News Juli 2014

Die letzten News habe ich am 30. April geschrieben, also sind zweieinhalb Monate vergangen. Mittlerweile sind auch schon wieder die Pfingstferien vorüber und in drei Wochen beginnen die Sommerferien.

In den Pfingstferien waren wir zu Hause in München. Wir Eltern haben gearbeitet, Tenzin war im Hort und Yangzom im Kindergarten. Nur die letzten Tage hatten wir uns frei genommen, um doch einige Tage zusammen zu haben. Wobei uns dann zum Schluss Yangzom noch einen Strich durch die Rechnung machte, weil sie krank wurde. Aber trotzdem hatten wir in den Ferien einige schöne Erlebnisse. Wir waren natürlich einmal im Schwimmbad. Einmal sind wir alle vier aufs Erdbeerfeld, ausgestattet mit zwei Sandkasteneimer, die doch ein größeres Fassungsvermögen als gedacht hatten und wir dann mit drei Kilo Erdbeeren nach Hause gingen. Wir haben im Westpark gepicknickt und Ball gespielt. Wir sind einmal zur Isar geradelt und haben die Füße ins kalte Wasser gesteckt. Und einmal, das Highlight für mich, waren wir kinderfreundlich wandern. Mit der Ohlstädter Freundin (mit ihrer Tochter im gleichen Alter wie Yangzom) hatten wir überlegt, was wir machen könnten. (In Bahnnähe und nicht zu weit wegen der Kinder und des schlechten Wetters, das für Nachmittag vorhergesagt war.) Sie schlug dann den Kolbensattel vor. Vom Oberammergauer Bahnhof ging es dann zum Sessellift, den ließen wir natürlich rechts liegen und stiefelten in ca. anderthalb Stunden (ich weiß es nicht mehr genau) nach oben. Am Kolbensattel gibt es einen ganz schönen Spielplatz. Natürlich fragt man sich, warum muss man in die Berge einen Spielplatz stellen, aber für die Eltern, die auch mal in Ruhe ihr Kaffetscherl trinken möchten, ist es natürlich ideal. Tenzin und Gendun konnten mit dem Alpincoaster runter düsen. Wir Damen trugen uns und die beiden Mädchen wieder den Berg hinunter. Zum Glück, dass wir so früh schon unterwegs waren. Ich glaube, wir konnten noch einigermaßen trocken uns ein Eis holen und zum Bahnhof gehen und dann schüttete es wie aus Eimern.

Während der Pfingstferien wurde Yangzom zwei Jahre alt. Ich hatte ihr vorher ein bisschen erzählt und so konnte sie dann auch sagen, dass sie zwei Jahre alt wurde. Anfangs hatte sie noch Probleme mit dem Wort Zwei und sagte stattdessen drei, aber jetzt macht sie es richtig und zeigt auch die richtige Fingerzahl. Am Morgen bekam sie einen Kuchen mit Kerzen – das fand sie toll, aber davon gegessen hat sie nicht. Im Kindergarten fand sie die Feier zu ihren Ehren wohl nicht so gut. Sie wollte nicht auf den Geburtstagsstuhl, wollte nicht von den Muffins essen, hat geweint… Vielleicht war es einfach zu viel für sie. Sie redet und singt sehr viel. Sie kann ziemlich viele Lieder auswändig singen, wobei sie natürlich noch Wiederholungen oder Zeilen weglässt oder auch mehrere Lieder / Strophen zusammenhaut. Aber ich bin doch immer erstaunt, wie schön sie schon die Melodien trifft. Auch wenn Gendun nichts davon weiß, habe ich sie deshalb zum (kostenpflichtigen) Musikkurs im Kindergarten angemeldet, bei dem auch schon Tenzin war. Er hat immer nicht viel davon gehalten und immer wieder gefragt, was Tenzin denn dort lerne. Aber ich finde es doch wichtig.

Wenn man bei Kindern ist, dürfen Kindersprüche nicht fehlen. Im Mai, als wir Tenzin zur Schule brachten, sagte Yangzom folgenden Spruch: „Schule gehen – ranzen mit – größer werden.“ Von wem ist dieser Spruch? Sie sagte immer „Schule gehen – Ranzen“ mit und ich habe dann immer ergänzt, dass sie noch größer werden muss. Und dann hat sie selbst immer noch diesen Spruch ergänzt. Ihr momentaner Spruch ist „muss Pipi gehen“. Als es nämlich so heiß war, haben wir angefangen, sie zu Hause ohne Windeln herumlaufen zu lassen. Nun hat sie schon die ersten Nächte windelfrei geschafft und heute war sie zum ersten Mal ohne Windeln im Kindergarten. Wir sind stolz auf sie. Auch wenn sie uns manchmal mit ihrem Verhalten bei Essen und ihrem manchmal anstrengendem Verhalten („ich zuerst“ – auch wenn sie etwas gar nicht zuerst hatte) ganz schön auf Trab hält.

Von Tenzin gab es gerade heute einen tollen Spruch. Ich hatte ihm aus der Bibliothek das Buch „Tom Sawver“ ausgeliehen und fragte ihn, ob er es gelesen hätte. Als er sagte, er hätte es nicht zu Ende gelesen und ich nachfragte, sagte er, dass der Tom Sawyer ja so viel Quatsch macht und man ja nicht so viel Quatsch machen soll. Ich habe ihm daraufhin gesagt, dass dieses Buch ein Klassiker sei und er es ruhig lesen könne.

Tenzin liest viel und gerne, auch etwas schwierigere Bücher, die für ältere Kinder sind, was mich (als Germanistin) natürlich sehr stolz macht. Gendun ist da Mathe wichtiger. Ich muss zugeben, da ist er manchmal etwas schludderig, konzentriert sich vielleicht nicht und macht dadurch Flüchtigkeitsfehler. Tenzin hält uns auf Trab, weil wir ihm immer alles hundertmal sagen müssen: Hände waschen, Brotzeitbox aufräumen, Schuhe aufräumen. Oder ich stehe neben ihm und sage ihm, er solle sich anziehen. Zwei Minuten später weiß er schon nicht mehr, was er machen soll. Ich möchte wissen, was in den Köpfen der Kinder vorgeht, was so wichtig ist, dass diese Banalitäten so schnell verdrängt werden. Die Ansagen der Eltern nerven wahrscheinlich nur und haben absolut keine Priorität.

Das Fußballfieber anlässlich der WM in Brasilien ist – mehr oder weniger – auch bei uns ausgebrochen. Tenzin sammelt die Panini-Karten, darf manchmal auch die Fußballspiele schauen. In den Ferien waren wir kulanter, jetzt zur Schulzeit darf er höchstens ein Spiel um 18 Uhr schauen. (Erstaunt waren wir Eltern nur, als Tenzin einmal vor der Wahl stand, mittags eine DVD aus der Bibliothek oder abends ein Deutschland-Spiel zu schauen. Da entschied sich unser Sohn, der auch davon träumt, Profifußballer zu werden oder zumindest ein guter Fußballer, für die DVD aus der Bibliothek.) Gendun, der sich dann gerne als Fußball-Kenner gibt, schaut sich relativ viele Spiele bis spät in die Nacht an. Und ich bin letztens, beim Spiel Deutschland-Algerien (oder war es Deutschland-Algerien), obwohl ich eigentlich schlafen gehen wollte, doch bis zum Ende der zweiten Halbzeit hocken geblieben, nur die Verlängerung, die habe ich mir dann doch gespart. Ich lese mir dann lieber in der Zeitung die Kommentare zu den Spielen und Spielern durch. Natürlich haben wir diesmal auch ein Poster aufgehängt, auf dem wir alle Spielergebnisse vermerken. Gestern, nach Feierabend (der zweite Tag wieder in Vollzeit) bin ich mit Tenzin noch zu einem Panini-Karten-Tauschnachmittag gegangen. Ich hatte sogar eine Liste mit den fehlenden und doppelten Karten vorbereitet. Nach einer dreiviertel Stunde hatte ich genug, weil das Tauschen dann doch eher bei den Müttern (zumindest die der kleineren Kinder) hängen blieb. Tenzin war trotzdem zufrieden, weil ich ihm doch einen kleinen Stapel tauschen konnte. Nun fehlen zwar immer noch ziemlich viele und wir haben mindestens genauso viele doppelte. Aber zu irgendwelchen Tauschtagen gehe ich nicht mehr. Wenn sich noch etwas ergibt, dann schön. Aber ich werde nichts mehr forcieren. (Obwohl ich gerade gegoogelt habe, es gibt auch Tauschbörsen im Internet. Vielleicht mache ich mir (bzw. für Tenzin) noch einmal die Mühe und tippe alles ins Internet ein.) Heute ist das Spiel Deutschland gegen Brasilien. Aber das darf Tenzin, zu seinem Leidwesen, nicht gucken.

Jetzt freue ich mich erst einmal auf die Ferien, auch wenn unser Urlaub nicht sofort beginnt. Tenzin hat zum Anfang drei Tage Fußballcamp. Er wird in den Hort gehen. Vor unserem Urlaub in Heiligenstadt habe ich vier Tage frei. Aber ich habe noch keine besonderen Pläne. Dann gehen wir ja auch Erinnerungsreise in meine Heimatstadt. Auf dem Rückweg mache ich mit den Kindern einen Umweg in Berlin, um Tenzin dort abzuliefern, der eine Woche später allein zurückgeflogen kommt. Ende der Ferien ist Tenzin hier zu einem Joseph Beuys-Workshop angemeldet. Der geht zwar nur bis 14 Uhr, aber dann muss Tenzin eben bei mir im Büro ausharren, bis Gendun Feierabend hat. Die restlichen Tage geht Tenzin in den Hort.

Das wär’s erst einmal für heute.

Einen kleinen Nachtrag gibt es noch. Denn natürlich waren nicht nur Yangzoms Geburtstag und mein Wieder-Vollzeit-Start wichtig, sondern dass Gendun und ich am 05.07. vor zehn Jahren im schönen Thun geheiratet haben.Wir haben ihn nicht wirklich gefeiert, weil Gendun arbeiten musste und auch gestern leider nur einen halben Tag frei bekam. Aber für eine wunderbare, gut tuende Wohlfühl-Massage bei einem kleinen thailändischen Massage-Salon hat es gereicht. Sogar mein Göttergatte hat es genossen, obwohl er wohl erst skeptisch war.

Von unserer Trauzeugin bekamen wir ein schönes kleines Büchlein mit dem wunderbaren Gedicht „Was es ist“ von Erich Fried:

Es ist Unsinn – sagt die Vernunft.
Es ist was es ist – sagt die Liebe.
Es ist Unglück – sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz – sagt die Angst.
Es ist aussichtslos – sagt die Einsicht.
Es ist was es ist – sagt die Liebe.
Es ist lächerlich – sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig – sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich – sagt die Erfahrung.
Es ist was es ist – sagt die Liebe

Auf die nächsten Jahrzehnte!

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