News September 2013

Unser Urlaub ist nun auch schon wieder fast zwei Wochen vorbei. Ich muss sagen, bei der Urlaubsplanung und –organisation ergeht es mir ähnlich wie bei Organisation von Wandertouren mit Kind. Ich bin immer noch im Lernprozess. Und es ist nicht so einfach, einen Ort, eine Unterkunft, eine Anreisemöglichkeit zu finden, die für eine vierköpfige Familie (unterwegs mit öffentlichen Verkehrsmitteln) mit Kindern im Alter von eins und fast sieben zu finden. Die Organisation der Tibet-Reisen war relativ einfach, da wir hierfür nur die Flüge zu buchen brauchten. (Die Reise mit der Bahn von Peking nach Xining, Ihr erinnert Euch vielleicht, war sehr abenteuerlich, aber man konnte auch nichts von Deutschland aus buchen). Der kurze Familienurlaub in Paris bei meinem Schwager war ähnlich einfach, da wir auch beim Schwager wohnten. Für den Kroatienurlaub buchte ich damals eine Anreise mit Bus (dass keine WC’s drinnen waren, stellte sich dann als doch nicht so tragisch heraus), die Ferienwohnung war gut, aber der Fußweg zum Strand war doch, vor allem mit dem einem damals etwa vierjährigen Kind, recht weit.

Diesmal ging es nach Stralsund. Aber warum gerade Stralsund? Nachdem ich letztes Jahr mit Tenzin im Frühling in Warnemünde war (mit Übernachtung in der Jugendherberge), wollte er natürlich auch mal zum Baden an die Ostsee. Da das mit der Jugendherberge eigentlich ganz gut passte, wollte ich diesmal auch wieder in die Jugendherberge. Als ich um die Weihnachtszeit herum bei den diversen Jugendherbergen an der Ostsee nachfragte, waren dort bereits alle Familienzimmer für den August belegt. Irgendwie kam ich dann auf die Jugendherberge Stralsund, reservierte dort ein Familienzimmer, realisierte jedoch nicht sofort, dass Stralsund ja gar nicht an der „richtigen“ Ostsee liegt, sondern am Strelasund, einem Meeresarm der Ostsee. Dann wollte Gendun nicht in einer Jugendherberge übernachten. Als ich dann nach einer Ferienwohnung suchte, blieb ich bei Stralsund. Ich glaube, ich dachte, dass eh alle Ferienwohnungen schon voll seien, aber vielleicht dachte ich ab diesem Zeitpunkt dann einfach nicht weiter. Dann begann ich mich zu informieren über Stralsund. Und da Rügen mit den richtigen Ostseestränden gar nicht so weit weg ist, war ich es auch zufrieden.

Die Ferienwohnung buchte ich übers Internet. Ich finde es immer etwas schwierig, anhand der Beschreibung dort zu erkennen, ob es die richtige Ferienwohnung für die jeweilige Familie ist. Die Bilder der Wohnung waren ansprechend und stimmten dann auch mit der Realität überein. Die Entfernung zum nächsten Strand war mit 0,5 Kilometer angegeben, das war für mich der ausschlaggebende Punkt zur Buchung. Aber es stand natürlich nicht da, dass es sich dabei um einen Mini-Strand bei einem kleinen Spielplatz in der Nähe handelt. Ich hatte dabei an einen richtigen Strand gedacht. Die nächsten Einkaufsmöglichkeiten waren auch drei bzw. fünf Busstationen entfernt. Nachdem wir über neun Stunden Zugfahrt (die lange Anreise hatte ich auch nicht bedacht) hinter uns hatten und dann noch zum Einkaufen mussten, waren wir abends doch ziemlich gerädert und ehrlich gesagt auch etwas genervt. Fazit für mich für das nächste Organisieren: vor dem Buchen nachschauen, wie man hinkommt, wie lange es von Haustür zu Haustür dauert, wie weit Strand oder andere Örtlichkeiten wirklich entfernt sind und wie man dorthin kommt, wie weit die Einkaufsmöglichkeiten entfernt sind, wie man vom Bahnhof zur Unterkunft kommt, ob man nicht vielleicht mit Unterbrechung oder im Nachtzug anreist. Ihr werdet es im nächsten Jahr, wenn es denn dann wieder einen solchen Urlaub gibt, nachlesen können, ob ich mir dies alles gemerkt habe. Andererseits sollte man ja schon fast jetzt den nächsten Sommerurlaub buchen. Aber darüber will ich jetzt noch gar nicht nachdenken, schließlich muss ich davor noch über die Einschulung, Weihnachtsgeschenke etc. sinnieren.

Für unseren Urlaub, der dieses Jahr aus verschiedenen Gründen sehr kurz ausfiel, hatten wir zwei Fahrttage und vier Urlaubstage vor Ort. Die beiden ersten Tagen fielen etwas ins Wasser, d.h. an diesen Tagen gab es vom Wetter her alles: Platzregen, Gewitter, Sonne, Wolken und immer wieder viel Wind. Am ersten Tag sind wir erst einmal auf Erkundungstour nach Stralsund reingefahren, waren am Hafen, haben uns und vor allem Tenzin irgendwie am Ozeaneum vorbeilaviert. Er wollte natürlich unbedingt rein, aber die Schlange sehr lang. Jedenfalls haben wir es trotz Regen und dadurch bedingter Kaffeepause in einem Café irgendwann zum richtigen Strand geschafft. Als wir dann dort ankamen, war das Wetter einigermaßen und ich stürzte mich todesmutig mit Tenzin, der unbedingt wollte (er wäre wahrscheinlich auch bei Minusgraden ins Wasser gestiegen) in die eisigen Fluten. Wobei stürzen natürlich auch nicht wirklich stimmt, denn ich bin eigentlich nur bis zur Hüfte rein. Im starken Wind haben wir dann Ball gespielt. Zurück sind wir durch die Altstadt geschlendert. Am nächsten Schlechtwettertag fuhren wir dann kurz entschlossen nach Binz. Nachdem wir endlich die Fußgängerzone erreicht hatten, mussten wir bei einem Regenguss wieder in einem Café Unterschlupf suchen. Später wurde es auch hier wieder etwas besser und wir spazierten Richtung Strand. Gendun blieb die ganze Zeit mit Yangzom oben an der Promenade. Mit Tenzin war ich am Wasser, wir steckten die Füße ins kühle Nass. Tenzin entdeckte dann noch ein Fußballangebot und spielten mit anderen Kindern und Jugendlichen ein richtiges Spiel.

Am dritten und vierten Tag hatten wir dann endlich Glück mit dem Wetter. Den ersten Sonnentag verbrachten wir am Strand von Stralsund. Und die Krönung war dann der vierte Tag, wieder in Binz. Am Strand auf Höhe des Bahnhofs mieteten wir uns einen Strandkorb und verbrachten dort einen ganzen Tag in der Sonne, im Sand und im Wasser. Tenzin war überglücklich. Mal ging er allein ins Wasser, mal konnte er seinen Papa zum Ball spielen überreden, mal beobachtete er die kleinen Quallen, ich war natürlich auch mit ihm im Wasser. Diesmal durfte auch Yangzom ins Wasser. Sie fand es amüsant, vom Wasser umspült zu werden, plumpste immer wieder hinein und lachte vor sich hin.

Die Regenschauer und Spaziergänge führten uns immer mal wieder zu Cafés oder Buden. Zum Strandbesuch gehört natürlich auch ein Eis. Gendun und ich hatten nach dem Urlaub beide ein paar Kilo mehr auf den Rippen, dabei hatte ich mich kurz vorher schon gefreut, dass ich fünf Kilo weniger als vor der Schwangerschaft wog. Aber zum Glück sind ein paar Pfunde schon wieder verschwunden. Am sechsten Urlaubstag traten wir dann wieder die lange Heimreise an. Aufgrund der Einkaufsmöglichkeiten vor Ort und des Ausflugs nach Binz und der späten Ankunft in München bot uns meine Mutter, uns in Berlin, wo wir umstiegen, zu treffen und uns einen kleinen Proviant mitzugeben. Abends gegen halb acht waren wir dann endlich in unserer Wohnung und freuten uns, dass Pizza im Tiefkühlfach lag.

Bzgl. Hort wollte ich eigentlich etwas ausführlicher schreiben, aber jetzt gibt es doch nur eine kurze Zusammenfassung. Vor etwa einem Jahr hatte ich Tenzin den Städtischen Horts bei den beiden Grundschulen in unserer Nähe sowie bei der in Nähe des Kindergartens angemeldet. Außerdem bei zwei kirchlichen Einrichtungen sowie diversen Elterninitiativen in unserem Sprengel. Im Laufe der Zeit kamen dann noch zwei Mittagsbetreuungen in der Sprengelschule und in einer Schule etwas weiter weg hinzu sowie ein Hort in einer Realschule, wo Kinder bevorzugt ab der 5. bis 9. Klasse, aber auch ab der 1. Klasse betreut werden. Nachdem wir im März lauter Absagen bekamen, kam ich mir vor wie „Land unter“. Natürlich hatte ich mich bei allen Einrichtungen zurückgemeldet, dass wir weiterhin Bedarf an einem Platz hätten.

Ich schrieb ans Bundesfamilienministerium, an die Bayerische Bildungsministerium, an Herrn Ude, den Noch-Bürgermeister von München, nicht in der Hoffnung, dass sie mir weiterhelfen haben, sondern eher um eine weitere Familie zu sein, die auf die Missstände aufmerksam macht. Ich bekam von den Ministerien lange Briefe. Der Brief an Herrn Ude wurde an das Bildungsreferat weitergeleitet und von dem Schulrat auch beantwortet wurde. Unter zwei Seiten ging gar nichts, in denen Verständnis geäußert wird, dann wird geschrieben was der Deutsche und der Bayerische Staat und was die Stadt München alles bereits macht und was die jeweils andere Seite noch zu machen hat.

Diese Briefe beschafften uns jedoch keinen Hortplatz. Den bekam ich letztlich nur durch Eigeninitiative und mehrmaliges Rückmelden bei den Einrichtungen. Inspiriert durch die Antworten machte ich mich auf die Suche nach einer Ganztagsschule, natürlich war ich damit recht spät dran, zumal es bei uns im Sprengel keine Ganztagsklasse gibt, die nächste Schule wäre über die große Donnersberger Brücke, über die der Mittlere Ring führt. Dort war dann noch ein Platz bei der Mittagsbetreuung frei. Nachteil bei Mittagsbetreuungen ist, dass die oft nur bis 14 oder 15 Uhr gehen und die meisten Ferientagen geschlossen haben. Diese war da sogar noch recht liberal. Nachdem ich hier fast unterschrieben hätte, bekam ich die Zusage von einer Elterninitiative, die einen Platz für zwei Jahre gehabt hätten. Kurz bevor ich die Unterlagen dorthin schickte, bekam ich die Zusage von einer kirchlichen Einrichtung. Deren Vorteil wäre die eigene Hausaufgabenbetreuung für die Erstklässler gewesen und dass es nur eine Gruppe gewesen wäre. Nachteil: Tenzin hätte von der Schule die etwa zehn Minuten dorthin laufen müssen.

Den Vertrag hatten wir schon unterschrieben, dann kam jetzt kurz vor unserem Urlaub die Zusage vom Städtischen Hort direkt in der Schule. Dort sind drei oder vier Gruppen, aber sie sind gleich im Haus. Und der große Vorteil ist, dass sie wirklich fast das ganze Jahr auf haben, bis auf drei Wochen in den Sommerferien und evtl. mal Weihnachten. Lange Rede kurzer Sinn: wir haben einen Hortplatz!!!

Heute Abend fahre ich zum Flughafen und hole Tenzin ab, der eine gute Woche in Berlin bei Oma und Opa war. Am 1. September ist er erstmals allein geflogen. Die Zeitersparnis für die Erwachsenen war groß, die finanzielle Belastung für einen betreuten Flug genauso groß, als würde ich zweimal nach Berlin fahren, um ihn hinzubringen und wieder abzuholen. Da fiel die Entscheidung leicht. Mit knapp sieben Jahren ist Tenzin nun auch groß genug, um diese gute Stunde im Flugzeug allein zu verbringen. Ich durfte bis zum Gate rein und übergab ihn dann auch erst kurz vor Boarding an eine Angestellte des Flughafens, die ihn dann im Flugzeug an eine Stewardess übergab. Und in Berlin wurde er von einem Angestellten an die Großeltern übergeben.

Tenzin hatte eine volle Woche mit dreimal Dinosauriern (Naturkundemuseum, Biosphärenreservat Potsdam, Dinopark bei Oranienburg), Ritterspiele in der Domäne Dahlem (ein Kinderbauernhof), Baden im Wannsee und vielen Radtouren. So viel action bekommt er nicht so bald wieder geboten. Manchmal kam das Heimweh durch, deshalb reduzierten wir das Telefonieren und Skypen. Auch nach ein paar Tagen erkannte Yangzom ihren großen Bruder sofort am Telefon und war immer hellauf begeistert, wenn sie ihn über Skype auch am Computer sehen konnte. Ob sie ihn vermisst hat, kann ich nicht wirklich sagen, darüber hat sie nichts gesagt. Aber sie wird sich heute Abend sicherlich riesig freuen, wenn sie ihn wiedersieht.

Als Tenzin bzw. Mama vom Ferienprogramm erzählten, musste ich natürlich an meine eigenen Ferien bei den Großeltern denken und stellte fest, dass wir nie so großes Programm hatten. Aber damals war es auch eine ganz andere Situation. Erstens waren wir immer zu zwei und vom  Alter her immer recht nah bei einander. Zweitens gab es sowohl in Heiligenstadt als auch in Freital hinter dem Haus einen großen Garten, auf dem wir, teils vom Haus aus beaufsichtigt, allein spielen konnten. Und drittens waren jede Ferien Nachbarskinder da, die wir schon kannten und mit denen wir spielen konnten. Also ganz anders als bei Tenzin, der allein bei den Großeltern war, keine Nachbarskinder drum herum und auch kein großer Garten. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich später einmal etwas. Tenzin hat es auf jeden Fall gefallen und auch für die Großeltern war es eine Bereicherung, schrieb zumindest meine Mutter.

Ich nutzte das letzte Wochenende mit schönem Spätsommerwetter und ohne großen Sohn für eine Wandertour ein Stück das Reintal hinauf. Gendun musste leider arbeiten, also musste ich Yangzom allein tragen. Mein Ziel war die Bockhütte, die etwa auf halbem Weg zur Reintalangerhütte liegt. Ich gebe zu, ich habe mich von der Zeit etwas verschätzt und war länger unterwegs als gedacht, vielleicht so 6 Stunden reine Gehzeit, ich hatte mit vier Stunden gerechnet. Allerdings ließ ich Yangzom auch zweimal laufen, damit sie nicht den ganzen Tag in der Kraxe sitzen musste. Yangzom hat zudem schon ein ganz ordentliches Gewicht und die Kraxe ist für mich vielleicht auch nicht ganz perfekt. Ich hatte ganz schön zu schleppen und die Kraxe drückte auf die Hüften oder das Becken, je nachdem wohin ich sie schob. Aber trotzalledem war es ein super schöner Tag mit Sonnenschein, warmen Temperaturen, einem leckeren selbst gemachten Kuchen auf der Bockhütte und vor allem in den Bergen. Es hat mich schon so lange dorthin gezogen. Es musste einfach sein. Und es hat sich gelohnt.

Morgen und übermorgen habe ich frei, um noch einmal zwei Tage mit Tenzin zu haben. Yangzom wird in den Kindergarten gehen, damit Tenzin eine Mama-Zeit bekommt. Denn am Donnerstag ist der erste Schultag! Die Schultüte mit Drachen drauf wurde im Kindergarten gebastelt. Alles, was auf der Liste stand, habe ich gekauft (und musste dabei feststellen, dass es kaum noch Seifenschachteln gibt). An einem der nächsten Abende werde ich die Schultüte füllen und an einem der nächsten Tage Tenzins Schulranzen packen. Wie der erste Schultag war, erfahrt Ihr beim nächsten Mal.

Bis dahin viele Grüße und noch einen schönen Spätsommer!

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