News September 2014

Letztes Mal habe ich mit Kindermund aufgehört, fangen wir doch dieses Mal damit an. Von Yangzom kam letztens der Spruch: „Ich bin groß. Ich gehe zur Schule.“ Zu Gendun meinte sie auch, dass Tenzins Schulranzen jetzt ihrer sei und er Tenzin einen neuen kaufen solle. Woher Sprüche wie „Du bist ein Löwe. Ich bin ein Donner.“ kommen, kann ich mir nicht wirklich erklären. Und schon gar nicht den Satz, den sie irgendwann einmal zu Tenzin sagte: „Ich bin ein Spiegelei.“ Fragt man sie „Was habt Ihr heute im Kindergarten gemacht?“ kommt immer die Antwort „Spielen und Essen“. Sprachlich erstaunt uns Yangzom immer wieder und verblüfft uns mit komplizierten Sätzen oder Gedankengängen. Bei Tenzin fallen die neu hinzukommenden Wörter nicht mehr ganz so auf.

Meine zwei Wochen Urlaub sind nun auch schon wieder vorbei. Die freien Tage vorher, die ich mit den beiden Kindern hatte, verliefen dann doch ruhiger als geplant. Tenzin langweilte sich zwischendurch auch mal. Aber da muss man auch mal durch, auch wenn mein Argument, dass einem bei Langeweile doch die besten Ideen kommen, nicht wirklich zieht. An einem Tag fuhren wir raus Richtung Dachau zu einer ehemaligen Kollegin und hatten dort einen schönen Tag mit ihr und ihren Enkelkindern. Und am Sonntag ging es dann endlich in den wohlverdienten Urlaub im Heilbad Heiligenstadt im Eichsfeld, wo ich geboren wurde und wo ich (zusammen mit meiner Schwester) viele Ferien, sommers wie winters, verbracht habe. Die Erinnerungen daran sind immer noch in meinem Kopf und ich wollte nun noch einmal diese Stadt sehen und war absolut positiv überrascht.

Tag 1: Mit dem Zug ging es über Göttingen nach Heiligenstadt. Wir wurden vom Bahnhof netterweise abgeholt. Heiligenstadt ist zwar nicht groß und die Ferienwohnung war nicht weit weg, aber mit zwei Kindern und Gepäck ist es auch nicht so einfach zu Fuß. (Es wäre natürlich gegangen, keine Frage, aber die Vermieter hatten es uns angeboten und wir haben natürlich nicht abgelehnt.) Nachdem wir uns in der Ferienwohnung eingerichtet hatten, sind wir zu einem ersten Spaziergang durch die Stadt aufgebrochen, einmal die Fußgängerzone rauf und runter, kurzer Blick rüber zu meinem Geburtskrankenhaus und kurz rein in den alten Friedhof oberhalb des Kurparks, der nun bis auf vereinzelte Grabstellen eingeebnet ist. Für den ersten Abend (an einem Sonntag) hatten wir Spaghetti und Tomatensoße aus der Tüte dabei.
Tag 2: Aber am Montag ging ich dann gleich in der Früh los zum Bäcker (es war zwar eine Filiale, aber an der Backstube, aus der es duftete, gingen wir immer vorbei) und nach dem Frühstück gingen wir alle zusammen einkaufen. Nachdem dies erledigt war, zogen wir wieder in die Stadt bzw. zum Kurpark, den wir einmal durchquerten – mit Picknick am Musikpavillon, vorbei am Ententeich und am kleinen Wasserfallbach hoch zum Friedhof, zurück durch Fußgängerzone mit Abstecher zur Aureusstraße 3, wo meine Großeltern damals wohnten. Das Haus schaut noch genauso aus, nur die Wiese hinterm Haus war für Parkplätze verkleinert worden und das Gras schien dort wild zu wachsen.
Tag 3: Über den „Birkenweg“, der wahrscheinlich nur bei uns so hieß, denn auf der Wanderkarte hatte er eine andere Bezeichnung, wanderten wir zum Neun Brunnen. Wir kehrten nicht ein, sondern picknickten dort am Teich, neben uns eine kleine Entenfamilie mit Entenküken. Der alte Spielplatz war verwildert und abgesperrt. Rückzu machten wir einen Abstecher zur Ibergwarte. Ich erinnere mich, dass wir einmal Oma quer durch den Wald, also nicht über normale Waldwege dort hoch lockten. Damals war es noch eine wirkliche Ruine. Mittlerweile wurde dieser Wachturm restauriert und man kann ihn auf eigene Gefahr über eine wirklich schwindelerregend steile Leiter besteigen und von dort über durch eine Waldlücke über Heiligenstadt bis zum nächsten Berg, dem Dün, schauen.
Tag 4: Als wir am Ibergrandweg ankamen, fragte mich Gendun, ob wir wieder fünf Stunden laufen müssten. Wir waren zwar am Tag zuvor fünf Stunden unterwegs, aber wir sind natürlich nicht fünf Stunden am Stück gelaufen. Alles in allem waren es vielleicht fünf oder sechs Kilometer. So war es denn auch an den anderen Tagen. Diesmal wollte ich über das Iberghaus (Ruhetag) hoch zum Klöppelsklus, einer kleinen Kapelle oben auf dem Iberg. Oben vertrieben uns graue Wolken nach einem kurzen Picknick und wir wanderten über den Philosophenweg nach Heiligenstadt zurück.
Tag 5: „Ruhetag“ in der Stadt. Wir waren zwar auch fünf Stunden ungefähr unterwegs, aber diesmal mit dem Bus (so konnten wir auch unsere Kurkarte ausnutzen) zum Vitalpark bzw. zum dortigen Märchenpark, in dem wir einige Zeit blieben und relaxten. Von dort konnte man aufs Freibad schauen, das auch noch ungefähr so aussah wie früher. Auf dem Weg dorthin kamen wir an Pflaumen- und Haselnussbäumen vorbei, die in dieser Gegend oft am Wegesrand wachsen. Gendun pflückte immer etwas von dem Obst, das manchmal auch durchaus sehr lecker war. Das hatte ich ganz vergessen, dass es dort so viele Obstbäume gab.
Tag 6: Ausflug zur Burg Scharfenstein. Mit dem Bus fuhren wir in die kleine Stadt Beuren, von dort ist die Burg zweieinhalb Kilometer entfernt. Es gibt keinen schönen Fußweg dahin, aber die Obstbäume am Wegesrand entschädigten uns etwas mit Pflaumen, Mirabellen und Äpfeln, Tenzin pflückte noch Getreide unterwegs und steckte sich die Körner in die Hosentasche (auf meinen Einwand hin, leerte er diese auch wieder). Nur Yangzom konnten wir an der Straße nicht wirklich laufen lassen. Oben war es ziemlich windig, so dass wir dort nicht lange verweilten, nur auf der Terrasse picknickten wir mit Blick auf das Eichsfeld bis hin zum Brocken. Relativ früh waren wir wieder in Beuren. Wir liefen kurz durch die Stadt, weil wir noch auf den Bus zurück warten mussten, vorbei an einem anderen Wachturm, wirklich alten Fachwerkhäusern, die wahrscheinlich nicht unter Denkmalschutz standen, denn die Fenster hatten mittlerweile Plastikrahmen. Zum Glück fanden wir noch einen Spielplatz, auf dem sich die Kinder die Zeit vertreiben konnten.

Jeden Tag waren wir etwa fünf Stunden draußen, mittags gab es immer Picknick (Brotzeit) unterwegs, abends wurde gekocht. Gendun nahm sogar seinen Ausroller mit, um Momos machen zu können. Da Yangzom in Heiligenstadt eigentlich nie Mittagsschlaf machte, schlief sie abends ratzfatz ein und für Tenzin war das die Chance, endlich mal wieder mit seinen Eltern Uno-Karten spielen zu können. Tenzin (und natürlich auch Yangzom und wir anderen auch) hat die Zeit in Heiligenstadt sehr genossen. Er fand es, genau wie ich als Kind wahrscheinlich, toll, im Wald herumzulaufen, Stöcke zu laufen. In der Kurve vom Birkenweg (mein Vater weiß sicherlich, welche ich meine) wachsen am Rand ganz viele Blumen, Sonnenblumen, Disteln und andere Blumen, die ich nicht benennen kann. Durch diese Blumen sind wir durchgelaufen, Yangzom war teilweise gar nicht mehr zu sehen. Die Männer haben versucht, die Sonnenblumenkerne zu essen. (Gerade erst, eine Woche später, sagte mir Yangzom, dass sie die Kerne, die sie für die Vögel dalassen musste, wiederhaben wollte.) Ich fand es wunderschön, durch einen richtigen Mischwald mit Nadelbäumen, Birken, Buchen, Büschen und Blumen zu laufen, das Sonnenspiel zu bewundern und habe dabei auf dem kleinen Iberg meine geliebten bayrischen Alpen gar nicht so sehr vermisst.

Wir hatten natürlich auf Sommerwetter gehofft mit Sonne, aber wir hatten nur durchwachsenes Wetter. Wenigstens wurden wir nie nass und für unsere kleinen Spaziergänge war das Wetter gut genug. Nur einmal gingen wir dann doch etwas zügiger zurück und ließen Yangzom nicht laufen, weil der Himmel so grau und nach Regen aussah, der dann aber natürlich nicht kam. Das Freibad, in dem ich schwimmen lernte, haben wir uns nur von außen angeschaut.

Alleine hätte ich mir vielleicht noch mehr angeschaut, wäre in die kleinen Gassen gegangen und mehr gewandert. Aber mit Kindern und einem tibetischen Mann muss man dann eben Kompromisse machen. Komischerweise haben Gendun und ich dann überlegt, vielleicht weil Gendun immer wieder feststellte, dass sehr viele ältere Menschen unterwegs waren, dass Heiligenstadt (oder ein ähnlicher Ort) gut für die Rente wäre. (Komisch deshalb, weil mir eine solche Idee vielleicht früher mehr als absurd erschienen wäre.) Meine Mutter musste erst einmal lachen, aber die Mieten / Wohnungen sind sicherlich günstiger als in München, es liegt zentral in Deutschland (4,5 Stunden nach München, 4,5 Stunden nach Berlin), es ist ein Kurort (also gibt es genügend medizinische Versorgung) und es hat eine wunderschöne Umgebung, um sich auch aktiv bewegen zu können. Nun ja, bis wir in Rente gehen, fließt noch viel Wasser die Leine herunter. Wer weiß, was bis dahin alles passiert.

Die Ferienwohnung war okay: Küche zum Sitzen, Wohnzimmer, Schlafzimmer mit Doppelbett, Schlafzimmer mit Einzelbett, kleine Terrasse – alles für 35 Euro am Tag. Die Wohnung wurde zwar als modern eingerichtet beschrieben, aber schon auf den Bildern im Internet konnte man sehen, dass diese Beschreibung bereits vor einigen Jahren erstellt wurde und damit nicht unserer Vorstellung von modern entsprach. Aber bei Ferienwohnungen bin ich nicht so anspruchsvoll. Es sollte Betten geben, Herd, Dusche etc. Denn es ist ja ein Ort zum Schlafen und Ausruhen. Die Wohnung muss nicht unbedingt meinem Geschmack entsprechen. Die Vermieter waren nett, haben uns auch vom Bahnhof abgeholt und hingebracht, wir bekamen selbst gezogene Gurken und Tomaten geschenkt.

Am Samstag, Tag 7, fuhr Gendun allein nach München und ich mit den Kindern nach Berlin, um Tenzin bei seinen Berliner Großeltern abzuliefern, wobei ich mit Yangzom erst am Montag nach Hause fuhr. Meine Mutter kochte wie immer wunderbar. Und Opa Siggi war wie immer viel in Aktion – Spielplatz mit beiden Kindern, Fußball spielen und Radeln mit Tenzin, Schweinebaumeln mit Yangzom. Sonntag ging er mit Tenzin zu einer Familienführung ins Naturkundemuseum und wir anderen trafen die beiden dann zur „Dampferfahrt“ auf der Spree. Was besonders schön war: Meine Mutter lud mich am Abend ins Kino ein, während Siegfried auf die Kinder aufpasste. Ich war schon ewig nicht mehr im Kino, um so mehr genoss ich den „Schmöker“-Film „Madame Mallory“. Nachdem wir am Montag abreisten, ging es für Tenzin ähnlich weiter. Sie machten zu dritt sogar eine richtige Radtour mit insgesamt 34 Kilometern zur Pfaueninsel. Ich war „schwer beeindruckt“.

Diesmal ging es zum ersten Mal auch allein zu den Großeltern in Petershagen für einen Tag (inkl. Schlafen). Zusammen mit einem anderen Enkel übernachtete er dort und sie waren baden. Also hatten wir wenigstens seine Badehose nicht umsonst eingepackt.

Eine Woche ohne Tenzin – auch mal schön, mal in Ruhe mit Yangzom zu sein. Ich hatte morgens Ruhe mit ihr, bevor wir zu Kindergarten und Arbeit aufbrachen. Am Feierabend war es auch etwas entspannter. Und für Tenzin sicher auch mal schön ohne Eltern und ohne sich so oft nach seiner Schwester richten zu müssen. Trotzdem war die Freude groß, als wir gestern Tenzin am Flughafen abholen konnten. Aber spätestens, als beide in der Badewanne saßen, sie wollten gerne zusammen, gab es das erste Geschrei, wer denn nun wen mit oder ohne Absicht angespritzt hätte. Yangzom startet ihr Löwengebrüll, wenn ihr etwas nicht passt oder sie nicht genug Aufmerksamkeit bekommt. Und der große Bruder findet auch nicht immer den richtigen Ton. Das Alltagsleben hat uns wieder!

Nach unseren zwei Wochen Urlaub mag Yangzom wieder nicht in den Kindergarten gehen, zumal ihre Erzieherinnen nicht da sind. Und es stehen wieder Veränderungen im Kindergarten an, weil die altersübergreifenden Gruppen, die es bisher gab und die ich auch sehr gut fand, aufgelöst werden und jetzt die Kinder nach Alter aufgeteilt werden, weil es ab September so viele Kleine gibt. Ab Oktober werde ich die Betreuungszeiten um eine Stunde aufstocken. Meine Überstunden sind fast aufgebraucht. Aber dann gehen wir eben wieder zeitgleich mit Tenzin aus dem Haus und ich kann dadurch etwas früher Feierabend machen.

Heute geht Tenzin in den Hort. Ab morgen ist er hier bei mir im Palais zu einem Workshop (Beuys brummt… Zur Ausstellung „Ich bin ein Sender. Multiples von Joseph Beuys“). Der Workshop geht nur bis 14 Uhr. Tenzin muss dann hier warten, bis Gendun, der ja gleich um die Ecke arbeitet, ihn abholt.

Ich hatte mir letzten Samstag mal familienfrei genommen und war vormittags joggen. Und am Nachmittag ging ich Kulturbanause ins mittlerweile nicht mehr ganz so neue Lenbachhaus, um mir dort die Sammlung zum Blauen Reiter (und auch die anderen Werke) anzusehen. Wobei ich die Bilder vom Blauen Reiter am schönsten fand. Ich mag einfach die Werke von Gabriele Münter oder August Macke. Das man in den schönen Garten nicht mehr von draußen kann, habe ich leider erst nach Verlassen des Museums bemerkt.

Das soll’s für heute mal wieder sein. Beim nächsten Mal mehr.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter News veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s