentags, weil Gendun spätestens halb sieben aus dem Haus geht und am Wochenende, weil er es schafft weiterzuschlafen) verantwortlich. Aber nachmittags holt nun er immer Yangzom ab. Zweimal die Woche geht immer er mit Tenzin zum Fußballtraining (diesen Part vermisse ich nicht wirklich), manchmal hole ich Yangzom dort dann ab, weil derzeit immer noch draußen trainiert wird. Arzttermine nimmt meist nun Gendun mit den Kindern wahr. Tenzin, mittlerweile ja großer Zweitklässler kommt nun jeden Tag allein vom Hort nach Hause. (Ein bisschen fehlt mir hier schon der Kontakt zu den Erzieherinnen, man bekommt wirklich wenig mit.) Manchmal holt Gendun ihn aber auch ab.

Zur Schule ein kurzer Einschub: Weiterhin steht jeden Abend die Hausaufgabenkontrolle an. Nicht immer schafft er seine Hausaufgaben im Hort, was aber, glaube ich, nicht immer an der Fülle der Aufgaben liegt. Der Schulranzen ist mittlerweile kein „Überraschungsei“ mehr für mich. Ich muss oft dran denken nachzufragen, ob er einen Zettel von Schule oder Hort für uns Lehrer mit dabei hat. Manchmal gerät es in Vergessenheit. Er ist weiterhin ein guter (Mathe) bis sehr guter (Deutsch) Schüler – so würde ich zumindest die Testergebnisse beurteilen. (Und das bestätigte mir auch letztens die Lehrerin beim abendlichen Elterngespräch.) Und ich bin jedes Mal stolz, wenn er eine kleine Krone auf dem Zettel hat (Zensuren gibt es nicht). Aber jetzt bekomme ich doch auch viel weniger vom Schulalltag mit.

Zweimal die Woche bringt Gendun Tenzin mit Tibetisch ins Bett, jedoch weniger Vorlesen als Vokabelarbeit :). Aber ich habe mich nun daran gewöhnt, dass Gendun das auf seine Art macht. Und am Wochenende, wenn wir dran denken, macht Gendun nun auch mit Tenzin Tibetisch, manchmal sitzt Yangzom dabei und spricht das Alphabet oder die Zahlen ebenfalls eifrig mit. Auch hier mische ich mich nicht mehr ein. Sondern mache nur manchmal Übungsblätter für Tenzin, die sich eher an unseren heutzutage üblichen Schularbeitsbüchern orientieren. Tenzin ist ein großer Leser und verschlingt viele Bücher. Wir nehmen aus der Bibliothek immer riesige Stapel mit. Am liebsten mag er derzeit Comics. Das reicht von „Star Wars“ über „Tim und Struppi“ bis hin zu den ostdeutschen „Digedags“.

Dass ich nun 40 Stunden statt 20 Stunden arbeite, merke ich, weil mir die Zeit zu Hause fehlt: Ich komme nach Hause, dann ist Zeit für das Abendessen, dann machen sich die Kinder fertig. (Yangzom sagt manchmal zu mir „Mama, ich vermisse Dich.“ Oder wenn sie mich nachmittags anruft, fragt sie immer „Wann kommst Du?“ Da blutet einem schon ein wenig das Herz.) Sandmännchen geht noch, die darauf folgende Geschichte für Tenzin nur, wenn am nächsten Tag keine Schule ist. Und dann geht es ab ins Bett. Immer noch das Ritual mit Vorlesen natürlich. Tenzin darf dann im Bett noch weiterschmökern und zu unserer großen Freude macht er dann auch wirklich relativ bald das Licht selbst aus.

Aber jetzt wird es auch die eine oder andere Schul-, Hort-, Kindergartenveranstaltung geben, zu der ich nicht oder nur mit Verspätung kommen kann. Das fällt mir dann doch auch ein wenig schwer (wieder ein Loslassen mehr), weil ich so noch weniger von dem Ganzen mitbekomme und weil es für Gendun auch gar nicht so die Bedeutung hat wie für uns. Gendun geht schon hin, aber er sieht vielleicht nicht immer so den großen Sinn darin. Ein bisschen schwer fällt mir das Loslassen dann doch auch. Diesmal hat Gendun sich auch bereit erklärt, sich um den Weihnachtskalender zu kümmern. Und er hat sich dabei für die aufwändigere Variante des selbst zu befüllenden Adventskalenders entschieden. Ich bin wirklich ein bisschen neugierig, was dann drin sein wird.

Yangzom geht weiter in den Kindergarten. Nach einer Phase, in der sie morgens wieder öfter mal Tränen verdrückte, scheint es sich wieder normalisiert zu haben und die Abschiede fallen wieder leichter. (Und so kann ich dann auch viel besser in den Tag starten!) Wenn man sie fragt, was sie im Kindergarten gemacht hat, dann antwortet sie meist „Spielen und essen“! Was gleich eine gute Überleitung zum beliebten Kindermund ist. Ihr dürft dann mal raten. Die Auflösung gibt es ganz unten: Springhaufen, Katoberfest, Kamüse, labacieren, Soße, Madelane, Tefolon*. Da Yangzom noch nicht so wirklich viel darüber erzählt, was sie so macht und sie auch noch kein eigenes Programm wie Tenzin mit Schule, Sport und Hort hat, gibt es diesmal gar nicht so viel von ihr zu erzählen.

Yangzom macht alles gerne mit. Sie kommt mit zu „Kinder und Buddhismus“, will mitspielen, wenn Tenzins Freunde da sind (was den großen Bruder dann doch auch manchmal nervt), hat kein Problem zum Fußball mitzugehen. Als ich mit Tenzin ins Museum ging (ich hatte ihn zu einer Kinderführung zur aktuellen (und wunderbaren) Sonderausstellung „Canaletto – Bernardo Bellotto malt Europa“ angemeldet) , sagte sie gleich „Ich komm mit“, wobei dies dann doch nichts für sie war und sie zu Hause beim Papa blieb (und ich somit dann auch mal eine Stunde für mich allein hatte, die ich in der parallel stattfindenden Ausstellungsführung verbrachte und dies sehr genossen habe).

Selbst bei Tenzins Geburtstagsfeier, die wir wegen Ferienreise und Krankheit auf Mitte November verschieben mussten, wollte sie wie die Großen mitmischen. Ich hatte eine Stadtteilralley vorbereitet, hatte mir extra Unterstützung durch unsere Praktikantin organisiert, damit sich Gendun in Ruhe um Yangzom kümmern konnte, aber letztlich waren wir drei Erwachsenen mit den 7 größeren Kindern und Yangzom im Westend unterwegs.

An diesem Geburtstag merkte ich dann auch, dass ich nun mittlerweile zwei Kinder habe und Vollzeit arbeite. Ich erinnere mich, dass ich zu Tenzins viertem Geburtstag, den ersten, den wir mit anderen Kindern feierten, noch Bücher als Inspiration aus der Bibliothek auslieh und dann lange im Vorfeld schon überlegte, wie und was. Diesmal ging alles auf den letzten Drücker, letztlich stellte ich die Unterlagen für die Ralley eine Woche vorher her und kaufte auch die dazugehörigen Dinge. Tenzin war wieder insofern einbezogen, dass er sich einen Kuchen und auch das Abendessen wünschen durfte: Schokokuchen und Toast Hawaii. Auf Deko haben wir diesmal verzichtet.

Die Ralley verlief gut, kein Kind kam zu Schaden, kein Kind kam abhanden. Aber ich war danach fix und fertig, eine Bergtour ist weniger anstrengend. Sieben Kinder zwischen sechs und acht sind eine fast nicht zu bändigende Rasselbande. Ich war wirklich so froh, dass Maya, unsere damalige Praktikantin von der Arbeit, mit dabei war. Solche Kindergeburtstage bieten sich immer zu Vergleichen an, macht wohl jede Mutter unbewusst oder bewusst. Danach dachte ich mir, dass wir unsere Kinder doch ganz gut hinbekommen haben. 🙂 Wobei ich natürlich wiederum nicht weiß, wie Tenzin sich auf anderen Kindergeburtstagen verhält.

Vorher jedoch waren wir eine Woche in Stuttgart, wo meine Schwester nun mit ihren Kindern wohnt. Seit Mitte Oktober ist sie wieder in Deutschland und hatte großes Glück, vorher schon Wohnung und Kindergarten organisiert zu bekommen. Die Arbeitsstelle hatte sie noch vorher sicher. Es war so eine schöne Woche. Wir waren viel draußen und viel unterwegs. Meine Mutter und Bekannte waren vorher schon da und halfen beim Einkaufen, Einrichten usw., so dass wir doch fast die ganze Woche genießen konnten, ohne irgendwelche Verpflichtungen zu haben. Höhepunkt war der Zoobesuch (Tenzins Geburtstagsgeschenk) und ein ganz toller Abenteuerspielplatz auf dem Killesberg. In zwei Wochen sind wir wieder da und feiern gemeinsam ihren Geburtstag.

Wie ich schon schrieb, arbeite ich nun seit fünf Monaten wieder Vollzeit. In der Arbeit ist es derzeit sehr, wie soll ich sagen, abwechslungsreich und im großen Umbruch befindlich. Neue Kunstvermittlungsprogramme werden geschaffen und müssen schnell umgesetzt werden, wir müssen unsere Büroräume verlassen und noch vor Weihnachten umziehen, was wir noch nicht so lange wissen. Also, langweilig wird es nicht. Und ich muss ehrlich sagen, dass es einen besseren Zeitpunkt geben könnte.

Und dann steht auch noch Weihnachten vor der Tür. Letztens bin ich um drei Uhr morgens aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen, weil ich abends um acht mit Yangzom eingeschlafen war. Um vier stand ich dann doch auf und nutze die Zeit, um online Weihnachtsgeschenke zu bestellen. Also habe ich diese ganzen Bücher doch nicht beim kleinen Buchladen um die Ecke bestellt, wie ich es mir ursprünglich vorgenommen hatte. Aber die kostenlose Lieferung ins Haus, war einfach zu verlockend.

Eine kleine Portion Plätzchen haben wir letztes Wochenende gebacken. Ich sollte mir wohl mal eine lässigere Grundeinstellung zulegen, denn für mich ist dieses Plätzchen backen in unserer kleinen Küche doch eher stressig. Tenzin mit seinen acht Jahren bekommt das Ausrollen etc. schon ganz gut hin, aber Yangzom verstreicht das Mehl überall (klar, ist ja auch so schön weich), knetet rum, platziert die Ausstecherle halb auf dem Teig, halb auf der Arbeitsplatte. Dabei rief mir dann eine ehemalige Kollegin (und Mutter einer großen Tochter), die ich kurz darauf traf, in Erinnerung, dass man diese Momente genießen und es einem egal sein sollte, dass die Küche hinterher wie ein Saustall aussieht. Mal sehen, vielleicht machen wir noch einmal Vanillekipferl zusammen.

Übrigens waren dies, wie immer, Plätzchen nach einem Rezept von (meiner Groß-)Tante Ursi, die nun auch nicht mehr lebt. Dies wurde mir noch einmal um so mehr bewusst, als ich die alljährlichen Kalender von Nanne und mir zusammengestellt habe (nun nicht mehr mit nachbestellten Fotos, die in fertige Fotokalender geklebt wurden, sondern seit einigen Jahren, angepasst an unsere Zeit, digital und online erstellt und an den Produzenten übermittelt, demnächst hole ich sie im Drogerieladen um die Ecke ab). Diese Kalender machen Nanne und ich seit bestimmt zwanzig Jahren. Ursprünglich bekamen diese Kalender meine Eltern mit jeweiligem Anhang, die beiden Großeltern und eben besagte Tante Ursi. Dieses Jahr habe ich nur zwei Kalender bestellt, da die ältere Generation nicht mehr lebt. Auch ein Zeichen der Vergänglichkeit und des eigenen Älterwerdens.

Aber dafür mache ich nun seit vier Jahren einen Familienkalender (in dem man die Familientermine eintragen kann) für Nanne (und in Kopie für mich). Diesen Kalender hatte ich urprünglich mit dem Gedanken gemacht, den Kindern von Nanne und mir, die ja damals noch auf zwei Kontinenten lebten, die jeweils andere Seite der Schulze-Palden-Thalwitzer-Familie ins eigene Leben zu holen. Ob es diesen Kalender in zwanzig Jahren auch noch geben wird? Dann sind unsere Kinder vielleicht schon aus dem Haus. Auf diesem Familienkalender sind dann nicht nur wir Kinder und Kindeskinder (nebst dazugehörigen Vätern) zu sehen, sondern eben auch die Große.

Zurück zu Weihnachten: Morgen werden ich, wahrscheinlich wenn Gendun noch schläft, zusammen mit den Kindern den Adventskranz und die Wohnung weihnachtlich dekorieren. Da auch Tenzin diese CD liebt, wird wohl die CD mit Weihnachtsliedern, gesungen von Veronika Fischer, laufen, darunter das Lied „Weihnachten wieder daheim“, das in meiner Kindheit immer zu Weihnachten gespielt wurde. Gendun kümmert sich, wie gesagt, um den Adventskalender. Die meisten Geschenke sind schon bestellt und geliefert. Meine Schwester und ich, wir fabrizierten dabei ein kleines Geschenke-Chaos, in dem wir Geschenke für die jeweils anderen Kinder an meine Mutter liefern bzw. meine Mutter kaufen ließen. Na ja, Hauptsache, die Geschenke landen dann auf dem richtigen Gabentisch.

Die Weihnachtsfeiern von meiner Arbeit aus lasse ich diesmal links liegen. Heute war Weihnachtsbasar im Hort (die Kinder verkaufen diverse, wirklich schöne Basteleien, trotzdem habe ich diesmal nichts gekauft, auch nicht Tenzins Adventskranz, da ich diesen mit meinen Kindern selbst machen möchte, aber das wusste Tenzin auch). Tenzin hat dann mit der Klasse und mit Eltern, die zu der Uhrzeit (entweder Vormittag oder früher Nachmittag kommen können) noch einmal Weihnachtsfeier. Im Kindergarten ist natürlich auch noch einmal ein Fest. Und dann steht unser eigenes Weihnachtsfest vor der Tür, das wir diesmal zu viert in München verbringen werden. Nach Neujahr freuen wir uns dann auf den Besuch der Thalwitzer-Mädels.

Ich merke gerade, dass in dem Text wenig und wenn nur indirekt auch etwas über mich und Gendun steht. Aber das ist vielleicht auch normal, wenn das Leben vor allem aus Kindern und Arbeit besteht. Ich versuche, den allseits bekannten Rat zu beherzigen, mir auch immer mal wieder Zeit für mich zu nehmen. (Ich gebe zu, es ist immer noch ein eher halbherziger Versuch. Andere Mütter schaffen da mehr.) Neben dem oben erwähnten Besuch der Canaletto-Ausstellung war ich einmal allein im Lenbachhaus, verbunden mit einem Café-Besuch (da komme ich doch eindeutig nach meiner Mutter). Ein anderes Mal brachte ich Tenzin zu einem offenen Kinderprogramm der Pinakotheken, während Gendun mit Yangzom auf dem Spielplatz war und hatte so auch ein wenig Zeit für mich (und war auch wieder im Café – diesmal in dem der Alten Pinakothek, die haben einfach so leckeren Kuchen). Ich war auch mal abends verabredet. Es ist nicht viel, aber doch mehr als vorher, auch wenn Ihr jetzt alle schmunzeln werdet.

Am 18.12., wenn Gendun Geburtstag und bereits Urlaub hat, werde ich mir auch frei nehmen. Der Urlaubstag fällt zwar in die Umzugswoche, ist aber schon genehmigt. Jedenfalls wollen wir beide dann die Zeit gemeinsam verbringen. Gendun möchte Geschenke kaufen gehen, aber vielleicht gelingt es mir noch, ihn zu irgendetwas Geburtstagsmäßigen zu bringen.

* Springhaufen = Springbrunnen, Katoberfest = Oktoberfest, Kamüse = Gemüse, labacieren = balancieren, Soße = für die morgendliche Nebelsuppe, Madelane = Marmelade, Tefolon = Telefon

Euch allen wünsche ich einen schönen ersten Advent und eine stressfreie Vorweihnachtszeit!

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