News November 2013

Tenzin geht nun schon seit über einem Monat zur Schule. (Die letzten drei Tage hat er wegen Krankheit gefehlt. Er war wirklich krank. Aber ich glaube, er fand es auch ganz schön, mal wieder mit der Mama allein zu Hause zu sein. Wobei wir in diesen drei Tagen auch dreimal zum Arzt mussten und er immer wieder inhalieren musste und er uns auch noch etwas angesteckt hat.)

Aber zurück zur Schule. Am 12.09. war die Einschulung. Schulranzen war gepackt, Schultüte gefüllt. Im Nieselregen ging es dann zu viert zur Schule. In der Aula versammelten sich alle ca. 100 Erstklässler (es gibt fünf erste Klassen) und die dazugehörigen Verwandten. Ihr könnt Euch vorstellen, wie wuselig, unruhig und schnell warm es wurde. Nach einem Lied der Zweitklässler und einer kurzen Ansprache durch den Direktor wurden die Erstklässler von ihren Lehrerinnen eingesammelt und gingen zusammen (ohne Eltern) in ihre Klassenräume. Um elf durften wir dann die aufgeregten Kinder wieder abholen. Tenzins Klassenlehrerin ist witzigerweise eine ehemalige Nachbarin aus der Schießstättststraße. In Tenzins Klasse geht auch ein Mädchen, das wir von „Kinder und Buddhismus“ kennen. Das hatten wir beiden Eltern extra bei der Einschreibung angegeben, da unsere Kinder eigentlich keine Kinder in der Schule kannten, weil beide in weiter entfernte Elterninitiativen gingen. In seinen Hort gehen auch ein paar Jungs vom Fußball. Die Horterzieherin sagte mir letztens, dass er sich gut eingelebt hat, er habe zwar noch keinen richtigen Freund, aber er würde überall akzeptiert, alle spielten gerne mit ihm. Witzigerweise ist das eine ähnliche Einschätzung, wie auch seine Kindergartenerzieherin sie einmal traf.

Nun mit zwei Kindern in drei Einrichtungen (Krippe, Schule, Hort, zudem hatte ich mich als zweite Klassenelternsprecherin wählen lassen) hatten sich die Abendtermine in den letzten Wochen gehäuft. Elternabend Schule, Elternabend Hort, Elternabend Fußball (zu dem ich Gendun schickte, der erstmals überhaupt zu einem Elternabend ging). Elternabend Kindergarten, musste ich absagen, da ich stattdessen zu einem Treffen der Klassenelternsprecher ging, dies zweimal. Treffen mit der ersten Klassenelternsprecherin. Treffen der Pädagogikgruppe im Kindergarten. Zum außerordentlichen Elternabend im Kindergarten konnten wir nicht gehen, da da gerade Tenzin krank wurde und ich eine Arztodyssee hinter mir hatte und abends einfach fertig war. Letztens fragte mich Gendun, ob wir die Woche nicht mal eine freie Woche hatte, zumal eben noch diverse Arzttermine (Impfung, Durch-Checken…) hinzukamen. Und dann ja noch das Fußballtraining von Tenzin. Jetzt muss es mal wieder ruhiger werden. Und deshalb habe ich mir nächsten Montag und Dienstag, wenn Gendun mit Tenzin noch in Paris bei seinem Bruder ist, frei genommen. Und in dieser Zeit mache ich etwas für mich, weil Yangzom dann auch in die Krippe gehen wird. Dieser Egoismus muss mal sein. Und sei es auch nur, hier mal in Ruhe die Fotos der letzten Jahre einzukleben.

Ich schweife schon wieder ab. Zurück zur Schule. So richtig eingespielt hat es sich noch nicht. Tenzin fehlt die Zeit mit uns allein, was natürlich auch schon vorher so war, weil nun auch Yangzom unsere Zeit beansprucht. Dafür müssen wir neue Wege und neue Rituale für die Abendzeitung finden. Das Problem ist nur, dass er erst um fünf aus dem Hort kommt (und auch nur in Ausnahmefällen vorher abgeholt werden darf) und dann passiert nicht mehr sehr viel außer Abendessen, Kika gucken und sich bettfertig machen. Aber immerhin hat er schon einmal von allein vorgeschlagen, freiwillig auf das Kika gucken zu verzichten, um dadurch etwas mit einem von uns zu machen.

Die Hausaufgaben macht Tenzin im Hort. Aber wir Eltern sind angehalten, sie auch trotzdem noch einmal jeden Abend anzuschauen. Was ich als gute Mama natürlich auch mache. Und so ist es für mich, zumindest jetzt noch zum Anfang, immer so, als würde ich ein Überraschungsei öffnen, wenn ich in den Schulranzen schaue: Welches ist die Hausaufgabe? Welche Wörter hat Tenzin geschrieben? (da die Kinder ja noch mit der Anlauttabelle schreiben, also, so wie die Kinder es hören! sehen die Wörter manchmal wirklich abenteuerlich aus.) Gibt es einen Brief von der Schule oder einen Elternbrief vom Hort? Diese müssen immer unterschrieben zurückgegeben werden. (Bis jetzt haben wir bestimmt schon drei oder vier Briefe zur Läuseproblematik bekommen. Und jedes mal unterschreibe ich, dass ich täglich nachschaue, ob er Läuse hat. Ich muss gestehen, ich habe bisher nur sporadisch nachgefragt, ob sein Kopf juckt.)

Zu Tenzin habe ich nun relativ viel geschrieben. Zu erwähnen sei noch, dass er gestern sieben Jahre alt wurde. Er hat sich diesmal Geld gewünscht, weil er sich ein teureres Lego-Starwars-Teil kaufen möchte und wir den Preis zu hoch fanden mit 140 Euro. Dieses Teil hatte er sich zuerst ausgesucht! mittlerweile hat er sich für ein anderes entschieden, das nur halb so teuer ist. Und das Geld hat er nun schon fast zusammen. Trotzdem bekam er natürlich noch etwas zum Auspacken. und letztlich war es so, dass er sich den Geldschein kurz ansah und zur Seite legte, um sich dann mit seinen „richtigen“ Geschenken zu befassen. da hat man eben etwas Richtiges in der Hand. Und er kann zwar schon die Zahlen auf den Geldscheinen lesen, aber den Wert wohl auch noch nicht richtig erfassen.

Yangzom bekam zu Tenzins Geburtstag von der Oma auch ein kleines Geschenk – ein paar Wachsmalstifte. Der Hintergedanke meiner Mutter war der, dass Yangzom nicht eifersüchtig sein sollte. Was war? Tenzin war neidisch, weil Yangzom nun mehr Wachsmalstifte hatte als er. Dabei hat er dafür viel mehr Buntstifte. Die ihm Yangzom immer stibitzte, obwohl sie ein eigenes kleines Regal und auch einen kleinen Tisch hat. Sie klettert nämlich auf alle Stühle, auch auf Tenzins und angelt sich dann die interessanten Dinge von den Tischen. mittlerweile ist die kletterphase schon etwas besser / ruhiger geworden, aber es sieht wirklich manchmal abenteuerlich und gefährlich aus. Und wir müssen nun abwägen, kann sie es selbst einschätzen, soll man sie dabei unterstützen oder soll man es unterbinden?

Yangzom plappert zurzeit ziemlich viel und singt. Manchmal „redet“ sie auch mit uns, nur dass wir sie leider meist überhaupt nicht verstehen. Aber ihr Wortschatz wird – logischerweise – immer größer, wobei sie jedoch eines ihrer ersten Wörter, nämlich „ba“ für Kuss, nicht mehr sagt. Hier ein paar Beispiele: höa’aff (hör auf) und meine als doch mit die wichtigsten Wörter für so ein kleines Kind. Sie kann zwar auch „nein“ sagen, wobei sie es oft nicht eindeutig benutzt. ahziehen (anziehen), dahte (danke), dertig (fertig), kann die gängigen Tiere mit den Tierlauten benennen (auch wenn gendun auf tibetisch fragt), apa, ama, adja. manchmal meine ich ya’yom (Yangzom) und tenten (Tenzin) zu hören.

Es gibt Tage, da denke ich, ich habe zwei kleine Teufelchen zu Hause. Yangzom zeigt zunehmend ihren eigenen Willen, manchmal für uns vollkommen unmotiviert. Manchmal bestimmt, weil sie sich untergebuttert fühlt. Sicherlich auch zu Recht. Ich finde es, wie wahrscheinlich alle Eltern, wirklich alle Parteien zu berücksichtigen! alle Kinderparteien, aber auch alle Elternparteien. Bis jetzt habe ich noch keine wirklich gute Lösung gefunden. Ich will ja auch keinen Stundenplan aufstellen. Wobei? vielleicht wäre das mal eine Idee :-). zurück zu den Teufelchen: von Tenzin durfte ich mir schon folgendes anhören: „Ich ziehe aus“ oder der Klassiker „Du bist gemein“. Letzteres nehme ich mir nicht mehr so zu Herzen, obwohl meistens ich es hören muss. Regelmäßig fühlt sich Tenzin auch von mir erpresst oder gibt mir derzeit ständig Retour-Kutschen nach dem Mott „Du selber“. Dafür muss ich mir noch eine Regel überlegen, denn es gibt durchaus viele Momente, in denen Eltern mehr wissen, mehr entscheiden und es unangebracht ist als Siebenjähriger, das letzte Wort haben zu müssen. Bei Yangzom ist das noch einfach. Sie sagt dann einfach nur „höa’aff“.

Hier noch ein paar Gedanken / Beobachtungen für’s „Kopfkissenbuch“:
1) Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass man es, zumindest hier in Bayern geschafft hat, Hundebesitzer dazu zu bringen, dass sie die Exkremente ihrer Vierbeiner einsammeln. Wobei andererseits war ich letztens in der Post, ein Hund wartete drinnen kurz hinter der Tür und hinterließ genau dort sein Geschäft. Ich hatte gehofft, dass die Besitzerin beim Hinausgehen reintreten würde. Aber leider nicht und sie nahm es auch nicht wahr.
2) Letztens an einer Tram-Haltestelle sagt ein vielleicht 12jähriger zu seinem Freund: „Du bist mir echt ans Herz gewachsen, weil Du so bist wie ich. Nur anders.“
3) Erstaunlich finde ich auch immer wieder, dass es gerade die Menschen sind, die bei rot über die Ampel gehen, die nicht gut zu Fuß sind. Damit meine ich nicht nur ältere Fußgänger, sondern auch welche mit Beinbeschwerden, Gehhilfen oder was auch immer.
4) Fremdschämen – ein schönes Wort, das vor allem bei den Castingshows im Fernsehen fällt. Letztens passierte mir dies in der Tram, denn mein Sohn gehört mit seinen sieben Jahren immer noch zu den Menschen, die Popel als kulinarische Delikatesse ansehen und steckte sich eine solche coram publico in den Mund. Während er schon wieder herumgrinste, war mein Gesicht gefühlt immer noch rot.

Mit dieser Anekdote schließe ich für heute. Liebe Grüße aus München!

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