News Juni 2013

Diesmal soll die Pause nicht so lang werden. Es gibt auch einiges, an das ich aus den letzten News anknüpfen kann.

Von allen neun Horteinrichtungen, bei denen wir Tenzin angemeldet haben, sind nun Absagen gekommen. Für die Mittagsbetreuung, von der die Antwort noch aussteht, musste ich jetzt erst hundert Euro überweisen, um überhaupt im Auswahlverfahren zu bleiben. (Das Geld wird bei Absage zurücküberwiesen.) Diese Mittagsbetreuung ist unsere letzte Hoffnung, auch wenn diese nur bis 15:30 Uhr geht und nicht wirklich hilfreich für uns ist, zumal die nichts in den Ferien anbietet. Ich hoffe immer noch, dass wir irgendwo nachrücken können. Beim städtischen Hort in Tenzins Sprengelschule gab es etwa 80 Anmeldungen für knapp zwanzig Plätze. Bei der einen Einrichtung stehen immer noch 45 Kinder auf der Warteliste. Was mir nicht bewusst war, ist die Tatsache, dass 2006/2007 ein geburtenstarker Jahrgang war, weil da das Elterngeld eingeführt wurde. Nun scheinen die Verantwortlichen in der Politik hier überhaupt nicht aktiv geworden zu sein. Ich bin gespannt auf die Antworten auf meine Beschwerden. Und vor allem bin ich gespannt, wie wir das Problem lösen, sollten wir wirklich keinen Platz bekommen. Mir graut jetzt schon davor. Und dabei hatte ich immer gedacht, einen Krippenplatz zu ergattern, sei das Schwierigste. Über unsere Wohnungsgesellschaft gibt es einen Verein („Generationengerechtes Wohnen“), der auch an drei Nachmittagen etwas für Grundschüler anbietet. Hier ist Tenzin nun auch angemeldet. Die Chancen, dort einen Platz zu kriegen, sind ganz gut und dies wäre dann sicherlich auch gut mit der Mittagsbetreuung kombinierbar.

Tenzin haben wir derzeit von der Tibetischschule abgemeldet. Es waren eh nur noch drei Kinder. Gendun war nicht mit dem Unterricht zufrieden und mit dem, was dabei herauskam bzw. nicht herauskam. Nun will er ihn jedes Wochenende zu Hause unterrichten. Ich hoffe, es geht gut, weil er dabei nicht immer eine gute pädagogische Ader beweist. Manchmal denke ich: „Lass ihn machen, das ist sein Ding.“ Aber dann denke ich auch immer, dass Tenzin weiterhin Spaß daran haben soll und das ganze nicht in Zwang ausarten soll. Letztens habe ich dann auch eingegriffen, als Gendun einfach nur Wörter wiederholen ließ. Dieses sture Auswendiglernen bringt nicht viel, denke ich. Heute war Tenzin doch etwas traurig und meinte, er sei eben dumm. Und das kann ja dann doch nicht sein, denn schließlich weiß er so viele andere Dinge und merkt sich alles mögliche über Dinosaurier, Haifische und was weiß ich nicht alles. Manchmal wundere ich mich natürlich auch, warum er von einer zur anderen Minute ein Wort immer wieder vergisst oder Dinge nicht benennen kann, die ihm sein Vater immer wieder gesagt hat. Vielleicht ist sein Kopf einfach nicht frei genug für diese Sprache, sondern eher für Fußball, Dinosaurier und Autos.

Es wird Zeit, dass Tenzin zur Schule kommt. Ich merke, dass mir doch immer öfter der Elan und die Motivation fehlt, ihm aus seinen Büchern vorzulesen. Ich gebe zu, es sind oft auch Bücher, die mich wenig interessieren (Fußball), die ich schon gefühlte tausend Mal gelesen habe (Dinosaurier) – und aus diesen Büchern dann immer wieder gleichen Geschichten, also zum Beispiel immer wieder die fleischfressenden Saurier und nicht etwa die Pflanzenfresser, jetzt hat er auch noch ein Buch über „Star wars“ ausgeliehen. (Heute musste ich in der Straßenbahn aus einem Buch über die Star wars-Lichtschwerter vorlesen. Ich hoffe immer, dass ich mich dabei nicht beim falschen Aussprechen der komischen Namen (z.B. Darth Maul, General Grievous oder Sith) blamiere.)Und dann hat er die Unart, immer neue Bücher anzufangen und nicht zu Ende zu lesen. Aber jetzt versuche ich dies doch immer durchzudrücken.

Eine komische Angewohnheit, die Tenzin derzeit hat, ist es, aus den Hörgeschichten, Filmen und Radioliedern immer nur Fragmente zu zitieren. Gestern musste ich mir immer wieder „Schrottschreddern“ (Aus der Geschichte „Im Kofferland“ gehört auf ohrka.de) und „David Harleyson, mit Vollgas in die Südkurve (oder so ähnlich)“ (ebenda). Oder er singt das Werbejingle von Antenne Bayern. Auch erzählt er mir gerne Episoden aus den verschiedensten Filmen, die er gesehen hat (und auch nicht gesehen hat, z.B. Star wars). Bevorzugt ohne mir vorher sagt, 1. dass er aus einem Film nacherzählt und 2. aus welchem Film er nachzählt. Bis ich ihn dann leicht genervt frage, was er eigentlich von mir wolle.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich es nicht wieder zum Joggen geschafft habe. Als Entschuldigung möge das schlechte Wetter herhalten, auch dass ich einen Milchstau hatte, dass ich dafür mit Tenzin im Schwimmbad war (letzten Sonntag klappte es wirklich gut schon) und dass wir eine gute Woche in Berlin waren.

A propos Berlin: Meine Schwester war im Mai für etwa drei Wochen in Deutschland, besuchte Mama, Papa, eine Freundin bei Berlin und eine Freundin bei München. Ich fuhr mit den beiden Kindern nach Berlin, um zwei Fliegen mit einer Klatsche zu schlagen (ich wollte eh nach Berlin, um meine Eltern zu besuchen). Um einen Tag mehr zu haben, entschied ich mich diesmal für die Hinfahrt für den Luxus eines Schlafwagens. Ich bin wohl mal als Kind mit einem Schlafwagen gefahren und hatte davon ein normales Doppelstockbett mit relativ viel Platz im Abteil in Erinnerung. Nun, in Zeiten der Effizienz hat sich da einiges verändert. Man muss schon sagen, dass sich die Designer, die dafür verantwortlich sind, einiges haben einfallen lassen und die Kabinchen auch effizient gestaltet haben. Für eine alleinreisende Mutter mit zwei Kindern, Gepäck und Buggy sind diese Abteile doch eher grenzwertig. Zum Glück konnte Gendun uns zum Zug bringen und uns schnell innerhalb der zwei Minuten reinstopfen. Aber dann steckten wir in diesem kleinen, nein, winzigen Abteil, es war noch heiß, Yangzom brüllte, der Buggy fand keinen Platz. Ich wusste nicht weiter und kam nicht weiter. Zum Glück, wieder, war die Zugbegleiterin sehr nett, verstaute dann den Buggy unterhalb der Treppe (denn unter unserem Abteil war auch noch ein Abteil). Irgendwann schlief auch das brüllende Kind ein, es wurde kühl, und ich versuchte, auf der schmalen Liege neben Yangzom ebenfalls zu schlafen, wurde aber schon vor fünf wach und las dann. Immerhin gab es ein kleines Frühstück dazu.

Zuerst waren wir bei Papa in Petershagen, weil für den nächsten Tag ein großes Familientreffen mit Doris‘ Kindern auf einem Kinderbauernhof geplant war. Aber am Ankunftstag fuhren wir bei dem schönen (das auch die nächsten Tage so toll bleiben sollte) zum Tierpark Friedrichshain, in dem ich seit meiner Kindheit nicht mehr war. Aber es hat sich nicht viel verändert. Tenzin kletterte auf die riesigen Tierskulpturen, auch das metallene Klettergerüst mit integrierten Tierfiguren gab es noch, die schönen Alleen… Nur die Preise haben sich doch sehr verändert, eben wie in allen Tierparks. Das Familientreffen am nächsten Tag war sehr schön. Einer der „Jungs“ (wie ich sie immer für mich nenne, damit sind sie nur unwesentlich jünger und haben auch Familie) war mit Familie da, die zweite Schwiegertochter auch. Als Teenager haben wir ja doch einige Zeit miteinander verbracht, so ist doch schön zu sehen, was aus ihnen geworden ist. Auf dem Kinderbauernhof gibt es einen schönen Spielplatz, Streichelzoo und Ponys zum Reiten, alles in greifbarer Nähe, so dass man die Kinder doch auch relativ frei laufen und sich mit den anderen unterhalten kann. Bei Papa hatten wir ein schönes Hotelzimmer in der Nähe.

Und auch am nächsten Tag ging es in ein Hotel, diesmal in Lichterfelde, weil bei Mama bereits Nanne mit ihren beiden süßen Mädels logierte. Ehrlich gesagt, war ich auch ganz froh, um diese Rückzugsmöglichkeit am Abend. Der einzige Nachteil war, dass ich abends nicht mit Mama, Nanne und Siegfried schwatzen konnte. Auch Mama hatte für den nächsten Tag ein Treffen im Park um die Ecke organisiert, u.a. mit einer Kollegin und deren Sohn, den wir auch aus unserer Kindheit kennen. (Er sagte nun, wir hätten ihn immer geärgert.) Bei schönstem Wetter picknickten wir unter einem rosa blühenden Baum, Siegfried engagierte sich wie immer in der Kinderbetreuung und zog unermüdlich den Rutschlift wieder in die Startposition, Tenzin fand auch hier wieder jemanden zum Fußball spielen. An einem Tag war ich mit Tenzin unterwegs zum Einkaufen, am nächsten Tag luden wir Mama zum Frühstück in ihrem Lieblingsfranzosen ein (leider entdeckte Nanne erst später ein Kindercafé in Steglitz), am vierten Tag wollte Mama „kinder- und enkelkinderfrei“ und wir trafen uns mit einer Schulfreundin Nannes im Prenzlauer Berg, besuchten zwei Spielplätze und diverse (Second hand-)Shops. Nachmittags war Siegfried mit Tenzin beim Fußballspielen oder radeln oder mit den Kindern beim Trampolin springen. Am letzten Tag war Nanne bereits weitergereist. Tenzin und Siegfried radelten um Krumme Lanke und Schlachtensee (etwa 15 km) herum, wir trafen die beiden dann auf der „Domäne Dahlem“, auch so eine Art Kinderbauernhof. Und am nächsten Tag ging es schon wieder heimwärts. Diesmal ganz normal tagsüber. Etwa zehn Tage später traf ich Nanne noch einmal in Ampfing bei einer Freundin, die jedoch arbeiten musste. So hatten wir noch einmal einen Tag ganz allein (wenn auch mit Kindern), was auch sehr schön war, denn sonst war immer jemand dabei.

Die Tage waren für mich sehr schön. Manchmal vermisse ich meine Schwester schon. Unsere Eltern hatten auch so viel organisiert und vorbereitet. Sicherlich ist es nicht immer einfach, wenn so viele (verschiedene) Menschen auf relativ engem Raum aufeinandertreffen und manchmal auch Welten / Konzepte aufeinander prallen. Ich denke dann immer an früher und überlege, wie es für unsere Eltern war, als sie mit Kindern verreisten. Aber man kann es nicht wirklich vergleichen. Sie waren zehn Jahre jünger als wir., damit vielleicht auch etwas lockerer. Unsere Eltern kutschierten uns dankenswerter Weise diesmal wieder von einem Ort zum Anderen. Das war damals auch nicht möglich, weil die meisten keine Autos hatten. Aber das wichtigste für mich war, dass wir eine schöne Zeit miteinander hatten.

Für Yangzom war dies auch die erste längere Reise. Sie war doch eingeschüchterter als zu Hause, zumal sie eh ein ängstliches und schreckhaftes Kind ist. Sie ist auch wesentlich ruhiger als Tenzin, wahrscheinlich sagt sie sich: „Wenn mein Bruder ohne Punkt und Komma spricht, muss ich es nicht auch noch tun.“ Seit letzter Woche macht sie ihre ersten Schritte, aber nur nach Aufforderung. Sie kann die Treppe hochkrabbeln Erst dachte ich, es sei etwas ganz Besonderes, dass sie schon sowohl Tibetisch als auch Deutsch versteht, wenn wir ein „Küsschen“ bzw. „Ba“ einfordern. Aber ich habe nachgelesen. Im Dezember 2007 konnte Tenzin genau dies auch schon, aber sie sagt wenigstens schon auch das „Ba“ dazu. Anfangs sagte sie, wie auch Tenzin, öfter Papa bzw. tibetisch „Apa“ als Mama, aber nun werde ich auch öfter schon mal Mama gerufen.

Jetzt sind es nur noch gut drei Wochen, bis ich wieder anfangen muss zu arbeiten. Der Abschied von dem ruhigen Leben wird mir doch auch etwas schwerfallen. Ich bin gespannt, wie es wird.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter News veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s