News Februar 2014

Mal wieder ist es Monate, genauer gesagt vier Monate, her, dass ich meine News schreibe. Es passiert schon genug, aber ich bin abends einfach manchmal bzw. oft zu faul.

Diesmal hatte ich mir auch gar nicht so viel aufgeschrieben an Notizen für den Newsletter. Nur einige Kindermünder. Fangen wir mit Tenzin an. An einem Morgen im November am Frühstückstisch. Tenzin beschwert sich, dass ein Junge P. immer im Unterricht so viel redet. Ich sage zu ihm, dass er seine Nachbarin A. immer zutextet und muss ihm dieses Wort natürlich erklären. Tenzin fasst zusammen: „Der Text geht um A. herum und zu ihm zurück. Und damit der Text bricht, antwortet sie ihm.“ Rettung einer gestressten Mutter am Morgen. Mein Sohn: „Du hast wirklich abgenommen. Das muss man schon sagen.“ Schlechte Laune weggepustet. Und nach zwei Kinderpalais-Besuchen bekam ich folgendes zu hören: „Manchmal ist Kunst nur Kritzel, aber trotzdem schön.“ Und „Ich habe mich inspirieren lassen.“ Das hatte ihm die Kursleiterin gesagt und er hatte es sich gemerkt.

Yangzom ist auch nicht ohne. Eine Unterhaltung im November, während ich faul auf dem Bett liege: „Buf“ – „Ja, hol dir ein Buch.“ – „oké. mann eh (oder meine).“ – sie tappt zum Regal und kommt mit einem Buch zurück und sagt „Bat“, um sich mit mir zusammen auf dem Bett (=bat) das „Buf“ (=Buch) anzuschauen. Mittlerweile kann sie „Bett“ und „Buch anschauen“ sagen. Sie plappert alles nach, spricht oder singt Reime oder Liedzeilen zu Ende. Leider habe ich in der letzten Zeit zu oft das Sch-Wort gesagt. Das muss ich ihr dringend wieder abgewöhnen. Denn kleine Kinder haben doch auch schnell die richtige Verwendung raus. Gendun redet mit ihr Tibetisch. Sie plappert die Zahlen und Zutaten nach. Zu mir sagt sie auch manchmal tibetische Wörter. Eine Zeitlang sagte sie zu Flugzeug „tsote“, das ist das tibetische Wort für Schiff. Flugzeug heißt „shatte“. Als sie dann abends im Bett ihren eigenen Schatten, der durch die Nachttischlampe entstand, entdeckte, sagte sie hierzu ebenfalls „tsote“ – ein Durcheinander der Sprachen. Zazom ist sie selbst. Und äPäd ist das beim Papa so beliebt iPad. Ich habe ja auch einige Sprichwörter meiner Mutter verinnerlicht. Dazu gehört auch das folgende „Wunderbar, wunderbar, ist nur die Kuh mit Pferdehaar.“ Letztens sagte ich dann zu Yangzom, als sie etwas gut machte „wunderbar“ und sie führte fort mit „Kuh Pferdehaar“.

Bleiben wir bei den Kindern. Tenzin beschwert sich zwar über die Schule, die Hausaufgaben, dass alles so anstrengend sei, aber ich glaube, da ist auch viel Show dabei. Vor kurzem beklagte er sich, dass er keine richtigen Freunde in Schule und Hort hätte. Daraufhin bat ich um Elterngespräche mit Lehrerin und Erzieherinnen und bekam von beiden Seiten ein durchweg gutes Feedback. (Ich habe ihm dann natürlich auch erklärt, dass es eben schwierig ist mit den richtig guten Freunden, dass es lange dauern kann, bis man welche findet und dass man auch etwas dafür tun muss.) Vor einer Woche bekam er sein erstes Zeugnis. Ich war wirklich positiv überrascht, um nicht zu sagen sehr positiv überrascht. Mit so einem guten Zeugnis hatte ich nicht gerechnet. Ich bin richtig stolz auf meinen kleinen großen Jungen!!! Hoffentlich bleibt es so. Zur Schule geht er mittlerweile schon lange allein. Und jetzt ist er auch schon dreimal alleine vom Hort nach Hause gekommen und war schneller zu Hause als erwartet.

Bei Tenzin sind die Dinosaurier jetzt nicht mehr so angesagt. Die wurden abgelöst von einer Star Wars-Mania. Ständig erzählt er davon, kann stundenlang vor einem Lego-Star Wars-Heft sitzen und überlegen, was er sich als nächstes kaufen oder wünschen soll. Malt Star Wars-Bilder. Er will die Star Wars-Hefte kaufen und vorgelesen bekommen. Diese Hefte machen mich ehrlich gesagt etwas aggressiv und schlecht gelaunt. Deshalb sagte ich dann letztens zu ihm, dass ich ihm nur ein neues Heft kaufe, wenn er es allein liest, was er dann auch versuchte. Aber bei den schwierigen Namen der Figuren, Planeten und Raumschiffe scheiterte er, obwohl er schon wirklich ordentlich lesen kann. Also musste ich wieder eine Geschichte vorlesen. Und was kommt zum Fasching? Natürlich eine Star Wars-Figur. Er möchte als Jedi-Lehrling gehen. Und da ich keine Lust habe, vierzig Euro für ein Kostüm auszugeben, nutzen wir vorhandene Kleidung und ich darf wieder etwas nähen. Dabei muss sich immer an den Spruch meiner Oma denken, die sagte „Langes Fädchen, faules Mädchen“. Tenzin geht weiterhin zum Fußballtraining. Im Winter war ein Turnier mit Tenzin als Torwart. Zum Glück landete seine Mannschaft auf dem fünften Platz (von sechs), wurde also nicht letzte. Obwohl er bei einem Spiel sieben Bälle durchließ. Dann konnte ich nicht mehr zuschauen. Mir tat richtig das Herz weh. Nach den Faschingsferien beginnt dann wieder das Außentraining zweimal in der Woche und die Turniere gehen los.

Yangzom ist mittlerweile 20 Monate alt, sehr agil, sehr aktiv, klettert überall drauf, will alles ausprobieren, am liebsten die Dinge vom großen Bruder. Sie spricht viel. Sie ist eitel und sucht sich manchmal selbst die Kleidung aus. Manchmal denkt sie wohl, dass sie schon richtig groß ist, denn zumindest zu Hause mag sie schon lange kein Lätzchen mehr tragen und am liebsten mit der großen Gabel und dem großen Löffel essen, was dann oft dazu führt, dass Gendun oder ich mit Kinderbesteck weiteressen. A propos Essen, da ist sie ganz anders als Tenzin. Eher schwierig leider, aber ich hoffe, dass sich das bald gibt. In den Kindergarten geht sie gerne. Nur nach den drei Wochen Weihnachtsferien war es dann noch einmal kurzzeitig schwierig morgens beim Abgeben.

Weihnachten waren wir diesmal die ganze Zeit zu Hause. Gendun drei Wochen, ich zweieinhalb. Zwischendurch musste ich zwei Tage ins Büro. Nach Weihnachten kam meine Mutter zu Besuch, aber Heilig Abend hatten wir schon allein gefeiert und feierten dann noch einmal mit meiner Mutter. Diesmal gab es wieder nur einen winzig kleinen Weihnachtsbaum, weil ich nicht genau wusste, ob ihn Yangzom nicht doch umreißen würde. Die Tage mit meiner Mutter waren wie immer sehr schön. Ich muss zugeben, dass ich es immer genieße, wenn sie da ist. Eigentlich müssten wir sie ja verwöhnen, aber sie steht dann doch immer wieder mit mir oder auch allein in der Küche und zaubert etwas Schönes für uns. Wir waren aber auch einmal schön frühstücken. Und ein anderes Mal spazierten wir vom Nymphenburger Schloss nach Neuhausen zum Café Ruffini, weil Mama doch so eine Konditor-Maus ist und guten Kuchen über alles liebt.

Vor Weihnachten machte Tenzin an zwei Samstagen einen Skikurs. Er war wie immer begeistert. Ich hatte gehofft, dass ich in den Ferien eine Freundin besuchen könnte. Aber leider ist sie familiär sehr eingebunden dieses Jahr und es klappt nicht. Weil Tenzin mit der Familie in den letzten beiden Jahren schon Ski fahren war. Und der Winter ist zumindest in München überhaupt nicht vorbeigekommen. Dabei haben wir für Tenzin richtig teure Winterstiefel kaufen müssen, weil alle anderen nicht passten. Und er hatte sich von seinem Gesparten einen schönen speziellen Schlitten gekauft. Aber es kommt einfach kein Schnee. Und ich hatte mich auch schon darauf gefreut, Yangzom mit dem Schlitten in den Kindergarten zu ziehen. Mal sehen, vielleicht klappt es, dass ich mit Tenzin einen Tag irgendwohin zum Ski fahren kann.

Im Januar war meine Schwester für zwei Tage da.Sie möchte mit ihrer Familie wieder zurück nach Deutschland und hatte hier ein paar Informations- und Vorstellungsgespräche. Wir sind natürlich gespannt, wann ihr Wunsch nun Wirklichkeit wird. Mama und ich sind auf jeden Fall involviert und unterstützen mit Recherchen, Briefe losschicken und empfangen usw. So sind wir immer auf dem Laufenden.

Was gibt es von mit zu berichten? Der Alltag ist wie gehabt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich ihn ohne Kurzzeitwecker nicht strukturieren könnte. Der Kurzzeitwecker klingelt nicht nur, wenn die Muffins gebacken sind, sondern er klingelt auch nach fünf Minuten, wenn ich die Fenster wieder schließen muss. Er klingelt nach zwanzig Minuten, wenn meine Auszeit in der Badewanne (manchmal hilft nur die Flucht in die Badewanne, wenn ich in Ruhe gelassen werden möchte) beendet ist. (Ich gebe zu, manchmal überziehe ich auch.) Er klingelt, um Gendun und Tenzin anzuzeigen, dass Tenzins Kika-Film anfängt, wenn ich schon dabei bin, Yangzom ins Bett zu bringen. Ich könnte wohl noch einige Beispiele mehr anbringen.

Seit gut drei Wochen ist Gendun in Tibet, am Montag kommt er zurück. Nachdem er sich vor Weihnachten entschieden hatte, nicht zu fahren, überraschte er mich in der ersten Arbeitswoche damit, nun doch fahren zu wollen. Was etwas kurzfristig war, für alle, denn es galt einiges zu organisieren – Visum, Flugticket (zu dieser Zeit, zum chinesischen Neujahrsfest, wollen nämlich alle Chinesen nach Hause und die günstigen Tickets waren schon weg). Aber ich verstehe Gendun, seit vielen, vielen Jahren hat er Lhosar, das tibetische Neujahrsfest, nicht mehr zu Hause feiern können. Und dieses Jahr, da ich noch halbtags arbeite, war im Prinzip die letzte Gelegenheit.

Also bin ich nun mit den Kindern allein und muss zugeben, dass es eigentlich ziemlich entspannt ist, weil es einfach nicht so viele Erziehungsdiskussionen gibt. Der Tagesablauf ist fast der gleiche, weil ich ja vorher eh schon für Frühstück, Bringen und Abholen zuständig war. Es kam im Prinzip nur noch das Fußballtraining dazu. Aber wir haben uns auch mal etwas gegönnt. Frühstücken vor dem Einkauf beim Bauhaus, Frühstücken vor dem Wocheneinkauf. Diese Woche kam sogar mal eine Putzfrau. Zum ersten Mal in meinem Leben und wahrscheinlich auch das einzige Mal für eine lange Zeit. Heute habe ich mir eine Thai-Massage gegönnt, war eher eine Wellness-Massage, aber trotzdem schön. Nur hätte ich den Termin wohl lieber nach meinen Wocheneinkauf legen sollen. Einen Sonntag war ich zum „Kaffeekränzchen“ mit meinen Ex-Kolleginnen eingeladen. Tenzin war anfangs zu mäßig begeistert. Nur die Aussicht, zurück mit Rad durch den dunklen Westpark zu radeln, lockte ihn dann raus. Es blieb ihm allerdings auch keine andere Wahl. Dann hat er sich mit der Tochter der einen Kollegin doch noch ziemlich amüsiert. Letzten Samstag, bei schönstem Sonnenschein, waren wir am Tegernsee und sind die fünf Kilometer Höhenweg von Gmund nach Tegernsee gelaufen bzw. Yangzom saß in der Kraxe. Es war ein wunderschöner Tag. Über einen selbst gemachten Kalender, in dem ich vermerke und Bilder male oder reinklebe, können wir verfolgen, was Gendun zu Hause so macht. Über Chat und Telefon haben wir eigentlich jeden Tag Kontakt. Die Kinder dürfen bei mir schlafen.

Ostern fahre ich mit den Kindern nach Berlin. Der Hort hat eh eine Woche zu und einmal im Jahr versuche ich doch meine Eltern in Berlin zu besuchen. Also werden die Ostereier diesmal in Berlin gesucht, sogar zweimal. Einmal im Vorgarten meiner Mutter in Lichterfelde und einmal im Garten meines Vaters im Umland.

Auch der Sommerurlaub ist schon geplant und organisiert. Ich habe für eine Woche eine Ferienwohnung in Heiligenstadt gebucht, dort, wo ich geboren wurde und wo wir als Kinder viele Sommer und Winter bei meinen Großeltern verbrachten. Als ich beim Recherchieren und Buchen war, sind ganz viele Kindheitserinnerungen hochgekommen von Waldspaziergängen mit Beeren suchen und Tannzapfen sammeln, Zwischenstationierung im dortigen Kindergarten, auskurierte Krankheiten, OP’s und gebrochene Beine, Sammeln von Versteinerungen, Ausflüge in den Wald, zu Wachtürmen etc. Unendlich wirklich viele schöne Erinnerungen gibt es hier. Ich bin gespannt, was alles noch so ist, zumindest in Ansätzen.

So, nun müssen wir noch drei Tage warten, bis Gendun Montag geht sieben oder acht Uhr früh bei uns in der Tür steht, aber vielleicht sind wir dann auch schon unterwegs. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

21. Februar 2014

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