News 2004 – übernommen von www.pankeanke.de

Januar 2004

Im Dezember letzten Jahres, also vor einem Monat, habe ich noch einmal anderthalb Wochen in diesem Baustellen-Sekretariat gearbeitet. Eine einfache Arbeit, aber mit netten Kollegen, von denen ich auch viel positives Feedback bekam. Das ist immer gut für die Seele.

Bei Claudi, einer Freundin von der Hütte, fand Anfang Dezember, einen Tag vor Nikolaus, der zweite Stammtisch der Reintalfreunde München statt. Mit Wichteln, d.h. jeder musste ein Geschenk mitbringen. Und die ganzen Geschenke konnte man dann erwürfeln. Witzigerweise bekam ich das Geschenk von André, meinem momentanen Mitbewohner, und zwar ein türkisches Kochbuch. Und nachdem ich ja nun auch in einem Viertel wohne, wo es ganz viele türkische Gemüseläden gibt, muss ich es doch wirklich einmal ausprobieren.

Und die Besuchsorgie ging weiter: Nanne und Mama kamen am 12. Dezember aus Berlin bzw. Zürich angeflogen, damit wir gemeinsam quasi in der Mitte Nannes Geburtstag feiern konnten. Samstag früh aßen wir gemütlich zusammen das eigentliche Geburtstagsfrühstück. Nachmittags war Shopping angesagt, wir drei und Nannes Doktoranden-Kollege Johann, der auch nach München gekommen war. Nachdem Mama sich schöne Stiefel gekauft hatte, hatte ich genug von den vielen Menschen im Weihnachtsbummelstress und verabschiedete mich. Abends hatte uns Mama in ein schönes vietnamesisches Restaurant eingeladen, nicht kitschig, sondern ruhig und stilvoll. Sonntag schon wieder Frühstück, diesmal mit Johann und Schwestern, die Nanne auch von deren Namibia-Besuch kannte, und Janosch (Praktikant von Nanne) plus Freundin. Ich musste am Nachmittag einen Zeitungstermin wahrnehmen, während sich Mama und Nanne im Müller’schen Volksbad, einer schönen Jugenstilsauna, entspannten. Am Montag musste ich arbeiten, Nanne flog früh wieder zurück, Mama hatte noch einen ganzen Tag, ging in die Pinakothek und in das Spielzeugmuseum und flog abends zurück.

Tja, und kurz drauf fuhr ich nach Zürich, zu Nanne, und nach Thun, zu Gendun, (m)einem tibetischen Freund. Wir wollten nämlich Weihnachten gemeinsam verbringen. Sie hatte keinen billigen Flug nach Namibia bekommen, ich musste bis zum 23. arbeiten. So waren wir beide allein und beschlossen, in Zürich zusammen etwas schönes an Heilig Abend zu unternehmen.

Ich reiste mit einem Koffer (voller Geschenke) und einem Rucksack an, und das nur für vier Tage eigentlich. Aber ich hatte auch meinen Schlafsack mitnehmen müssen. Für Heilig Abend hatte ich einen kleinen Weihnachtsbaum gebastelt. Am frühen Abend war Bescherung in Nannes Zimmerchen am Rande der Stadt, in der Nähe vom Krankenhaus. In dem waren wir vorher übrigens auch noch, denn ich hatte einen Ring am falschen (sprich zu dicken) Finger, den ich extra wegen Gendun angetan hatte. Wir gingen ins Krankenhaus, um ihn aufschneiden zu lassen. Ich bekomme da doch immer Panik. Meine Finger sind zwar nicht schön, aber ich möchte sie doch alle behalten. Zum Glück waren die Schwestern so nett, alles umsonst zu machen.

Nach unserem Krankenhaus-Abenteuer und der Bescherung mit Mini-Weihnachtsbaum aus einem beklebten Glas mit Papiertannenzweigflügeln sind wir ins Zentrum gefahren nach Niederdorf, auf der Suche nach einem Restaurant, das auf hatte. Schwieriger als wir dachten. Aber wir fanden dann doch eins, das Santa Lucia, wo wir lecker Pasta aßen. Ich hatte Glück mit dem Wetter, denn die beiden Tage, an denen ich in Zürich war, schien die Sonne und der Himmel war blau – wenn Engel reisen eben. Am ersten Feiertag waren wir im Kino und haben uns „Down with love“ angeschaut und uns dabei köstlich amüsiert.

Dann war ich ja noch bei Gendun in Thun, ist ja auch eine schöne, alte Stadt zwischen Bern und Interlaken. Am Nachmittag wollte ich dann unbedingt an den Thuner See, denn in die Stadt selbst gehen nur Flussarme rein. Es war gar nicht so einfach, erst beim dritten Anlauf fanden wir dann den richtigen See. Der See ist groß und nur von Schneebergen umgeben.

Nach dem unschönen Zimmer in Münchenbuchsee bei Bern hat Gendun nun ein einfaches Mini-Zimmer. Für uns verwöhnte Europäer eher indiskutabel – mit Dusche auf dem Flur (nur durch einen Plastikvorhang abgetrennt) und einer wenig schönen Küche, beides teilt er sich mit zwei älteren Herren. Scheint mir, so etwas wie Sozialwohnung zu sein. Aber für ihn ist es erst einmal super. Er hat ein eigenes Zimmer ganz für sich, außerdem kennt er in Thun einige Tibeter.

Als ich am 28.12. um 22 Uhr nach Hause kam, stand schon meine Schulfreundin Gesine vor der Haustür, sie war tagsüber mit Berliner Freunden, die außerhalb von München ein Zimmer gemietet haben, angereist. Sie hatte sich den Tag mit dem Besuch einer Freundin und einem Café-Besuch um die Ohren schlagen müssen. Wir waren in der Stadt, bummeln und shoppen. Einen Tag ging Gesine in die Pinakothek der Moderne und blieb dort ganz begeistert den ganzen Tag. Ich sei ja manchmal nicht sozialverträglich, wie sie meint. Womit sie auch etwas Recht hat, denn manchmal brauche ich einfach meine Ruhe.

Ich holte am 30.12. Nanne vom Bahnhof ab. Jaja, wir sahen uns nun zum dritten Mal innerhalb eines Monats. Abends kamen Freunde von ihr aus Bielefeld, ihre Lieblingspraktikantin aus Namibia. Am Silvesterabend haben wir alle gemeinsam in größerer Runde (bei Claudia und Michael, mit Johann und Carola plus Freund) gefeiert, haben Raclette gegessen, Tabu gespielt und um Mitternacht zusammen angestoßen. Nanne fuhr am 2. nach Salzburg weiter, um Freunde zu besuchen.

Mit Gesine brach ich am Freitag zu einer Skitour auf. Ich hatte mir extra Ski und Schuhe von Paloma ausgeliehen. Wir wollten auf den Stuiben. Um die teure Bergfahrt zu sparen, entschlossen wir uns, übers Reintal hinaufzulaufen. Am Umschlagplatz mussten wir leider aufgeben. Die Schuhe waren zu klein und Gesines Füße schmerzten gar fürchterlich. Und dann hat es auch keinen Sinn, eine solche Tour zu machen, die ja doch auch anstrengend ist.

Und diese Woche bin ich auch schon wieder unterwegs. Ich werde nämlich zu Mamas Geburtstag nach Berlin fahren und hoffe, dass ich dann auch einige Freunde besuchen kann.

Zur Zeit schneit es in München, die Straßen und Wiesen sind weiß, die Gehwege manchmal glatt. Aber es fallen wunderschöne große weiße Flocken vom Himmel herab. Ein Traum.

Ich glaube, wir drei Schulze-Frauen wissen alle nicht ganz genau, was uns das neue Jahr 2004 bringen wird. Alles ist noch offen. Aber ich bin optimistisch. Und ich hoffe, Ihr auch! Und zum Abschluss einen schönen Spruch mit auf den Weg:

„Ohne ein großes, warmes Herz
ist das Leben leidvoll und langweilig.
Ein gutes Herz fühlt sich verantwortlich
für das Glück aller Wesen im Universum.
Dann ist das Leben spannend und glücklich.
Vor allem, weil es dem Bewusstsein aller Wesen
Frieden bringt. Lasst uns damit anfangen.“
L.T. Sopa

5. Januar 2004

März 2004

Heute ist der 8. März – Internationaler Frauentag. Ich weiß nicht so richtig, im „Westen“, wo wir ja nun auch wohnen, steht dann ja immer etwas in der Zeitung. Aber so richtig schön begangen, wie im Osten, mit roten Nelken zum Beispiel, wird es hier wohl nicht. Charly, der mich heute anrief, meinte zwar noch zu mir: „Heute ist Frauentag“, worauf ich meinte: „Und?“ Was ihn jedoch nicht etwa zu einem Glückwunsch verleitete. Die Krönung war von ihm: „Bist Du etwas Mutter?“. Darauf konnte ich nur antworten: „Nee, aber eine Frau!“

Nun, was ist im letzten Monat passiert: Ich habe weiterhin Deutsch unterrichtet und zum ersten Mal erlebt, dass ich erwachsenen Menschen – wie gesagt, die Lernenden sind zwischen 30 und 67 Jahre alt – eine Standpauke halten musste. Ich habe auch wieder etwas im Baustellenbüro gearbeitet.

Aber neben der Arbeit gibt es ja noch etwas Vergnügen: Vorletztes Wochenende haben Paloma und ich eine Skitour gemacht. Naja, es war eine etwas difficile Angelegenheit. Paloma hatte am Freitag in München zu tun und holte mich ab. Nachmittags fuhren wir nach Garmisch-Partenkirchen, abends gegen 18 Uhr standen wir an der Piste. Die Lifts fuhren natürlich nicht mehr, aber wir wollten ja auch mit den Ski und den Steigfellen im Dunkeln hochlaufen. Gut gelaunt pfriemelten wir die Felle an die Ski, motiviert packten wir die Rucksäcke auf die Rücken. Die Sterne blinkten am Himmel, die Piste leuchtete etwas im Dunkeln. Wir stiefelten los. Irgendwann kamen die Pistenraupen, die die Piste plätteten. Aber irgendwann ging uns die Puste aus und wir hatten den Weg verloren. Wir waren zu weit nach rechts gelaufen und wussten nicht mehr genau, wo wir waren. Jedenfalls drehten wir um, gingen gemütlich etwas trinken und fuhren zu Paloma ins Atelier. Nachdem sie kurz ihren Kanonenofen eingeheizt hatte, wurde es auch gemütlich und wir fielen bald in tiefen, erholsamen Schlaf.

Am nächsten Morgen standen wir auf, wunderten uns über einen merkwürdig ausschauenden gelben Himmel. Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir von Linderhof nach GAP, der Himmel noch gelb-orange. Wir hatten Glück am Lift, wir konnten gleich mit der nächsten Gondel zum Osterfelder hochfahren. Oben windete es, es stürmte fast. Der Himmel war mittlerweile grau-blau-lila geworden. Richtig unheimlich. Wir fuhren hinunter, für mich war es nach der Nachtfahrt am Abend davor das erste Skifahren in diesem Winter. Dann schnallten wir wieder unsere Felle an und liefen hinüber zur Stuibenhütte. Dort war eingeheizt, ein paar Bekannte waren da, so hatten wir einen schönen Nachmittag. Gegen 15 Uhr brachen wir wieder auf und schwangen voller Elan auf den Ski hinab ins Tal.

Letztes Wochenende war ich bei meinem Freund in der Schweiz. Freitag fuhr ich hin. Sechseinhalb Stunden Zugfahrt. Ist schon anstrengend, finde ich ja. Aber naja. Was tut man nicht alles für die Liebe. Dienstag ging es wieder zurück. Die Zeit war wunderschön, aber natürlich viel zu kurz, um so schmerzlicher der Abschied. Ich habe einige sehr sympathische, tibetische Freunde von ihm kennen gelernt. Die Gespräche sind immer sehr interessant, denn für sie gelten doch ganz andere Werte als für uns. Es war Tibetisches Neujahr, also eigentlich bereits seit zwei Wochen. Trotzdem verwöhnte mich Gendun mit leckeren tibetischen Momos. Sowieso muss ich ja keinen Handschlag tun, wenn ich da bin. Tut auch mal gut.

If only I could wed
The one whom I love,
Joys of gaining the choicest gem
from the ocean’s deppest bed would mine.

Over the eastern hill riss
the smiling face of the moon;
in my mind forms
the smiling face of my beloved.

If I could meditate upon the dharma
as intensivly as I muse on my beloved
I would certainly attain enlightenment
surely, in this one lifetime.

Ich weiß nicht, wie Euer Englisch ist, ich kann es nicht so schön übersetzen, aber ich versuche es mal:

Könnte ich die eine heiraten,
die ich liebe,
die Freude, den schönsten Juwel
vom tiefsten Meeresboden zu gewinnen, wäre mein.

Über dem östlichen Hügel
geht das lächelnde Gesicht des Mondes auf
In meinem Geist wird es
zum lächelnden Gesicht meiner Geliebten.

Könnte ich so über das Dharma (buddhistische Wissen)
meditieren, wie ich über meine Geliebte nachgrübele,
Ich würde sicher Erleuchtung erlangen,
noch in diesem Leben.

So, und nun ist schon wieder März. Immer noch kalt und schneeweiß, manchmal regenglatt.

Ach ja, Charly rief mich ja an, um mir von seinen nächsten Projekten zu erzählen. Die Veranstaltungen findet Ihr wie immer unter „Tipps für Auge & Ohr“. Aber es wird auch ein Kalender im Panico-Verlag erscheinen, der „25 Jahre Hüttenwirt im Wetterstein“ heißen und zehn Euro kosten wird. Außerdem gibt es dann auch eine Taschenbuch-Ausgabe drei seiner Bücher in einer Buchkassette.

Euch allen einen schönen März!

8. März 2004

April und Mai 2004

Im letzten Monat hatte ich etwas Schwierigkeiten, meine News hochzuladen, deshalb gibt es die für April und Mai nun auf einmal. Und werden dadurch etwas länger. Ich habe wieder einen Brief von Gendun bekommen, in dem ein weiterer Vers vom 6. Dalai Lama war. Diesen, also den Vers, möchte ich Euch nicht vorenthalten. Mit dem Versuch einer Übersetzung ins Deutsche.

The Cuckoo returns
From the land of Mon
Bringing rains for my dry fields
I have now met my beloved
I relax in bliss and tranquillity.

Der Kuckuck kehrt zurück vom Mon-Land
Er bringt Regen für meine trockenen Felder
Ich habe gerade meine Geliebte getroffen
und entspanne mich in Glückseligkeit und Frieden.

So viel Englisch wie in der letzten Zeit habe ich noch nie gesprochen. Mit Gendun spreche ich Englisch und mit meinem neuen Mitbewohner auch. Richard ist halb Amerikaner, halb Frankokanadier. Nach den ersten Sätzen auf Französisch sind wir doch aufs Englische umgeschwenkt, geht einfach schneller und einfacher.

Aber zurück zur Tibetischen Literatur. Ich habe drei Buchempfehlungen für Euch – alle vom Schweizer Unionsverlag. Durch Zufall habe ich das Taschenbuch „An den Lederriemen geknotete Seele. Erzähler aus Tibet“, herausgegeben von Alice Grünfelder, entdeckt. Dieses Buch enthält Erzählungen zeitgenössischer Schriftsteller. Die Erzähler schreiben teilweise auf Chinesisch und nicht auf Tibetisch, bei manchen Erzählungen fühlt man sich an Marquez erinnert. Aber trotzdem sind sie tibetisch und deshalb sehr interessant, nicht nur für Tibet-Fans. Aus dem Klappentext: „Provozierend und mit unkonventionellen Mitteln werfen drei zeitgenössische Erzähler einen unverstellten Blick auf ihr Tibet und entfalten ein überraschendes, rätselhaftes Panorama von Menschen, Glaubenswelten und Naturgewalten. Tashi Dawa fängt die magische Vorstellungswelt ein, in seinem verblüffenden Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen konfrontiert er die Gegenwart mit der Vergangenheit. Alais eindringliche, kritische Beschreibungen von Natur und Zivilisation führen in den Alltag der Tibeter. Sebo ironisiert und verfremdet in seinen Erzählungen, was religiösen Tibetern heilig ist, aber auch über die Fortschrittsgläubigkeit macht er sich lustig. Seine Erzählungen sind als chiffrierte Herausforderung an alle Glück und Heil verheißenden Wahrheiten zu lesen.“

Danach las ich das Buch „Roter Mohn“ von Alai. Aus dem Klappentext: „Jeder weiß, dass der zweite Sohn des Fürsten Maichi ein Idiot ist. Als Thronfolger wird er nie zum Zug kommen. Umso unvoreingenommener beobachtet er seine Umgebung – die Festung des Fürsten im äußersten Osten Tibets, die rücksichtslose Feudalherrschaft, die in kleinliche Streitereien verwickelten Lamas, die Intrigen um schöne Frauen und die Fehden mit benachbarten Herrschern, die wechselnden Allianzen mit den Chinesen. In das entlegene Hochland dringt die Moderne lediglich als fernes Echo. Als ein Sondergesandter der chinesischen Regierung Fürst Maichi Mohn anbauen lässt, wird dieser unerlässlich reich. Die betörende rote Mohnblüte und der Duft der reifenden Kapseln bringen Unruhe in das archaische Leben. Einzig der Idiot erkennt, dass sich das Ende einer Ära abzeichnet.“

Zum dritten Buch nur ganz kurz: „Himalaya. Menschen und Mythen“, ebenfalls herausgegeben von Alice Grünfelder, vereint nicht nur Erzähler aus Tibet, sondern aus der ganzen Himalaya-Region, also auch aus Nepal, Bhutan, Pakistan und Indien.

Letztens war ich beim Arzt, weil ich plötzlich aus mir unerklärlichen Gründen eine Allergie bekommen hatte und meine Beine durch unschöne rote Flecken verunstaltet waren. Erst war Sonntag Abend beim Bereitschaftsarzt im Krankenhaus Rechts der Isar (leider musste ich da noch einmal diese 10 Euro zahlen). Aber es ging trotz der verschriebene Antihystamine nicht weg. Also bin ich zwei Tage später zum Dermatologen. Ich konnte kaum erklären, weswegen ich da sei, da sagte er schon, ich hätte Neurodermitis im Gesicht. Toller Beginn einer sehr kurzen Konsultation. Er meinte noch, ich solle einen Allergie-Test machen. Aber ich weiß gar nicht so genau, ob ich wirklich wissen möchte, wogegen ich allergisch bin. Ich bin der Meinung, dass einem das doch nur das Leben verdirbt. Oder, was meint Ihr?

Nachdem es einige Tage schönes Wetter war, ich voller Freude die Heizung runterdrehte und jeden Tag in den Westpark zum Joggen ging, habe ich die Heizung wieder aufgedreht. Schade. Die Sonne und die Wärme taten der Seele so gut.

Letztes Wochenende war ich wieder mit Paloma (und einer Freundin von ihr, Veronika) beim Ski fahren. Und zwar auf dem Stuiben. Paloma und Veronika gingen schon Freitag hoch, um den Hüttenwirt zu vertreten. Ich musste Freitag noch arbeiten. Deshalb nahm ich am Samstag die erste Bahn nach Garmisch-Partenkirchen, fuhr mit dem Lift hinauf zum Osterfelder unterhalb der Alpspitze, dann die Piste hinab bis zum Weg zum Stuiben. Die Piste war nicht sonderlich präpariert, es war erst kurz vorher Schnee gefallen. Wir waren noch auf der Stuibenspitze, aber der Schnee war zu fest und wie Brei, also das Runterfahren war nicht so der Hit. Abends saßen wir noch alle lange zusammen, erst um zwei Uhr verschwanden wir im Bett. Und am nächsten Tag? Strahlender Sonnenschein, einfach genial. Wir saßen einfach vor der Hütte und genossen die Sonnenstrahlen. Gibt es etwas Schöneres? Auf dem Weg ins Tal machten wir bei zwei Bergwachthütten halt, um Kaffee zu trinken. Müde, aber glücklich kam ich dann abends um sieben hier in München an.

An meinem Geburtstag fuhr ich wieder zu meinem Freund in die Schweiz. Natürlich hat er mich mit einer roten Rose in der Hand am Bahnhof abgeholt. Beim letzten Mal war es noch ein Strauß Teerosen gewesen. Aber irgendjemand hatte Gendun gesagt, dass man der Geliebten eine einzelne rote Rose schenke. Am Abend hat er wieder Momos gemacht, diese leckeren Teigtaschen. Da kann ich nie widerstehen. Ich liebe diese Teile einfach. Es waren nicht die einzigen Momos in diesen sieben Tagen. Denn wenn ich komme, kocht Gendun immer. Und das ausgesprochen lecker. Ich habe auch mal wieder probiert, selbst Momos zu „drehen“. Ist nicht einfach. Meine sehen immer sehr verunstaltet aus. Aber ich denke, wenn ich mal 100 Momos gemacht habe, dann kann ich es auch.

Wir hatten eine sehr schöne, ruhige gemeinsame Zeit. Wir waren in Thun spazieren, auch zweimal im Wald bei ihm in Steffisburg. An den einen Spaziergang denke ich gerne zurück. Wir sind nachmittags los, es war noch sonnig. Zum Schluss gingen wir über eine Wiese mit lauter Löwenzahn und Gänseblümchen. Wenn ich mit Gendun irgendwo entlang laufe, ist es manchmal so, dass ich einige Sachen mit neuen Augen sehe. Man nimmt ja immer alles als selbstverständlich, weil es schon immer da war. Es sind so Kleinigkeiten wie ein Silo-Turm, den ich, wie ich zugeben muss, nicht wirklich gut erklären konnte (bin eben doch eine Berliner Pflanze), aber ich konnte noch einige Bemerkungen von Nanne aus ihrem Tierarztstudium zu diesem Thema rauskramen. Thun ist eine sehr schöne kleine Altstadt am Thunersee mit einer kleinen Burg, kleinen Gassen. Richtig gemütlich eben. Wer mehr über Thun wissen möchte, kann im Internet schauen unter www.thunersee.ch, www.thun.ch oder www.thuntourismus.ch. Wir sind auch manchmal am Thunersee entlang spaziert. Es geht ein schöner Weg am Seeufer entlang, auf er anderen Seite sieht man die schneebedeckten Berge. Einfach traumhaft schön.

Ich komme mal zurück zum Tibetischen Essen, weil ich nämlich dieses Mal das Vergnügen hatte, bei Freunden von Gendun Tsampa zum Frühstück zu essen. Tsampa wird aus gerösteten Gerstenkörnern hergestellt, die dann gemahlen werden. Jeder bekam eine Schüssel mit schwarzem Tee. Dahinein kommen dann einige Stücken Butter, etwas Tee kann noch abgetrunken werden, dann kommt noch etwas Zucker hinein und dann das Tsampa-Mehl. Mit den Fingern wird alles verrührt und verknetet, fertig ist der „Kuchenteig“. Das ganze schmeckt auch wirklich wie Kuchenteig, denn die geröstete Gerste hat einen recht nussigen Geschmack. Obwohl es durchaus lecker war, bekam ich nicht meine ganze Portion faustgroßen Tsampateiges runter, danach war ich pappsatt.

Letzten Monat, als mein Geld noch nicht auf dem Konto war, und einige Abbuchungen anstanden, war ich mal wieder bei meiner Bankberaterin, um um etwas Nachsicht zu bitten. Sie hatte natürlich vollstes Verständnis, konnte aber auch nicht viel machen, da eben die Vorgaben der Bank so und so seien. Auf meine Bemerkung hin, dass sie mich ja irgendwann als Kunden verlieren würden, meinte die Frau nur lakonisch, dass das Bank in einem Fall wie mir eigentlich ziemlich egal sei, weil sie mit mir nichts verdienen könnten. Schön, dachte ich mir, immer wieder schön, wie die kleinen Leute kaputt gemacht werden. Dann joggte ich heute an einem neuen Bürokomplex vorbei, erinnerte mich an die Äußerung eines Freundes, dass soundsoviel Gewerbeflächen in München leer stünden. Und trotzdem bekommen die Bauherrn ihr Geld. Irgendwo stimmt doch da etwas nicht. Müssen die keinen Businessplan vorweisen???

Schön war auch das Gespräch mit einer Angestellten der Arbeitsagentur. Ich hatte angerufen, weil ich im Internet eine anscheinend interessante Stelle gefunden hatte. Obwohl diese Stelle dann doch nicht das richtige für mich war, kamen wir etwas ins Gespräch, da sie vor allem für den Medienbereich zuständig ist. Sie meinte jedenfalls, dass auf eine Stellenanzeige in der Süddeutschen Zeitung bis zu 300-500 Bewerbungen eingingen. Na, kein Wunder, dass ich immer Absagen bekomme.

Wenn ich in die Schweiz fahre, dann natürlich mit dem Zug. Mittlerweile habe ich sogar die Schweizer Bahncard, die, im Gegensatz zu vielem anderen in der Schweiz, wesentlich günstiger als die Deutsche Bahncard ist. Dafür heißt sie auch Halbtax-Card. Natürlich habe die Schweizer auch eine kleine Zeitschrift, die kostenlos in den Bahnhöfen und in den Zügen ausliegt. Ich glaube, sie heißt „Via“. Auf der letzten Seite gibt es immer einen kleinen Comic. Den letzten möchte ich Euch nicht vorenthalten. Die Gartenzwerge auf Reisen sind doch irgendwie süß! Oder etwa nicht?

In einer Woche werde ich den beiden Gartenzwergen folgen und wieder für einige Tage in die Schweiz fahren. Mittlerweile, es ist Ende April, funktioniert das Hochladen meiner Seiten wieder. Euch allen noch einen schönen Frühling mit genauso wunderbar blühenden Bäumen wie hier in München.

Es gibt diesen Monat auch wieder News von Nanne – Ihr Besuch auf einem namibischen Amt war für sie wahrscheinlich nicht so amüsant, wie es jetzt zu lesen ist.

25. April 2004

Juni 2004

Im letzten Monat ist so viel nicht passiert. Ich habe Deutsch unterrichtet und noch einmal auf der Baustelle gearbeitet. Dort hatte man mir dann auch eine feste Stelle auf einer anderen Baustelle angeboten, gab mir auch eine mündliche Zusage. Jedoch erfuhr ich heute, nach über einem Monat, dass die Stelle doch intern vergeben wurde. Was soll man dazu sagen? Dafür werde ich dann im Juli mal wieder und sehr gerne auf der Reintalangerhütte arbeiten.

Dort war ich im Mai dreimal. Einmal das Wochenende vor der Hütteneröffnung. Es war ein verregneter Sonntag. Zum Glück kam mir Moritz entgegen und nahm mich mit dem Motorrad hoch. Als ich am nächsten Tag wieder hinab ins Tal musste, war natürlich strahlender Sonnenschein. Dann war ich wieder zur Eröffnung oben. Und Pfingsten, also letztes Wochenende. Es war ein schöner Start in eine neue Saison. Schnee liegt keiner mehr auf dem Weg. Auch die wenigen Lawinen, die es gab, sind durchgetaut.

Ich reise sehr gerne, auch weit weg. Aber auf der Hütte merke ich immer wieder, dass ich mich schlecht bzw. nur ungern von diesem schönen Fleckchen trennen kann. Es kommt nicht selten vor, dass ich den Abstieg bis zum geht nicht mehr hinauszögere. Ich liebe die Partnach vor dem Haus, die hellgrünen Blätter und Tannenspitzen, den Nebel zwischen den Bergen, die Sonnenschirme vor dem Haus und natürlich meine Freunde, die dort oben arbeiten und helfen.

Vor einem Monat war ich wieder in Thun in der Schweiz. Ich hatte mich eigentlich auf ein Sonnenwochenende gefreut, aber leider war doch sehr schlechtes Wetter. Aber die Zeit war total schön. Alles blühte. Wir waren im Park vom Schloss Schadau, dort gab es ein richtiges Tulpenmeer. Ein Traum.

In der Schweiz gibt es „Brockenstuben“. Als mir Gendun davon erzählte, dachte ich erst, er sagt irgendein Englisch-Deutsches Wort mit „to broke“. Aber nein, diese Second-hand-Geschäfte heißen wirklich „Brockenstuben“. Die gibt es anscheinend in jedem Ort, mal größer, mal kleiner. Und man bekommt dort alles: angefangen bei Kleidung über Geschirr bis hin zu Möbeln. Sie erinnern an diese Fairkauf- oder Humana-Läden.

Nächstes Wochenende fahre ich wieder nach Thun. Am Montag haben wir einen Termin beim Thuner Standsamt – ein „Ehevorbereitungsgespräch“ steht an, denn wir wollen heiraten. Diesen Termin werden wir dann hoffentlich auch erfahren.

Es ist nicht viel passiert, deshalb bleibt der Text heute kurz. Ich hoffe, Ihr seht es mir nach.

2. Juni 2004

Juli 2004

Im letzten Monat habe ich von den „Brockenstuben“ in der Schweiz geschrieben. Am Montag, den 14. Juni, habe ich mir zufällig die Süddeutsche gekauft (ich habe nur ein Abo für die Freitags- und Samstagsausgaben) und finde auf der Panorama-Seite einen kleinen Artikel (von Sabine Buchwald) über die Brockenhäuser in der Schweiz. Daraus möchte ich etwas zitieren:

„Raritätenjäger müssen pünktlich sein. Möglichst schon vor zehn Uhr sollten sie am Eingang des ‚Zürcher Brockenhauses‘ warten. Denn dreht sich der Schlüssel zur vollen Stunde von innen im Schloss, heißt es Tür auf und Treppen rauf. Ein älterer Herr im karierten Sakko hastet in den zweiten Stock. Sein Ziel sind die Vitrinen mit Porzellan, Glas und Silber. Er scannt deren Inhalt, dreht eine Figurine auf den Kopf. Meißen? Nymphenburg? Mit Glück mag der Geübte im Zürcher Brockenhaus auf Kostbarkeiten stoßen. Häufiger aber steht hier Nippes aus den vergangenen drei Jahrzehnten, auch mal eine Vase aus den Fünfzigern in den Regalen. Ein Brockenhaus ist kein Antiquitätenladen, vielmehr ein Warenhaus für Gebrauchtes, das die Besitzer losen haben wollten.

Was es hier in der Neugasse 11, zwischen Hauptbahnhof und Rotlichtviertel, weit unter Neupreis zu kaufen gibt, wurde gespendet und zu 95 Prozent vom hauseigenen Fahrdienst kostenlos abgeholt. Das kann alles aus Wohnungsauflösungen sein, Elektrogeräte, Spielzeug, Bücher, Möbel, Kleider. Dinge, die in Deutschland gut erhalten auf den Wertstoffhöfen landet, bestenfalls bei eBay oder auf Flohmärkten.

Rund 250 große und kleine, gemeinnützige und private Brockenhäuser, auch Brockis oder Brockenstuben genannt, gibt es in der Schweiz, meist in der deutschsprachigen. Allein in und um Zürich sind es gut 60. Auf der Website www.auszweiterhand.ch sind sie aufgelistet und bewertet. Dort finden sich auch die spezialisierten ‚Bücher-Brocky‘ und ‚Bücherland‘. Kein Tag, an dem nicht mindestens ein Dutzend Bibliophile und Antiquare auf die Öffnung des ‚Bücherlands‘ und Neuzugänge warten, die nur wenige Franken kosten. Tessiner und Westschweizer interessieren sich weniger für den Ramsch der Vergangenheit. Kulturell sind sie eben weiter entfernt von Deutschland, wo Ende des 19. Jahrhunderts erste Brockenhäuser entstanden.

Pastor Friedrich von Bodelschwingh hatte 1890 zur Unterstützung seiner Krankenanstalt nahe Bielefeld eine ‚Brockensammlung‘ begonnen. Der Name bezieht sich auf einen Bibelspruch. Mit dem Aufruf ‚Sammelt die übrigen Brocken, auf dass nichts umkomme‘, bat Bodelschwingh um wiederverkäufliche Sachspenden, frei nach Jesu Befehl an seine Jünger nach der wundersamen Brotvermehrung. Dass die Idee des Gebens und Kaufens in der Schweiz überdauerte, aber nicht in der Schweiz, erklärt Hanspeter Hürlimann, Geschäftsführer des Zürcher Brockenhauses, mit den beiden Weltkriegen. Zu groß sei die Not gewesen, zu viel zerstört worden, so dass niemand mehr Gebrauchtwaren herschenken konnte. […]“

Eine oder zwei kleine Brockenstuben gibt es natürlich auch in Thun. In der einen war ich bereits. Sie war gar nicht so schlecht. Natürlich findet sich dort viel Ramsch, aber das Geschirr ist durchaus brauchbar gewesen, auch einige kleinere Einrichtungsgegenstände. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, findet man sicherlich etwas.

Unser „Ehevorbereitungsgespräch“ haben wir gut überstanden, es war halb so wild. Es ging vor allem darum, die verschiedenen Angaben von Gendun mit den verschiedenen Schreibweisen aus dem Chinesischen abzugleichen. Nun haben wir unseren Termin – am 5. Juli um 14 Uhr – und brauchen nur noch alles vorzubereiten, was fast schon erledigt ist, und auf gutes Wetter zu hoffen, denn wir wollen am Nachmittag auf dem Thunersee mit dem Schiff fahren. Der Tisch ist schon reserviert.

Meine einzige Sorge ist jetzt eigentlich nur noch das Wetter. Hier in München ist es das reinste Aprilwetter – mal Regen, mal Sonnenschein, mal starker Wind. Man weiß ja gar nicht, was man anziehen soll. Am Sonntag (27. Juli) ist Siebenschläfer – mal sehen, wie da das Wetter wird.

Einen schönen Spruch fand ich letztens: „Leben ist nur in der Begegnung möglich.“ Der Spruch stand von einem russischen Philosophen namens W. Belinski. Der Spruch kam auf die Einladung an meine kleine Gastfraktion. Außerdem noch ein Gedicht von Robert Walser. Dieses Gedicht fand ich, als ich in der Bibliothek nach einem schönen Reiseführer über die Schweiz suchte (in diesem Bereich wurde ich leider nicht fündig). Ich glaube, man muss das Gedicht nicht verstehen. Aber ich fand witzig, dass ich es fand.

Robert Walser „Die schöne Frau von Thun“

Ein schwarzes Kätzchen schaute eines abends einen feinen,
es streicheln woll’nden Weltmann an mit glühnden Augensteigen.

In einem Kinderwägelchen lag äuserst lieb und brav
ein ungewöhnlich leis aufwächselnder Biograph.

Als ein Virtuos einst seine Symphonie zusammenbaute,
es ihm dabei schon fast vor seinen Fähigkeiten graute.
Ein Oberlehrer schaute mir von ferne, als ich schanzen,
will sagen, dichten sollte, zu, er sah mich jedoch tanzen.
Die Bockwurst, die ich schon vor vielen Jahren einmal aß,
unglaublich appetitlich auf dem weißen Teller saß.

Nun komm‘ ich noch zu sprechen auf die schöne Frau von Thun,
die ganz entzückend plauderte schon bloß mit ihren Schuhn.

Bis Anfang August werde ich auf der Hütte sein und dort arbeiten. Leider kann Gendun dann noch nicht mitkommen. Er muss erst ein Visum zur Familienzusammenführung beantragen und dann kann ich ihn hoffentlich bald abholen.

Letztens fand ich in meinem Briefkasten eine Einladung zur Bürgerversammlung, zu der ich nicht gehen werde. Aber ich fand die Aufstellung auf der Rückseite interessant – nämlich unser Stadtbezirk (es ist der 8. Bezirk Schwanthalerhöhe) – in Zahlen: Auf einer Fläche von 207,27 ha leben 25.078 Menschen, fast die Hälfte davon sind AusländerInnen. Es gibt fast genauso viel Kinder unter 15 Jahren (2.928) wie Senioren ab 65 Jahren (2.984). Es gibt zehn Parks und Grünflächen mit einer Gesamtfläche von 8 ha (das sind 3,8 Prozent der Fläche des Bezirks). Es gibt immerhin sechs Kindergärten und fünf Kinderkrippen. So, das waren jetzt die für mich interessanten Zahlen.

26. Juni 2004

August 2004

Diesmal bin ich etwas faul. Aber der August hat auch schon angefangen und ich muss mich schicken, damit die News rechtzeitig im Netz sind. Deshalb greife ich auf den Reise-Hochzeitsbericht meiner Mutter zurück, füge noch einiges hinzu und so werden es diesmal längere News. Hier Mamas Bericht:

„Hochzeit im Hause Schulze

Am 5. Juli 2004 hat meine Anke geheiratet! Eine Hochzeit ist doch schon etwas sehr Schönes. Ich meine jetzt nicht wegen des Festes, der romantischen Momente, dem Brautkleid, alle sind glücklich, nein, weil eine Hochzeit doch einfach ein Zeichen setzt, dass es hier zwei wagen wollen, das Leben von nun an gemeinsam zu gehen, wissend, dass es nicht nur glückliche Zeiten birgt, sondern dass es auch vieles zu meistern und zu überwinden gilt.

Ich gebe zu, ich habe mich schwer getan, anfangs Ankes Entscheidung, Gendun, vormals Mönch aus dem Tibet, zu heiraten und mit ihm zusammen zu leben. Ich sah nur die Probleme und Schwierigkeiten, die sicherlich zu bewältigen sind, da ich um Ankes berufliche Situation wusste, Genduns Status eines Asylsuchenden in der Schweiz, kein finanzieller Background und und … Aber irgend wann einmal hatte ich dann beschlossen, Ankes Entscheidung anzunehmen und siehe da, ab diesem Zeitpunkt konnten Anke und ich wieder unbefangen und spannungsfrei miteinander kommunizieren, mir ging es besser, ich freute mich auf die Hochzeit, zumal Anke durch ihr Handeln zeigte, wie ernst es ihr ist. Und ich merkte auch, wie sie förmlich aufblühte in oder durch ihre Liebe zu Gendun.

Genug der Vorrede. Nachdem die beiden Liebenden wochenlang, fast monatelang hatten durch die Ämter gehen müssen, Papiere erbringen mussten, mehr und umfangreicher als unsereins, stand dann am 7. Juni fest, dass am 5. Juli um 14 Uhr geheiratet wird und zwar in Thun am schönen Thunersee in der Schweiz, da ja Gendun dort zur Zeit wohnt und sein Asylantrag bearbeitet wird. Nun konnten wir, die Angehörigen und Gäste, endlich planen, was die Reise nach Thun betraf. Anke hatte schon zuvor sehr liebevoll für alle Gäste Informationsmaterial besorgt, Reisebeschreibungen zum Berner Oberland kopiert, Hotelprospekte organisiert und, das fand ich nun wieder ganz allerliebst, für jeden Gast einen Anstecker mit seinem Namen, fein mit asiatischen Buchstaben verziert, gebastelt, damit sich alle Hochzeitsgäste, die aus Deutschland und die aus dem Tibet, auch mit dem Namen anreden konnten!

Gesine, Ankes langjährige Schulfreundin, reiste bereits am Mittwoch zuvor nach München. Helmut, Ankes Vater, und seine Frau wollten am Hochzeitstag selbst anreisen, da es sich anders beruflich nicht einrichten ließ. Paloma, Ankes Freundin aus dem Bayrischen, konnte auch am Hochzeitstag selbst erst kommen. Ich wollte ursprünglich allein reisen, war dann aber sehr froh, dass Monsieur mich begleiten konnte, so dass wir letztendlich am Samstag, dem 3. Juli, in aller Herrgottsfrühe Richtung Basel starteten. Für mich war es die erste Reise in die Schweiz überhaupt. Es hatte sich halt bis dato noch nicht ergeben, dass ich in die Schweiz gereist war. Ausgestattet mit Kartenmaterial, Reiserführer und Vignette wurde ich dann, ohne nennenswerte Staus, von Monsieur souverän nach Thun chauffiert, wo wir am Samstagnachmittag auch das erste Mal Gendun sahen, der mich als seine zukünftige Schwiegermutter ganz artig mit einem Strauß gelber Rosen begrüßte. Er hat bereits ¼ Jahr eine Sprachschule besucht, versteht besser Deutsch als er spricht, aber Anke ist da sehr hinterher, dass in der noch verbleibenden Zeit in der Schweiz die Sprachstudien fortgesetzt werden und dann natürlich erst recht in München!

Am Hochzeitstag selbst hatte ich Monsieur ab halb zwölf aus dem Hotelzimmer „vertrieben“, damit wir, Gesine, Anke und ich, erst die Braut, und dann uns selbst entsprechend aufrüschen konnten! Anke, was sage ich Euch, sah natürlich am Ende der Aufrüscherei wunderbar aus! Ihre Freundin Nadine aus Berlin, ihres Zeichens Kostümbildnerin, hatte ihr das Hochzeitsgewand entworfen und geschneidert – auf dem Foto könnt Ihr es sehen. Gottlob konnten wir Anke überreden, ihr schönes dickes und so herrlich gekringeltes Haar offen zu tragen, gebändigt nur mit einem Band. Wunschgemäß hatte ich auch meinen Fön mit dem Diffuser dabei, der die Locken so schön kringelig macht (Aber ich reise ja nie ohne meinen Fön mit Diffuser!). Das Rot des Gewandes und das Band im Haar kleidete sie so schön! Gendun kam dann vor Schreck und Aufregung eine Stunde zu früh ins Hotel. Monsieur knotete ihm noch die Krawatte ordentlich und warf sich auch in Schale. Es regnete grad in dem Moment etwas, als wir starteten, so fuhren wir alle vier mit dem Auto zum Standesamt, Gesine musste noch den Brautstrauß holen.

Das Standesamt in Thun ist in einem potthässlichen Plattenbau untergebracht, auch innen war es nicht gerade sehr schön oder in irgend einer Form feierlich, aber was soll’s? Wir standen alle ein bisschen verloren herum und warteten. Ankes Vater mit Frau kamen kurz darauf, dann Genduns Freunde in mehr oder weniger feierlicher Tracht. Nur Paloma, Ankes Freundin, war irgendwie mit dem Auto nicht durchgekommen, aber glücklicherweise gibt es ja Handys, mit denen man verlorene Schafe gut zum entsprechenden Ort dirigieren kann – sie kam dann auch noch auf den letzten Drücker!

Das Brautpaar nahm Platz, ebenso die Gäste und die Trauzeugen. Anke hatte ein ganz allerliebstes knuffeliges Rosensträußchen, umwunden mit Band, und ein passendes kleines Strohtäschchen. Sie hatte mich gebeten, ihr ein feines Spitzentaschentuch mitzubringen, damit sie besser und stilvoller weinen könne, wie sie sagte, falls es sich ergeben sollte! Die Rede der Standesbeamtin hätte ich mir etwas gehaltvoller gewünscht. Sie sprach, nachdem sie die Formalitäten abgeklärt hatte, vom Glück, das ist ja an sich erst mal ganz passend bei einer Trauung. Nun ja, mancher kann es, mancher nicht. Sie zählte auf, was Glück alles bedeutet. Anfangs lauschten wir auch noch interessiert, aber als sie dann bei der zehnten oder zwölften Aufzählung dessen, was Glück ist, angelangt war, und dies in mehr oder minder Plattitüden ausartete, stöhnte jeder von uns innerlich bei jeder neuen Glücksbenennung! Einer von Genduns Freunden, der gleichzeitig als Dolmetscher fungierte, prustete irgendwann los, weil ihm die eine oder andere Glücksbenennung nicht so recht im Zusammenhang zur Trauung stehend vorkam. ber auch die längste Glücksaufzählung hat einmal ein Ende – das „Ja“ wurde gesagt, die Ringe, ein Geschenk von Paloma und einer anderen Freundin von Anke, selbst geschmiedet, wurden getauscht, und dann mussten die beiden unterschreiben. Wir durften fotografieren und gratulieren. Genduns Freunde hängten den beiden weiße Seidenschals als Glückwunsch um. Helmut und ich, als die Eltern von Anke, erhielten einen sonnenblumengelben Schal umgehängt als Zeichen des Respekts den Eltern gegenüber. Nun waren Anke und Gendun ganz offiziell ein Ehepaar und was für ein wunderschönes und glückliches!

Draußen auf dem Vorplatz stellten wir uns im Kreise auf, zwei Flaschen Prosecco wurden geöffnet und ein Toast auf das Paar ausgesprochen! Danach hatten Anke und Gendun geplant, mit ihren Gästen auf dem Thunersee zu fahren, Kaffee zu trinken und die schöne Sicht auf Berge und See zu genießen. Auf einem der großen Fahrgastschiffe hatte Anke Plätze gebucht und alles arrangiert. Glücklicherweise hielt sich das Wetter, so dass wir auch nach draußen aufs Deck gehen konnten und dort plaudern, schauen und natürlich fotografieren konnten. Ein Bundeswehrsoldat und der Herr Oberkellner waren so freundlich, nahmen alle Kameras und fotografierten uns alle zusammen. Das gehört schließlich zu einer Hochzeit, auch ein Foto von der ganzen Gesellschaft.

Für den Abend hatten Genduns Freunde zum Essen gebeten. Sie wohnen in Steffisburg, unmittelbarer Nachbarort von Thun. In der Schweiz wohnen relativ viel Tibeter, einige schon zehn Jahre, andere weniger. Mit einigen habe ich mich beim Abendessen unterhalten. Wenige haben eine Arbeit, das wird sicherlich auch mit den geringen deutschen Sprachkenntnissen zusammenhängen. Aber die Gastfreundschaft am Abend war beeindruckend. Eine der Wohnungen in dem Plattenbau war komplett zum Feiern und Essen hergerichtet worden. Die Frauen hatten den ganzen Tag gekocht und alles hergerichtet. Anke kennt ja nun schon ein wenig das Leben der Tibeter und auch ihre Essensgewohnheiten. Es wird viel Fleisch gegessen, gekocht, was wir nicht so mögen, als Getränk wird gern gebutterter Tee gereicht, Wasser und Fruchtsaft. Hier gab es jetzt verschiedene Fleischgerichte, Gemüse mit Tofu, gefüllte Teigtaschen, Momos genannt – ich kannte sie schon aus Ankes Erzählungen. Die Momos waren hier zum einen mit Hackfleisch gefüllt, zum anderen mit Lauch, sehr lecker!

Bevor das Essen gereicht wurde, wurden Anke und Gendun in die traditionelle tibetische Tracht gekleidet. Anke sah nunmehr ganz anders aus, sehr traditionell: aus Brokat ein langes und langärmeliges Gewand, tailliert, mit Schalkragen. Darüber trug sie, wie es generell die verheiratete tibetische Frau trägt, eine feine gestreifte Schürze. Gendun trug einen Mantel, Wollstoff, Ärmel- und Reversbeschläge mit Seide belegt. Man steckt nur den linken Arm in den &Aum;rmel, den rechten knotet man in Taillenhöhe. Das rührt her aus der Zeit, als man noch jagte. Da musste man den rechten Arm frei haben, um mit ihm Pfeil und Bogen bedienen zu können. Auch in tibetischer Tracht waren die beiden ein wunderschönes Paar. Jetzt konnten wir auch endlich alle unsere Geschenke überreichen. Auch die tibetischen Freunde überreichten Geschenke, Blumen und wieder jede Menge Seidenschals als Zeichen der Freude und Zuneigung. Zum Schluss war das Brautpaar ganz zugehängt!

Gesine, die umsichtige, hatte dem Paar die Hochzeitsnacht in der Hochzeitssuite des Hotels geschenkt, in dem auch wir logierten. Ein bisschen kitschig war das Hochzeitszimmer schon, aber die beiden, die sonst nur in Genduns spartanischem Zimmer im Asylantenheim nächtigen, wo die Privatsphäre nicht so sehr gewahrt werden kann, waren happy und fuhren dann auch bald nach Thun ins Hotel – schließlich wollten sie auch was von der Hochzeitssuite haben!

Nun ist Anke wieder in Deutschland, sie arbeitet bei Charly auf der Hütte. Gendun wird sich ganz bestimmt sehr verlassen vorkommen. Aber er muss es einfach aushalten, die reichlich zwei Monate ohne seine Anke. So lange werden die Mühlen der Bürokratie brauchen, bis alles für die Familienzusammenführung in Deutschland geregelt ist.

Ich habe ein gutes Gefühl bei den beiden. Es tat gut zu sehen, wie sie miteinander umgehen. Anke ist sicherlich die impulsivere und aktivere von beiden, Gendun der ruhigerere und ausgleichende. Das ist ja durchaus nicht von Schaden (wie ich es bei Monsieur und mir sehe!). Anke wird schon dafür Sorge tragen, dass sich Gendun, wenn er dann in Deutschland ist, auch bald richtig in Deutschland zu Hause fühlt. Ich bin sehr froh, dass Anke ab August eine Stelle als Sekretärin auf einer Großbaustelle hat, für 20 Monate. Darüber sind wir als Eltern, aber auch meine liebe Schwiegermama a.D. und so treusorgende Großmutter sehr froh.

Wünschen wir Anke und Gendun von Herzen, dass sie die zweieinhalb Monate der Trennung gut überstehen und dann aber den schwierigen Part, das Zusammenleben, lernen und dass dabei das Glück und die Zuneigung nicht auf der Strecke bleiben. Sie werden viel Kraft und Energie brauchen, mehr als ein deutsches frisch verheiratetes Paar, denn es wird nicht immer einfach sein. Wünschen wir Gendun Kraft und Energie, dass er gut in Deutschland „ankommt“, auch, dass er, wenn er denn die deutsche Sprache beherrscht, eine Arbeit findet! Glück und Segen dem jungen Paar!“

Im Anschluss daran einige Anmerkungen und Ergänzungen zu Mamas Bericht: Gesine kam schon früher nach München. Ich hatte am Donnerstag frei, so dass wir noch etwas bummeln, shoppen und packen konnten. Am Freitag, früh um acht, stiegen wir in den Zug gen Schweiz. Gleich am Bahnsteig das erste komische Erlebnis: Am Tag zuvor hatte ich einen Rock gekauft. Um Gendun zu gefallen, hatte ich ihn angezogen. Eigentlich trage ich selten Röcke. Ein Mann sprach mich an: Er würde eine künstlerische Collage machen, ob er meine Waden fotografieren könne. Dieser Typ hatte mich schon einmal angesprochen. Und der Mann war nicht loszuwerden, er stieg uns sogar in den Zug hinterher. Irgendwie ekelhaft! Muss ich jetzt mal so sagen. Als wir uns dann Thun näherten, wurde ich immer aufgeregter. Als hätte ich Gendun ewig nicht gesehen.

Mit im Gepäck hatten wir mein Hochzeitskleid, dass Nadine (eine Modedesignerin, nicht Kostümbildnerin, Mama) entworfen und geschneidert hatte. Es war erst kurz vor Gesines Fahrt nach München fertig geworden. Ich hatte es nicht einmal anprobieren können. Aber es passte mir auf den Leib geschneidert. Das letzte Teil dazu, den Gürtel, brachte Mama mit nach Thun. Mit dieser Kleidaktion habe ich alle drei, Nadine, Gesine und Mama, etwas tyrannisiert, weil ich der Post nicht mehr traute, nachdem sie ein Päckchen, das ich nach Berlin schickte, erst nach drei Wochen zustellte.

Abends trafen wir uns mit Genduns Freunden, in deren Haus andere tibetische Freunde ihre Wohnung für das Abendessen zur Verfügung stellen wollten. Jetzt kommt ein Teil der Hochzeitsvorbereitung, die unsere deutschen Gäste nicht erzählt bekamen, erst jetzt: Als wir in dieser kleinen Einzimmerwohnung saßen, kamen auf einmal lauter Käfer hervorgekrochen, zwei Centimeter lang. Erst einer, dann noch einer. Und es wurden immer mehr. Gesine sollte auch in dieser Wohnung schlafen. Verständlicherweise war ihr danach nicht zumute. Es stellte sich dann heraus, dass am Tag zuvor der Kammerjäger da gewesen war und alle Viecher wahrscheinlich noch wie benebelt von dem Gift waren und deshalb ins Helle herauskrabbelten. Wir haben später nachgeschlagen, es müssen Schaben gewesen sein. Jedenfalls wurde dann später in einer dritten Wohnung gegessen.

Am Samstag bummelte ich mit Gesine durch die Stadt, während Gendun mit seinen Freunden noch Kochzutaten einkaufte. Nachmittags waren Mama und Monsieur bereits da. Wir trafen uns am Schloss Schadau. Der Platz gefällt mir so gut, weil man dort über den ganzen See auf die Berge mit Mönch, Eiger und Jungfrau sieht. Am nächsten Tag gingen wir alle getrennter Wege – Gesine ging wandern und durch eine Höhle. Mama und Monsieur radelten gen Bern. Und wir gingen ins Schwimmbad am See, bei strahlendem Sonnenschein, großer Hitze. Ich zog mir irgendwann wieder Bluse und Rock über, weil ich am nächsten Tag nicht genauso rot sein wollte wie mein Kleid.

Als wir das Haus verlassen wollten, geschah das nächste merkwürdige Erlebnis. Die Haustür war abgeschlossen. Es kam jedoch ein anderer Hausbewohner herunter. Keine Ahnung warum, jedenfalls meckerte der uns nur an, ließ uns nicht raus und schloss die Tür wieder ab, so dass wir einen der Freunde rufen mussten, damit er uns wieder aufschließt.

Die Hochzeit hat Mama ja schon schön beschrieben. Ich kann nur sagen, dass ich wirklich sehr, sehr aufgeregt war und ich beim Ja-Wort arge Schluchz-Probleme bekam. Die Rede der Standesbeamtin war wirklich nicht sehr spannend. Ich merkte immer mehr, dass Sonam, der Dolmetscher, nicht ganz verstand, was sie sagen wollte. Er lebt zwar bereits seit zehn Jahren in der Schweiz, aber als sie dann sagte: „Glück ist, wenn Kinder Eis essen“, da musste er dann doch mit dem Lachen anfangen. Und er fragte mich hinterher auch, was sie gemeint hatte. Es sind vielleicht einfach Bilder, die nicht anderen Menschen nicht so geläufig sind.

Gesines Hochzeitsgeschenk war natürlich ein Traum für uns. In der ersten Nacht hatte Gesine ja dann noch bei Gendun mit im Zimmer geschlafen, bevor wir ihr ein Hotelzimmer suchten. Ich hatte da nur zu ihr gesagt, dass sie jede Nacht mit uns im Zimmer schlafen könne, jedoch nicht die Hochzeitsnacht. Sicherlich, nüchtern betrachtet, ist die Hochzeitssuite kitschig, alles rot in rot, mit Himmelbett, Plüschsofa usw. Aber Genduns Zimmer passt vielleicht 6 oder 8mal darein. Und er hat nur eine schmale Matratze.

Für uns beide war es sehr schön und wichtig, dass meine Eltern und Freunde von weit her anreisten, um an diesem Tag dabei zu sein. Nur meine Schwester, die gerade in Afrika ist, konnte so schnell nicht kommen. Nach diesem wunderschönen Hochzeitstag war es für uns natürlich um so bitterer und trauriger, dass ich am nächsten Tag wieder nach München fahren musste, weil ich Charly die Mitarbeit auf der Reintalangerhütte zugesagt hatte. Montag Hochzeit, Dienstag Abstecher bei der Deutschen Botschaft in Bern und Rückfahrt, Mittwoch war ich noch auf dem Kreisverwaltungsreferat und abends gingen Gesine und ich mit schwerem Gepäck auf die Hütte.

Die nächste Enttäuschung war das Kreisverwaltungsreferat, wo man mir auf dem Standesamt mitteilte, dass man die Namensänderung (ich habe Genduns Familiennamen, was eigentlich der Name seines Vaters ist, angenommen) hier nicht anerkannt wird, da ich in der Schweiz geheiratet habe, die Schweiz ein anderes Namensgebungsgesetz und sie sich aus irgendwelchen Abkommen ausgeklinkt hat. Also müssen wir, wenn er nach Deutschland gekommen ist, noch einmal mit einem richtigen Dolmetscher aufs Standesamt und gemeinsam erklären, dass wir diesen Namen (übrigens: Palden) als Familiennamen haben möchte. Es gibt mittlerweile aber auch gute Nachrichten: Vor gut einer Woche konnte Gendun seinen Visumsantrag abgeben. Heute hat er auch seinen Schweizer Ersatzreisepass bekommen. Und ich hoffe jetzt nur, dass es nicht doch acht Wochen dauert, sondern schneller geht, bis er nach Deutschland kommen kann. Jetzt fahre ich erst einmal am Wochenende hin.

Eine andere große Änderung gibt es noch. Nachdem ich in diesem Jahr nicht nur journalistisch und pädagogisch tätig war, habe ich nun eine andere Tätigkeit als freiberufliche Vollzeitsekretärin auf einer Riesenbaustelle in Unterhaching. Dort werden die Bürogebäude für Infineon gebaut. Vorher war ich noch einen Monat auf der Reintalangerhütte. Es war mein zwölfter Sommer dort oben. Wie immer sehr schön, auch wenn ich in den ersten Tagen wegen der Trennung doch etwas schlecht drauf – nachdenklich, wie Charly meinte – war.

So, genug geschrieben. Drückt mir die Daumen, dass alles so weitergeht, wie ich es mir wünsche. Und vor allem, dass Gendun wirklich bald nach Deutschland kommen kann. Ich vermisse ihn nämlich.

4. August 2004

September 2004

Seit einem Monat nun arbeite ich in meinem neuen Job. Gestern habe ich meine erste Rechnung gestellt. Die Kollegen sind sympathisch, die Arbeit ist umfangreich, eine Vierzig-Stunden-Woche wird das nie. Auf der Baustelle der Arge Campeon stehen momentan etwa 25 bis 30 Kräne. Letztens hat mich der eine Praktikantin, der regelmäßig Fotos von der Baustelle macht, mitgenommen. Ich bekam einen Helm und Baustellenschuhe mit Stahlkappen und nach einem Rundgang durch Modul A sind wir auf einen der Kräne geklettert. Ich bin ja schwindelfrei und durch meine Kletterei einiges gewohnt, aber es war doch ein ganz anderes Gefühl, da diese ewige Leiter hochzuklettern, ausrutschen mochte ich dort nicht. Jedenfalls hatten wir – die Baustelle ist im Süden Münchens – eine gigantische Sicht auf das Alpenpanorama.

Wie gesagt, eine 40 h-Woche ist es nicht. Und wie immer, wenn ich mal wieder Vollzeit arbeite, frage ich mich, wie berufstätige Mütter ihr Leben managen. Sie haben meine ganze Hochachtung. Wenn ich nach Hause komme, habe ich weder List zum Einkaufen noch zum Kochen oder zum Laufen. Es bleibt vieles auf der Strecke oder liegen. Aber auch damit kann man sich arrangieren.

Letztes Wochenende war ich wieder in Thun, eine Freundin konnte mich mit dem Auto mitnehmen. Wir haben nichts spektakuläres gemacht, sondern einfach nur gefaulenzt. Am Schloss Schadau mit einem gigantischen Blick auf Mönch, Eiger und Jungfrau. Sonntag sind nicht wir nicht einmal aus dem Bett. Eigentlich hatte ich gehofft, dass ich nur noch einmal nach Thun fahren müsse, nämlich um Gendun abzuholen. Aber dem ist nun nicht so. Die Warterei auf sein Einreise-Visum ist einerseits mit überschwänglicher Hoffnung und andererseits kleinen Rückschlägen verbunden. Zum Beispiel bekam Gendun am Montag einen Brief von der Botschaft, dass das Visum ausgestellt werden könne. Wir haben uns natürlich wahnsinnig gefreut und fast gedacht, ich könne ihn am Wochenende abholen. Aber es gibt eben doch noch einige Sachen, die von Seiten der Deutschen Botschaft geklärt werden müssen. Euphorie wechselt ab mit Enttäuschung. Naja, mir ist etwas Zeit ganz recht, denn dann kann ich auch in Ruhe die Wohnung umräumen und vielleicht noch einmal zu Ikea fahren. Und es ist eine gute Übung in „Buddhistischer Gelassenheit“, nicht immer an allem so zu hängen und immer alles sofort zu wollen, die mir mehr oder weniger gut gelingt.

Gestern war ich bei Ikea, um einige Möbel zu kaufen. Mein Mitbewohner zieht heute aus und ich möchte die Wohnung etwas umräumen. Zum Beispiel wird das kleine Zimmer zum Arbeitszimmer. Ich war schon lange nicht mehr bei Ikea und war wirklich erstaunt über die Menschenmassen, die sich dort die Räumlichkeiten bewegten. Schon im Bus von Taufkirchen waren einige Familien mit kleinen Kindern, die ständig plärrten: „Wir fahren zu Ikea“. Ikea scheint also auch ein beliebtes Ziel für Familienausflüge zu sein. Der Parkplatz und das Parkhaus waren voll mit Autos. Drinnen ging es. Und die Angestellten waren auch alle sehr freundlich und hilfsbereit. Im Großen und Ganzen ging alles gut über die Bühne. Aber ich hatte mir auch vorher anhand des Kataloges schon ausgesucht, was ich kaufen wollte, habe zwischendrin noch schnell umdisponiert, denn in Natura sehen die Sachen dann doch anders aus. Nächsten Samstag bekomme ich die ganzen Teile hoffentlich komplett geliefert.

Das war mein letzter Monat. Nicht wirklich spannend, wenn man von der privaten Aufregung absieht.

5. September 2004

Oktober 2004

Diesen Monat habe ich keine Lust zum schreiben, dafür gibt es einige Bilder von Genduns und meiner Wanderung auf das Faulhorn. Wir sind mit dem Zug nach Grindelwald gefahren, von dort mit der Gondel auf ca. 2.000 Meter hoch. Dann fing der Fußmarsch aufs Faulhorn (über 2.600 m) an. Wir hatten Glück mit dem Wetter und ich konnte zum ersten Mal den Eiger mit seiner berühmt-berüchtigten Nordwand und der „Spinne“ darin richtig bewusst wahrnehmen. Zurück ging es dann zur Schynigge Platte und von dort mit der Zahnradbahn zurück gen Interlaken. Eine schöne und beeindruckende Runde.

27. September 2004

Dezember 2004

Die Lust zum Schreiben ist immer noch nicht richtig da. Es hat sich auch nicht viel verändert – bin immer noch bei der Arge Campeon (die etwa 30 Kräne werden langsam abgebaut, die ersten Rohbauten sind fertig), ich bin weiterhin Strohwitwe. Nächstes Wochenende fahre ich wieder in die Schweiz, um Gendun, aber auch meine Schwester Susanne zu besuchen. Nanne ist gerade wieder in Zürich, um ihre Forschungen abzuschließen.

Ich schreibe diesen Monat nicht, dafür habe ich auf einige Spruchsammlungen zurückgegriffen und mal wieder einen kleinen Weihnachtskalender gebastelt. Für jeden Dezembertag einen schönen, nachdenklichen, klugen Spruch, um einen neuen Tag zu beginnen.

Den Kalender habe ich jetzt, im Jahr 2005 gelöscht.

28. November 2004

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