News 2006 – übernommen von www.pankeanke.de

Januar 2006

Gendun ist gerade auf einer Silvesterparty mit tibetischen Flüchtlingen irgendwo in München. Ich hoffe, dass er demnächst kommt, sonst wird mein Curry kalt.

Heute ist Silvester, der letzte Tag im Jahr. Das erste gemeinsame Neujahrsfest mit Gendun in Deutschland. Wir gehen es ganz gemütlich an, wir haben uns nicht verabredet, haben sogar eine Reise nach Ravensburg abgesagt, weil wir in der letzten Zeit so viel unterwegs waren und einfach zu Hause bleiben wollten. Wir werden einfach essen, ein Schlückchen Wein trinken, quatschen, vielleicht eine DVD schauen (zur Auswahl stehen „Tiger and Dragon“ oder „Das weinende Kamel“. Oder beides?!), Blei gießen. Ich muss das kleine Set nur noch suchen. (Gefunden!) Mal sehen, was uns die Bleigegüsse für die Zukunft vorhersagen.

Mein letzter Monat bei der Arge Campeon ging vorgestern zu Ende. Zwischen den Feiertagen war ich nochmals im Büro, um alles abzuschließen, die Ablage zu Ende zu bringen etc. Es war kaum jemand im Büro. Und irgendwie war es komisch, dann einfach so zu gehen. Meine Chefs waren im Urlaub. Nun ja, den einen oder anderen sehe ich ja auf der nächsten Baustelle wieder. Bzw. auf den nächsten beiden Baustellen, denn ich werde zwei als Sekretärin betreuen. Mal sehen, wie das wird.

Weihnachten waren wir in Salzburg und haben unser Hochzeitsgeschenk eingelöst. Wir freuten uns schon die ganze Zeit darauf, einmal nichts machen zu müssen, weder Bett machen noch Frühstück. Am Morgen des 24.12. machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof, nach zwei Stunden kamen wir in Salzburg an, fuhren noch zwei Stationen mit dem Bus und standen schon fast vor dem Sheraton. Aus irgendeinem Grund wurden wir auch upgegradet (oder sagt man geupgradet?), jedenfalls bekamen wir ein Zimmer eine Kategorie höher. War uns auch recht. Das Zimmer war in rot-blau-weiß gehalten: gestreifte Stofftapete auf der einen Seite, geblümte Gardinen, passende Sessel. Irgendwie typisch Hotel.

Was haben wir gemacht? Wir waren spazieren, durch die kleine Altstadt mit den kleinen Gässchen, die scheinbar alle Straßen miteinander verbinden, und mit den Hinterhöfen (wobei man sich da keinen Berliner Hinterhof vorstellen darf), die man schnell erlaufen hat, von der Burg Hohensalzburg (enttäuschend für den Eintrittspreis, dafür erinnerte die Burg von der Ferne an den Potala, den Palast des Dalai Lama in Lhasa) rüber zum Mönchsberg, den anderen Tag durch einen winterlichen Wald zum Kapuzinerberg, wobei beide Bergwanderungen eher Hügelspaziergänge waren. Heilig Abend waren wir bei einem Japaner, Gendun war ganz entsetzt, als er merkte, dass das Restaurant von Chinesen betrieben wurde. Am letzten Abend waren wir beim Mozart Concert Dinner, in einem schönen Barocksaal, zusammen mit etwa 180 doch eher älteren Herrschaften. Die Musik war angenehm – Mozart in Häppchen: Don Giovanni, Figaro und Zauberflöte und natürlich die Kleine Nachtmusik. Die Musik hat mir sehr gefallen, Gendun auch. Nur vom Dinner hätte ich mir mehr erwartet: Capaun und Lemoni-Suppe etc. klang alles viel aufregender, aber hier hatte sich dann wohl doch die Routine eingeschlichen, denn diese Konzertabend gibt es fast jeden Tag im Jahr. Wir haben viel geredet, manchmal intensiver, manchmal nur albern. Abends saßen wir mit Vorliebe unten in der Lobby und haben etwas getrunken. Meinen Cocktail für zehn Euro nahm Gendun mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis, aber sein Bier für fünf Euro war im Verhältnis auch nicht viel preiswerter. Rundum – es war eine schöne Reise nach Salzburg. Am 27.12. ging es wieder zurück ins winterliche München.

Nächstes Wochenende steht uns nochmals eine Reise bevor. Am Freitag („Drei Heilige Könige“ sei Dank – in Bayern ein Feiertag) fliegen wir nach Dresden, wo wir meine Großmutter und Cousine besuchen möchten, Samstag geht es nach Berlin (diesmal mit dem Zug) und nach Mamas Geburtstagsfeier am Sonntag fliegen wir Montag wieder nach München. Und dazwischen schaffe ich es hoffentlich, Gendun etwas von Dresdens wunderbarer Altstadt und etwas von Berlin zeigen zu können. Und am Dienstag fange ich auf der einen meiner beiden Baustellen an. Die andere beginnt erst im Februar so richtig.

Ich verabschiede mich hiermit aus dem Jahr 2005, wünsche Euch allen alles Gute, viel Glück und ein wunderbares 2006.

31. Dezember 2005

Februar 2006

Eines Morgens vergaß ich meinen Schlüssel zu Hause, wie mir Gendun dann mitteilte, als er mich im Büro anrief. Ich hatte ihn deshalb vergessen, weil Gendun mir oft morgens meine Tasche bepackt mit Brotbüchse, Joghurt zum Frühstück und eben auch Schlüssel. Gendun ist der Hausmann in unserer Familie, house keeping, wie er immer sagt. Er kocht, kauft ein, wäscht ab (die paar Mal, die ich seit seiner Ankunft abgewaschen habe, kann man wohl an zwei Händen abzählen), putzt. Nur die Wäsche, das ist meine Aufgabe, aber auch nur, weil ich Angst habe, dass er vielleicht einen Wollpullover mal zu heiß wäscht und ich diesen dann einem Kind vererben kann. Außerdem bin ich für das Wochenend-Frühstück zuständig, das hat sich eingebürgert. Wenn ich ihm dann sage: „In Tibet würdest Du nie so viel zu Hause machen“, bestätigt er das. „Das ist eben westliche Kultur“, sagt er. Wobei ich ihm noch nicht gesagt habe, dass wahrscheinlich kaum ein europäischer Mann so viel im Haushalt macht. Übrigens, die orangefarbene Schürze, die Gendun da trägt, habe ich mir irgendwann umgebunden, weil ich zwar Nudelsuppe mit Stäbchen essen kann, aber es trotzdem regelmäßig schaffe, mir rote Flecken auf die Brust zu platzieren.

Zurzeit lesen wir „Heidi“ zusammen, in einer für Deutschlerner bearbeiteten Fassung. Ich gebe zu, ich habe es ausgewählt, weil ich diese Geschichte schon sehr süß finde und den Zeichentrickfilm immer gern gesehen habe. Andererseits hat Gendun ein Faible für Liebesgeschichten, also für romantische stories. Meine Mutter jedenfalls lachte erst einmal los, als ich ihr davon erzählte. Auch wenn es immer wieder zu Diskussionen bei der Lektüre dieses Buches kommt, macht es viel Spaß. Die Diskussionen (es kommt mir manchmal wie kämpfen vor) entstehen meist dann, wenn ich nicht sofort merke, dass Gendun dieses oder jenes einfach nicht kennt und deshalb nicht versteht. Zum Beispiel Zitatzeichen. Es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, dass der Knackpunkt bei diesen simplen Zeichen ist. Und ich denke mir immer wieder, dass es für Sprecher einer indogermanischen Sprache doch wesentlich einfacher ist, Deutsch zu lernen, weil wir mit Wörtern wie „reflexive Verben“ oder „Pronomen“ viel mehr anfangen können. Reflexiv – etwas, was zurückkommt, wie der Spiegel, der reflektiert. Oder wir verstehen „pro“ als „für“ und verstehen dann, dass ein Pronomen ein Wort ist, das für ein anderes Nomen steht.

Wir haben jetzt angefangen, Genduns Heimatdialekt, den Amdo-Dialekt, zu lernen. Als ich lerne, und er lehrt. Aufgabe seiner Mutter, die sich gerne mit mir unterhalten möchte. Ich habe ein Lehrbuch, ja ja, es gibt ein richtiges Lehrbuch für Amdo-Dialekt. Darin lesen wir dann mindestens einmal die Woche. Eigentlich müsste ich noch regelmäßig Vokabeln lernen, aber ich gebe zu, dass ich in der S-Bahn lieber meine Zeitung lese oder irgendeinen Schmöker, als Vokabeln zu lernen. Aber ich kann auf Amdo-Dialekt schon sagen, wie ich heiße, wo ich herkomme, was ich essen möchte usw. Das ist doch schon etwas. Und wenn ich mal nach Amdo fahren, dann geht das mit den Vokabeln ganz schnell. Der Dialekt klingt natürlich anders als das, was ich bisher gelernt habe. Zum Beispiel „Was machst du? “ spricht man in Lhasa „Kare tsche-gi-yoo? “ aus. In Amdo dagegen sagt man „Tsche-se-ye-gi-yoo? “

Anfang Januar waren wir in Dresden und Berlin, in ersterem Ort besuchten wir meine Großmutter und meine eine Cousine, in die Hauptstadt reisten wir zum Geburtstag meiner Mutter. Eigentlich wollte ich beides mit kleinen Stadtrundgängen verbinden, um Gendun die schönen Seiten dieser Städte zu zeigen. Wir versuchten es auch ansatzweise, aber die Kälte an diesem Wochenende war unerbittlich und zog überall hinein. Wir haben zwar die wichtigsten Dinge der beiden Städte gesehen, waren sogar in der Dresdner Frauenkirche, aber es war nicht wirklich spaßig. An einem Abend konnte ich meine Berliner Schulfreunde treffen, die ich teilweise schon zwei Jahre nicht mehr gesehen hatte. Am Sonntag hatte meine Mutter zum Branch ins Mövenpick am Zoo geladen. Genduns Resumé unserer Städtereise – Im Sommer gerne noch einmal, aber in Berlin möchte er nicht leben: zu groß, zu dreckig, die Jugendlichen so laut und komisch. Ja, durch München mit der bayrischen Ordnung ist man wohl etwas verwöhnt.

Ich habe auf meiner neuen Baustelle angefangen. Es ist noch ziemlich ruhig. Nach dem stressigen letzten Jahr sind pünktliche Feierabende auch schön. Und der Stress wird garantiert kommen.

Das Lhosar-Fest, das tibetische Neujahrsfest, steht ins Haus. Das Fest richtet sich nach dem Mondkalender, meine ich, denn es ist jedes Jahr an anderen Tagen. In Amdo, Osttibet, geht das Fest 15 Tage lang. Und in dieser Zeit passiert dann auch nicht viel. Merkwürdigerweise, ich habe auch noch nicht herausbekommen warum, fängt das Amdo-Lhosar bereits am 28.01.05 an, wobei mir gerade jemand sagte, doch erst in zwei Wochen. Das Lhosar der anderen Tibeter ist jedoch erst einen Monat später, die Tibeter in München zum Beispiel wollen am 4. März feiern. Was wir dieses Jahr zu Lhosar machen, steht noch nicht fest. Die „deutschen“ Amdo-Tibeter planen eine gemeinsame Feier, die vielleicht für uns etwas zu weit weg ist. Die Münchner Tibeter feiern später. Jedenfalls werden Gendun und ich schön lecker zusammen essen – hat er gesagt, denn zu Lhosar muss man einfach mit seiner Familie feiern.

Dass es in Deutschland gerade a…kalt ist, hat ja jeder mitbekommen. Jedenfalls führte es dazu, dass ich, vielleicht zum ersten Mal seit über 20 Jahren, als meine Mutter noch bestimmen konnte, was ich anziehen müsse, eine Wollstrumpfhose gekauft und vor allem unter meine Hose angezogen. Etwas, wogegen ich mich aus Gründen der Eitelkeit gesträubt habe, lässt eine ja nicht unbedingt schlank aussehen, wenn frau zwei Hosen übereinander trägt. Aber nachdem wir uns bei unserem Dresden/Berlin-Ausflug beide so erkältet hatten, und die Morgenfrische auf dem Weg zur Arbeit hier in München auch nicht besser war, siegte bei mir doch die Vernunft. Und ich muss zugeben, gar nicht so unrecht. Und auf der Baustelle kann man eh nicht im hübschen Kostümchen rumlaufen, da kommt es auf eine Hose mehr auch nicht drauf an.

Gestern waren wir abends noch kurz etwas trinken, im „Mariandl“ am Beethovenplatz. Eigentlich ein ganz nettes Cafe in München, wie ich finde. Aber gestern war ich etwas erstaunt. Ich kann ja manchmal auch etwas spröde sein bzw. wirken, aber dieser Kellner war irgendwie komisch. Wir hatten uns hingesetzt und ich suchte nach den warmen Getränken, konnte sie aber nicht finden, wie es eben manchmal so ist. Der Kellner schien irgendwie sprachlos, als ich ihn fragte, wo denn die heißen Getränke seien. Er öffnete nur die Karte auf der richtigen Seite, legte sie mir vor die Nase und verschwand wieder wortlos. Als ich ihn dann fragte, was denn der heiße Amaretto mit Schlagobers sei, weil ich dachte, vielleicht verbirgt sich mehr dahinter, kam nur die kurze Antwort: „Heißer Amaretto“. Na ja, das Helle und mein Lumumba kamen dann recht schnell. Als wir dann zahlen wollten und Gendun ihm gewunken hatte, kam der Kellner an den Tisch, hob nur fragend die Augenbrauen (ohne Worte natürlich) und brachte dann die Rechnung. Mir war derweil die Lust auf Trinkgeld vergangen und wollte mir auf die 6,80 zurückgeben lassen. Der Kellner stand klimpernd hinter mir auf der Suche nach Kleingeld, dann erbarmte sich merkwürdigerweise Gendun, der sonst eigentlich mit dem Trinkgeld spart und sagte „Sieben Euro“. Verkehrte Welt, sonst ist das nämlich mein Part, wenn Gendun bezahlt. Aber ich sage ihm immer, Trinkgeld gibt man dann, wenn man zufrieden ist. Und ich weiß ja als ehemalige Bedienung auch, wie wichtig Trinkgeld manchmal sein kann. Vielleicht war ich etwas kleinlich, gebe ich zu. Anyway.

Heute abend steht großes Momo-Produzieren an. Für ein Restaurant, das Tibet-Tage veranstaltet, machen Gendun und ich Momos. 500 Stück sind bestellt. Wir werden ewig dafür brauchen. Ich bin gespannt, wie es wird. Nächsten Monat mehr darüber.

27. Januar 2006

April 2006

„Das Wetter ist komisch“, sagt mein Mann immer. Und da hat er wohl Recht. Seit November haben wir nun schon Winter. Immer wieder fallen abends die Schneeflocken vom Himmel. Am 4. März, als wir vom Lhosar-Fest in der Nacht nach Haus liefen, durften wir den erneuten Wintereinbruch leibhaftig miterleben. Es war morgens um 3 Uhr. Wir mussten auf der Straße laufen, weil dort einige Autos bereits eine passierbare Spur hinterlassen hatten. Auf den Autos türmte sich der Schnee, an den Seiten ebenfalls, so dass man nicht einmal mehr die Autos sah. Es war alles eingeschneit. In Tibet sind die Winter nicht so. Gendun meinte: „Wenn es bei uns so viel schneite dann stürben alle Yaks.“ In Tibet schneit es nicht so viel. Dafür kommt doch immer wieder die wärmende Sonne durch. Eine tibetische Bekannte meinte auch mal zu mir, dass sie in Tibet nie eine Strumpfhose unter der Hose tragen würde.

Ich war zwar leider dieses Jahr noch nicht einmal Ski fahren, aber trotz alledem, langsam reicht es auch mir. Ich mag jetzt die wärmende Sonne auf meinem Rücken spüren, die grünen Blätter an den Bäumen sprießen sehen, wieder mit dem Rad zur Arbeit fahren können, ohne Schneematsch joggen gehen usw. Meinen Wintermantel will ich auch endlich in die Reinigung bringen. Und immer diese dicken Pullover habe ich auch satt. Aber jetzt scheint es doch wieder wärmer zu werden.

Das Lhosarfest war schön. Die Tibeter hatten viele Momos gekocht, aber auch andere kleine Köstlichkeiten. Sie hatten sogar ein kleines Programm einstudiert, also für die Gäste gesungen und getanzt.

Sonst gibt es nichts Neues zu berichten. Ich arbeite auf der Baustelle und im Deutschkurs. Dort haben wir das erste Lehrbuch geschafft. Nun ist die Klasse von neun auf achtzehn angewachsen. So anstrengend es auch ist, es macht mit den Leuten auch Spaß. Aber – die deutsche Sprache ist schon schwer, die ganzen Artikel, dann die Fälle („Warum kommt da jetzt Akkusativ?“ – „Es ist einfach so. Ihr müsst die Verben und Präpositionen immer mit dem dazugehörigen Fall lernen.“) Gendun hat seinen sechsmonatigen Integrationskurs bald geschafft und wird dann wohl den darauf folgenden Orientierungskurs machen, in dem er alles (na ja, sagen wir, vieles) über Deutschland lernen wird. Ich verfolge die Debatte über den Einbürgerungstest natürlich in der Zeitung und bin gespannt, was dabei herauskommen wird. Aber wenn ich mir den hessischen Einbürgerungstest anschaue, da kann ich mich nur Marcel Reich-Ranicki anschließen, der feststellte, dass er auch nicht alle Fragen beantworten könnte.

So, morgen müssen wir wohl die Uhr umstellen, heute wehte auch schon ein laues Lüftchen, als wir durch die Straßen spazierten. Der Frühling kann kommen. Endlich!

Ich möchte die Münchner Leser noch zu einer interessanten Veranstaltung einladen. Am 28.04.06 findet um 20 Uhr im Patagonia-Laden eine Lesung zu moderner tibetischer Literatur statt. Ich kann Euch sagen, diese Erzählungen sind wirklich spannend. Wer u.a. Marquez mag, dem wird es gefallen.

25.03.06

Mai 2006

Im April hatten wir hier in München wirklich richtiges Aprilwetter mit den letzten Schneefällen, einigen warmen Sonnentagen, Regen und Wolken, alles dabei. So konnten wir mit Pasang und Andreas um den Walchensee wandern. Na ja, wir sind nicht drumherum gewandert, aber ein Stück am Seeufer entlang. Wir haben auch schon die ersten Freiluft-Biergarten-Besuche (im Englischen Garten und im Hofgarten am Odeonsplatz) hinter uns. Wir sind an die Isar geradelt – zweimal zum Bärlauch-Suchen. Danach gab es dann jeweils Bärlauch-Momos. Einmal sprach mich wirklich am nächsten Tag ein Kollege an, ob ich eine Knoblauch-Session gemacht hätte. Und letztes Wochenende haben wir im Westpark gepicknickt, an diesem Tag sind auch die Frühlingsblumenbilder entstanden. Da wir selbst keinen Grill haben, hat Gendun zu Hause Chicken gebraten, ich habe den Rest zusammengepackt und dann sind wir losgeradelt. Der Westpark war voll mit Leuten, die Fußball spielten, joggten, die Grillplätze waren alle belegt. Also richtig Bambule.

Ostern waren wir in Ravensburg und haben die beiden Amdo-Deutschen Ehepaare besucht. Wir hatten am Anreisetag (Freitag) so viel Glück mit dem Wetter, dass wir sogar abends noch draußen grillen konnten. Samstagabend haben wir drei Damen noch Ostereier gefärbt. Und als die Herren am nächsten Morgen zum Bäcker fuhren, versteckten wir schnell die Ostereier, Schokoladeneier und Marienkäfer in der Küche. Ein Wochenende mit viel Essen und Essen und relativ wenig Bewegung.

Für medihimal e.V. haben wir jetzt die Gewinner des Fotowettbewerbs ausgesucht. Gut 40 Einsendungen haben wir erhalten, vor allem viele und schöne Kinderbilder. Dieser Fotowettbewerb war der Rahmen zu einer Veranstaltung über Moderne tibetische Literatur, die am 28.04. im Münchner Patagonia-Laden stattfand. Knapp vierzig Zuhörer kamen, denen Vortrag und Lesung von Alice Grünfelder sichtlich gefiel. Für uns von medihimal war der Abend ein Erfolg, nach langer Zeit waren wir in München mal wieder präsent. Nun geht es daran, den nächsten Kalender, in den die drei besten Bilder aus dem Fotowettbewerb kommen, vorzubereiten.

Ansonsten – alles wie bisher. Gendun arbeitet nun fast jeden Tag bei seinem Landschaftsgärtner, ich gehe weiterhin auf die Baustelle bzw. in die Schule. Also, ganz normales Ehe- und Berufsleben.

Allerdings, jetzt, wenn Gendun so viel arbeitet, kann er leider nicht mehr jeden Abend kochen, was ja, ich muss es zugeben, doch immer recht praktisch war. Nun sind meine Kochkünste gefragt, die leider nicht so umfangreich sind. Und ich mag ja auch nicht Stunden vor dem Herd stehen. Muss ich mir eben mal eine schnelle deutsche Küche aneignen. Letztens gab es schon einmal den ersten Spargel, der allerdings aus Spanien kam.

30. April 2006

Juni 2006

Diesen Monat habe ich einfach keine Lust zum Schreiben, irgendwie müde und so. Zur Hütteneröffnung waren wir im Reintal. Erstaunlicherweise lag nur wenig Schnee, auch wenn noch nicht alle Lawinen durchgetaut waren. Ansonsten wird das Leben bestimmt durch Arbeit (Büro, Deutschunterricht meinerseits und Landschaftsgärtnerei bei Gendun). Wie ein altes Ehepaar, meinte letztens jemand. Aber momentan kann ich mich nicht zu viel mehr aufraffen, vielleicht jetzt, wenn der Sommer hoffentlich bald kommt. Jedoch hat es letzte Woche fast ständig geregnet, im Büro habe ich wieder die Heizung aufgedreht. Nun ja, wir haben ja noch etwas Zeit bis zum Sommeranfang am 21. Juni.

Hoffen wir auf baldige Sonne und einen guten Sommerstart!

04.06.06

Juli 2006

So, wieder ein Monat vorbei, diesmal sitze ich mit etwas mehr zum Schreiben vor meinem Schreibtisch in unserer ziemlich an äqutoriale Breitengrade (oder ist der Äquator ein Längengrad?) erinnernden Wohnung. Soll heißen, es ist ziemlich warm bei uns. Mittlerweile alle Fenster bei uns sind mit einem reflektierenden Stoff abgedeckt, damit die Sonne nicht reinknallt. Aber da das Dach die Wärme auch nicht gerade stark abhält, ist es doch so warm, dass wir in kurzen Hosen bzw. Unterwäsche herumlaufen und die Wohnungstür offen lassen. An solchen Wochenenden, wie dem jetzigen, fahren wir meist irgendwann in einen der Parks hier, legen uns in den Schatten eines großen Baumes, picknicken vielleicht noch und relaxen einfach etwas.

Der Ball ist rund und das Runde gehört ins Eckige. Ja ja, die Fußball-Weltmeisterschaft hat Deutschland in eine fußballfiebrige Nation verwandelt. Und natürlich nicht nur die Deutschen, denn schließlich können wir hier, u.a. in München, wo ja etliche Spiele ausgetragen werden, Fans der verschiedensten Nationen erleben. Mich allerdings nicht wirklich. Aber auch ich habe mich immerhin etwas gewandelt. Im Vorfeld der WM war ich eher ablehnend eingestellt und dachte mir: „Oh Gott, wenn jetzt die ganzen Hottentotten, diese herumgrölenden Fans kommen, das kann ja was werden…“ Aber diese Skepsis wandelte sich in Sympathie, zumal ich nie dort entlang fahren muss, wo eventuelle Fangruppen auftreten würden, also nicht in der U-Bahn zum neuen Stadion oder auf dem Weg zum Fanpark im Olympiazentrum.

Am ersten Spieltag lief ich im Hauptbahnhof herum, musste mir mein Ticket kaufen und musste wirklich grinsen, als ich drei kleine Mädchen (vielleicht 4 -5 Jahre alt) sah, die kleine Deutschlandfahnen schwenkten und laut herumriefen. Die Mütter dazu übrigens garantiert keine Deutschen, denn sie trugen alle Kopftuch. Mir persönlich ist die deutsche Fahne ja irgendwie zu trist, diese Kombination aus Schwarz-Rot-Gold… Ich glaube, dass Schwarz macht diese Fahne zu erdrückend. Da finde ich doch die Farben anderer Nationen erfrischender. Na ja, anyway, irgendwie fand ich es doch sympathisch, dass die Leute ihre Fahne im Gesicht tragen, am Auto spazieren fahren usw., ohne dass es irgendwie nationalistisch wirkt. Das erste Spiel erlebte ich nur indirekt, ich radelte gerade zu einem Treffen, die Straßen waren ziemlich leer, immerhin spielte Deutschland. Irgendwann, kurz nach Anpfiff, hörte ich es jubeln und dachte dann bei mir, nun wird wohl das erste Tor für Deutschland gefallen sein. Kurz darauf träumte ich von der WM. Nachdem meine Mutter (!) Karten für ein WM-Spiel hatte, dachte ich mir, ich müsse mir nun auch Karten besorgen. Ich landete irgendwo an einem komischen Häuschen und bekam zwei Karten für ein Spiel mit Ecuador. Aber merkwürdigerweise bekam ich nur so komische Chips und konnte nicht mit meiner Karte bezahlen. Leider klingelte dann Genduns Wecker und ich weiß nun nicht, wie der Traum ausging. Bis heute habe ich es nicht geschafft, ein ganzes Spiel zu sehen. Zweimal hatte ich indirekt die Möglichkeit, nein eigentlich schon mehrmals. Aber entweder bin ich eingeschlafen, oder ich versuchte es mit dem Zuschauen, aber da ich einfach keine Regeln kenne, ist es für mich eher langweilig, denn 22 Herren auf dem grünen Rasen dabei zuzuschauen, wie sie versuchen, das Runde ins Eckige zu kriegen. Gestern, beim Spiel Deutschland- Schweden, wollte ich mir wenigstens noch die zweite Halbzeit ansehen, aber dank des wunderbaren Digitalfernsehens, das uns immer nicht zu sehende Sender beschert, war uns dieses Vergnügen verwehrt geblieben.

Gendun telefonierte letztens mit seiner Familie in Tibet. Auch dort schaut man die Fußball-WM, und seine Familie weiß schon auch, dass die WM dort ist, wo Gendun nun wohnt. Die tibetische Fußballmannschaft, die im Juni in Hamburg mit anderen Mannschaften wie Grönland (also Mannschaften von Ländern, die kein eigenes Land sind) gespielt hat, war übrigens nicht sehr erfolgreich. Eigentlich war sie überhaupt nicht erfolgreich, sondern verlor.

Nanne schickte mir letztens einige Fußballersprüche. Hier nun eine Auswahl. Wer mehr davon lesen möchte, kann im Internet unter www.fussballersprueche.de nachlesen.

  • Anthony Yeboah (auf die Feststellung des „Kicker“, er wohne „wie ein deutscher Musterbürger“): „Soll ich etwa ein Lagerfeuer im Wohnzimmer machen?“
  • Anthony Baffoe (nach gelber Karte zum Schiri): „Mann, wir Schwarzen müssen doch zusammenhalten!“
  • George Best: „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben… Den Rest habe ich einfach verprasst.“
  • Franz Beckenbauer (nach einer Bayern-Niederlage): „Ich bin immer noch am überlegen, welche Sportart meine Mannschaft an diesem Abend ausgeübt hat. Fußball war’s mit Sicherheit nicht.“
  • Giovanni Trappatoni: „Fußball ist Ding, Dang, Dong. Es gibt nicht nur Ding.“
  • Max Merkel: „Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da war’s mir wurscht. Da hab i g’sagt: Sauft’s weiter.“
  • Berti Vogts: „Kompliment an meine Mannschaft und meinen Dank an die Mediziner. Sie haben Unmenschliches geleistet.“
  • Johannes Rau (zum Vorschlag, Fußballstadien nach Frauen zu benennen): „Wie soll das denn dann heißen? Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion ?“
  • Dieter Nuhr: „Bei der Fußball-WM habe ich mir Österreich gegen Kamerun angeschaut. Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten und auf der anderen Seite Kamerun!“
  • Nächstes Wochenende fahren wir nach Berlin. Dann findet Nannes Nachhochzeitsfest statt. Hoffentlich ist schönes Wetter, denn es draußen stattfinden.

So, ich will jetzt noch ein paar Telefonate führen. Ich wünsche Euch einen schönen Monat Juli.

25. Juni 2006

August 2006

Neben dem alltäglichen politischen Geschehen in der Welt ist die Hitze doch ein allbestimmendes (gibt es dieses Wort überhaupt?) Thema. Und ich muss sagen, auch ich kann mich diesem Thema nicht entziehen. Warum? Weil mir scheint, dass ich der Hitze rund um die Uhr ausgesetzt bin. Vormittags bzw. manchmal auch ganztags arbeite ich auf der Baustelle in einer Blechkiste, also in einem Container. Zum Glück scheint bei mir die Sonne erst nachmittags rein. Das kleine Klimagerät macht seine Arbeit, so gut es kann. Aber wahrscheinlich müsste es doppelt so groß oder doppelt so gut sein, um den Raum effektiv und dauerhaft zu kühlen. Habe ich nachmittags noch Deutschunterricht, gehe ich in einen Raum, in den auch den ganzen Nachmittag die Sonne scheint. Die diversen Rollos, die es dort gibt, funktionieren teilweise nicht wirklich. Letztens bekamen wir einen kleinen Ventilator – für einen Raum, der sicherlich über 22 Quadratmeter hat. Da die Schüler in der Überzahl sind, zeigt der Ventilator leider auch nicht in meine Richtung. Komme ich dann abends nach Hause, hat sich unsere kleine Wohnung unter dem Dach derart aufgeheizt, dass wir fast im Adam- und Eva-Kostüm durch die Wohnung spazieren oder apathisch auf unserem Bett liegen. Morgens, wenn wir aufwachen, ist es ideal. Aber leider müssen wir da das Haus verlassen.

Nun wird es ja endlich wieder kühler. Allerdings haben wir nächste Woche Urlaub am Achensee in Tirol. Also, wenn es dann dort aber regnet, dann bin ich auch nicht glücklich und hätte wieder etwas zu meckern. Das Wetter – ein Endlosthema!!! Egal, ob gut oder schlecht.

Aber dieser Sonnenschein war natürlich ideal für Nannes Hochzeitsfest im Britzer Garten in Berlin. Am 1. Juli feierte sie dort mit Freunden und Verwandten ihre Hochzeit mit Corné nach. Der Britzer Garten, ein ehemaliger Buga-Garten im Berliner Stadtteil Neukölln ist wunderschön mit großzügigen Wiesen, auf denen sogar Stühle und Liegen stehen, schönen Parkanlagen, einem See etc. Mama hatte dort sogar einen Platz entdeckt, der überdacht und mit Tischen und Bänken versehen war. Also ideal für ein solchen Fest. Es wurde zum Brunch geladen. Und das ganze zog sich bis zum späten Nachmittag hin – mit einer kurzen Rede, gutem Essen, vielen Gesprächen, Fußball- und Boulespiel.

Am nächsten Tag fuhren Gendun und ich wieder nach Hause. Im Gepäck meine alte Babybadewanne, also die Badewanne, die meine Oma kaufte, als sie kurz nach meiner Geburt auf mich aufpassen sollte. Sie hatte diese Wanne noch und wollte sie uns vermachen, weil wir sie nun selbst gebrauchen können. Diese Wanne ist also jetzt 33 Jahre alt. Sie ist ganz einfach, quietschgrün. Und sie entspricht nicht den neuesten Entwicklungen wie z.B. diesem Babywascheimer, in dem die Babys sitzen wie in einem Blumentopf, so beschrieb es meine Mutter doch ganz treffend. A propos Baby, viele meiner Sachen passen mir leider nicht mehr, gerade die Sommersachen. Es war eher deprimierend, denn mein Bauch ist noch zu klein für die richtigen Schwangerschaftsklamotten, die im Übrigen nicht wirklich toll sind. Und die Bademode war so klein, als würden die schwangeren Damen nicht gerade in der Oberweite doch etwas zulegen. Körbchengröße B ist da doch nicht mehr drin. Interessant war für mich auch, dass große Kaufhäuser wie Galeria Kaufhof oder Ludwig Beck gar keine Schwangerschaftsabteilung haben. Oder H&M hat einen extra Woman-Laden in der Fußgängerzone, auch dort gibt es zwar alle möglichen Damensachen, aber nichts für Schwangere. Zum Glück gibt es liebe Menschen, die mir anderweitig geholfen haben. Danke, Mama und Anne. Übrigens, bei mir ist erst die Halbzeit rum…

Nanne und Corné besuchten uns in München, bevor sie auf Tour in die Schweiz und an den Bodensee gingen. Zum Abschluss ihrer Reise wanderten wir zusammen zur Reintalangerhütte. Die beiden frisch Vermählten gingen schon einen Tag vorher los, wir trafen uns dann mittags am nächsten Tag an der Bockhütte, um dann in der Hitze weiterzustiefeln. Die Reintalangerhütte war proppenvoll. Wir vier mussten jeweils zu zweit im Doppelstockbett – oben! – schlafen. Ich habe das nicht gepackt, es war warm, immer dachte ich, Gendun fliegt gleich aus dem Bett. Erst scheuchte ich ihn mit Matratze in den Flur, das war ihm aber zu peinlich. Mir hätte es nichts ausgemacht, dort zu schlafen. Also trug mein Schatz die Matratze wieder zurück ins Zimmer und verkrümelte sich dann dankenswerterweise auf den Dachboden. So kamen wir doch noch zu einer erträglichen Nachtruhe.

Noch eine kleine Werbung für „meinen“ Verein medihimal. Unser neuer Kalender für 2007 „Begegnungen im Himalaya“ ist fertig. Ich weiß, es ist Hochsommer. Die Hitze hat gerade erst nachgelassen, kein Mensch denkt an das nächste Jahr. Aber immerhin sind es nur noch fünf Monate, man könnte rein theoretisch schon über Weihnachtsgeschenke nachdenken. Und wenn nicht, kann man sich wenigstens mal die Bilder anschauen unter www.medihimal.org. Es lohnt sich.

Sonst gibt es nicht viel zu erzählen. Mein Deutschkurs ist diese Woche vorbei. Nach meinem Urlaub geht der nächste weiter. Mal sehen, ob es wieder ein Integrationskurs oder vielleicht sogar ein Alphabetisierungskurs wird. (Gerade habe ich erfahren, dass es ein normaler Integrationskurs ist.) Ansonsten freuen Gendun und ich uns sehr auf den bevorstehenden Urlaub.

Also, liebe Leute, genießt den Sommer!

31. Juli 2006

September 2006

Die Zeit vergeht, wieder ist ein Monat vorbei. Unser kleiner Kurzurlaub in Tirol am Achensee ist nun auch schon zwei Wochen Vergangenheit. Umsonst waren die Tränen beim Einkauf vergossen, denn das Wetter war, wie erwartet, nicht gut, jedenfalls nicht um vielleicht einmal kurz in den Achensee zu springen. Es war eigentlich eher verregnet, die Berge rund um den malerischen See wolkenverhangen oder vernebelt, mal kam am Nachmittag die Sonne heraus. Wir konnten zumindest erahnen, wie schön diese Ecke Tirols sein kann. Trotz des Wetter ließen wir uns nicht davon abbringen, herumzuspazieren und zu wandern, naja, es waren sehr kurze Wanderungen, aber wir waren jeden Tag unterwegs. Schließlich kann man nicht den ganzen Tag vor der Glotze hängen und wir hatten jeder auch nur ein Buch mit. Gendun sein Deutschlehrbuch, ich eines von einer Art Konferenz des Dalai Lamas mit westlichen Wissenschaftlern über destruktive Emotionen. Wir hätten noch nicht einmal unsere Bücher tauschen können. Denn ich kann die deutsche Sprache schon, und Gendun hätte mein Buch nur schwer verstanden, denn auch ich hatte manchmal meine Probleme damit.

Also, was haben wir gemacht? Für die, die den Achensee kennen, gehe ich mal ins Detail. Am ersten Tag sind wir im Regen von Maurach, wo wir eine Ferienwohnung hatten, nach Pertisau immer am See entlang gewandert. Zurück ging es dann doch im Bus. Am zweiten Tag wanderten wir zur Weißenbachhütte, einem kleinen Hexenhäuschen etwa 2 Stunden langsamen Fußmarsch entfernt. Als wir ankamen, schaute die mittlerweile über 70jährige Wirtin gerade zum Fenster heraus. In diesem Mini-Häuschen, das sie seit 50 Jahren bewirtschaftet, gibt es sogar noch 12 Übernachtungsplätze. Am Mittwoch wanderten wir zur Buchauer Alm. Dort gab es dann auch wirklich Kühe. Allerdings im Stall und mit hochgebundenen Schwänzen, ein etwas merkwürdiger Anblick. Donnerstag schien dann doch auch mal am Vormittag die Sonne, wir fuhren mit der Seilbahn hoch zur Erfurter Hütte, wanderten den Enzianweg entlang zur Dalfazalm, diese ließen wir links liegen, stiegen ab zum Wasserfall und in Buchau warteten wir dann auf das Schiff, um uns nach Achenkirch übersetzen zu lassen. Vom Schiff aus konnte man gut sehen, wie schön der 22 km lange Wanderweg rund um den See sein muss. Aber dies konnte von uns leider nicht mehr verwirklicht werden, denn am Freitag reisten wir bei strömendem Regen ab.

Meine Eindrücke von dort: Ich fand ja schon immer, dass die österreichischen Alpen irgendwie anders aussehen als das mir bekannte Wetterstein, viel weicher, sanfter und almiger, d.h. zwischen den hohen Tannen viel Wiese bzw. kleine Büsche, Sträucher, viele schöne Blumen. Die Berge wirken nicht so karg wie das Kalksteingebirge im Wetterstein. Dafür ist die Gegend ganz schön touristisch, d.h. es sind wahrscheinlich in jedem Haus Ferienwohnungen, Pensionszimmer. Und Hotels gibt es en masse. Also, sieht man ein Haus mit vielen Balkons und den immer gleichen, wenn auch schönen, Blumen davor (zum Glück sind es nicht immer Geranien), dann kann es sich nur um irgendein Unterkunftshaus handeln.

Nach dem Urlaub hat Gendun noch eine Woche einem Kollegen geholfen, der später mit dem Urlaub anfing. Dann jedoch hatte er noch einmal eine Woche Urlaub. Allerdings konnte er sich nicht zum Verreisen entschließen. So verrann die Woche ohne Wegfahren, dafür hat er in der Küche zwei Möbelstücke gestrichen. Ich hatte zwei kleine Kommödchen, die dringend einer neuen Farbe bedurften. Also kaufte ich, passend zum Küchenschrank, blauen und weißen Lack. Als ich mittags nach Hause kam, sah die Wohnung erst einmal ziemlich chaotisch aus: Das Wasserbecken im Klo war blau, das Klo innen selbst auch, in der Küche war alles mit Zeitungspapier ausgelegt. Darauf stand die eine kleine Truhe, nun schön blau-weiß gestrichen. Aber Gendun hatte sich auch am Küchenschrank versucht, der zwar nicht richtig professionell nun aussieht, denn ich hatte kein Abdeckklebeband gekauft, aber dafür schön in neuem Weiß und Blau strahlt. Das andere Kommödchen wurde auf ein andermal vertröstet. Genduns Fingernägel sind immer noch leicht blau, im Klos riecht es noch nach Terpentin. Aber beide Möbelstücke sind nun kleine Lichtblicke in unserer Küche.

Ansonsten geht es uns gut. Wir sind guter Dinge und freuen uns auf unser Kind, das im Dezember kommt. Nur noch vier Monate bis dahin, nur noch zwei Monate Arbeit. Übrigens nicht nur der Babyklamottenkauf nervt etwas, auch alles andere finde ich alles andere als lustig. Dieses Überangebot an Kinderwagen, Bettwäsche, Nestchen, Trinkflaschen etc. Kaum zu glauben. Ich werde mich einfach mal an meine Mutter und Oma „erinnern“, die all diesen Luxus nicht hatten und deren Kinder trotzdem sehr gut geraten sind.

Liebe Freunde und unbekannte Leser, lasst es Euch gut gehen.

27. August 2006

Oktober 2006

Heute ist der letzte Tag vom Oktoberfest. Auch Gendun und ich waren nochmals auf der Wiesn. Gendun bekam eine „Verzehrmarke“ geschenkt, so dass wir unser Mittagessen auf die Wiesn verlegen konnten, zur „Fischer Vroni“. Eigentlich sollte man dort wohl Steckerlfisch essen, aber Gendun ist eh nicht so ein Fisch-Fan und ich hatte auch mehr Lust auf ein knuspriges Hendl. Dieses Jahr hatten die Wiesnbesucher ja großes Glück, fast jeden Tag ausgesprochenes Wiesnwetter. Sonnenschein und Sonnenschein und Sonnenschein, ich kann mich nur an ein oder zwei Regentage erinnern. Mit Gendun war ich zwei-, dreimal zum Spazieren dort, einmal von der Arbeit aus und einmal mit den Hüttenfreunden.

Ich muss sagen, so ganz ohne Bier und mit Babybauch ist das Vergnügen doch etwas eingeschränkt. Ich versuchte mich dann an einer Maß Alkoholfreies, aber die schmeckte nicht, war viel zu groß und wurde viel zu schnell schal. Und als ich mal eine Cola bestellte, bekam ich eine, die wahrscheinlich schon eine Stunde auf ihren Abnehmer wartete und gänzlich ohne Kohlensäure war. Trotzdem, es macht immer wieder Spaß, diese ganzen Leute anzuschauen. Und die gebrannten Mandeln und die Schokofrüchte sind auch so lecker. Nur Kettenkarussell ging dieses Jahr natürlich auch nicht.

Sonst passiert bei uns immer noch nicht viel. Ich genieße die Wochenende mit Faulsein, manchmal etwas walken, aber ansonsten viel ausruhen, als Schwangere darf ich das, sage ich mir immer. (Manchmal überfällt mich aber auch wirklich eine dermaßen große Müdigkeit, da geht es nicht anders.) So zelebrieren wir zu zweit eben unser schönes Wochenendfrühstück. Während Gendun schnell zum Bäcker springt und Croissants und Semmeln mitbringt, versuche ich, ein schönes Frühstück zu zaubern mit Frühstücksei, Tomaten und Mozarella etc. Das erinnert mich immer an die Berliner Dimitroffstraße. Vielleicht habe ich es falsch in Erinnerung, aber Nanne und ich wurden immer zum Bäcker am Helmholtzplatz geschickt, um diese doppelten Berliner Brötchen zu kaufen. Und dann gab es auch immer ein Ei. Nur dass wir heutzutage auch am Sonntag frische Brötchen kaufen können. Das Wochenendfrühstück ist immer meine Aufgabe, wie auch die Wäsche. Seitdem Gendun arbeitet, fragt er mich auch immer öfter, ob ich nicht einmal kochen mag. So habe ich mich nun auch schon an Schweine- und Rinderbraten gewagt, Rindsroulade, aber manchmal werfe ich auch einfach nur Gemüse in den Wok, etwas Curry und Kreuzkümmel drauf, und fertig ist ein pseudo-indisches, leckeres essen. Aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich nach der Arbeit nicht wirklich große Lust zum Kochen habe. Wenn ich Zeit habe, dann schon, aber so…

Also, berufstätige Mütter haben meine Hochachtung. Naja, bin ja bald auch eine. Ich will zwar anfangs schon zu Hause bleiben, aber muss und will irgendwann doch wieder arbeiten. Letztens habe ich fünf städtische Kinderkrippen in meinem Stadtviertel abgeklappert. Dafür hatte ich zwei Stunden Zeit, denn Vormerkung geht nur montags von 14-16 Uhr, musste dafür also früher von der Arbeit weg. Wartezeiten für den Platz dann etwa 1-2 Jahre, wobei ich ja eigentlich hoffe, dass ich in zwei Jahren nicht mehr hier in dieser Gegend wohne bzw. wenn, dann doch in einer größeren Wohnung. Irgendwann werde ich nochmals auf Tour gehen und Kinderkrippen in der etwas entfernteren Umgebung besuchen. So langsam sind wir gerüstet für unseren Spatz, auch wenn es bei uns noch nicht so babymäßig aussieht, aber der Kinderwagen wurde über Ebay ersteigert und steht erst einmal dort, wo dann das Kinderbett hinkommt (wir haben keinen Keller, dafür die kleinste Wohnung im Haus), Kinderklamotten sind in der Wickelkommode verstaut. Mein Bauch wird dicker, dadurch das Kind immer präsenter. Wir sind gespannt. Aber etwas Zeit haben wir ja noch.

Es ist auf jeden Fall eine spannende und interessante Zeit. Ich muss oft darüber nachdenken, wie bei uns und in anderen Ländern / Kulturen das Gebären etc. vor sich geht. Manchmal frage ich mich, warum machen bei uns die Frauen Geburtsvorbereitungskurse und Gymnastik etc. Hat natürlich auch mit dem größeren Wissen zu tun, aber auch damit, dass wir nicht mehr in einer Großfamilie leben, in der die junge Mutter sich bei Fragen an die eigene Mutter oder andere Frauen wenden konnte. Diese direkte Möglichkeit haben wir ja nicht mehr. Wir lesen dafür tausend Bücher, das eine sagt das, das andere sagt das. Der Arzt wiederum sagt etwas ganz anderes und die Hebamme auch. Manchmal ist es verwirrend. Aber ich kann es mir auch aussuchen, wie es dann mache. Letztlich sollte frau einfach auf ihren Körper hören. Oder?

So, genug vom Kinderkriegen. Gendun hat schon wieder Hunger, obwohl er ein halbes Hendl verputzt hat. Unglaublich, die Männer.

3. Oktober 2006

November 2006

Diesen Monat gibt es keine großen News. Außer die folgende: Am 23.10.06 wurde unser Sohn Tenzin Florian geboren, zwei Monate zu früh, aber es geht ihm mittlerweile schon sehr gut. Wir freuen uns, dass er da ist und wir hoffen, dass er zu seinem eigentlichen Geburtstermin (25.12.) zu Hause ist – quasi als das schönste Weihnachtsgeschenk der Welt.

05. November 2006

Dezember 2006

Im letzten Monat hatte ich nur kurz geschrieben, dass unser Sohn Tenzin Florian geboren wurde. Da er es sehr eilig hatte und zwei Monate zu früh kam und auch noch im Krankenhaus lag, wollte ich einfach noch nicht so viel schreiben.

Das Ende der Schwangerschaft war nicht so wie geplant: Statt eines dicken Bauches schob ich zwölf Tage im Krankenhaus einen Infusionsständer vor mich her. Statt Geburt im Geburtshaus gab es einen Kaiserschnitt. Für Gendun und mich war es schon ein Schock irgendwie. Und für mich war es auch ein abruptes Ende der Schwangerschaft, ganz plötzlich und viel zu früh war ich Mutter. Tenzin ging es damit wahrscheinlich noch viel schlimmer. Aber er ist ein kleiner Kämpfer und bereits am zweiten Tag musste er nicht mehr beatmet werden. Trotzdem mussten wir ihn im Krankenhaus lassen, als ich nach Hause gehen durfte. Das war dann doch ein komisches Gefühl.

Obwohl ich noch keine „richtige“ Mutter bin, ist mein Tagesablauf schon wie der einer Mutter mit Kind zu Hause. Mein Tag ist bestimmt von der Milchpumpe. Ich komme mir manchmal vor wie eine Milchkuh. Passenderweise hat der Kurzzeitwecker, der neben der Pumpe steht, das Aussehen einer Kuh. In unserem Kühlschrank sammeln sich die kleinen Milchfläschchen, die ich mit ins Krankenhaus nehme. Wir könnten eine Milchbar eröffnen, denn im Tiefkühlfach sind auch noch welche. Aber nicht nur die Milchpumpe beeinflusst meinen Tag, sondern auch die Besuche im Krankenhaus. Drumherum wird der Rest des Tages geplant. Im Krankenhaus ist dann waschen, windeln, füttern bzw. stillen angesagt. Zum Glück gibt es immer eine Schwester in Rufweite, denn manchmal denke ich: „Tenzin ist noch so klein und zerbrechlich“. Mit dem Stillen haben wir angefangen, noch mit Stillhütchen. Jüngere Mütter wissen, was das ist. Meine Mutter nicht. Sie fragte aus Spaß: „Ihr zwei werden es ja wohl nicht aufhaben?“ Richtig, es sind kleine Plastikbrustaufsätze, die das Saugen erleichtern. Mittlerweile liegt er auch in einem ganz normalen Babybettchen. Und er hat keine Sonde mehr (wie Ihr an den beiden oberen Bildern erkennen könnt), denn er trinkt alles selbst mittlerweile. Tenzin ist noch nicht zu Hause, aber wir freuen uns jeden Tag über die kleinen Fortschritte: über jedes Gramm, das er zunimmt, über jeden Milliliter, den er aus Brust oder Flasche trinkt usw. Na ja, typische Elternfreuden, würde ich mal sagen. Und übrigens – Tenzin ist total süß!

Und ich muss lernen, Geduld zu haben und mich erst einmal nach meinem Sohn zu richten. Es gibt zwar Essenszeiten im Krankenhaus und ich sollte nach ca. 3-4 Stunden meine Milch abpumpen. So versuche ich, an diesen Zeiten zu orientieren. Aber ich merke immer wieder, wenn ich mir mal einen Zeitplan gemacht habe, dass ich daran doch scheitere und dass man ein Baby nicht in ein Zeitsystem pressen kann. Man macht sich nur unglücklich damit, weil es nicht so klappt, wie man es sich vorstellt. Aber das schaffen wir auch noch. So, nun ist genug der Babygeschichten. Es war natürlich nicht immer nur so lustig, wie es vielleicht klingt. Im Gegenteil, die Schwangerschaft endete sehr abrupt und es gab auch viele Tränen, gibt es immer noch. Höhen und Tiefen, aber die Höhen nehmen zu!

Jetzt stehen noch die ganzen Ämtergeschichten an. Die Krönung war das Erstellen der Geburtsurkunde. Ich wusste nicht, dass es so schwierig sein würde. Dreimal war ich auf dem Standesamt. Beim ersten Mal schickten sie mich wieder nach Hause, weil Gendun und ich im Ausland geheiratet hatten und sie deshalb meine Geburtsurkunde und Genduns Pass brauchten. Ich frage mich, warum die Geburtsurkunde. Denken die, dass das Einwohnermeldeamt irgendeinen Geburtstag auf meinen Personalausweis setzte. Eine Geburtsurkunde hatte ich nicht, das Familienbuch ist ja bei meiner Mutter. Also schickte mir meine Mutter das Buch per Einschreiben. Dann ging ich wieder hin. Diesmal stolperte der Beamte über Genduns Pass. Dort steht einmal der Name in chinesischer Aussprache drin, aber auch die tibetische. Jetzt wollte der Beamte, dass Gendun persönlich auf das Amt kommt und erklärt, dass er den tibetischen Namen wolle. Alle unsere Karten und Ausweise lauten auf Palden, selbst mein Personalausweis, denn dieses Theater hatten wir bereits vor einem Jahr. Da musste Gendun, auch auf dem Standesamt (aber eine Etage höher) erklären, was es mit seinem Namen auf sich hat. Das wurde dann nach Berlin geschickt und wir bekamen vom Berliner Standesamt quasi die Erlaubnis, Palden heißen zu dürfen. Aber der Beamte wollte wieder nicht meinem Personalausweis glauben. Sie waren dann so kulant zu sagen, Gendun brauche nicht kommen, es reiche die Bestätigung vom Berliner Standesamt. Ich kam mir ziemlich vera…t vor. Aber zum Glück hat es dann doch alles funktioniert. Mittlerweile ist alles beantragt, was es zu beantragen gibt.

24. November 2006

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