News August 2013

Bevor ich mit meinen News anfange, mache ich mir immer schon Stichpunkte, was ich alles schreiben möchte. Dabei kommt einiges zusammen: was mir so zu Yangzom und Tenzin einfällt, was wir gemacht haben, kleine Anekdoten, Dinge, die mir unterwegs auffallen. Diesmal ist meine Liste auch wieder etwas länger geworden.

Ich fange mal mit einer guten Nachricht an, auch wenn sie heute hier nur kurz erwähnt wird: Wir haben einen Hortplatz bekommen und sind damit ziemlich erleichtert. Aber zum Thema Hort werde ich ausführlicher ein anderes Mal schreiben. Außerdem werde ich doch länger als nur bis 30.09.2013 halbtags arbeiten, wahrscheinlich ein ganzes Jahr, was vieles entspannt und leichter macht.

Ich habe ja mal wieder beschrieben, wie so ein Tagesablauf in der Familien Palden aussieht. Das möchte ich heute, da ich wieder arbeite und mittlerweile zwei Kinder da sind, wieder machen. Gendun steht immer vor uns auf, außer am Wochenende (da würde er wohl am liebsten bis in die Puppen schlafen, steht mittlerweile jedoch auch öfter mal um halb sieben oder acht auf, wenn ich das Frühstück fertig habe). Der Wecker klingelt für ihn gegen fünf oder halb sechs, ich weiß es nicht genau. Er steht aber eigentlich erst eine halbe Stunde später auf. Manchmal sehen wir ihn noch zum Verabschieden. Mittlerweile wird Tenzin nicht mehr vor dem Aufstehen wach, Yangzom ist auch keine absolute Frühaufsteherin. Mit Tenzin kann ich relativ früh frühstücken, Yangzom dagegen isst kaum etwas (sie scheint eh nicht so eine große Esserin zu sein). Mal sehen, wie es sich dann mit der Schule einspielt, vielleicht wird sie eher im Kindergarten frühstücken, wobei es mir eigentlich immer wichtig ist, dass die Kinder zu Hause frühstücken, weil ich dann auch einfach weiß, dass sie etwas im Bauch haben. Dann bringe ich beide in den Kindergarten, wir sind meist gegen halb neun da. Mit meiner halben Stelle bin ich nicht so auf die Arbeitszeiten festgelegt, glücklicherweise. Nach Yangzoms Mittagsschlaf bin ich dann im Kindergarten und nehme ein ausgeschlafenes Kind in Empfang.

Nach dem Kindergarten möchte Tenzin gerne noch seine Freunde, die er gerade noch im Kindergarten gesehen hat, treffen. Manchmal sehen wir dann alle wieder auf einem Spielplatz in der Nähe, manchmal habe ich keine Lust dazu und kann mich rausreden. Tenzin spielt zu Hause dann meist allein etwas, Yangzom ist immer noch gerne bei der Mama. Nach Tenzins Kika-Film (mittlerweile nicht mehr das „Sandmännchen“, sondern der Film danach) bringe ich die beiden ins Bett, d.h. wir liegen im großen Bett und ich lese vor, dann stille ich Yangzom und Gendun steckt Tenzin in sein Bett. Letztens habe ich Yangzom zuerst zum Schlafen gebracht und dann mit Tenzin etwas aus seinen Legosteinen gebaut. Er kommt halt doch etwas zu kurz, was das Eins-zu-eins-Spielen betrifft. Das sollten wir öfter machen. Mittwochs und samstags, wenn Gendun seinen Mini-Job hat und etwas später kommt, darf Tenzin bei uns im Bett schlafen. Montags und freitags liest Gendun auf Tibetisch vor. Es ist jedoch ein etwas anderes vorlesen, eher ein Abfragen, aber ich mische mich da nicht ein. Samstags darf Tenzin eine DVD anschauen, während Yangzom ihren Mittagsschlaf macht. Sonntags schaut er „Löwenzahn“ oder „Die Sendung mit der Maus“. Wenn Yangzom dann schläft, ist das meine Zeit, die ich meist mit Lesen verbringe. Früher, als er donnerstags zu Hause war, gab es den iPad-Tag, aber den vergessen wir meistens. Dienstags und donnerstags hat Tenzin Fußballtraining, zum Glück haben jetzt die Sommerferien angefangen und es ist Pause.

Ich merke gerade, es ist ein Tagesablauf aus Sicht der Kinder. Gendun ist meist gegen vier zu Hause und braucht dann seine Ruhe bzw. er nimmt sie sich. Ich schaffe das nicht immer und lasse mich mehr von den Kindern vereinnahmen. Aber ich habe es doch jetzt auch mal geschafft, mich mit einer Freundin zu treffen und abends in Schwabing während einer lauen Sommernacht etwas zu trinken, was mich an meine Studentenzeit erinnerte. Gendun besucht abends manchmal tibetische Freunde. Manchmal sind wir im Park zum Picknicken, wir haben es auch dreimal ins Schwimmbad geschafft. Gerade letzten Sonntag, als es so furchtbar heiß war, waren wir vormittags im Schyrenbad. Siesta zu Hause und gegen 4 dann in den Westpark zum Picknick. Ich hatte auf etwas Abkühlung durch Wind gehofft, Wind gab es auch, aber wahrscheinlich wäre es zu Hause doch kühler gewesen. Ich hatte ab Abend doch etwas Kopfschmerzen, wahrscheinlich von der Hitze und wahrscheinlich zu wenig getrunken. Aber es ist einfach so, dass die Kinder viel Zeit und viel von uns beanspruchen.

Seit dem 14.06. ist meine Elternzeit vorbei, seit dem 24.06. arbeite ich wieder, diesmal nur halbtags und zwar für die nächsten Monate. In der ersten Woche hatte ich Urlaub, um mit Yangzom auf ihren ersten Kindergartentag zu warten, da wir den Krippenplatz erst ab 01.07. hatten. Dann war Gendun zwei Wochen mit Yangzom zu Hause. Also eine Woche richtig zu Hause und dann die erste Woche Eingewöhnung im Kindergarten. Gendun war immer dabei, es ist ja eine schleichende Eingewöhnung. An den beiden letzten Tagen konnte er sie für einige Stunden da lassen. Ich war in der zweiten Woche dran und konnte sie jeden Tag da lassen, erst bis vor dem Mittagessen, dann bis nach dem Mittagessen und am letzten Tag dann sogar bis nach dem Mittagsschlaf. Obwohl ich einiges zu erledigen hatte (endlich mal die ganze Wohnung putzen, Amtliches), war dies doch auch wie eine Woche Urlaub für mich, weil ich doch immer wieder Zeit für mich fand. Das tat mir wirklich gut. Mittlerweile schreit sie morgens fast gar nicht mehr (sie beruhigt sich aber immer sehr schnell, kaum bin ich um die Ecke rum, höre ich gar nichts mehr) und sie streckt ihre Arme der Erzieherin entgegen, fast so nach dem Motto „Du willst mich ja nicht.“ Wenn ich dann nachmittags komme, sitzt sie ganz ruhig auf dem Boden, schaut oder spielt. Und freut sich von ganzem Herzen, mich zu sehen. Tagsüber ist sie wohl „tiefenentspannt“, wie eine andere Mutter, die auch gerade Eingewöhnung hat, meinte. Wir sind sehr glücklich, dass die Eingewöhnung so einfach verlief. Yangzom geht in Tenzins Gruppe. Laut Erzieherin orientiert sie sich, wenn sie nicht allein spielt, eher an den Großen, was sicherlich auch mit Tenzin zusammenhängt.

Ich müsste nachlesen, wie es wirklich bei Tenzin war. Aber bei Yangzom habe ich den Eindruck, dass sie schneller in der Entwicklung ist: Bei Yangzom vollzog sich der Wechsel vom Baby zum Kleinkind vielleicht schneller als bei Tenzin. Sie läuft seit ihrem 11. Monat, sie kann schon mit der Gabel essen, mit dem Löffel klappt es nicht so gut, sie trinkt aus dem Glas oder Becher oder aus einer normalen Flasche. Die ersten Wörter kommen: „meine“ ist gerade ganz beliebt. „Tau-Tau“ heißt „Ciao, ciao“. Man kann ein „Danke“ oder ein „Papa Arbeit“ erahnen. Wenn sie gestillt werden möchte, sagt sie merkwürdigerweise „gahben-gahben“. Sie tanzt gerne und sie spielt gerne in der Badewanne, wie wahrscheinlich alle Kleinkinder.

Momentan bringe ich die Kinder in den Kindergarten und hole sie auch ab. Bei schönem Wetter radeln wir, also Tenzin mit seinem großen Rad und Yangzom im Fahrradanhänger. Und letztens ist mir doch wirklich passiert, was man schon manchmal gelesen und gehört hat und worüber man immer den Kopf schüttelt: Ich habe Yangzom, die schon angeschnallt im Fahrradanhänger saß, im Hof vergessen und bin mit Tenzin schon aus dem Hof geradelt und war schon über der nächsten Kreuzung, wunderte mich dann, dass das Fahrrad sich so leicht fuhr. Also habe es bereits nach hundert Metern gemerkt, aber der Schreck war groß. Ich bin sofort zurück geradelt, Yangzom saß erstaunlicherweise ganz seelenruhig in ihrem Fahrradanhänger, ohne zu weinen, und knabberte an ihrem Stück Brot.

Yangzom hat im Kinderzimmer ihr eigenes Regal mit Bilderbüchern und Babyspielzeug. Lustig finde ich, dass auch Tenzin manchmal ihre Sachen rausholt oder mit ins Bilderbuch schaut, wenn ich ihr „vorlese“. In der Küche darf Yangzom die Plastikschachteln herausräumen. Aber sie findet es auch spannend, aus einem leeren Marmeladenglas die darin gesammelten Tetrapak-Deckel rauszuholen und wieder reinzuwerfen.

Das Schreiben der News ist immer auf mehrere Tage verteilt, ich schaffe es meist nicht mehr an einem einzigen Abend. Gerade ist Yangzom eingeschlafen, Gendun ist bei Tenzin im Zimmer. Ich vermute fast, dass Gendun mit eingeschlafen ist. So liegt oben Tenzin in seinem Doppelstockbett und Gendun unten. Dieses Doppelstockbett bekam Tenzin zu seinem Geburtstag, er hatte es sich gewünscht. Vorher hatte er ein kleines Kinderbett im Kinderzimmer stehen, aber trotzdem schlief er oft noch bei uns. Jetzt mit Yangzom geht das natürlich nicht mehr so. Wir haben zwar ein großes Bett, aber für vier Personen ist es zu viel. Und obwohl er ein großer Junge ist und sich sein Doppelstockbett gewünscht hat, fragt er mich doch noch jeden zweiten Abend, ob er bei mir schlafen kann. Wenn man dann nachfragt, antwortet er mit Tränen in den Augen (wirklich!): „Ich vermisse Euch beim Schlafen.“ Wir haben uns schon vor einer Weile darauf geeinigt, dass er Mittwoch und Samstag, wenn Gendun durch seinen Nebenjob länger arbeitet, mit Yangzom und mir im Schlafzimmer schläft und Gendun im Kinderzimmer. Hintergrund war der, dass ich dadurch nicht nacheinander, sondern gleichzeitig die Beiden ins Bett bringen konnte. Manchmal, wenn Yangzom mehrere Nächte hindurch sehr unruhig schläft, zieht Gendun auch freiwillig ins Kinderzimmer. Ich muss gestehen, dass ich dann das Schlafen im großen Bett mit der kleinen Tochter doch auch sehr genieße.

Letztens war Sommerfest im Kindergarten – wieder mit einem Musical. Tenzin eröffnete Solo das Musical. Ich muss gestehen, dass ich vom Inhalt des ganzen Musicals nicht viel mitbekam, weil Yangzom so unruhig war. Aber dass er so ganz allein sang, das fand ich toll. Im Gegensatz zum letzten Jahr habe ich diesmal die Vorbereitungen zum Musical gar nicht so mitbekommen. Letztes Jahr gab es noch Tränen und fast Kindergarten-Verweigerung, weil er sein Lied nicht so gut konnte und deshalb nicht mit der Erzieherin proben wollte. Diesmal war es fast ein Selbstläufer.

Seit dem Winter war ich immer mal wieder mit Tenzin im Schwimmbad, eigentlich um schwimmen zu üben, aber für ihn war das Spielen und Planschen natürlich wichtiger. Trotzdem musste er mit mir ins tiefe Becken zum Üben. Und wenigstens einmal haben wir auch wirklich die ganze Bahn geschafft. Letztens im Freibad wollte ich auch wieder mit ihm üben, aber es ging nicht, das tiefe Becken war zu voll. Ich denke, da hat ihn dann auch zu viel abgelenkt.

Den Tibetischunterricht macht jetzt Gendun, nicht unbedingt nach meinem Geschmack, aber ich versuche, mich da nicht reinzuhängen. Tenzin meint, es sei besser als der alte Unterricht, aber manchmal gibt es doch auch Tränen. Weil Tenzin seine Buchstaben perfekt schreiben möchte, es aber nicht sofort kann. Gendun wird manchmal schnell ungeduldig bzw. sieht nicht immer, dass Tenzin ja noch ein Kind und Vorschulkind ist. Dann greife ich manchmal ein, weil ich doch der Meinung bin, dass Tenzin daran Spaß haben soll. Aber sie müssen da ihren eigenen Weg finden.

Momentan hole ich die Kinder meistens vom Kindergarten ab. Oft will Tenzin nach dem Kindergarten mit seinen Freunden, die er gerade ein paar Stunden im Kindergarten gesehen hat, auf den Spielplatz oder sich verabreden. Manchmal mache ich mit, aber manchmal habe ich auch wirklich gar keine Lust, sein „Freizeitsklave“ zu sein. Er reagiert da immer mit großem Unverständnis. Aber es kann auch nicht immer alles nach ihm gehen.

Bis zu den Sommerferien hatte Tenzin zweimal in der Woche Fußballtraining. Zum Glück konnten wir uns da mit einer anderen Familie aus dem Kindergarten reinteilen, so dass wir nicht zu beiden Terminen mitmussten. Die kleinen Fußballer sind ja oft wie die großen ausgestattet. Hier in München natürlich bevorzugt mit der FC Bayern-Kleidung, beliebt ist auch FC Barcelona. Da kommt schon so ein Markenbewusstsein durch, Tenzin kennt auch die ganzen Sportmarken und findet sie „cool“, zum Glück gehen da auch gebrauchte Sachen noch als cool durch. Letztens erbte er eine 1860er Hose. Sein Freund und er fanden die Hose toll, sie wissen wahrscheinlich nicht, dass man nur Fan von dem einen oder von dem anderen Verein sein kann. An dem Tag ging Tenzin FC Bayern-Stutzen, 1860-Hose und Tibet-Trikot zum Training. Das nenne ich mal Toleranz.

Am 12.09. ist Einschulung. Dann beginnt wieder ein neuer Lebensabschnitt für Tenzin, aber natürlich auch für uns. Schule und Hort und Sport müssen organisiert werden, alles mit Yangzom koordiniert werden. Tenzin möchte gerne ein Instrument lernen (sagt er selbst), entweder Geige oder Gitarre, es soll etwas Wildes sein. Ich habe erste Erkundungen, aber wir haben den Beginn erst einmal auf Januar verschoben, weil sich dann hoffentlich alles eingespielt hat. Nächste Woche wird im Kindergarten die Schultüte gebastelt, die letzten Dinge muss ich noch kaufen, aber wir sind schon ganz gut ausgestattet.

Ich bin gespannt, wie sein Hort wird. Letztens war ich schon bei einem ersten Elternabend. Es ist ein großer Unterschied zu unserem Kindergarten. Dieser ist ja eine teurere Elterninitiative, deshalb sind es wahrscheinlich auch etwas andere Eltern. Hier im Sprengel ist es ja ganz gemischt aus allen Schichten, Ländern, Bereichen. Interessant ist immer wieder, worüber alles diskutiert wird. Es wurden im Hort Dienste eingeführt, erst einmal nur der Tischdienst. Hier meinten die Eltern, dass die Kinder bei der Einführung zu wenig einbezogen wurden. Auch die Länge des Mittagessens mit zwanzig Minuten wurde als zu viel angesehen. Ich saß nur da und fragte mich, was das soll. Klar muss man den Kindern sagen, dass es ab sofort die und die Aufgaben gibt, aber man muss da nicht ewig drüber diskutieren. Zu Hause diskutiere ich ja auch nicht mit Tenzin, dass er den Tisch decken soll. Er muss es einfach machen.

Vor etwas zwei Wochen konnte ich Gendun endlich mal wieder zu einer Bergtour motivieren. Ich hatte mir das Hörnle ausgesucht. Mit der Bahn ging es nach Bad Kohlgrub, von dort mit dem Sessellift nach oben und dann sind wir nach Unterammergau hinuntergelaufen. Leider hatten wir kein richtiges Glück mit dem Wetter. Normalerweise hätte man wohl eine super Sicht auf die Ammergauer Alpen, aber wir sahen nur grau, nämlich Nebel. Als dann auch noch graue Wolken aufzogen, scheuchten wir Tenzin doch wieder runter. Was natürlich etwas schade war, weil wir uns keine richtigen Picknick-Pausen gönnen konnten. Letztlich regnete es natürlich nicht. Trotzdem hatten wir alle einen schönen Bergtag. Sogar Gendun hatte Spaß daran und meinte, dass er beim Nebelpicknick sehr glücklich gewesen sei.

In einer guten Woche geht es nach Stralsund, allerdings sind wir nur vier ganze Tage da. Ich hoffe, das tolle Sommerwetter hält an, damit wir auch jeden Tag an den Strand gehen können. Wir haben dort eine kleine Ferienwohnung gemietet. Leider hatte ich bei der Auswahl des Ferienortes nicht bedacht, dass die Anfahrt doch sehr lang ist.

Seit einem Monat arbeite ich wieder. Momentan gefällt es mir gut, es ist nur halbtags, aber ich komme raus aus meinem Muttersein und habe wieder andere Dinge im Kopf. Für mich ist Arbeit schon auch so etwas wie eine Auszeit aus dem Muttersein. Letztens wurde ich kurzzeitig verunsichert, als eine Bekannte (ca. 65 Jahre) zu mir meinte: sie sei der Meinung, dass das Kind drei Jahre bei der Mutter bleiben solle. Verunsichert ist eigentlich das falsche Wort, weil ich davon überzeugt bin, dass es mit der Halbtagsarbeit, abgesehen vom Geld, für uns das richtige ist. (Weil ich als Vollzeitmama eingehen würde.) Aber ich dachte darüber nach, ob diese Äußerung nun als „freie Meinungsäußerung“ zu sehen ist. Oder ob es nicht doch auch etwas unsensibel ist so etwas zu sagen, wenn man nicht genau weiß, warum das Kind mit einem Jahr schon in die Krippe geht. Wenn ich nun wirklich ein schlechtes Gewissen, aber keine andere Wahl (zum Beispiel aus finanziellen Gründen) hätte, dann wäre so eine Äußerung doch wie ein Faustschlag ins Gesicht.

Während meines Japanologie-Studiums habe ich natürlich auch japanische Klassiker gelesen, u.a. das „Kopfkissenbuch der Sei Shonagon“. Dieses Buch, ein Sammelsurium aus Gedanken, Beobachtungen, Meinungen, Anekdoten, Aufzählungen ist mir immer noch in guter Erinnerung. Jetzt kommt mein kleines Kopfkissenbuch.

Letztens war ich beim Juwelier, weil ich eine Kette reparieren und Schmuck reinigen lassen wollte, aber auch um etwas Silber zu verkaufen. Im Laufe der Jahre hatte sich doch so einiges an Silber angesammelt, Schmuck, den ich nicht mehr trug, den ich aber auch nicht für Yangzom aufheben wollte (außer einen kleinen Blumenring). Dieses kleine Häuflein Silber war ganze 64 Gramm schwer und 20 Euro wert. Davon bezahlte ich dann Reinigung und Reparatur.

Wegen meiner Rückenschmerzen, die kurz nach Arbeitsbeginn wiederkehrten, war ich beim Arzt. Was ich überhaupt nicht mag und auch nicht verstehe, ist der Umstand, dass man nicht nur im Wartezimmer warten muss, sondern dann auch schon einmal ins Sprechzimmer gebeten wird und dann dort auch noch einmal warten muss oder vielleicht im Flur davor. Was immer furchtbar langweilig ist, weil man das Käseblatt aus dem Wartezimmer meist doch nicht mitnimmt, weil man ja denkt, dass man gleich dran kommt. Erschwert wird es dann noch, wenn man ein Kleinkind dabei hat, weil es ja nicht herumspielen darf. Und als Krönung dann guckt einen der Arzt gar nicht an, sondern schaut nur flüchtig auf den Rücken, wofür er das T-Shirt nur kurz hochziehen lässt.

Wir wohnen über einem Eiscafe. Dieses Eiscafé öffnet Februar / März und schließt so gegen Anfang Oktober. Frau Stefani ist unsere Nachbarin aus Norditalien. Mit ihr rede ich immer mal wieder über das Wetter. Mal ist es ihr zu kalt, mal zu warm, dann zu spät warm, für Juli zu kühl. eigentlich passt das Wetter nie. Wenn es dann über 35 Grad sind, kommen die Leute nicht ins Eiscafé, weil sie am Strand sind usw. Ich gebe zu, ich mache mir manchmal einen Spaß daraus.

Mit Kinderwagen in den Öffentlichen unterwegs – da muss man öfter den Fahrstuhl benutzen. Jedesmal, wenn ich hier in München einen benutze, wundere ich mich einmal über das Wort „Sperrengeschoss“. (IM Internet fand ich mal eine Erklärung, dass es wohl davon kommt, dass es früher Sperren gab, bevor man auf die Bahnsteige kam. Es bezeichnet hier jedenfalls die Zwischengeschosse.) Und dann finde ich die Beschreibung der Tasten zum Bedienen des Fahrstuhls sehr merkwürdig. Hier ein Beispiel. Im Lift an der Schwanthaler Höhe steht in Rollstuhlhöhe: „AUF“ und „AB“. Auf den Tasten neben der Tür steht „Sperrengeschoss“, „Oberfläche“, „Notruf“, „Türe“, alles noch mit großem Anfangsbuchstaben daneben. Im Lift in Hebertshausen standen nur die Abkürzungen „U“ und „EO“. „U“ steht vielleicht für Unterführung. Aber wofür steht „EO“? Und was machen Touristen, wenn sie sich in einen Fahrstuhl verirren? In Hebertshausen habe ich einfach auf beide Tasten gedrückt.

Bei unserem Lidl steht auf der Kasse vor den Kassierern u.a., dass sie die Kassiergeschwindigkeit den Kunden anpassen sollten. Mal abgesehen, dass sie das nicht wirklich berücksichtigen, wünschte ich mir diesen Hinweis auch bei Aldi. Da wird die Ware so schnell über den Scanner gezogen, dass man fast nicht hinterherkommt. Mittlerweile lasse ich mich davon nicht mehr beeindrucken und packe alles in Ruhe ein.

Ist es das Alter oder liegt es an den Kindern? Immer öfter kommen Kindheitserinnerungen hoch. Zum Beispiel an den Ostseeurlaub in Polen mit Milchnudeln zum Abendessen, schlafen in einer Burg, Flieger steigen lassen am Strand. Oder haben wir in Tschechien in einer Burg geschlafen?

Oder Erinnerungen daran, was meine Mutter oft kochte: Schnitzel, Tütensuppe, Pudding mit untergehobenem Eischnee. Welche „Essenserinnerungen“ werden unsere Kinder haben? Momo, Spaghetti Bolognese, Brathähnchen aus dem Backofen, Gemüsepfanne aus dem, was der Kühlschrank hergibt. Manchmal backe ich Brot selbst, na ja, mit einer Brotbackmischung. Oder ich mache aus Marmelade. Und dann denke ich an den Keller meiner Großeltern in Freital mit den Einweckgläsern voll gräulicher Erdbeeren (die sollte man doch lieber frisch essen) oder Omas unübertroffener Pflaumenmarmelade oder Quittengelee. Da wird man doch so richtig wehmütig.

Mit den Gedanken daran, werde ich mich langsam bettfertig machen. Gute Nacht und kommt gut durch die Sommerhitze.

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