News 2011 – übernommen von www.pankeanke.de

Januar 2011

Seit dem 8. Oktober, meinen letzten News, sind ja mittlerweile Tage, Wochen, Monate vergangen, um genau zu sein, sind es vier Monate minus eine Woche. Und ein Jahreswechsel lag auch dazwischen. Dies sind auch die ersten News am neuen Computer. Unser alter, den ich kaufte, bevor Gendun nach Deutschland kam, gab nun doch seinen Geist auf und wir entschieden uns für einen Neukauf. Habe gerade auch wieder herausgefunden, wie ich die News dann nachher auch hochladen kann.

Was ist in den letzten vier Monaten passiert? Eigentlich ziemlich viel. Tenzins vierter Geburtstag wurde erstmals richtig mit einem Kindergeburtstag gefeiert. Ich habe mir viel zu viele Gedanken vorher gemacht, was ich alles mit den Kindern spielen wollte, aber das war gar nicht so gefragt. Nur Topfschlagen und dann noch Tauziehen auf dem Hof, das kam an. Ansonsten haben sie im gemäßigten Rahmen das Kinderzimmer auseinander genommen. Während einer Veranstaltungen im Kunstareal zu den Pinakotheken konnte ich Tenzin, obwohl er noch keine fünf ist, zu meiner Kollegin in einen Kinderkurs schicken für drei Stunden, was er auch schön mitmachte, wie sie mir dann hinterher erzählte. Das sind dann immer so die Momente, in denen ich denke und spüre, dass er groß wird. Hat fast so etwas von Abkapselung. Ende November eröffnete die erste Ausstellung im Museum Brandhorst, die Ausstellung „Picasso Künstlerbücher“ über Picassos Buchillustrationen. Da wir mit einem großen Ansturm rechneten, wollte ich an einem Sonntag sehen, wie viele Besucher kommen würden, und ging mit Tenzin dorthin. Er zog mich recht schnell durch die Ausstellung. Dann zeigte ich ihm noch den Rest des Hauses. Zum Schluss fragte ich ihn, was ihm am besten gefallen hätte, worauf er antwortete: „Das Kritzikratzi-Bild“, womit er „Nini’s Painting“ von Cy Twombly meinte, das wirklich so aussieht, als hätte jemand in Krakelschrift eine riesige Leinwand beschrieben. Ich fragte ihn noch, was er zu den Picasso-Bildern meinte und er antwortete: „Der malt schlecht!“ Sankt Martin fand statt mit schönen selbst gebastelten Laternen, Kinderweihnachtsfeier (in der Woche, in der auch meine Weihnachtsfeier und Genduns beide (alte und neue Arbeit) stattfinden), auf der Tenzin erstmals auch etwas öffentlich allein sang.

Etwas Besonderes waren dann wirklich unsere Weihnachtsfeiertage, da meine Schwester mit Tochter und Mann nach Deutschland kam. Zuerst waren wir in Berlin und waren dort jeden Tag beschäftigt und trafen immer jemand anderen. Untergebracht waren wir in einer Ferienwohnung in der Nähe von Mama. Morgens waren wir dann zum Frühstück meist bei ihr und Siegfried. Einen Tag fuhren wir alle mit der S-Bahn durch ganz Berlin zu Papas Familie, was bei Berlins Größe schon fast eine kleinere Weltreise ist. Auf der Rückfahrt nach München machten wir noch Stopp in Merseburg, um meine Oma zu besuchen. Die Rückfahrt war noch abenteuerlich. In Naumburg mussten wir über eine Stunde länger auf unseren Zug warten, der um Mitternacht mit drei Stunden Verspätung in München ankam. Dort blieben wir eine Nacht. Nach zwei Tagen Arbeit fuhr ich mit Tenzin nach Grasleiten, wo Nanne plus Familie noch einige Tage Winter-/Natururlaub machten. Am 31.12. sind wir Skifahren gegangen. Ich hatte mich noch mit Paloma, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte, dort verarbeitet. Für Tenzin, Corné und mich liehen wir Skier und für die Männer noch Helme aus. Ich war ca. fünf oder sechs Jahre kein Ski mehr gefahren. Corné und Tenzin noch nie. Corné stürzte sich waghalsig immer wieder den Hang hinunter und ließ sich vom Fallen nicht schrecken. Ich versuchte es mit Tenzin zwischen den Beinen, aber er ließ sich dann zum Schluss lieber von Paloma den Hang hoch schieben und rutschte wieder runter. Abends kamen Freunde von Nanne zum Raclette, es war eine gemütliche Runde, die sich wegen der Kinder jedoch auch früh auflöste Am nächsten Tag fuhren wir wieder nach Hause. Ich arbeitete noch einmal zwei Tage und dann kam Nanne mit Josephine zu uns, während Corné schon wieder in den Flieger nach Namibia stieg. Nanne fuhr dann zu Mamas 60. Geburtstag (Wahnsinn!!!) nach Berlin zurück.

Nun hat uns der Alltag wieder. Wir haben endlich unsere Flüge gebucht, um im Mai zu Genduns Familie fahren zu können. In gut drei Monaten geht es los. So, das war ein kurzer Rückblick für eine lange Zeit. Vielleicht klappt es dieses Jahr besser mit den News. Ich wünsche Euch allen, wenn auch mit ziemlicher Verspätung ein gutes neues Jahr 2011, das genauso werden soll, wie Ihr es Euch wünscht.

30. Januar 2011

April 2011

Wieder sind drei Monate vergangen. So auf die Schnelle fällt mir gar nicht, was wir in den letzten Wochen gemacht haben. Aber dafür gibt es immer wieder Momente, in denen Kindheitserinnerungen hochkommen. Diese Erinnerungen werden durch ganz verschiedene Momente geweckt – Zusammensein von Tenzin, Wünsche von Tenzin, Familientreffen, Zusammenkommen mit Menschen aus der gleichen Region usw.

Diese Erinnerungen sind wahrscheinlich anders verhaftet als Erinnerungen von den heutigen Kindern, die auf so wahnsinnig viele Fotos zurückgreifen. (Ich ertappe mich ja selbst dabei, dass ich mir manchmal Personen in Erinnerung rufe und genau weiß, dass ich gerade ein Foto erinnere.) Manchmal sind es eher Kulissen, an die ich mich erinnere und sicherlich auch nicht mehr korrekt. Zum Beispiel Dargun: Die Hochzeit unserer Kindergärtnerin in Dargun, wir Kinder standen an der Treppe, die zum Rathaus hinaufführte. Einkaufen beim Bäcker in Dargun im gleichen Haus ohne Geld, weil meine Mutter immer hinterher bezahlte. In Berlin, als ich mal einen Fleischsalat kaufen wollte, aber nur eine Mark hatte, der jedoch 1,30 M kostete und ich der felsenfesten Überzeugung war, dass ich 30 Pfennig zurückbekäme. Wie ich meine Schwester in Berlin allein zum Kindergarten gebracht habe. Morgens um sechs mit meiner Mutter auf dem Spielplatz, sie drehte joggenderweise ihre Runden und wir wollten unbedingt mit und spielten dann dort. Das braune Kinderzimmer in der Zelterstraße. Duschen unter kaputten Regenrinnen, Papas Ärger danach und das warme Bad anschließend. Der Roller, den ich zur Einschulung bekam (und Tenzin will jetzt schon ein Fahrrad). Ich lernte erst Fahrrad fahren, als ich schon ein Schulkind war – und zwar lernte ich das zusammen mit meinen (Groß-)Cousins in Merseburg neben dem Haus in der Jahnstraße. Die Fahrradtouren mit unseren Eltern zum Summter See, wahrscheinlich waren es nur kurze Strecken. Die abenteuerliche Fahrt zum Lotsche-See mit alten Umkleidekabinen. Unsere Ferien in Heiligenstadt bei unseren Großeltern mit Spaziergängen auf dem Eichhörnchenweg, zum Neunbrunnen, die Waldspaziergänge dort mit Fräulein Siegert, einer älteren Dame, die sich für die Arbeiter aus Afrika engagierte und uns viele Pflanzennamen beibrachte, die ich leider fast alle vergessen habe. Die Fahrten in das kleine Fachwerkdorf Kleinberndten, aus dem mein Großvater stammte. Das süße Tellerchen, das es abends immer zum Fernsehen gab und das mein Großvater immer herrichtete. Tannenzapfen sammeln im Wald als Feuerholz für den Badezimmerofen. Die Speisekammer und das „Herrenzimmer“ meiner Großeltern in Freital.

Je mehr ich so schreibe, um so mehr Erinnerungen kommen hoch. Vielleicht werde ich irgendwann einmal als alte Oma auf dem Sofa sitzen und meinen Enkeln davon erzählen. Und irgendwann sind diese Erinnerungen weg, weil sie niemand mehr im Kopf hat.

Und wie sieht es mit meinen aktuellen Erinnerungen aus? Da muss ich doch meinen Kalender zu Rate ziehen. Die meiste Abwechslung findet wohl in Tenzins Leben statt – mit Turnen, Musikunterricht, Kinderpalais (Kinderkurs hier bei mir in den Pinakotheken), Kindergeburtstagen, Kinder-/Familienkurs „Kinder und Buddhismus“ in einem buddhistischen Zentrum, spielen, spielen, spielen. Mein Kalender hat wirklich nicht viel hergegeben außer Arztbesuche, Arbeit – das tägliche Allerlei. Spannend war noch das Visum beantragen für unsere Reise im Mai. Aber wir haben es bekommen! Letztens waren wir alle drei im „Dino-Museum“, also eigentlich im Paläontologischen Museum hier in München zur Tag der Offenen Tür, weil sich Tenzin seit Weihnachten fast ausschließlich mit Dinosauriern beschäftigt. Ob er die ganzen Dino-Namen in zehn Jahren immer noch kennt? Wer weiß? Ob ich sie dann auch noch kenne? Das erste Picknick im Westpark mit Barfuß-Fußball haben wir auch schon gemacht. Letztens haben wir zum ersten Mal (auch in meinem Leben) Eier ausgepustet, denn Tenzin musste fünf ausgepustete Eier in den Kindergarten mitbringen. Und siehe da, es war einfacher als ich dachte. Tenzin blies eigentlich alle fünf allein aus und keines ging kaputt. Heute zeigte er mir kurz durchs Fenster, dass sie schon bemalt seien. Dann muss ich sie mir nächste Woche einmal richtig anschauen. Seinen Weihnachtsstern auf dem Fensterbrett, der nach einem Radikalabschnitt jetzt lauter rote und rosa-grüne Blätter hat, hat er auch mit kleinen Holzeiern geschmückt. Mir fehlt nur noch ein Osterkorb, dann kann Ostern kommen. Vielleicht werde ich mal kreativ und bastele einen. Jetzt stehen unsere Reisevorbereitungen an: Mitnahmelisten checken, Medikamente kaufen, vielleicht noch Geschenke kaufen. Reichen unsere Koffer? Wie viele Koffer darf man überhaupt heutzutage pro Person mitnehmen? Wie wird das Wetter sein und welche Kleidung brauchen wir? Batterien oder Akkus besorgen. Usw. usf.

Ich wünsche Euch allen ein schönes Osterfest. Nach meinem Urlaub – irgendwann – könnt Ihr wieder von mir lesen.

16. April 2011

Juli 2011

Die Zeit vergeht wie im Flug. Jetzt sind wir schon wieder über einen Monat aus Tibet zurück. Und selbst in dieser kurzen Zeit ist wieder relativ viel passiert, wenn man bedenkt, dass wir fünf Tage in der Woche arbeiten bzw. in den Kindergarten gehen.

Anfang Mai bis Anfang Juni waren wir in Tibet. Knapp vier Jahre nach unserer ersten Reise. Es war eine interessante Erfahrung für uns alle. Zumindest ich habe einiges über Tenzin gelernt und Tenzin über seine Familie. Mit dabei war in den ersten beiden Wochen meine „alte“ Schulfreundin und Trauzeugin Gesine. Wir haben einige kleinere Reisen bzw. Ausflüge gemacht – Kumbum, Labrang, Rebkong haben wir auch vor vier Jahren bereits angeschaut. Aber diesmal machten wir noch einen Ausflug nach Achung Namzong, einem heiligen tibetischen „Kraftplatz“ mitten in den Bergen – nicht diese abgerundeten Grasberge, sondern rot-zerklüftete Felsen mit richtigen Bäumen bis fast oben hin, was man sonst nicht so häufig sieht. Wir waren bei zwei Laptse (Gebetsfahnenstangen auf besonderen Bergen / Hügel, eine Tradition noch von der Bön-Religion), die ich noch nicht kannte und von denen wir wunderbare Sichten ins tibetische Land hatten. Von einem haben wir Windpferde in die Luft geworfen. Das Wetter war durchwachsen. Mal heiß und sonnig, dann wieder windig und regnerisch. Manchmal konnten wir die leicht mit Schnee überzuckerten Berge in der Ferne, aber auch fast gegenüber sehen. Tenzin sprach weniger Tibetisch als ich erwartet hatte, dafür mehr mit Händen und Füßen, d.h. mit Ziehen und Zerren, komischen Reaktionen, die erst hinterher verständlich wurden. Für ihn war es das Schlaraffenland mit Süßigkeiten, Fernsehen, immer draußen spielen. Letztens meinte er, als ich fragte, ob er wieder mit nach Tibet fährt, ganz rigoros: „Nein!“ Ich war etwas perplex, auf Nachfragen stellte sich dann heraus, dass er damit meinte, dass er keine Lust zum Herumreisen in Tibet habe, er wolle dann nur seine Oma dort besuchen. Gendun hatte diesmal seine Freiheit und genoss sie auch voll aus: Er traf Freunde und Verwandte und war viel unterwegs. Aber er hatte mich ja auch vorgewarnt, und dann war das auch okay so. Wir haben viel gegessen: Momos, Schaffleisch, Nudelsuppen usw. Und wir Eltern konnten ausschlafen!!! Da Tenzin jeden Abend relativ spät ins Bett kam (meist erst nach neun), schliefen wir alle bis acht Uhr. Welch eine Wohltat! Diesmal sind wir auch mit dem Zug von Peking nach Xining gefahren. Das war ein richtiges Abenteuer, da wir keine Platzkarten hatten, weder für den Liegewagen, noch für Sitzplätze und der Zug in den Sitzplatz-Wagons schon übervoll mit Stehenden war – und wir vier mit großem Gepäck und kleinem Kind mittendrin. Ein Schaffner hatte Erbarmen mit uns und lotste uns erst einmal in den Vorraum eines Liegewagens und dann taten sich noch drei Liegen für uns vier auf. Zurück ging es dann gemütlich mit dem Flugzeug. Bilder kommen demnächst.

Tenzin, unser großer Junge, hat dieses Jahr nicht nur eine große Reise nach Tibet gemacht. Sondern er war auch nach dem Familientreffen für fünf Tage allein bei der Berlin-Oma und Opa Siggi. Das Familientreffen, zu dem ich mit Tenzin fuhr, fand diesmal wieder in Freital-Hainsberg statt. Auf der Rückreise übergab ich meinen Sohn in Dresden meiner Mutter, die dann mit ihm nach Berlin zurückreiste. Die Drei hatten eine gute Zeit, glaube ich, mit Zoo, Dinosauriermuseum (=Naturkundemuseum), Burg in Querfurt, Kinderbauernhof etc. Gendun und ich mussten in dieser Woche zwar auch arbeiten, aber wir haben fast jeden Abend auf dem Balkon gesessen und gegessen und gequatscht. Irgendwie war das schon – nach so einer langen Zeit – etwas Besonderes, auch wenn es eigentlich nichts Besonderes ist. Und letztes Wochenende hat Tenzin erstmals bei einem Freund übernachtet, was auch ohne Probleme klappte.

Wenn man ein Kind hat, denkt man ja immer wieder an seine eigene Kindheit. Und ich denke immer, wenn ich mit Gendun auf dem Handy telefoniere, wie praktisch doch diese kleinen Telefone sind. Da wir uns jeden Tag in Hinbringen und Abholen reinteilen, ist es schon ganz praktisch, wenn ich ihm sagen bzw. per SMS schreiben kann, dass Tenzin mit Regenhose und Laufrad unterwegs ist oder diesmal noch eine Jacke anhat. Oder ich kann sagen, dass ich ihn einer halben Stunde zu Hause bin und er dann manchmal (es könnte öfter sein), schon mit dem Kochen anfängt. Es ist insofern praktisch, weil sich dann nicht immer alles hinzieht oder wir im Kindergarten nicht immer Sachen suchen müssen. Andererseits hat es früher natürlich auch ohne Handy funktioniert.

Das Wetter ist so bescheiden, wir waren dieses Jahr noch nicht einmal im Schwimmbad oder am See. Und Tenzin möchte so unbedingt. Wir haben sogar ein Sonnenzelt gekauft, das wir immer noch nicht ausprobieren konnten. Nun ist der Juli schon fast vorbei und es gibt nur noch den August als Sommermonat.

Also, ich hoffe noch auf einen schönen Sommermonat. Und den wünsche ich Euch auch!

24. Juli 2011

August 2011

Eigentlich wird es einem nur bei anderen Kindern so richtig bewusst, dass die Kinder nicht nur die Gene und Anlagen von ihren Eltern erben, sondern auch Wörter. Bei anderen Kindern, selbst bei kleinen, denkt man manchmal: „Das würde genauso die Mutter sagen.“ Aber ich ertappe auch Tenzin dabei, dass er mich zitiert. Sei es so ein toller Spruch wie „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ (den Tenzin natürlich auch gerne umdreht) oder so ein wunderbares Wort wie „Käsemauken“, worauf mich meine Mutter aufmerksam machte. Denn es ist eigentlich „ihr“ Wort, das ich von ihr übernommen habe. Von seinem Berlinurlaub hat Tenzin auch ein neues Wort mitgebracht: „quietschfidel“, aber da ich dieses Wort wenig benutze, ist der Gebrauch bei Tenzin schon weniger geworden. Aber da merkt man die Liebe zu ungewöhnlichen Wörtern, Wörtern, die anders klingen und nicht so normal sind wie die alltäglichen Wörter. Genauso geht es bei Wörtern, die er aus den Büchern aufschnappt, die ich ihm vorlese. Zwei Wörter aus dem Ritterbuch haben es ihm besonders angetan: „Eindringlinge“ und „Raufbolde“. Dinosaurier sind seit Weihnachten aktuell – ich weiß mittlerweile fast alles über Dinosaurer. Letztens sagte er ohne zu stottern so ein kompliziertes Wort wie „Pachycephalosaurier“ (ich kann es nur stockend hier eintippen, aber dafür mittlerweile auch flüssig aussprechen). Das sind übrigens die Dickschädelsaurier. Vor kurzem auf dem Nachhauseweg, als es darum ging, farbige Autos zu suchen, kam Tenzin auf die Farbe Rot und sagte „Wenn ich Rot sehe, wird mir ganz warm um’s Herz.“

Solche Wörter muss man weitergeben, sonst sterben sie aus. Meine Mutter sagt zum Beispiel „Necessaire“. Ich weiß natürlich, dass es französischen Ursprungs ist, aber woher hat meine Mama dieses Wort? Im Schwarzwald, an der Grenze zu Frankreich, in Schwaben sind französische Ausdrücke normal. Aber meine Mutter wuchs in Sachsen-Anhalt auf. Vielleicht hat sie es von ihrem Vater, der aus dem Siegerland kommt, wobei das auch eine Ecke von Frankreich entfernt ist. (Mama, ich bin gespannt, ob Du mir dazu Auskunft geben kannst.) Ich benutze dieses Wort auch, weil ich zum Beispiel „Kulturbeutel“ ganz schrecklich finde. Wenn ich mit Gendun rede, dann sage ich „Waschtasche“, das ist für mich ein akzeptabler Kompromiss. Tenzin ist das Wort „Necessaire“ geläufig und es kommt ihm auch ganz normal über die Lippen. Letztens hatten wir auch das Wort „Großkopferte“ im E-Mail-Austausch. Interessanterweise war am 29.07. ein Artikel über Konrad Duden anlässlich seines 100. Todestages. Dort war auch eine kleine „Liste der bedrohten Wörter“ aus der ich die Wörter zitiere, die gut klingen und die im Ohr bleiben, auch wenn ich sie selbst wenig benutze (klar, deshalb sind sie ja auch bedroht): Bergfex, Berserker, Dreikäsehoch, Firlefanz, Ganove, Haudegen, Ladenhüter, Pantoffelheld, Rollschuh, Ulk, Wendehals, Zinnober, Zeter.

Berufstätige Familie mit Kind ist fast gleichbedeutend mit wenig Zeit. Zeit, die man natürlich der Familie weitergibt oder einfach an den notwendigen Schlaf abtreten muss. Die Freunde werden da rarer. Klar eine Freundschaft muss man pflegen. Zu dieser Pflege braucht man Zeit und Muße. Wenn die Muße zum Telefonieren (oder Briefe / E-Mail schreiben) fehlt, gerät man in Vergessenheit. Vielleicht gerät man nicht wirklich in Vergessenheit, denn ich vergesse die mir wichtigen Menschen ja auch nicht, sondern schaffe es einfach nicht, mich bei ihnen zu melden. Mir fällt das immer nur dann ein, wenn ich im Büro oder unterwegs bin, also gerade nicht das passende Kommunikationsmittel zur Hand habe. Ein Brief an eine Freundin liegt schon ewig bei mir im Rucksack, weil ich die Briefmarke dafür immer noch nicht gekauft habe. Aber natürlich fragt man sich bei einigen Freunden schon, wie wichtig man ist, wenn der wenige Kontakt immer von einem selbst ausgeht (Gendun fragt immer nach: „Hast Du gefragt, ob wir uns treffen, oder sie?“). Trotzdem denke ich, man darf bei Menschen, die einem wichtig sind, nicht locker lassen, sondern muss immer wieder dran denken und nach Möglichkeiten suchen, wieder, wenn auch nur sporadisch, in Kontakt zu kommen.

Durch unsere Vollzeitarbeit haben wir jetzt natürlich viel weniger Zeit für Tenzin. Ich sehe ihn morgens ungefähr eine Stunde, wenn wir frühstücken und ich ihn in den Kindergarten bringe. Abends bin ich zwischen halb und um sechs zu Hause (Tenzin und Gendun sind schon da), dann gibt es Abendessen und Sandmännchen, gegen halb acht liegt Tenzin im Bett. Also ca. noch zwei Stunden, in denen jedoch nicht mehr so viel Zeit ist, um mit Tenzin etwas zu spielen. Aber dafür ist mir das Vorlesen vor dem Schlafen wichtig. Dazu kommen die Wochenenden, an denen wir zusammen sind. Wenn man das mal durchrechnet: Tenzin ist ca. 9 Stunden im Kindergarten, das sind 45 Stunden. In der restlichen Woche sind Tenzin und ich ca. 42 Stunden zusammen (der Rest ist Schlafenszeit). Er verbringt also mehr Zeit im Kindergarten als mit mir. Gendun sieht ihn sogar noch weniger, wegen seines Nebenjobs. Aber wenigstens halten sich Kindergartenzeit und Familienzeit doch einigermaßen die Waage. Worauf ich hinauswollte, unter der Woche ist wenig Zeit zum Spielen / Basteln / Malen. Am Wochenende müssen auch einige Haushaltssachen gemacht werden. Gendun versucht, mit Tenzin nach dem Kindergarten auf den Spielplatz zu gehen. Letztens jedenfalls war Tenzin etwas angeschlagen, wir blieben alle zu Hause (und machten sogar drei Stunden Mittagsschlaf). Für Tenzin und mich war nun endlich wieder Gelegenheit zum Spielen (mit den Autos – nicht unbedingt mein Lieblingsspielzeug – typisch Frau, gebe ich zu), aber es war schön, die Auto- und die Eisenbahn aufzubauen, ihn auch einmal interaktiv mit seinen Fahrzeugen etc. zu erleben.

Wir hatten ein richtig geruhsames Familienwochenende (mit einem freien Montag, da in Bayern Mariä Himmelfahrt war). Samstag war Gendun zwar arbeiten, dafür war ich mit Tenzin beim Familienworkshop im Palais Pinakothek zur „Möbelausstellung“ von Donald Judd „A good chair is a good chair“. Wir konnten selbst eigene Sitzmöglichkeiten entwerfen – Tenzin kreierte zum Beispiel einen Schlittenstuhl aus Knete, bei mir kam ein Stuhl heraus, der aussah, als sei es eine zusammengerollte Schlange. Später wurde noch auf Papier der passende Hintergrund dazu gemalt – bei Tenzin war es ein Iglu und bei mir ein Zimmer mit zwei Bogenfenstern und einem Blumenstrauß. Im Museum selbst ging es dann ans Skizzen abzeichnen und nachbauen mit Quadraten etc. Für so Kleine doch ganz schön anspruchsvoll, glaube ich. Für Tenzin ist das Basteln dann doch wichtiger, denke ich, aber irgendetwas wird schon hängenbleiben. Nachmittags wollte er noch picknicken, also fuhren wir zwei in den Westpark und machten nach dem Essen (Tenzins Picknick bestand gerade einmal aus einer kleinen Knacker und einem Stück Schinken) noch einen Abstecher zum Wasserspielplatz mit der Riesenrutsche. Sonntag waren wir in den Bergen. Am Montag regnete es fast den ganzen Tag. Ich las Tenzin in Abschnitten aus „Jim Knopf“ vor und bedauerte, dass er nicht weiterlesen wollte, weil ich gerne den Rest auch noch wissen wollte. Eine Autobahn wurde gebaut und wir machten – nach langer Zeit mal wieder – ein Bügelperlenbild.

Für den letzten Sonntag war endlich mal wieder schönes Wetter vorhergesagt, auch in den Bergen. Ich wollte unbedingt mal wieder raus aus der Stadt und rein in die Berge. Eine richtige Bergtour schwebte mir vor – mit blauem Himmel, Aussicht auf andere Berge in der Ferne, grüne Wiesen usw. Gendun, den es nicht so in die Berge zieht wie mich, konnte ich auch dazu überreden. Tenzin ist dafür sowieso erst einmal zu haben (auch wenn er dann kurz nach dem Loslaufen meinte „Wann sind wir endlich da?“). Da Richtung Garmisch Schienenersatzverkehr war, hatte ich mir die Kampenwand herausgesucht, weil man dort mit der Gondel hochfahren kann, der Weg runter nicht so weit ist – also machbar für Tenzin und mit nicht zu frühem Aufstehen verbunden. Um acht machten wir uns hier in München auf den Weg und fuhren mit vielen, vielen anderen sonnenhungrigen Bergwanderern, Bergspazierern, Almeinkehrern ins Chiemgau zum Fuße der Kampenwand. Den Anstieg haben wir mit der Gondel bewältigt (vor uns warteten an der Kasse bestimmt hundert Menschen und bald waren hinter uns genauso viele, aber es ging relativ schnell vorwärts). Oben gingen die ersten gleich in die Sonnenalm nebenan, andere machten sich an die diversen Abstiege und Weiterwege. Wir genossen auch erst einmal die schöne Aussichtung Schneeberge in Österreich und picknickten, bevor wir dann auf der anderen Seite des Berge (mit Blick auf die Dörfer und später auch auf eine Ecke des Chiemsees) abstiegen. 2,5 Stunden waren ausgeschrieben. Ich weiß nicht genau, wie lange wir mit Tenzin brauchten, vielleicht vier Stunden. Die ersten Almen ließen wir links liegen. Aber dann beschwerte sich Tenzin wegen seiner schmerzenden Füße (allerdings konnte ich ihn trotzdem noch zum Wettrennen herausfordern) und wir kehrten in die Maisalm ein. Es war ziemlich heiß und dadurch trotz bergab anstrengend. Wir hatten mal wieder zu wenig Wasser dabei, deshalb kam die Alm genau richtig. Tenzin ist tapfer gelaufen. Aber als uns dann eine Frau unten am Dorfende anbot, uns mit dem Auto zum Bahnhof zu bringen, damit wir den Zug rechtzeitig bekommen, haben wir dankend angenommen. Gendun hat immer noch Muskelkater – tägliches Radfahren reicht dafür nicht aus, vor allem wenn es bergab geht. Bei mir hält es sich in Grenzen. Nur Tenzin scheint ausreichend trainiert zu sein. Mal sehen, wie die nächste Bergtour wird. Im September ist eine Tour mit Mama und Oma geplant – wenn das Wetter mitspielt: Mit der Zahnradbahn zur Zugspitze hoch, zur Knorrhütte runterlaufen und übernachten, zur Reintalangerhütte und auch dort übernachten. Diese beiden Strecken sind relativ kurz – jeweils eine bis zwei Stunden (für Erwachsene). Vom Reintal nach Garmisch sind es dann schon vier bis fünf Stunden (für Erwachsene) – aber die Tour ist abwechslungsreich, man kann Pausen zwischendurch machen und wir haben den ganzen Tag Zeit.

Jetzt kommen doch noch ein paar heiße Tage. Ob wir es diesmal ins Schwimmbad schaffen?

18. August 2011

September 2011

Eine Woche nach unserer Bergtour haben wir es nun endlich ins Schwimmbad geschafft. Die Sonne knallte bereits seit Tagen hier in München, so dass wir nur noch einen leeren Bettbezug als Bettdecke nachts brauchten. Socken hatte ich schon lange nicht mehr an. Und das schöne Wetter hielt vor allem auch einmal übers Wochenende! Da der Samstag immer mit Einkaufen etc. schon vollgepackt ist (an diesem Samstag unterbrochen von einem leckeren Muffin mit einer Himbeer-Frischkäse-Mütze im neuen Café Kubitschek), war ich mit Tenzin nur am Wasserspielplatz im Westpark. Aber am Sonntag aßen wir bereits um acht Uhr unser Frühstück auf unserem Mini-Balkon. (Also – das „bereits“ bezieht sich nicht auf die Uhrzeit des Frühstücks am Sonntag, die ist bei uns normal, sondern darauf, dass wir so früh schon auf dem Balkon aßen.) Dann wurde alles zusammengepackt und „auf die Radln hupft“, wie meine Mama früher immer zu sagen pflegte. Es ging ins Schyrenbad auf der anderen Seite der Isar. Um zehn Uhr war es schon recht gefüllt, aber als wir nachmittags um vier wieder zusammenpackten, war es krachend voll. Und eine Woche darauf war es dann zwar nicht mehr Bade-Wetter-warm, aber wir konnten nachmittags im Westpark picknicken.

Im April habe ich schon einmal in Kindheitserinnerungen geschwelgt. Kennt Ihr auch diese Erinnerungen an bestimmte Gerichte aus der Kindheit? Meine Großmutter (meine Mutter übrigens auch) mütterlicherseits machte immer leckeres Semmelgeräusch: ein Semmelauflauf mit Sauerkirschen, bei dem die Kruste immer das Leckerste war. Diese Oma machte auch einmal Biersuppe, bei der der süße Eischnee oben drauf das leckerste war. Faszinierend und immer sehr anziehend war auch die Speisekammer gleich neben der Küche und der Keller mit den vielen eingeweckten Früchten. Mit Hackfleisch gefüllte Tomaten gab es bei den anderen Großeltern. Bei denen gab es auch immer leckeres (rohes) Hackfleisch aufs Brot. Isst man das heutzutage überhaupt noch so? Meine Mutter zauberte abends oft einen Pudding, unter den auch immer noch geschlagener Eischnee gehoben wurde. Und woran wird sich Tenzin erinnern, wenn er mal groß ist? Sicherlich natürlich an die Momos seines Vaters. Ansonsten gibt es meist „Zusammengewürfeltes“ aus dem, was der Kühlschrank hergibt. Klingt wie Resteessen, ist es aber nicht. Sondern es wird das vorhandene Gemüse gebrutzelt und dazu gibt es dann Reis oder Nudeln oder Kartoffeln, wenn Gendun kocht, ist auch meist Fleisch dabei.

Mittlerweile habe ich leider keine Großeltern mehr. Wie viele Geschichten wurden da früher erzählt, die ich nur noch halb und sicherlich auch noch falsch im Kopf habe. Von irgendwelchen Wanderungen über den Harz, um Verwandte in Westdeutschland zu besuchen. Geschichten aus dem Krieg. Vom Grünen Hof in Merseburg, einem großen Bauernhof der Familie meines Vaters. Aber dass meine beiden Großväter auswandern wollten, das habe ich erst jetzt von meinen Eltern erfahren. Der eine in die USA und der andere nach Venezuela. Hätten sie es getan, ich säße nicht hier, um diese Zeilen zu schreiben. Über die Herkunft des Wortes „Necessaire“ in unserer Familie wurde ich natürlich von meiner Mutter auch aufgeklärt. Es kommt nicht, wie ich vermutet hatte, aus der Familie meines Großvaters mütterlicherseits, sondern von der meiner Großmutter. Meine Urgroßmutter, 1894 geboren und bis zur Wirtschaftskrise in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts in einer gutbürgerlichen Familie lebend, gebrauchte diese Worte, zu denen wahrscheinlich auch das Portemonnaie gehört.

Aber von meinem Großvater mütterlicherseits, der Französisch sehr liebte, hatte ich mal ein französisches Gedicht lernen müssen, dass auch meine Mutter noch kannte, meine ich. „Bonjour Madame Sanssouci, combien coutes ci sous ici“ oder so ähnlich. Ich bekomme es nicht mehr zusammen. Es war nur das reinste „sisusiisi“. Jetzt habe ich doch mal gegoogelt. Es ist natürlich kein Gedicht, sondern ein Zungenbrecher. Und davon habe ich gleich zwei mit dieser Madame gefunden:

Bonjour Madame Sans-Souci. Combien sont ces six saucissons-ci et combien sont ces six saucissons-là?
Six sous Madame sont ces six saucissons-ci et six sous aussi sont ces six saucissons là !

Bonjour Madame Sans-Souci. Combien sont ces soucis-ci?
Six sous, ces soucis-ci.
Six sous ?! C’est trop cher, Madame Sans-Souci.

Ich meine, dass wir von unserem Opa den zweiten Zungenbrecher gelernt haben. Saucisson ist die Wurst. Und Souci sind auf Deutsch die Sorgen oder auch Ringelblumen. Sous war französisches Geld.

Der Hochsommer hielt sich hier in München ungefähr zwei Wochen – von unserer Wanderung bis zwei Wochen später. Im Büro war es bereits ab Mittag drückend heiß. Nach einer kurzen Pause scheint er nun wiederzukommen und bescherte uns warme bis heiße Tage, aber kühle Morgen. Am Wochenende sollen wieder 27 Grad werden – mal sehen, was kommt. Heute waren wir zum Brunch im Schrebergarten einer befreundeten Kollegin.Danach war ich noch mit Tenzin im Westpark zum Fußball spielen im Westpark. Ich weiß nicht, ob er ein kleiner Perfektionist ist. Aber heute war es mal wieder so, dass er nach den ersten wenigen Trippel-Versuchen unglücklich war, weil er nicht gleich trippeln konnte. Und ich kann ihm tausendmal erklären, dass man so etwas nicht gleich beim ersten Mal perfekt kann, sondern dass man immer viel üben muss. Kinder sind öfter mal unglücklich. Er versteht auch nicht, warum er keinen neuen, großen Roller bekommt. Es gibt verschiedene Gründe f¨r usn, ihm keinen zu kaufen, einmal das Geld, andererseits aber eben auch, dass man nicht alles haben kann und muss und dass für uns einfach andere Sachen wichtiger sind, zum Beispiel ihm irgendwann ein Fahrrad zu schenken, das er ja auch haben will, Zeit mit ihm zu verbringen usw., was er leider auch nicht so gut versteht, sondern nur fragte, warum wir nicht so viel Geld haben. Ist schon komisch, wie sich die Zeiten verändern. Ich habe meinen ersten Roller, meine ich, zur Einschulung bekommen. Fahrrad fahren lernte ich erst mit vielleicht acht von meinen Cousins in Merseburg, aber ob ich dann auch gleich ein Fahrrad hatte, das weiß ich nicht mehr. Tenzins Cousins in Tibet haben fast gar kein Spielzeug und schon gar nicht so eine große Auswahl wie Tenzin und auch kein eigenes Kinderzimmer. Aber so wie das Wetter nicht immer gleich schön sein kann, so kann auch im Leben eines Kindes nicht immer „Schön Wetter“ sein.

Mal sehen, was wir morgen machen. Eigentlich wäre wohl Badewetter, aber Gendun hat einen neuen Basketball, den er unbedingt ausprobieren möchte. Wenn nicht baden, dann gibt es im Westpark auch noch einen Wasserspielplatz.

03. September 2011

Oktober 2011

Gerade habe ich Tenzin bei einem Kindergeburtstag „abgeliefert“ und Gendun besucht einen Freund. Ich habe also zwei Stunden für mich. Nicht viel zwar, aber immerhin. Zeit, um einen Monat Revue passieren zu lassen. In diesem Monat ist ziemlich viel passiert.

Meine Mutter war für zehn Tage bei uns zu Besuch. Und meine Mutter, die ich schon in den letzten News immer mal wieder zitierte, möchte ich auch hier wieder zu Wort kommen lassen. Von ihr stammen nämlich einige schöne Ausdrücke, die jedoch nicht selbst alle verwende – meine ich zumindest. Hier eine Auswahl:

  • Wunderbar, wunderbar ist nur die Kuh mit Pferdehaar.
  • Eine eingesprungene Sitzpirouette machen
  • Wie Pudding in der Südkurve (herum)hängen
  • Fertig auf der Bereifung sein
  • Hut, Stock und Gesangbuch dabeihaben
  • Ein Gesicht machen wie die Konterrevolution
  • Es schaut aus wie bei Ida Wüst auf dem Dachboden = Wie nach einem Atombombeneinschlag = Wie bei Hempels unterm Bett.
  • Wie eine Kuh schauen, wenn’s donnert
  • Wie ein Schwein ins Uhrwerk schauen
  • Butukutisch sprechen

Mit Mama und Tenzin wollte ich wieder eine Bergtour mit Hüttenübernachtung machen wie in den letzten Jahren. Diesmal sollte es mit der Bergbahn auf die Zugspitze gehen und dann wollten wir mit zwei Übernachtungen (Knorrhütte und Reintalangerhütte) durchs Reintal raus nach Garmisch laufen. Und sie wollte danach drei Tage allein eine Hüttentour machen. Bei diesen Plänen zeigte sich jedoch, dass man planen kann, wie man möchte, wenn das Wetter und das Kind nicht mitspielen.

Zuerst mussten wir unsere Bergtour (und ich damit auch meinen Urlaub) um ein paar Tage verschieben, weil es am ersten Tag furchtbar regnen sollte, was es auch tat, zudem Tenzin an diesem Tag auch plötzliches Fieber hatte, das am Abend wieder weg war. Und was auf der Zugspitze auch Neuschnee bedeutete. Und im Regen wollten wir drei nun wirklich nicht auf die Berge. Dann bekam Tenzin zwei Nächte vor dem verschobenen Start einen Pseudo-Krupp-Anfall, der dramatisch aussah und auch insofern war, weil uns der Notarzt noch kurz zur Beobachtung ins Krankenhaus fahren ließ. Der Arzt im Krankenhaus meinte zwar, dass wir die Bergtour machen könnten, aber wir wollten dann doch auf Nummer sicher gehen. Ich blieb einen Tag zu Hause mit Tenzin, der schon wieder quietschfidel war. Mit meiner Mutter überlegte ich dann, dass wir einfach zwei Tagestouren machen wollten. An den anderen Tagen nahm meine Mutter meinen MVV-Führer für kleine Wanderungen, die man innerhalb des Münchner S-Bahn-Gebietes starten konnte und wanderte so ein Stück am Starnberger See sowie an der Isar entlang und noch Richtung Norden nach Dachau. Einen Tag schickte ich sie zum Brauneck nach Lenggries, wo sie sich dann auch wenigstens einmal richtig auspowern konnte.

Unsere erste Bergtour führte uns bei schönstem Sonnenschein zum Wank nach Garmisch-Partenkirchen. Mit der Gondel fuhren wir zum Gipfel hoch, von dem wir einen herrlichen Blick auf die Zug- und Alpspitze und das restliche Wetterstein-Gebirge sowie auf das Karwendel hatten. Ich hatte den Weg als eine relativ bequeme Forststraße in Erinnerung, war es leider insofern nicht, dass der Weg doch relativ steil war und oft aus für Kinderbeinen ziemlich hohen Stufen bestand, was es für Tenzin nicht so einfach machte. Eine Pause machten wir an einem kleinen Bach, an dem Tenzin etwas Wasser stauen konnte. Und die zweite Pause machten wir an der Gamshütte, wo wir auf der Terrasse mit Blick auf Garmisch und die Berge einen (Fertig-)Apfelkuchen aßen. Dann ging es noch einmal ein steiles Stückchen bergab und wir waren in Partenkirchen.

Die nächste Bergtour drei Tage – wieder bei schönstem Spätsommerwetter – später brachte uns wieder nach Garmisch, aber diesmal stiegen wir neben dem Skistadion in die Eckbauern-Bahn und fuhren in einer winzigen Gondel (mit zwei Sitzplätzen, auf denen man sich gegenüber saß, und ohne Scheiben an den Seiten, nur einem Dach) hoch zum Eckbauern. Von dort aus wollten wir zum Wamberg und weiter Richtung Elmau. Zum Wamberg ging es durch einen schönen Wald mit großem Farn und Schachtelhalmen und viel Modergatsch (iiieh, aber tolles Wort). Farn und Schachtelhalme fand Tenzin toll, den Modergatsch erstaunlicherweise weniger. Auf dem Wamberg angekommen, machten wir auf einer Lichtung inmitten von hohen Gräsern, Hagebutten-Sträuchern und anderen dornigen Sträuchern Rast – wieder mit einem tollen Blick auf die Berge, diesmal vor allem mit Blick auf das Karwendel. Dann ging es noch weiter ein Stück bergauf und dann kamen wir endlich zur Elmauer Alm. Zu unserem Leidwesen war die total voll, viele Gäste waren von der anderen Seite hochgelaufen (kurz hinter Elmau gibt es einen Parkplatz, von dem aus man gar nicht lang läuft). Wir bekamen leider auch draußen keinen Platz und saßen dann drinnen in der Ecke neben dem Ofen. Dafür entschädigte der diesmal selbst gemacht furchtbar leckere Rhabarber-Stachelbeer-Kuchen. Da wir so lange hatten warten müssen, war für Tenzin leider nicht mehr so viel Zeit, um draußen zu spielen. Wir wollten den nächsten oder wenigstens den übernächsten Zug in Klais erwischen, um nicht allzu spät zu Hause zu sein. Diese Tour war für Erwachsene mit ca. drei oder dreieinhalb Stunden angegeben und damit etwas länger als die erste. Zum Schluss machte Tenzin, der so tapfer mitgelaufen war, dann doch etwas schlapp, so dass ich ihn mir kurzerhand auf die Schulter setzte – zumindest für ein Stück, denn mit ca. 21 Kilo ist er dafür natürlich mittlerweile fast zu schwer. Aber wir hatten Glück und waren sogar zwanzig Minuten vor Abfahrt unseres Wunschzuges am Bahnhof in Klais. Jedes Mal waren wir von morgens 8:30 Uhr (Abfahrt am Hauptbahnhof) und 18:30 Uhr (Ankunft im Hauptbahnhof) und damit ca. 6 Stunden zu Fuß unterwegs. Und schafften kurz vor sieben sogar das Sandmännchen für Tenzin. Uns haben die beiden Touren sehr viel Spaß gemacht, aber Tenzin brachte natürlich auch seine Kritikpunkte hervor: die eine Tour war zu steil und bei der anderen war die Rast zu kurz. Also was habe ich daraus gelernt? Bergab ist für Kinder auch nicht so toll, lieber Stufen bergauf. Die Pausen müssen wirklich ausreichend lang sein und Kinder (in seinem Alter) brauchen doppelt so lang wie Erwachsene. Also wenigstens für die zweite Tour hätten wir eine Stunde früher losfahren sollen. Aber für mich waren diese beiden Bergtouren, so einfach sie auch waren, toll, weil wir es dieses Jahr nicht in die Berge geschafft haben, abgesehen von der Tour zur Kampenwand.

Mit der Oma waren wir noch im Alpinen Museum, weil wir uns dort die Cartoon-Ausstellung anschauen wollten. Für Tenzin waren die beiden kleinen Klettersteine im Garten viel spannender und die Liegestühle. Danach ging es auch noch runter zur Isar (das Alpine Museum liegt auf einer Isarinsel), wo Tenzin durch das kühle Wasser spazierte und Steine warf. Diesmal musste meine Mutter sogar aufs Oktoberfest. Bisher hatte es immer geklappt, dass sie nicht zur Wiesn-Zeit nach München kommt. Diesmal ließ es sich nicht vermeiden, weil ich mir nicht eher frei nehmen konnte. Während der Mittagspause an ihrem Abreisetag (sie fuhr mit dem Nachtzug) verabredeten wir uns an der Bavaria. Zusammen gingen wir auf die Oide Wiesn, also auf die Alte (Historische) Wiesn. Dort genossen wir, wenn auch zu horrenden Preisen, Backhendl (9,90 Euro) und zwei Weißwürste (5,40 Euro) ohne jegliche Beilage sowie als Nachtisch „Zwetschgenbavesen“ (vielleicht vergleichbar mit zwei zusammengeklappten „Armen Rittern“ und Zwetschgenmus dazwischen) und teilten uns eine Radlermass (Tenzin trank natürlich – aber auch aus einem kleinen Stein-Bierkrug – eine Apfelschorle). Nach der Fahrt mit dem Kettenkarussell und Autoscooter musste ich mich wieder verabschieden und zurück zur Arbeit, während Mama mit Tenzin noch das eine oder andere Fahrgeschäft auf der Wiesn mitnahm. (Gestern waren wir drei (Familie Palden) am vorletzten Wiesn-Tag auch noch einmal dort – in einer kurzen Variante mit nur vier Fahrgeschäften sowie Pommes und Schnitzelsemmel.) A propos Oktoberfest – am Morgen des ersten Wiesntag, also bevor es überhaupt losging, hatten wir hier im Westend Stromausfall. Wie wir dann später erfuhren, hing es wirklich irgendwie mit dem Oktoberfest zusammen. Es war schon ziemlich ungewohnt, weil gar nichts mehr ging. Keine Lampe, kein Wasserkocher, Kühlschrank dunkel. Und ohne Strom macht der Herd natürlich auch kein warmes Wasser. Als wir uns gerade bei Kerzenschein zum Frühstück hinsetzen wollten, ging das Licht wieder an.

Zu Tenzin gibt es zu sagen, dass er, der immer wie sein tibetischer Cousin mit raspelkurz geschorenen Haaren aussehen wollte, nun auch so einen Kurzhaarschnitt hat. Nachdem er das immer wieder sagte, dachte ich mir, dass man es eben einmal ausprobieren muss. Auch auf die Gefahr hin, dass es ihm nicht gefällt. Zum Glück wachsen Haare ja immer nach. Ihm gefällt es. Aber über den Winter werden sie nicht wieder so kurz geschnitten, erst wieder im Frühjahr. Was ich ja immer wieder erstaunlich finde: Er sagt oft, dass er keinen kleinen (also schmalen) Augen und keine dunkle Haut haben möchte, dabei ist er nur ein wenig dunkler als ich und hat große, wenn auch asiatisch anmutende Augen. Aber seine Locken, die ihn ja eher vom Asiatischen abheben, die möchte er auch nicht haben. Seit diesem Herbst kann er leider nicht mehr mit seinem Freund zum Kindersport gehen. Ich konnte ja wegen meiner Arbeitszeiten nie dorthin gehen, nun schafft es auch die andere Mutter, die Tenzin immer mitnahm auch nicht mehr, weil sie so lange unterrichten muss. Nun ist es so, dass ich den Freund jeden Mittwoch mit nach Hause nehme, weil die Mutter erst so spät kommt. Jetzt kann ich mich wenigstens revanchieren. Dafür ist Tenzin seit dem Frühjahr immer mit dem Laufrad unterwegs – zum Kindergarten und zurück und hat dadurch auch eine ganz gute Kondition bekommen. Heute war ich mal wieder mit ihm (Spazier-)Joggen (er mit dem Laufrad und ich zu Fuß), am See im Westpark ließen wir das Laufrad stehen und joggten eine Runde um den See. Das hatten wir vor ein paar Monaten schon einmal versucht, damals blieb er fast alle zwanzig bis fünfzig Meter stehen. Diesmal schaffte er die ganze Runde und versuchte sich auch an einer zweiten. Aber da ging ihm dann doch die Puste aus, auch weil er immer so viel zu erzählen hat.

So, jetzt habe ich noch eine Stunde Zeit, in der ich noch etwas lesen möchte.

03. Oktober 2011

November 2011

Der Herbst hat Einzug gehalten. Nachdem die ersten Oktobertage noch schön warm waren, ist es jetzt fast eisig geworden. Es ist auch etwas ruhiger geworden, kein Besuch mehr da, keine großen Unternehmungen – der Alltag hat uns wieder mit Arbeit und Kindergarten. Jetzt sind es eher die kleinen Highlights, die uns den Alltag verschönern: Frühstück im Café um die Ecke, ein letzter Besuch auf der Wiesn, Tenzin auf einem Kindergeburtstag, Vater-Kind-Indianertag im Kindergarten, Kinder und Buddhismus (da gehe ich mit Tenzin immer hin), Tenzin hatte erstmals einen Übernachtungsgast bei uns, Kinderpalais zu Paul Klee, Tenzin war mit Anne und Max im Zoo. Vor einem Jahr war ich mit Tenzin erstmals im Kino. Für diesen Samstag habe ich es ihm wieder versprochen. Wir wollen uns „Lauras Stern und die Traummonster“ anschauen.

Und nicht zu vergessen natürlich das große Oktober-Highlight: Tenzins 5. Geburtstag. Der 23. Oktober fiel diesmal auf einen Sonntag, so konnten wir den Kindergeburtstag mit Tenzins Gästen auch am Sonntag Nachmittag feiern. Derzeit ist der Film „Cars“ mit Lightning McQueen, den wahrscheinlich keines der Kinder gesehen hat, total angesagt. Alle Jungs kennen die Namen der verschiedenen Autos, wissen, wie diese aussehen, können sogar Geschichten aus dem nie gesehenen Film nacherzählen. Jedenfalls musste es ein „Lightning McQueen“-Geburtstag werden. Man kann Becher, Teller, Tütchen und Einladungen schon mit den richtigen Aufdrucken kaufen. Wir haben uns im Internet für jedes Kind ein Auto ausgesucht und damit die Einladungskarten gestaltet und diese Autos auch für die kleinen Süßigkeitentüten hergenommen, die Becher beklebt. Tenzin wollte noch „Cars“-Ausmalbilder an die Wand machen, also haben wir abends noch diese Bilder zusammen ausgemalt. Um drei kam dann die Rasselbande – insgesamt waren es dann vier Jungs und zwei Mädchen. Die Jungs haben mit Playmobil und den Autos gespielt, für die Mädchen hatte ich zum Glück noch Feen- und Hello Kitty-Ausmalbilder. Aber um das Ganze ein wenig zu regulieren, hatte ich mir noch einige Spiele überlegt, die es zwischen Kaltem Hund und Räuberwürschtl gab: Topf schlagen, Autorennen (drinnen), Tau ziehen, Blinde Kuh und Schaukeln (auf dem Spielplatz).

Ein Wort muss ich aus meinen letzten News korrigieren. Es heißt nicht „Modergatsch“, sondern „Moddergatsch“. Es wurde schon vermutet, dass es sich um eine Blume handelt, aber es ist einfach nur Matsch. Ein Begriff aus unserer Darguner Zeit in Norddeutschland. Ich habe noch ein paar Sprüche meiner Mutter in meinem Gedächtnis herausgekramt: „wie ein aufgetroddeltes Sofakissen“ und „wie ein wild gewordener Handfeger“. Das erste, was Mama Gendun beibrachte, war übrigens „Das ist Wurscht“ mit weit ausholenden Armbewegungen. Tenzin hat zu diesem Thema auch etwas beigetragen. Letztens meinte er, er könnte Tibetisch, Deutsch und Berlinerisch. Ich habe mir nur gedacht, was wird er nun sagen? Ich spreche nicht wirklich viel Berlinerisch, das kommt auf meine Gesprächspartner an. Mama und Siegfried sprechen auch nicht wirklich Berlinerisch. Aber prompt lieferte Tenzin auch seine Beispiele für diesen Dialekt und brachte weitere Aussprüche meiner Mutter: „Setz Dich auf Deine vier Buchstaben“ sowie „Jeschisch, Maria und Josef“.

Tenzin hat diesen Monat ein wunderschönes Bild gemalt. Eigentlich zwei. Im Kinderpalais haben die Kinder aus ihren Namen eine Geheimschrift gemacht und diese in Paul Klee-Manier in ein kleines Kunstwerk umgewandelt. Aber das schönste Bild war ein kleines Familienbild, auf dem Tenzin uns als Familie beim Verstecken gemalt hat. Von mir sind nur der Baum, zwei kleine Wolken, die rechte Tulpe, die Hände und mein Körper hinter dem Baum. Den Rest hat Tenzin gemalt. Es gab zwar kleine Kämpfe zwischendurch, weil er aufgeben wollte, aber diesmal habe ich ihn fast dazu gezwungen, das Bild fertig zu malen. Und siehe da – es ist ein wunderschönes Bild entstanden.

Wenn der Alltag uns im Griff hat, werden auch die News nicht so lang. Also, ich wünsche Euch noch einen schönen Herbst.

09.11.2011

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