News 2005 – übernommen von www.pankeanke.de

Januar 2005

Es schneit, seit Tagen. Bestimmt seit einer Woche schneit es durchgängig. Und die nächsten beiden Tage soll es weiter schneien. Heute gab es in München sicherlich knapp 30 Zentimeter Neuschnee. So etwas habe ich schon ewig nicht mehr erlebt, eigentlich kann ich mich gar nicht erinnern, jemals so lange so viel Schnee gehabt zu haben. Ich erinnere mich, dass es Ende der 70er in Berlin einen sehr strengen Winter gab, aber das ist nun auch schon 25 Jahre her. Ich finde den Schnee ja toll, alles ist weiß und still, der Himmel ist auch weiß verhangen, die Sicht reicht nicht weit. Aber „meine“ Bauleiter kommen manchmal in mein Büro und fragen: „Warum muss das nur so schneien?“ Ich sitze ja auch in meinem kleinen Containerbüro, habe es einigermaßen warm und muss nicht raus ins Schneegestöber auf die Baustelle.

Seit Dezember sitze ich nun fest auf der Baustelle. Habe dort ein eigenes Zimmer mit allem Büro-Komfort. Sonst gibt es über meine Arbeit dort nicht viel zu berichten: Briefe schreiben, Schriftverkehr und Protokolle richtig als Papier und digital ablegen usw. An sich alles keine wirklich spannenden Arbeiten, aber trotzdem wird es durch die Mischung nicht langweilig und ist auch nicht uninteressant. Ich bin also positiv überrascht über dieses Baustellenleben.

Zwei Monate habe ich jetzt nicht geschrieben. Neben meiner Arbeit ist nicht so aufregend viel passiert. An der Visa-Front für Gendun ist noch nicht viel passiert, es wird weiter gekämpft. Es ist noch nicht wirklich vorangegangen, aber ich bin etwas optimistischer, auch wenn Gendun sicherlich nicht im nächsten Monat kommen kann. Unglaublich, in drei Tagen sind wir bereits sieben Monate verheiratet.

Dass Gendun noch in der Schweiz ist, bedeutet natürlich auch, dass ich weiterhin jeden Monat in die Schweiz fahre. Anfang Dezember habe ich dort sogar meine Schwester getroffen, die wieder in Zürich am Forschungsinstitut war. Über Weihnachten und Silvester war ich etwa zehn Tage in Thun, nach unseren Tagen in Indien das erste Mal wieder, dass wir für etwas längere Zeit zusammen waren.

Es war unser erstes gemeinsames Weihnachten. Ich hatte aus Deutschland einen kleinen hölzernen Weihnachtsbaum mitgebracht und Weihnachtsschmuck, Gendun hatte einen Adventskranz gekauft. So gab es wirklich auch eine kleine Bescherung. Ich wollte in den zehn Tagen auch etwas wandern gehen, deshalb kauften wir extra noch Trekkingschuhe für Gendun. Leider endete die erste kleine Wanderung mit einem Sturz Genduns, er konnte zwar noch zwei Stunden weiterlaufen. Jedoch am nächsten Tag hatte er Schmerzen und wir sind doch ins Krankenhaus gegangen. Schade. Dabei hatten wir so schönes Wetter in Thun. Silvester haben wir rumgegammelt sozusagen. Ich habe noch nicht einmal mitbekommen, ob die Schweizer nun Feuerwerk machen oder nicht. Aber wenigstens habe ich Gendun „Diner for one“ gezeigt.

Durch meinen Bürojob habe ich viel weniger Zeit, also auch viel weniger Zeit, um Sport zu machen. Ich hatte mich zwar im Fitnessstudio angemeldet, habe mich jetzt aber wieder abgemeldet, weil es nicht so mein Ding ist, auf dem Laufband zu laufen. Und die Kurse lagen oft zu früh, zu diesen Zeit war ich meist noch im Büro oder erst auf dem Heimweg. Jedenfalls habe ich null Kondition.

Zum Geburtstag einer Freundin wollten wir jedenfalls eine Skitour machen, der Nachteil: Sie musste an dem Tag noch arbeiten. Deshalb konnten wir erst abends halb sieben an der Kreuzeckbahn bei Garmisch-Partenkirchen loslaufen, immer die Piste hoch. Zwischendurch mussten wir warten, weil die Pistenraupe unterwegs war. Zum Ende hin ging es zwar nicht mehr bergauf, aber dafür immer eine schmale Spur an einem steilen Abhang entlang. Halb zwölf waren wir endlich an der Stuibenhütte – und ich war fix und fertig, aber wirklich fix und fertig. Aber ich habe es geschafft, und darauf war ich dann doch etwas stolz.

Das Wochenende drauf war ich zum ersten Mal nach fast zwei Jahren wieder in Berlin. Mama und ihr Freund feierten gemeinsam ihre jeweiligen Geburtstage, diesmal in großer Runde. Mamas (fast) gesamte Familie war da, alle Geschwister und die meisten meiner Cousins und Cousinen, die ich auch schon lange nicht mehr gesehen hatte. Wahnsinn, wie groß sie alle geworden sind bzw. eigentlich richtig erwachsen. Das war mir gar nicht so bewusst gewesen.

Dann war ich ein Wochenende in der Schweiz – aber Gendun und ich, wir hatten nichts von einander, denn ich reiste schon mit wahnsinnigen Kopfschmerzen an und blieb zwei Tage im Bett. Erkältung mit Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Husten… grauenvoll. Ich bin sogar einen Tag später abgereist, weil mir so vor sieben Stunden Zugfahrt mit Kopfschmerzen grauste.

Letztes Wochenende war ich mal wieder in München. War sogar mal wieder im Westpark joggen – der Park war voller Kinder und Erwachsener beim Spazieren und Schlitteln. Dieses Wochenende besuche ich Freunde im Allgäu und hoffe, dass ich vielleicht doch zum Ski fahren kommen. Das Wochenende darauf feiert meine Oma ihren 85. Geburtstag in Merseburg. Dann fahre ich nach Thun.

Und dann sollte ich vielleicht mit meinen Wochenendreisen etwas kürzer treten, denn Anfang April will ich mit Mama, einer Kollegin von Mama und meiner Schulfreundin Gesine nach Namibia fahren und Nanne besuchen.

Wahnsinn, wie wenig Zeit man neben der Arbeit hat, nicht einmal die Aktualisierung meiner Website habe ich geschafft letzten Monat. Und diesen Monat gibt es auch nur einen Text ohne Bilder.

Also, weiterhin viel Spaß im Schnee!

02. Februar 2005

März 2005

Heute nur in Stichpunkten:

  • Von den etwa 25 Kränen auf der Baustelle steht nur noch die Häfte, dafür stehen die sechs Hauskomplexe, einige Fenster sind drin, die Fassade wird montiert.
  • An eine 50-Stunden-Woche muss man sich erst einmal gewöhnen. Berufstätige Mütter haben meine Hochachtung.
  • Dank unserer Reiseleiterin Frau Ulrike Schulze nimmt die Namibia-Reise immer mehr Gestalt an: Die Flüge sind bezahlt, das Auto und die Unterkünfte gebucht. Der Reiseführer liegt auf dem Nachtisch. Reiseapotheke und Dia-Filme sind gekauft. Nanne hat bei ihrer Lieblingsfriseurin in Windhoek einen Termin vereinbart.Nur schlangensichere Schuhe habe ich noch nicht geschaut. Die Stoff-Basketball-Schuhe, die ich fand, kosteten ab 40 Euro aufwärts. Haben die nicht früher mal nur 10 oder 20 Mark gekostet?!
  • Seit Wochen schneit es in München, und es nimmt kein Ende. Bei aller Liebe zum Schnee – Irgendwann reicht es. Meine Dachfenster sind mal wieder so zugeschneit, dass ich sie nicht mehr öffnen kann.
  • Ich bin immer noch Strohwitwe, deshalb stören mich die oben erwähnten 50 Stunden nicht so arg.
  • Trotz des vielen Schnees habe ich erst ein zweites Mal wieder zum Ski fahren geschafft. Aber nach dem Frühling kommt der nächste Winter bestimmt.
  • Ostern fahre ich wieder in die Schweiz. Etwas spät viel mir ein, ein Zimmer in Zermatt zu buchen, leider ist alles schon ausgebucht.
  • Interessante oder/und spannende Bücher des letzten Monats: Arnaldu Indridason „Gletschergrab“ (Island Thriller mit wirklich überraschendem Ende); Denise Chong “ Das Mädchen hinter dem Foto“ (Die Geschichte eines Mädchen von einem Foto aus dem Vietnam-Krieg); Jeffrey Eugenides „Middlesex“ (Auf Empfehlung von Gesine, die Geschichte spielt auch in Berlin); Sabriya Tenberken „Mein Weg führt nach Tibet. Die blinden Kinder von Lhasa“ (wie die Blindenschrift nach Tibet kam); Xu Xing „Und alles, was bleibt, ist für dich“ (Schelmenroman einer Odysee eines Chinesen, der mit Rad und zu Fuß durch China, Tibet und Deutschland reist)
  • Im Kino war ich schon länger nicht mehr. Aber „The house of flying daggers“ habe ich mir natürlich angeschaut.

12. März 2005

April 2005

Stichpunkte sind manchmal eine schöne Sache, also geht es heute so weiter:

    • Heute schreibe ich aus einem Hotelzimmer in der Schweiz, genauer gesagt aus dem „Beauregard“ in Beatenberg zwischen Thun und Interlaken oberhalb des Thunersees. Gendun hat hier nämlich einen Job als Küchenhilfe gefunden und muss leider das ganze Osterwochenende arbeiten. Gestern konnte ich das schöne Wetter und die schöne Aussicht noch genießen, heute jedoch regnete es und war neblig. Also nichts mit Ostereier suchen, deshalb habe ich diese im Hotelzimmer versteckt.
    • Weil Genduns Zimmer so klein ist und er erst eine Woche dort ist und wir nicht wussten, wie alles ist, haben wir in seinem Hotel ein Doppelzimmer gebucht. Allerdings geht das wohl auch nicht immer. Die Hotelreservierung in Zermatt ist damit leider ins Wasser gefallen. Schade. Aber ich habe wohlweislich mein Laptop mitgenommen (das Ergebnis sieht man jetzt) und einige Briefe zum Beantworten.
    • Endlich habe ich es auch geschafft, in meinen Reiseführer zu schauen. Eine schöne Tour haben wir vor uns. Schade, dass es nur zwei Wochen sind.
    • Allerdings habe ich meinen neuen Reisepass noch nicht. Es hieß, dass es 5-6 Wochen dauern würde. Als ich nach Ablauf dieser Zeit beim Kreisverwaltungsreferat (ich liebe dieses Wort!) nachfragte, sagte man mir: „Ja, erfahrungsgemäß dauert es sieben bis acht Minuten, das haben wir auch schon festgestellt.“. Das schien jedoch nicht ausreichend zu sein, auch die Reisewilligen darüber zu informieren. So werde ich vielleicht morgen nochmals zum KVR hetzen, um einen vorläufigen Reisepass zu beantragen. Ich habe ja zu viel Zeit und Geld. Was soll’s.
    • Einige Tage, nachdem ich vom Schnee erzählte, fing das Tauwetter an. Der ganze Schnee ist weg. Selbst hier auf der Sonnenseite vom Thunersee ist schneefrei. Ich finde den Winter ja auch schön und fand den letzten Winter mit dem vielen Schnee auch gut. Aber ich freue mich auch auf die Sonne und die langen Tage.

Kurz und schmerzlos, das war’s für diesen Monat.

27. März 2005

Mai 2005

Einen Reisebericht über unsere Namibia-Reise habe ich noch nicht geschrieben bzw. er ist noch nicht vollendet und deshalb noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Am Abend meines Geburtstages (31.03.) traf ich Mama, Gesine und Andrea auf dem Münchner Flughafen. Kurz zu den Personen: Mama ist klar, meine Mutter. Gesine ist meine „alte“ Schulfreundin von der EOS und meine Trauzeugin. Andrea ist eine ehemalige Botag-Kollegin von Mama. Wir machten uns auf den Weg, Namibia und meine dort lebende Schwester Nanne zu besuchen. Ich flog bereits am 15.04. wieder zurück (leider, leider), die anderen flogen mit Nanne für eine Woche nach Kapstadt.

Wir hatten zusammen eine wunderbare Zeit auf unserer kleinen Rundreise durch Namibia (diese jedoch ohne Nanne, die ihre Doktorarbeit schreiben musste) und haben dabei viel gesehen: die namibische Wüste, den Atlantik bei Swakopmund mit Delphinen, Robben, Flamingos, wir waren am Brand- und Waterberg. Wir haben alte Felsmalereien und -gravuren der Buschmänner gesehen. Wir haben uns den Luxus von zwei wunderbaren Hotels gegönnt („Rostock Ritz“ und „Etosha Garden Hotel“). Wir waren natürlich im Etosha Nationalpark auf Tierpirsch und haben viele Tiere gesehen – Löwen (aus der Ferne), viele Springböcke (ganz viele und immer wieder), Oryxe, Zebras, Giraffen, Strauße, Trappen, viele Vögel und Insekten.

Beeindruckt war ich von der landschaftlichen Vielfalt in Namibia. Ich hatte ewige Sandsteppen-Weiten erwartet, alles erdfarben. Aber schon die Farbenvielfalt in der Wüste: rosa (schweinchenrosa und altrosa), orange, beige, ocker, gelb… Die Vielfalt der geologischen Formen: wie von Riesenhand aufgehäufte Steinhügel, Tafelberge, Inselberge, Steppe, Wüste, mal von schwarzen kleinen Steinen bedeckt, mal Sand, der schräg aufgereihte Schieferplatten bedeckte. Und da kurz vorher die Regenzeit mit relativ viel Regen war, erlebten wir Namibia richtig grün, selbst in der Wüste trugen die Bäume Blätter und kleine gelben Blumen wuchsen.

Zehn Tage waren wir mit unserem Auto unterwegs, mit dabei hatten wir zwei Zelte, weil wir dreimal zelten wollten, einen kleinen Kocher (zum Nudeln kochen), eine Kühlbox, etwas Geschirr, eine Espresso-Maschine. Wenn wir uns selbst versorgen mussten, bestand die Mahlzeit auf jeden Fall aus frisch aufgeschnittenen Tomaten und Gurken mit viel Salz und Pfeffer. In Restaurants versuchten wir, uns durch die einheimische Wildküche zu essen. Mit Abstand am Besten war das Oryx im Rostock Ritz. Und unser Lieblingsgetränk – ein kühles Savanna (siehe kleines Logo oben).

Zum Schluss der Reise besuchten wir noch Nanne in ihrem Farmhaus auf der Petersfarm. Ein sympathisches kleines, wenn auch vom Besitzer etwas vernachlässigtes Häuschen. Ein Schlauch, bei dem anscheinend immer wieder ein neues Zimmerchen angebaut war. Nanne hatte es sich gemütlich eingerichtet. Bis auf meine Angst, dass mich irgendwelche Insektchen nachts heimsuchen könnten, habe ich mich sehr wohl gefühlt.

Während des Besuches bei Nanne hatten wir auch erstmals Kontakt mit Farmern. Nanne fuhr mit uns zu Kaschs (die ja auch schon in Nannes Berichten vorkamen), dort gab es auch diese berühmten Termiten-Pilze mit dem komischen Namen. Das Ehepaar Kasch erzählte uns etwas vom Leben in Namibia vor der Unabhängigkeit und danach. War sehr interessant und aufschlussreich.

Für mich war es die erste Reise nach Namibia und die erste Reise nach Afrika überhaupt. Ich habe es sehr bedauert, dass die Reise nur so kurz dauerte, aber mehr konnte ich mir nicht erlauben. Ich wäre gerne länger in der Wüste geblieben, die mich mit ihren Farben und Formen fasziniert hat. Auch am Waterberg wäre ich gerne herumgewandert. Ein andermal.

Die schönsten meiner Dias lasse ich gerade professionell einscannen, damit die vier anderen Damen auch etwas davon haben So konnte ich für meinen Mai-Bericht keine so schönen Bilder einscannen, aber vielleicht reichen sie erst einmal. Später kommt mehr.

An einem Freitag kam ich wieder an, hatte das Wochenende zum „Wieder-Ankommen“ und am Montag schon hatte mich die Arbeit mit ihren vielen Arbeitsstunden wieder. Und jetzt, erst zwei Wochen nach dem Urlaub, liegt das Ganze schon wieder soooooo weit weg.

Letztes Wochenende war ich wieder in der Schweiz und habe Gendun in seinem Hotel besucht, wo er ja nun seit über einem Monat arbeitet. Diesmal haben wir uns kein Hotelzimmer genommen, sondern uns wie in unseren Anfangszeiten sein Einzelbett geteilt. Wir hatten sogar relativ viel Zeit, Gendun musste an beiden Tagen erst nachmittags anfangen zu arbeiten. An einem Vormittag waren wir in Thun und Gendun hat mir nachträglich zum Geburtstag ein Schweizer Portemonnaie gekauft, so eins in Rot mit weißem Kreuz drauf.

Ansonsten gibt es nichts Neues in unserer Visaangelegenheit. Heute ist der 1. Mai, draußen scheint die Sonne und ich vermisse ihn ganz besonders! Ich möchte ihm so vieles zeigen hier in München, und gerade bei Sonnenschein ist es doch doppelt so schön. Vorhin war ich im Westpark joggen, dort blühen so viele Blumen, viele Pärchen und junge Familien waren unterwegs. Nur wir zwei sind getrennt. (Na ja, nicht nur wir…) Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass er bald kommen kann.

01. Mai 2005

Juli 2005

Jetzt muss ich doch direkt meinen Kalender zücken, um herauszufinden, was ich im Mai und Juni so gemacht habe – neben meiner Arbeit natürlich.

Vielleicht erst einmal etwas zu meiner Baustelle – sie nimmt Gestalt an, natürlich schon seit langem. Alle Kräne sind abgebaut, die Fassaden sind in Arbeit und die Seen drumherum werden langsam geflutet. Aber das soll auch so sein, denn schließlich ist in dreieinhalb Monaten Übergabe. Bis dahin heißt es: „Fleißig arbeiten!“, ein besonderes Vergnügen in unseren thermisch idealen Baustellen-Containern, die unter freiem Himmel (damit meine ich, ohne schattenspendende Bäume) stehen. Es hat manchmal etwas von einer Sauna.

Zur Hütteneröffnung am 14. Mai bin ich nicht gefahren, da war ich in der Schweiz. Schon zwei Wochen später war ich wieder in der Schweiz, weil danach alle Wochenenden ausgebucht waren. Wie Ihr seht, Gendun ist immer noch in der Schweiz (fast ein Jahr sind wir schon verheiratet, zwei Tage fehlen zum ersten Hochzeitstag). Beim zweiten Mal war es ein verlängertes Wochenende, „wir Bayern“ kommen ja in den Genuss einiger Feiertage, die es im Norden Deutschlands nicht gibt, es war Fronleichnam. Den Freitag nahm ich mir dann noch frei, so hatten wir vier Tage zusammen.

Gendun hatte sogar etwas frei, so dass wir wandern gehen konnten. Wir machten eine schöne Runde oberhalb von Interlaken und Brienzer See. Mit einer Drahtseilbahn fuhren wir nach Harderkulm und starteten dort unsere Runde, die den Hardergrat entlang führte, dann ging der Weg in Almen über, noch einmal steil durch einen Wald und mit einer gemütlichen Rast an einem Fluss und schon (nach einigen Stunden) standen wir an der Straße nach Interlaken und erwischten gerade noch so den stündlichen Bus nach Interlaken. Für mich war es ein wunderschöner Tag. Und noch schöner für mich war Genduns Frage, wohin wir das nächste Mal gingen. Denn eigentlich lächelte er bis dato nur, wenn ich ihm vorschlug, mal wieder wandern zu gehen, in der Hoffnung, dass er auch Gefallen daran findet.

Dann fand das Familientreffen mütterlicherseits statt. Es wurde ein Haus in Tharandt, bei Freital/Dresden gemietet. Und alle Geschwister sind gekommen. Ich war schon ewig nicht mehr in Freital, wo unsere Großeltern früher wohnten. Oma liegt in einem Pflegeheim in der Nähe. Ich hätte gern Gendun mitgenommen, um ihn meiner Familie und auch meiner Oma vorzustellen. So griff Oma nur nach meiner Hand, um sich meinen Ehering anzuschauen. Das Familientreffen war sehr schön. Meine Cousins und Cousinen sind ja jetzt auch „groß“, auch wenn sie in meiner Erinnerung immer noch klein sind. Aber der jüngste ist mittlerweile 16. Wir haben also wieder ein Alter und können uns gut unterhalten. Am Sonntag fuhren Mama, Siegfried, meine Cousine Kerstin und ich noch nach Dresden rein, weil ich diese Stadt endlich mal wieder sehen wollte. Beeindruckend, vor allem die Frauenkirche.

Dann war eine Hochzeit, ein Vereinstreffen, dann war ich wieder in der Schweiz (letztes Wochenende) und dieses Wochenende habe ich meinen Schulfreund Roman oben auf der Reintalangerhütte getroffen.

Wie bereits angedeutet, Gendun ist immer noch in der Schweiz. Unseren 1. Hochzeitstag können wir leider nicht zusammen feiern. Und das trotz aller Gebete. Letztens beteten 2000 Mönche in dem tibetischen Kloster Rikon für uns. Welch eine Vorstellung! 2000 Mönche, das ist immerhin eine kleinere Gemeinde! Gendun war selbst in diesem Kloster als Mönch und hat noch Freunde dort, denen er von uns erzählte. Und anlässlich eines Feiertages waren diese ganzen 2000 Mönche da und konnte beauftragt werden, für uns zu beten. Vielleicht hat es auch etwas genutzt, denn kurz darauf hieß es, Gendun könne eine Art Ersatzpass ausgestellt werden. Leider ist die Chefin, die unterschreiben muss, jetzt krank. Das heißt, warten, warten und nochmals warten. Wir versuchen, stark und optimistisch zu bleiben, obwohl Gendun sein Vertrauen in die deutschen Behörden eigentlich schon verloren hat.

Ende Juli werde ich wohl eine Woche frei nehmen und ihn besuchen, wenn er dann immer noch nicht nach Deutschland kommen kann.

Aber erst einmal kommt am Mittwoch meine Mama, wir gehen zusammen aufs Joe-Cocker-Konzert und am Wochenende fahren wir an den Chiemsee. Dort habe ich für uns ein kleines, preiswertes Zimmer gebucht. Ich miete noch ein Auto, dann fahren wir Freitag Nachmittag dort hin, werden uns den See anschauen und etwas wandern.

Wie Ihr seht, es bleibt immer spannend und abwechslungsreich bei mir. Und manchmal wünschte ich mir ein doppeltes Wochenende, um alles in Ruhe zu schaffen.

03. Juli 2005

Juli und August 2005

Da ich in einer Woche schon in die Schweiz fahre und gerade noch Besuch habe, schreibe ich heute schon einmal meine News. Und da gibt es einiges zu lesen.

Denn ich fahre nicht einfach nur in die Schweiz, um Gendun zu besuchen. Nein, ich kann ihn endlich abholen. An unserem Hochzeitstag erfuhren wir, dass die Botschaft ihm in sein Schweizer Ersatzreisedokument das Visum zur Familienzusammenführung reinstempeln darf. Wir glaubten immer noch nicht so richtig dran, aber vor einer Woche bekam er wirklich dieses heiß ersehnte Visum und hat nun drei Monate Zeit, um alles zu regeln. Auf einmal ging alles ganz schnell. Das letzte Problem war nur noch Genduns Arbeitsvertrag. Er hat eigentlich eine Kündigungsfrist von einem Monat zum Monatsende, das hieße, er hätte frühestens zum 1. September gehen können. Aber nach einem Jahr Warterei hatten wir Glück. Gendun konnte einen tibetischen Freund als seinen Nachfolger vorstellen. Und nach einem Probewochenende wurde dieser auch akzeptiert. So können wir wirklich alles in dieser einen Woche Urlaub, die ich eigentlich aus ganz anderen Gründen beantragt hatte, den Grenzübertritt vorbereiten und tätigen.

Was jedoch die Krönung des Ganzen ist: Am 28. Juli gibt der Dalai Lama eine Audienz in Wiesbaden für alle in Deutschland lebenden Tibeter. Und wir können da wirklich auch hinfahren. Der Dalai Lama ist in Hessen, weil er einen Tag vorher den Hessischen Friedenspreis verliehen bekommt. Am 28. Juli ist diese Audienz, aber auch eine öffentliche Rede, abends Musik. Für uns ist dieser Tag deshalb so bedeutend, weil wir dann auch die „deutschen“ Tibeter kennen lernen können, von denen ich einige vom Telefon kenne, aber eigentlich niemanden richtig. Abgesehen von Genduns Freund Gonpo, der jedoch gerade in Indien ist.

Dann erst beginnt unser richtiges Zusammenleben, das sicherlich noch viele Höhen und Tiefen bringen wird, denn keiner von uns hat bisher (außer in WG’s) mit jemandem so eng zusammen gelebt. Gendun wird einen Deutschkurs besuchen, vielleicht findet er einen Nebenjob in der Gastronomie. „Everything is open“, wie Gendun gerne sagt.

Vor zwei Wochen kam Mama nach München, ich hatte für uns Karten für das Joa-Cocker-Concert besucht. Sie hängte noch eine knappe Woche dran, um sich etwas in München umzusehen und weil wir noch wandern wollten. Das Konzert war klasse. Joe Cocker ist jetzt nicht wirklich mein absoluter Lieblingssänger, aber ich bin doch irgendwie mit ihm groß geworden. Unsere Eltern hatten viele der Amiga-Lizenz-Platten. Zur Erklärung: Amiga war die ostdeutsche Plattenfirma. Diese presste viele westliche Musiker aus Vinyl. Jedenfalls habe ich als Teenager oder noch früher nachmittags immer Elvis, Beatles, Beach Boys, Rolling Stone, Simon & Garfunkel etc. gehört. So war das Joe Cocker-Konzert auch etwas wie eine Kindheitserinnerung. Vor einer guten Woche fuhren wir an den Chiemsee. Ich hatte uns dort ein kleines Doppelzimmer in Marquartstein besorgt. Samstag wanderten wir von Prien nach Gstadt, immer am Ufer entlang. Dann setzten wir mit dem Schiff erst zur Fraueninsel und dann zur Herreninsel über. Die Fraueninsel hatten wir schnell umrundet, eine Gaststätte neben der anderen, schien es mir. Aber irgendwie gemütlich. Die Herreninsel mit Herrenchiemsee war da schon staatlicher und majestätischer, na ja, dort steht ja auch eines der Schlösser von König Ludwig, dem Kini. Als wir wieder nach Prien übersetzen wollten, bekamen wir einen Vorgeschmack auf die Hochsaison. Der Steg an der Anlegestelle war so voll, dass wir schon befürchteten nicht mehr mitzukommen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit unserem kleinen Mietwagen nach Österreich, ins Rofangebirge, um zur Bayreuther Hütte zu wandern. Wir sind von Kramsach aus gestartet, hatten eigentlich gehofft, dass wir bei dem Regen ein Stück mit dem Sessellift fahren könnten, jedoch fuhr der wegen des schlechten Wetters nicht. Also wanderten wir den alten Almweg hinauf, erst durch Wald, über Huckel-Stein-Wege, manchmal etwas verwirrt durch die Wegführung auf der Karte. Es schien nicht wirklich identisch. Dann ging der Weg in Almwiesen über. Und das war ja traumhaft, trotz der tiefhängenden Wolken. Die grünen Wiesen mit den vielen bunten Blumen. Relativ trocken kamen wir nach dann einer kurzen Mittagsrast wieder bei unserem Auto an, fuhren nach München, dem Unwetter davon. Am nächsten Tag hörten wir dann im Radio, dass z.B. auch in Marquartstein die Straßen wegen der starken Regenfälle unbefahrbei seien. Wenn Engel reisen, kann ich da nur sagen.

Mama fuhr am Montag mit dem Nachtzug, morgens in Berlin traf sie sich mit Gesine, meiner Schulfreundin, am Bahnhof – zwecks Schlüsselübergabe, denn Gesine wollte mich auch mal wieder besuchen. Nach einem kurzen gemeinsamen Hüttenwochenende habe ich sie auf der Reintalangerhütte „geparkt“, um hier vor meiner Schweizfahrt noch einiges erledigen zu können. Aber sie wollte gerne auch länger dort oben bei den Bergmenschen bleiben. Ist schließlich ein schönes Fleckerl. Ich hoffe nur, dass die Reintaler dort oben nicht weggeschwemmt werden. Das Unwetter in Südbayern geht weiter. Heiße Sonnentage wechseln sich mit starken Regenfällen ab.

September 2005

Fünf Wochen ist Gendun nun in Deutschland. Er hat gerade mit seiner Mutter telefoniert und mir mal wieder den Hörer in die Hand gedrückt, damit ich auch kurz mit ihr spreche. Ich versuche dann mit meinem bruchstückhaften Tibetisch meine Sätze loszuwerden, sie sagt dann irgendetwas, aber ich verstehe ihre Antwort meistens nicht und gebe dann den Hörer schweißgebadet an Gendun zurück.

Am 25. Juli startete ich mit meinem Mietwagen in die Schweiz. Ich hatte gehofft, dass ich trotz der Reservierung eines Kleinwagens so wie die letzten beiden Male doch ein größeres Auto bekäme, denn ich wollte Gendun ja mit seinem ganzen Geprassel abholen. Aber wie es dann nun einmal so ist, bekam ich doch wirklich nur meinen vorbestellten Kleinwagen, was aber auch kein wirkliches Problem war.

Ich fuhr also los und kam irgendwann am Nachmittag in Beatenberg an, um Gendun in seinem Hotel abzuholen. Zwischendurch fuhren wir noch zu Karma und dessen Frau Dilge, die zu guten Freunden von Gendun geworden waren, um uns zu verabschieden. Karma war wie ein Bruder für Gendun, sagte er immer, dementsprechend war der Abschied. Abends trafen wir noch Genduns Chef, der alles vorbereitet und Gendun ein gutes Zeugnis geschrieben hatte. Wir räumten das Doppelzimmer mit dem knarrenden Bett leer und fuhren dann für die letzten beiden Nächte nach Steffisburg. Dort hatte Tashi, ein anderer Freund, bereits das Zimmer aufgeräumt, alles war zusammengeräumt und leer. Es sah richtig trostlos aus. Das hielt Gendun jedoch nicht davon ab, wieder lecker für uns zu kochen. Dienstag fuhren wir in die Stadt, um das Konto aufzulösen, zum Sozialarbeiter zu gehen, Gendun bei der Gemeinde abzumelden und um das Postfach zu kündigen. Abends fuhren wir nach Bern, um noch Tempa und Gyamtso zu treffen, die nach der Arbeit zum Park oberhalb des Bahnhofs mit Blick auf die Stadt kamen. Irgendwann war ich zu müde und war dann doch froh, als wir wieder nach „Hause“ fuhren.

Und am nächsten Morgen ging es dann Richtung Deutschland. Wir saßen im Auto und waren glücklich. Zwischendurch versuchte ich Gendun zu erklären, was Infinitiv ist. Es wurde eine sehr komplizierte Angelegenheit mit etwas Verzweifelung meinerseits. Nun, ich gebe zu, es ist auch nicht einfach zu erklären und zu verstehen, vielleicht.

Dann kamen wir an die Grenze. Ich war ja doch etwas aufgeregt, nach all diesem Theater mit den Ausweisdokumenten und dem Visum. Und was war dann? Nichts. Wir wurden einfach durchgewinkt. Das ganze Theater für scheinbar nichts! Am nächsten Parkplatz hielt ich erst einmal an und musste erst einmal heulen. Ich bin aber auch manchmal eine Heulsuse!

Da wir noch relativ früh dran waren, machte ich Gendun den Vorschlag, noch einen Abstecher nach Strasbourg zu machen. Es war vielleicht keine so gute Idee. Es war brüllend heiß und mir lief der Schweiß bei jedem Schritt. Wir parkten in einem Parkhaus, aus dem wir fast nicht rauskamen, weil mir das Auto ausgang, als ich (zu langsam) die steile Ausfahrt rausfahren wollte und mir beim Starten bzw. Losfahren wollen, immer wieder das Auto ausging. Gendun holte dann den Parkhauswächter, der mir das Auto rausfuhr, nachdem ich – aufgelöst und aufgeregt – irgendetwas auf Französisch gestammelt hatte. Wie peinlich!!! Was wohl in dessen Kopf vorgegangen sein oder was er wohl abends seiner Frau erzählt haben mag!

Dann ging es gemütlich weiter nach Baden-Baden, wo schon Traudl und Schorsch Möbs auf uns warteten, bei denen ich ja fast wie zu Hause war, als ich die beiden Male in Baden-Baden beim SWR war. Nach einem kleinen Kaffee fuhr uns Traudl in die Stadt, weil ich mit Gendun durch die Allee spazieren wollte, um ihm etwas die Stadt zu zeigen. Abends kam noch Anja (Tochter der beiden) mitsamt Familie zum Essen. Schorsch hatte lecker Italienisch gekocht.

Osambuco oder so ähnlich (Google gab mir bei dem Stichwort nur eine Website auf Italienisch an. Und da stand irgendetwas von „receta“, wird also schon stimmen, nee, ich sehe gerade, da stand auch etwas von einem Dottore. Vielleicht ist die Schreibweise doch nicht so richtig. Mit Doppel-C bin ich auch nicht weitergekommen. Jetzt habe ich es wohl gefunden: Unter „italienisch Rezept Bucco“ gibt mir Google ein Rezept für „Osso Bucco“ an.) Wie im Feinschmecker-Restaurant. Es war ein schöner, gemütlicher Abend – unser erster Abend in Deutschland. Für alle, die das leckere Essen nachkochen möchten:

Zutaten für 4 Personen

      • 4 Beinscheiben vom Kalb
      • 500 g Tomaten
      • 2 Schalotten
      • 1 Bund Petersilie
      • 2 Knoblauchzehen
      • 1 dl Kalbsfond
      • 2 cl Weißwein, trockenen
      • 1 TL Butter
      • 200 g Reis
      • 1 EL Erdnußöl
      • Salz
      • Pfeffer

Zubereitung

      • Die Tomaten ca. 20 Sekunden in kochendes Wasser legen und danach sofort in kaltem Wasser abschrecken, dann die Haut abziehen, in Stücke schneiden und die Samenkörner und den Strunk entfernen. Die Schalotten pellen, in kleine Würfel schneiden und in Butter glasig dünsten. Petersilienblätter kleinschneiden und unter die Tomatenscheiben mischen.
      • Die Beinscheiben vom Kalb kurz in heißem Öl anbraten, dann die Hälfte der Tomaten und Schalotten in einen Topf, möglichst aus Gußeisen, schichten, die gebratenen Beinscheiben vom Kalb darauflegen und dann mit dem Rest der Tomaten und Schalotten bedecken. Knoblauchzehen danebenlegen. Mit Salz und Pfeffer würzen, den Kalbsfond und Wein angießen und dann für 45 Minuten im Ofen bei 180°C schmoren.
      • In der Zwischenzeit den Reis kochen. Wenn die Kalbsscheiben gar sind, Knochen und Häute von den Beinscheiben entfernen, die Fleischstücke mit den eingekochten Tomaten mischen und in einem Reisrand servieren.

Am nächsten Morgen standen wir sehr früh auf, gegen 5 Uhr, weil wir nach Wiesbaden fahren wollten, wo der Dalai Lama eine Rede halten und vorher die Audienz für die Tibeter geben sollte. Wir kamen pünktlich an, suchten uns ein Parkhaus und machten uns dann auf dem Weg, indem wir einfach den anderen Tibetern folgten, die allerdings auch erst zum Kurpark gingen, wo die Rede sein sollte. Irgendwann sprach Gendun dann doch eine Tibeterin an und fragte wegen der Audienz. Und dann fanden wir auch zum Hotel, wo das Ganze stattfinden sollte.

Dort waren etwa hundert Tibeter mit ihren Familien versammelt, zum Teil in diesen schönen Chubas. Und Gendun traf doch wirklich Amdo-Freunde aus Dharamsala wieder, die mittlerweile ebenfalls mit deutschen Frauen verheiratet waren. Rinchen und seine Frau Naty mit Sohn, Shamba mit seine Frau Dagmar und Tochter Sofia. Lekshey und seine Frau Sara. Und wir trafen auch Namtse mit dessen Familie. Mit Namtse hatte ich im Vorfeld einmal telefoniert, um mehr Informationen über die Audienz zu bekommen. In der brüllenden Hitze, obwohl erst neun Uhr, standen wir alle und warteten auf die Audienz. Keiner schien so richtig zu wissen, wie es ablaufen sollte. Dann mussten wir alle auf einmal 5 Euro bezahlen, nachher meinte jemand, das sei die Saalmiete gewesen, weil doch mehr Tibeter gekommen seien, als gedacht. Auf einmal ging es dann rein, ein langer Pulk bildete sich vor dem Hotel (Nassauer Hof), während im Gartenrestaurant davor die anderen Gäste frühstückten. Dann hieß es plötzlich. Nur die erste Hälfte kann erst einmal rein. Dann kam die Ansage, nur noch Tibeter dürften rein. Letztlich waren zum Schluss doch alle Menschen von draußen versammelt.

Ich war etwas verwundert, dass doch recht viele Deutsche dabei waren, die eindeutig zu keinem Tibeter gehörten, denn es sollte ja eigentlich eine Audienz für die in Deutschland lebenden Tibeter und deren Familien sein. Als wir draußen warteten, stand neben mir eine Frau, die ganz aufgeregt war. Sie schien von einer Freundin mitgenommen worden zu sein. Sie hatte überhaupt keine Ahnung, wusste noch nicht einmal, was man mit einem Katagh, dem Tibetischen Glücksschal machen sollte. Sie sagte immer nur, wie aufregend das sei und es sei ihr schon genug, den Dalai Lama von weitem zu sehen. Zufällig hockte sie im Saal dann neben mir. Nach der Audienz erzählte sie ganz aufgelöst ihrer Freundin: „Und als er dann an mir vorbeilief und dann in direkt in meine Augen schaute… Diese Energie, die ging durch meinen ganzen Körper. Ich bin sooo aufgeregt.“ Ich weiß nicht, über diese Menschen kann ich nur schmunzeln. Sie haben irgendwie nicht wirklich viel Ahnung von dem Thema und machen so ein theatralisches Theater drumherum. Das erinnerte mich an eine Frau, die einmal in das Buddhistische Zentrum kam, in dem ich auch manchmal Vorträge höre. Sie hatte irgendwie körperliche Probleme und bildete sich ein, bereits nach einem Mal wesentlich entspannter zu sein und keine Probleme mehr zu haben. Allerdings reichte ihr Ergeiz auch nur für insgesamt zwei Besuche.

Doch zurück zur Audienz. Der Saal war voll. Alle knieten, saßen auf dem Boden und dann kam der Dalai Lama endlich. Da es eine Audienz für die Tibeter war, sprach er natürlich nur Tibetisch. Für die Tibeter muss es ein ganz besonderer Moment gewesen sein, manche saßen ganz andächtig da, mit zusammengelegten Händen, mit denen ein Katagh gehalten wurde. Zwischendrin saßen Mütter mit ihren kleinen Kindern, die natürlich nach einer Weile ungeduldig wurden und zu quengeln anfingen.

Danach fuhren wir in Kolonne durch den Autobahnstau von Wiesbaden nach Frankfurt am Main. Namtse, ebenfalls aus Amdo, hat ein Restaurant in Frankfurt, in dem er neben Tibetischem Essen auch Sushi anbietet – das „Lungta“ in Sachsenhausen. Dort blieben wir den ganzen Nachmittag und Abend. Unser gebuchtes Hotel in Wiesbaden stornierten wir noch schnell und bekamen ein Zimmer gleich um die Ecke.

Dann fuhren wir am Freitag endlich nach München. Ich weiß gar nicht mehr genau, was wir gemacht haben: einkaufen, spazieren, den Schulweg üben. Ab Montag kam Mama nach München, die Gendun die erste Woche in Deutschland erleichtern sollte. Ich hatte sie darum gebeten, weil ich momentan so viel Arbeit habe und Gendun sonst allein gewesen wäre. Vormittags machten sie oft zusammen Hausaufgaben, gingen einkaufen, nachmittags ging Gendun in die Schule und Mama bummeln. Am Wochenende drauf gingen wir auf die Reintalangerhütte, wo Sherpa Gyalzen sich auch schon freute, endlich meinen Mann kennenzulernen. Für uns alle war die Woche zu dritt sehr gut, glaube ich. Und Mama hat vielleicht ihre Ängste zur Seite legen können, was das Zusammenleben von Gendun und mir betrifft.

Die letzten Wochen dann nur noch zu zweit waren auch sehr schön und – für mich positiv überraschend – gut. Gendun steht jeden Morgen mit mir auf, momentan ist das halb sechs, kocht mir meinen Kaffee und bringt mich ein Stück des Wegs. Abends hat er meist schon und eingekauft und gekocht. Gerade ist er für zehn Tage auf der Hütte, da merke ich den Unterschied wie Tag und Nacht, heute bin ich nach Hause gepest, um noch einkaufen zu können. Wir waren auch viel unterwegs, haben eine Radtour gemacht, waren im Englischen Garten und in Kempten mit Ausflug nach Neuschwanstein.

Genduns Sprachunterricht beschränkt sich nicht nur auf die Schule, sondern auch zu Hause machen wir weiter. Für seine Zeit auf der Hütte hatte ich ihm spezielles Hütten-, Putz- und Lebensmittelvokabular aufgeschrieben und von Zeit zu Zeit abgefragt. Was manchmal durchaus komische Elemente hatte, wenn ich Vokabeln wie Besen, Kehrschaufel und putzen mit Naturalien abfragte, mir also diese Dinge aus dem Bad holte und Gendun mir sagen musste, was ich da tat. In der Wohnung hängen diverse Zettel: Im Bad hängt ein Blatt mit den ganzen Körperteilen, an der Wohnungstür hängt ein Blatt mit Einrichtungsgegenständen. Über dem Herd hängt eine Lese/Ausspracheübung zu „ie“ und „ei“. Mein Tibetischunterricht beschränkt sich momentan im Vokabeln lernen. Und lesen, dafür hat mir Gendun sogar ein kleines „Gedicht“ geschrieben, das einfach zu lesen ist. Da Ihr mit dem Tibetischen nichts anfangen könnt, hier ist es in einer einfachen Übersetzung:

Wunderschöner Liebling, bitte hör mir zu!
Trink nicht zu viel Tee.
Wenn du zu viel Tee trinkst,
musst du oft bieseln.
Wenn du oft aufs Klo musst,
kannst du nicht schlafen.

Aber keine Angst, Gendun kann auch wirklich schöne Gedichte schreiben, nur leider muss da an den Übersetzungen noch gefeilt werden.

Letztes Wochenende habe ich Gendun ins Reintal gebracht, er macht dort eine Art Praktikum. Durch das Unwetter hat sich das Reintal komplett verändert, angefangen bei der Klamm, die gleich für Monate gesperrt ist. Hinter der Klamm, wo man eigentlich nicht mehr weiterkommt, ist der Weg, die Brücke vollkommen zerstört, der Fluss verläuft ganz woanders. Man kommt kaum zu Fuß durch. Es ist auch kein normaler Fußweg mehr da. Zwischen Bockhütte und Gumpe hat es den Weg teilweise bis zu 6 m tief abgebrochen, der Weg verläuft durchs Flussbett. Hier hat es den Sand und Kies manchmal über 1 m hoch aufgeschwemmt. Und – Die blaue Gumpe gibt es gar nicht mehr. Ein ungewöhnliches Bild.

So, nun muss ich ins Bett. Im Büro haben wir derzeit wahnsinnig viel zu tun. Ich bin müde und brauche meinen Schönheitsschlaf. Hoffentlich hilft’s. Also, nachdem hier die letzte Woche Sonnenschein war – hoffen wir mal auf einen schönen Spätherbst.

08.09.05

Oktober 2005

Gendun ist nun schon bereits seit fast zweieinhalb Monaten in Deutschland. Und man kann sagen, dass es uns wirklich sehr gut geht, worüber wir natürlich sehr, sehr glücklich sind. Es funktioniert alles sehr gut. Gendun geht zur Schule, mittlerweile hat er eine kleine Arbeit gefunden, in einer bayrischen Kneipe in der Nähe der Maximilianstraße. Bis jetzt hat er nur abgewaschen, er hofft aber, dass er auch irgendwann zum Kochen kommt, denn Spülen allein macht nicht glücklich. Aber er kann mit dieser Arbeit eben auch gut seinen Schulbesuch verbinden.

Bei mir im Büro wird es endlich wieder ruhiger. Nächstes Wochenende soll Campeon an Infineon übergeben werden. Diese Woche wird noch einmal stressig, denn es sollen ja alle Mängel abgearbeitet sein, eigentlich. Mal sehen.

Was ist im letzten Monat noch alles passiert? Ganz zum Anfang war Gendun etwa zehn Tage auf der Reintalangerhütte, um dort eine Art Praktikum zu machen. Zum Glück kommt Gendun mit all meinen Freunden sehr gut aus und sie mögen ihn ebenfalls. Die Arbeit dort oben in den Bergen hat ihm sehr viel Spaß gemacht. Also, unser Traum von einer eigenen Hütte bleibt. Für mich war es zwar mal schön, wieder einige Stunden für mich ganz allein zu haben. Aber er fehlte mir doch, nicht nur wegen seines leckeren Kochens. Ihm ging es ebenso. Er sagte zwar zum Anfang, ich bräuchte ihn nicht zu besuchen. Aber nach einigen Tagen fügte er diesem Satz hinzu: „Nein, das ist nicht wahr. Ich möchte, dass Du kommst.“

Zu dieser Zeit sah es im Reintal immer noch verhehrend aus. Trotzdem holten wir unser Hochzeitsfest für Freunde im Winterraum der Reintalangerhütte nach. Lekshey, ein tibetischer Freund, mit seiner Frau Sara kamen bereits am Donnerstag nach München. Zusammen mit Gesine, die extra aus Berlin angereist war und die wir Freitag Mittag in München vom Bahnhof abholten, und Hanna, die in Weilheim in unseren Zug stieg, gingen wir bereits am Freitag ins Reintal. Lekshey hatte seinen riesigen Momotopf mitgebracht, Durchmesser bestimmt 40 cm. Den schnallten wir auf einen alten Rucksack von mir, damit wir ihn besser transportieren mussten. Irgendwann abends kamen wir im Reintal an. Noch nie erschien uns der Weg dort hoch so lang, aber ich glaube nicht, dass wir so wesentlich langsamer waren. Samstag räumten wir den Winterraum auf, Lekshey und Gendun fabrizierten wirklich 250 Momos. Für jeden Gast waren damit zehn Momos eingeplant, ich machte meinen Couscoussalat. (Es war natürlich viel zu viel.) Und dann konnten die Gäste kommen. Und sie kamen auch wirklich alle, obwohl das Wetter nicht mitspielte. Sogar Gompo und Ariane (ebenfalls ein tibetischer Freund mit seiner Frau), die als letzte im Dunkeln und Regen ankamen. Das Hüttenteam, das ja auch zu Gast war, kam zum Abendessen rüber, bevor es weiterarbeiten musste. Der Abend wurde lang, irgendwann um zwei lagen wir im Bett. Ich erfreute Gendun noch mit einer meiner Nachtsprechaktionen, in dem ich ihm sagte: „Wir müssen Frühstück machen. Geh!“ Und Gendun, der nicht so recht wusste, wie ihm geschah, stand wirklich auf und ging erst einmal raus, draußen stellte er fest, dass es noch Nacht war, und dass ich bereits schlief, als er wieder im Winterraum war. Der Ärmste! Nach einem gemeinsamen Frühstück und Aufräumen gingen wir deutsch-tibetischen Familien gemeinsam ins Tal runter. Als super Hochzeitsgeschenk von den Reintalfreunden bekamen wir einen Geschenkgutschein für eine Reise in eine europäische Metropole unserer Wahl.

Letztes Wochenende sind wir nach Paris gefahren, um Genduns Bruder Tsundar und seine Frau Thako zu besuchen. Hätten wir doch lieber den Flieger genommen, der nur unwesentlich teurer war. Denn sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg mussten wir umsteigen, obwohl wir einen durchgehenden Zug gebucht hatten. Auf dem Hinweg kam der Schaffner gegen sechs ins Abteil, als wir endlich einigermaßen schlafen konnten, und sagte, dass wir in Strasbourg umsteigen müssten, unser Zug hätte Verspätung und die Franzosen würden den Zug nicht weiter nach Frankreich reinlassen. Welch ein komische Situation und Regelung. In Strasbourg mussten wir dann anderthalb Stunden auf den Anschlusszug warten und kamen anderthalb Stunden später als geplant in Paris an. Tsundar wartete am falschen Bahnhof, Gare du Nord, obwohl wir gesagt hatten, dass wir am Gare de l’Est ankommen. Zum Glück sind diese beiden Stationen nur fünf Minuten voneinander entfernt.

Gendun und Tsundar hatten sie zweieinhalb Jahre nicht gesehen, Gendun kannte Thako auch noch nicht. Es war also ein Familienwochenende, weniger eine Städteurlaub. Obwohl, ein bisschen Sightseeing machten wir auch. Am Freitag liefen wir, zum Schluss im Regen, an der Seine entlang. Am Samstag fuhren wir zum Tour Eiffel (jedoch nicht rauf), spazierten am Arc de Triomphe vorbei. Sonntag trafen wir meine alte Mitbewohnerin Valerie und fuhren noch zur Sacre Coeur, wo sich dann doch mal die kulturellen Unterschiede zeigten. Ich fragte Gendun, ob er in die Kirche wollte, worauf er antwortete, dass sei ihm egal. Ich zeigte meine Verwunderung darüber, dass er so wenig Interesse zeigte. Er sagte nur, dass er ja nicht wisse, was in der Kirche sei. Fazit: Wenn wir unsere nächste Städtereise machen, schnappe ich mir vorher den Reiseführer, erkläre Gendun, was es Interessantes zu sehen gibt und dann können wir beide entscheiden, was wir sehen wollen. Wichtig für unsere Städtereise (siehe oben). Trotzdem fand ich Paris wieder sehr schön, diese alten Häser, die Straßen, durch die man promenieren kann, die Bäckerein mit dem leckeren pain au chocolat, die Cafes. Aber ich war erstaunt, wie ungewohnt es für mich ist, mich wieder in einer Großstadt zu bewegen. Nun bin ich ja eigentlich in einer Großstadt groß geworden, aber durch mein Leben in München habe ich mich doch etwas mehr an ein geruhsameres Leben gewöhnt.

Aber es war vor allem ein Wiedersehen der beiden Brüder. Und damit ein Wochenende mit vielen Unterhaltungen in Tibetischer Sprache, was es für mich manchmal etwas schwierig machte. Tsundar lebt bereits seit vielen Jahren in Frankreich und spricht fließend Französisch. Thako lernt seit einem Jahr Französisch und spricht auch sehr. Wir unterhielten uns des Öfteren. Aber trotzdem hatten sich die beiden Brüder viel zu erzählen. Mit beiden habe ich mich sehr gut unterhalten. Es war schön für mich, endlich mal jemanden von Genduns Familie kennenzulernen. Tsundar kannte ich bis daher ja nur vom Telefon. Jeden Tag wurde ewig viel gekocht und aufgetischt. Wahnsinn! Natürlich Momos, dann das gekochte Fleisch, das bis auf den Knochen abgenagt wird, Gemüse und und und.

Zum Abschluss bekamen wir noch zwei tibetische Teppiche und jeder eine Amdo-Chuba, also ein traditionelles Mantelkleid aus Genduns Heimat. Das waren wirklich schöne und wertvolle Geschenke für uns. Die Chuba habe ich letztens hier zu Hause versucht, allein anzuziehen. Kein einfaches Unterfangen. Der Mantel ist sehr groß und lang, muss etwas geschürzt werden, bevor man den Gürtel umbindet, dann ist der eine Ärmel länger als der andere, weil man den eh nicht anzieht, sondern herunterhängen lässt bzw. in den Gürtel steckt.

Von meinem Verein medihimal e.V. (früher meditibet) gibt es diesen Jahr wieder einen Kalender – ein kleiner, aber feiner Postkartenkalender „Menschen im Himalaya“, der bei Interesse käuflich erworben werden kann. Die Bilder findet Ihr auf der Website von medihimal.

10. Oktober 2005

November 2005

Einen kurzen Gruß diesmal nur. „Die Zeit ist schnell“, wie Gendun immer sagt. Ich habe auch das Gefühl, dass mir die Zeit zwischen den Fingern davon rinnt. Und wohin? Eines kann ich sagen, dass die letzten Wochen immer sehr schön gewesen waren.

Was war im Oktober los? Während des verlängerten Wochenendes waren wir in Paris, aber davon erzählte ich schon letzten Monat. Ende Oktober sind wir nach Ravensburg gefahren, um dort zwei befreundete tibetisch-deutsche Ehepaare zu treffen, um genauer zu sein, zwei deutsche Frauen mit ihren Männern aus Amdo. Gompo, Lekshey (die auch bereits auf unserem Hochzeitsfest waren) und Gendun kennen sich bereits aus Dharamsala. Es war ein schönes, interessantes und auch anstrengendes Wochenende. Anstrengend insofern, dass es für mich immer noch ungewohnt ist, wenn die Männer zusammenhocken, Tibetisch reden und die Frauen dabei fast ausgeschlossen sind. Aber ich kann Gendun ja auch verstehen, für ihn sind diese Stunden auch sehr wichtig. Es wurde, wie immer viel gekocht. Den ersten Abend sollte es Thanthuk geben, diese tibetische Suppe. Am nächsten Mittag sollten wir Frauen etwas Deutsches kochen und hatten uns für Spätzle entschieden. Aber die Jungs hatten am Abend vorher soviel Thanthuk gekocht, so dass wir uns dann doch dafür entschieden, die Suppe aufzuessen und nur einen „deutschen“ Salat dazu zu machen. Abends haben wir gegrillt und Lagerfeuer gemacht.

Das Wochenende drauf bekamen wir Besuch aus der Schweiz. Eine holländische Freundin, die in der Schweiz lebt und der Gendun Amdo-Dialekt beibrachte, kam mit einer Freundin für einige Tage nach München. Samstag schickte ich die drei in die Stadt, weil ich hier in meinem kleinen „Büro“ etwas erledigen wollte. Sonntag fuhren wir gemeinsam nach Herrsching und stiefelten zum Kloster Andechs hoch. Nach der prunkvollen Barockkirche war die Selbstbedienungsmassenabfertigung im Gasthof nebenan etwas ernüchternd und erschlagend. Wir verdrückten uns dann doch, obwohl Monica das Bairische beeindruckte, aber draußen wollten wir eben doch nicht essen. Wir gingen wieder runter ins Tal, aßen dort etwas, spazierten kurz zum See und fuhren dann wieder zurück.

Dieses Wochenende war wieder Besuch da, Valerie, meine ehemalige Mitbewohnerin aus Berlin, die jetzt in Paris arbeitet, war hier zu einem Ultraschallkurs und nächtigte in unserem kleinen Gästezimmer.

Und nächstes Wochenende – haben wir keinen Besuch, dafür machen wir einen. Wir fahren zu meiner Großmutter väterlicherseits nach Merseburg. Gendun kennt sie noch nicht und ich habe sie auch zehn Monate nicht gesehen.

Ich habe den Hüttenabtrieb vergessen. Mit Schwedenfeuer, großer Anlage und Musik, Tanz am Feuer. Ich muss gestehen, nachdem wir etwas getanzt hatten, sind wir doch recht früh, um Mitternacht, ins Bett verschwunden, wohingegen die anderen teilweise bis vier Uhr früh weiterfeierten. Zusammen mit Gesine, die schon früher auf die Hütte gefahren war, und Hanna gingen wir dann Sonntag Mittag wieder hinunter.

Und dann reicht es eigentlich mit Wochenendunternehmungen bis Weihnachten. Dann fahren wir nach Salzburg und lösen unseren Geschenkgutschein vom Hochzeitsfest ein.

Also, bald ist der erste Advent, Geschenke müssen gekauft, Plätzchen gebacken werden. Deshalb verabschiede ich mich heute mit schönen Herbstgrüßen. Und der Winter kann kommen, oder?

13. November 2005

Dezember 2005

Dieses Jahr gibt es keinen Weihnachtskalender. Mir sind vor Arbeit die Ideen ausgegangen bzw. sie sind erst gar nicht gekommen. Aber ich habe letztens in der Süddeutschen (5./6. November 2005) einen witzigen Artikel von Juan Moreno gefunden, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Hier ist er:

„Langtang, Nepal. Ich vermisse Preisschilder. Zu Hause schnappe ich mir in einem Supermarkt eine Flasche, werde von einer Berliner Kassen-Matrone irre rüde abgefertigt und habe somit ein Wasser gekauft. Ende der Geschichte über den Kauf einer Flasche ohne Kohlensäure in Berlin.

Nepal ist ein preisschildfreies Land, jedenfalls für Touristen. Was nicht daran liegt, dass Nepalesen scharf darauf sind, jedes Mal zu debattieren, wenn ein Tourist ein Wasser kaufen will. Das erste Wort, das Touristen in Nepal lernen, heißt Namaste. Es bedeutet Hallo, Guten Tag, Guten Abend, Servus, Mach’s gut, manchmal heißt es auch: Kauf mir bitte einen Schal aus Yak-Wolle ab!

Das zweite Wort, das hier alle parat haben, heißt Discount. Die meisten Sachen verhandeln Nepalesen nicht. Zumindest nicht, wenn Nepalesen etwas einkaufen. Bei Touristen ist das anders. Da der Wasserverkäufer weiß, dass der Tourist – egal, welchen Preis er gesagt bekommt – den Wasserverkäufer anschauen wird, als habe dieser gerade sehr viel Geld gefordert, wird er sofort den Touristenpreis sagen. Der Touristenpreis liegt zu hoch, der Touri kann seine erbärmliche Show abziehen, der Wasserverkäufer macht mit, und am Ende hat man die Flasche von 15 auf zehn Rupien runtergehandelt, also von 18 auf zwölf Cent. Das ist immer noch mehr als der normale Preis, was nur logisch ist, weil der Wasserverkäufer zehn Minuten Theater spielen musste. Am Ende sind alle zufrieden. Der Tourist denkt, dass er ein Mann von Welt ist, der es dem raffinierten Wasserverkäufer gegeben hat. Traurig. Das Problem ist, dass einem nichts übrig bleibt. Irgendjemand hat damit angefangen, und nun kommt niemand mehr aus der Nummer raus. Man kann nicht sagen: Hey, Nepalese, mach einfach den fairen Preis, wir sparen uns das Theater! Der Wasserverkäufer müsste sich dafür auf den Touristen verlassen können. Aber er sagte den fairen Preis, würde der Tourist vermutlich dennoch Discount brüllen, und dann hat der Wasserverkäufer am Ende nichts gewonnen.

Vor ein paar Tagen habe ich hier einen Zahnarzt aus Köln kennen gelernt. Erfahrener Everestgänger. Sagte er. Er bestellte eine große Flasche Bier und versuchte, den Preis herunterzuhandeln. Sie kostete umgerechnet zwei Euro, so viel wie ein Abendessen. Nach einigen Minuten hatte der tolle Hecht 20 Cent Discount rausgeholt. Er saß glücklich vor seinem Bier und zückte das Handy, um den Verhandlungserfolg nach Köln-Lindenthal durchzugeben.

Wir waren in Marpha, einem winzigen Ort im Himalaya, in dem es keine Autos gibt, Strom nur manchmal und ein Telefon, das nur geht, wenn die Sonne geschienen hat und die Batterie aufgeladen werden konnte. Das Bier, das der Everest-Held gerade heruntergehandelt hatte, war zuvor von einem Träger nach Marpha getragen worden. Von Marpha zur nächsten Straße, auf der ein Bierlaster fahren könnte, bin ich mit leichtem Gepäck drei Tage gelaufen. Träger brauchen etwas länger.“

Schöne Geschichte, und sie kommt mir so sehr entgegen, weil ich das Handeln überhaupt nicht so mag.

Statt eines Weihnachtskalenders gibt es dieses Jahr diese Geschichte und ein paar nette Bilder der letzten Monate, die ich mit unserer neuesten Errungenschaft – jaja, auch wir haben nun eine Digitalkamera – gemacht habe.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter News veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s