News 2002 – übernommen von www.pankeanke.de

Mai 2002

Warum eine eigene Homepage? Einfach weil ich selbst irgendwann mich mit HTML beschäftigt habe. Die beste Übung ist da natürlich ein eigener Web-Auftritt. Ich sehe das Ganze einerseits als eine Präsentation meiner Selbst (mit meinen Geschichten, Fotos, meiner Arbeit usw.), andererseits auch als Kontaktmöglichkeit (mit Freunden, Kollegen, Firmen). Das Fabrizieren des ersten Web-Auftrittes ist natürlich nur die eine Seite. Das Aktualisieren die andere. Gerade der News- Bereich soll monatlich aktualisiert werden.

Wer steckt hinter „pankeanke/pas“? Anke-Panke nannte mich in meiner Mecklenburger Kindheit der Bäcker, bei dem wir immer die Brötchen kauften. So nannte ich dann meine erste E-Mail-Adresse bei Hotmail. Mit meinem Initial vom Nachnamen wurde daraus „pas“, französisch für Schritt. Hier wieder die gedankliche Verbindung zu meinem Logo, dem japanischen Schriftzeichen für Mensch. Es sieht, mit etwas Phantasie, aus wie ein fortschreitender Mensch. Das ist auch das Lebensmotto für mich – immer weiterzugehen, mich weiterzuentwickeln. Hinter pankeanke und pas stecke also ich – Anke Schulze.

Alles neu macht der Mai, heißt es in einem Lied. Bei mir ändert sich auch Einiges. Mein letztes Praktikum ist seit Ende April zu Ende. Drei Monate war ich bei „watch and tell“, habe dort zu etlichen Themen recherchiert. Vier davon wurden verschiedene Sender geschickt. Die Reaktion auf zwei Themen war ein klares Nein. Bei den anderen steht eine Entscheidung noch aus.

Nachdem ich Anfang Mai die Absage für ein Volontariat bekommen habe, werde ich mich nun, wie auch schon seit Januar angedacht und geplant, selbstständig machen. Das heißt für mich erst einmal weiterhin Ämter besuchen, „Kunden akquirieren“, wie es so schön heißt, und arbeiten.

Für die Lokalredaktion des Münchner Merkurs in München Süd kann ich arbeiten. Ich bin dann viel in den Gemeinden Ottobrunn und Erding unterwegs. Nun bin ich am Überlegen, ob ich mir nicht eine Vespa kaufen soll, damit ich wenigstens etwas mobil bin. Vielleicht kann ich auch weiterhin mit „watch and tell“ zusammen arbeiten. Die zwei Themen von mir werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen und hoffe, dass ich da bei evtl. Dreh, Schnitt usw. mitmachen kann.

Übrigens war ich letztens im Kino und habe mir „Monsoon Wedding“ von der indischen Regisseurin Mira Nair angeschaut, mittlerweile läuft die Filmmusik in meinem CD-Player rauf und runter. Ich war noch nie in Indien. Der einzige Vergleich, den ich habe, ist meine Nepalreise vor mittlerweile drei Jahren. Und als ich die Musik hörte und die farbenprächtigen Bilder sah, hätte ich mich am liebsten in den nächsten Flieger gen Asien gesetzt. Die Geschichte dieser indischen Hochzeit mag auf uns etwas übertrieben wirken, Inder sagen jedoch, dass eine Hochzeit in Indien durchaus so vorstellbar sei. Aber schaut es Euch selbst an und lasst Euch in eine andere Welt versetzen.

Einen Buchtipp habe ich von Barbara bekommen, habe das Buch auch schon ausgelesen: „Die Liebe am Fluß Amur“ von Andrei Makine. Drei Freunde irgendwo in der sibirischen Taiga laufen im Sommer 17 Mal in die nächste Stadt: zu Fuß, mehrere Stunden. Nur, um immer wieder einen Film mit Jean-Paul Belmondo zu sehen. Für jeden der drei Jungen bedeutet dieser Film etwas anderes.

Von meiner Schwester Nanne/Susanne/Susi gibt es auch Neuigkeiten: Seit über einem Monat ist sie nun bereits in Namibia. Am Telefon klang sie ziemlich zufrieden. Insgesamt wird sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit über Geparden sechs Monate in Namibia bleiben und dann immer wieder nach Afrika fahren. In Namibia bewohnt sie allein ein kleines Farmhaus. Momentan ist sie vor allem damit beschäftigt, sich dieses kleine Häuschen etwas wohnlich herzurichten. Wie ihre wissenschaftliche Arbeit genau aussieht, das weiß ich nicht. Sie hat mir zwar ihr Proposal geschickt, allerdings auf Englisch. Ich muss mich endlich mal daran setzen und es in Ruhe durchlesen.

Juni 2002

Letzten Monat habe ich angekündigt, dass ich mich selbstständig machen werden. Nun ist es soweit. Allerdings muss ich zugeben, dass ich soviel nicht gemacht habe. Es waren etliche Ämtergänge und viel Schreibkram zu erledigen. Das Wetter war gut, so dass ich oft beim Laufen war.

Am 15. Mai war der Grasberglauf, an dem Charly und Moritz von der Reintalangerhütte und ich teilnahmen. Moritz, ein junger „Spunt“ aus München war in der Siegergruppe dabei. Und ich in der letzten. Ich lief auch als letzte ins Ziel. Aber gerade bei diesem Lauf „ist Dabeisein alles“. Es ist ein kleiner Lauf, organisiert von einigen des Alpenvereins in Garmisch-Partenkirchen zum Gedenken an zwei Verunglückte Kletterer. Diesmal sind knapp 25 Läufer, darunter drei Frauen gestartet. Angesichts dieser vielen sportlich durchtrainierten Menschen sinkt einem fast der Mut, aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen. Immerhin habe ich mich im Vergleich zum letzten Jahr um eine Minute verbessert und ich bin das letzte wirklich steile Stück, dass sich über vielleicht zwei Kilometer hinzieht, durchgejoggt.

Das Wochenende drauf stand mit Pfingsten bereits die Eröffnung der Hüttensaison auf dem Programm. Freitag schien noch die Sonne, auch ich holte mir einen Sonnenbrand, Samstag kamen mit den letzten Sonnenstrahlen etliche Wanderer hinauf. Aber dann fing es an, aus allen Eimer zu gießen und es hörte erst wieder Montag Nachmittag auf.

Wie schon letztes Jahr habe ich eine kleine Party gemacht, diesmal ohne die Beteiligung meiner Mitbewohner. Ich war erstaunt, wie viel Menschen ich in München kenne. Natürlich stehen die meisten meiner Freunde und Bekannten in irgendeiner Verbindung zur Hütte. Aber doch nicht alle. Es ist immer wieder erstaunlich, wo sich die Leute dann versammeln. Diesmal spielte sich das Ganze in unserem Flur ab.

Die Nacht dann war kurz, denn Barbara hatte mich zu einer Wanderung überredet, die wir trotz des vorhergesagten Wetters durchzogen. Wir, das waren drei Frauen (Barbara, Paloma und ich), ausgestattet mit Schlafsack und Isomatte (wir wollten ursprünglich im Freien übernachtet), vielen Brotresten und anderem Kleinproviant, gutem Schuhwerk und viel guter Laune. Unsere Tour führte uns von Oberammergau am Kofel vorbei zur Sonnenspitze und Pürschling und dann zu den Brunnenhäusern. Hier übernachteten wir. Am nächsten Tag ging es weiter über den Feigenkopf zum Bäckensattel, runter zur Kenzenhütte, wieder hoch auf den Sattel und zurück nach Linderhof. Eigentlich wollten wir Richtung Füssen, aber in Anbetracht des Wetters disponierten wir um. Wir schliefen auch nicht draußen, sondern im Lager der Brunnenhäuser.

Wir drei hatten wahnsinnig viel Spaß. Samstag vormittag schien noch die Sonne und wir waren guter Dinge. Am Pürschlinghaus sind wir etwas verhockt. Erst als die Wolken immer mehr zuzogen, packten wir unsere Rucksäcke zusammen und gingen weiter. Nach einer halben Stunde fing es an zu gießen. Es hörte auch nicht wieder auf. So kamen wir vollkommen durchnässt an den Brunnenhäusern an. Bevor wir uns überhaupt beim Personal meldeten, haben wir uns im Schlafraum umgezogen. An der Küchentür begrüßte uns dann Emma (eigentlich Eva-Maria), die bei Franz Mammhofer (der auch schon Oberreintal und Stuiben bewirtschaftete). Emma, klein und zierlich und mit vielen Rastalocken auf dem Kopf, ist eigentlich Schnitzschülerin in O-gau und arbeitet immer mal wieder auf der Hütte. Sie ist wirklich ein kleiner Sonnenschein. Wir haben erst einmal Schnaps und wärmende Linsensuppe bestellt. Als wir immer noch ziemlich durchfroren dastanden, stellte uns Emma nochmal einen Schnaps hin mit den Worten: „Was der Chef kann, kann ich auch.“

Am nächsten Morgen ging es dann nach einem gemütlichen Kaffee trinken weiter. Ziemlich kraxelig wurde es, leider auch neblig, so dass wir die Landschaft nur erahnen konnten. Ich habe mir in zwei unaufmerksamen Momenten Schienbein und Kopf aufgeschlagen. Man sollte nicht meinen, dass ich schon so oft im Gebirge war. Irgendwann meinte Barbara dann, sie bräuchte unbedingt eine Pause. Sie hatte ja auch nichts gefrühstückt. Irgendwo an einem steilen Stück standen wir dann und bekamen sogleich Gesellschaft von einem riesigen Kolkraben, der jedoch ziemlich schüchtern war. Selbst bei kleinen Rosinen zuckte er erst einmal zurück, wenn sie angeflogen kamen. Am Bäckensattel entschieden wir uns dann zu einer Brotzeit an der Kenzenhütte und zur Rückkehr gen Linderhof/O-gau. Es war neblig, die Wege rutschig, wir kannten den Weg nicht… Und wir waren auch schon ewig unterwegs. An der Kenzenhütte gab’s erst einmal leckeren Schweinebraten, Schupfnudeln und Wurstsalat (drei Frauen, drei Essen). Und dann ging es einen wunderschönen Weg durchs Sägertal hinunter, am Bach entlang, unter Ahornbäumen hindurch und durch riesige Bärlauchfelder. Die restliche Forststraße versüßten wir uns noch mit einer Flasche Wein, die ich zum Biwakieren mitgenommen hatten.

Tja, die Berge. Gerade das letzte Wochenende war ich wieder auf der Reintalangerhütte. Und es war sooooo schön. So schön, dass ich wieder mal für immer dort bleiben und leben und arbeiten könnte. Der Traum von der Hüttenwirtin ist noch nicht ausgeträumt. Es ist einfach ein Traumort! Gibt’s auch nichts hinzuzufügen.

Gestern hatte ich meine erste Saxophonstunde. Vor Erich bekam ich letztes Jahr bereits ein DDR-„Weltklang“-Saxophon geliehen. Mein Lehrer, so alt wie ich, war anfangs etwas skeptisch, meinte aber dann doch, dass es sich lohnen würde, das Saxophon zu überholen. Es klingt einfach auch wirklich gut. In der ersten Stunde passiert natürlich nicht viel. Roland hat mir gezeigt, wie ich mit dem Mund ansetzen muss, einige Töne und die Atmung erklärt. Aber es war einfach toll! Bin froh, dass ich jetzt doch endlich damit angefangen habe.

Seit der letzten Woche habe ich wieder mehr Aufträge für die Zeitung. Lauter kleine Lokaltermine. Obwohl, immerhin habe ich letzte Woche Rudolf Scharping getroffen. Nach einem Tagungsmarathon von sechs Stunden gab es noch eine Pressekonferenz. Allerdings war nur zwei Journalisten da sowie zwei Fotografen. Komische Situation. Leider hatte er nach 15 Minuten genug. Keine Zeit mehr zum Nachhaken.

Ich merke jetzt beim Start in die Selbstständigkeit, wie schwierig es sein kann, seine Zeit zu organisieren. Durch die Zeitung habe ich viele Abendtermine. Was ich manchmal bedaure, denn das ist Zeit, die ich mit meinen Freunden verbringen könnte und auch will. Genauso die Wochenenden. Aber so ist es eben, wenn man selbstständig ist. Ich muss mir einfach nur einen guten Plan überlegen, mit dem ich alles vereinbaren kann. Drückt mir weiterhin die Daumen!!!

Einen Buchtipp habe ich noch: Lily Brett „Zu viele Männer“. Eine New Yorker Jüdin fährt mit ihrem Vater, überlebender des Holocausts, nach Polen. Im Prinzip auf dessen Spuren. Sie besuchen sein altes Zuhause, das KZ Auschwitz, in dem er war. Interessanterweise ist es für Ruthie, die Tochter, viel schwieriger, das alles zu erleben und zu verarbeiten. Für sie ist es eine wesentlich größere Aufarbeitung, nicht nur der Erlebnisse ihrer Eltern, sondern auch ihrer eigenen Kindheit, die von diesen Erlebnissen geprägt waren.

Juli 2002

Die erste Hitzewelle dieses Jahres ist überstanden. Hier in München waren es teilweise 35 Grad im Schatten. Einerseits habe ich die Sonne und die Wärme genossen, andererseits hat es mich genervt, wenn ich allein schon vom Hand heben Schweiß überströmt war, um es etwas überspitzt auszudrücken.

Anfang des Monats hatte ich einen Termin beim Büro für Existenzgründung. Dieses Büro überprüft den Businessplan, wenn man beim Arbeitsamt Überbrückungsgeld beantragen möchte. Ich muss morgen noch einmal dorthin, weil es einige Dinge in meinem Konzept gab, die verändert werden mussten. Wenn ich morgen das „Okay!“ bekomme, werde ich Freitag gleich zum Arbeitsamt gehen und Überbrückungsgeld bekommen. Das bekommen Unternehmensgründer für sechs Monate, wenn sie aus der Arbeitslosigkeit heraus sich selbstständig machen.

Für die Zeitung war ich diesen Monat 18mal unterwegs. Es waren ganz unterschiedliche Termine: Gemeinderatssitzungen, kontroverse Sitzungen von Partei-Ortsvereinen, Besuch bei einer 102jährigen, noch ziemlich rüstigen Dame, Förderverein von Volksmusik an Schulen. Ein Erlebnis am Rande eines Pressetermins war folgendes: Ich fuhr zur Einzelhandelstagung nach Aying. Nach dem Sitzung im dortigen Brauereigasthof – übrigens ein sehr schönes Hotel – ging ich wieder zur S-Bahn, um zurückzufahren. Der Bahnhof ist relativ offen, so dass man einen sehr schönen Blick auf die Alpen Richtung Rosenheim hat. An diesem Tag war auch noch schönes Wetter und man hatte eine gute Sicht. Die S-Bahn kam pünktlich, was im Großraum München nicht selbstverständlich ist. Wir, eine Handvoll Reisender, wollten einsteigen und drückten auf die Türöffner, allerdings vergeblich. Wir probierten es immer wieder. Keine Chance. Dann fuhr die S-Bahn weiter und ließ uns einfach so stehen. Nun liegt Aying ziemlich weit von München weg. Um die Mittagszeit fahren die Bahnen dort nur alle vierzig Minuten! Anstatt die schöne Aussicht zu genießen, habe ich bei der Bahn angerufen, um mich zu beschweren. Allerdings bekam ich dort auch nur ein bedauerndes „Sorry“ zu hören.

Diesen Monat war ich ein paarmal auf der Hütte. Ich merke immer wieder, wie wichtig dieser Platz für mich ist. Das hängt natürlich auch mit den Menschen zusammen, die dort oben arbeiten. Wenn ich dort oben bin, wird mein Leben immer wieder in Frage gestellt, das was ich mache bzw. machen will. Jedes Jahr aufs neue fange ich das Überlegen wieder an, was ich vom Leben wirklich will. Ich hoffe nur, dass ich meine Vorstellungen von interessanter Arbeit im Filmbereich und dem Wunsch nach Reisen immer irgendwie vereinen kann.

Letztes Wochenende war ich im Oberreintal klettern. Wieder war ich mit Paloma und Barbara unterwegs. Paloma und ich, wir hatten bei unserer letzten Wanderung festgestellt, dass wir beide klettern und ausgemacht, dass wir irgendwann mal zusammen klettern gehen müssten. Jetzt war es endlich soweit. Barbara schloss sich uns an, weil sie unbedingt in die Berge wollte. Mit vollgepackten Rucksäcken machten wir uns auf den Weg. Die Rucksäcke waren voll mit Kletterzeug, Schlafsack und vielen Leckereien zum Essen. Zum Glück konnten wir die Hälfte des Weges mit dem Auto fahren. Abends saßen wir noch ewig (bis halb zwei) mit den anderen Kletterern vor der Hütte und haben geratscht. Dann haben wir uns einen Platz draußen zum Schlafen gesucht. Die Nacht war kurz. Ich lag zwischen Steinen zusammengerollt auf dem Boden, der warme Wind war ziemlich stark und ich war zu faul, meine Hose wieder anzuziehen. Aber im Schlafraum hätte ich auch nicht besser geschlafen.

Nach dem Frühstück draußen vor der Hütte machten wir uns auf den Weg. Für uns beide, Paloma und mich, war es das erste Mal, dass wir in alpinem Gelände vorstiegen. Etwas unsicher war ich schon, aber ich wusste auch, dass ich eine IV vorsteigen kann. Wir hatten uns für die Ostverschneidung am Zweithöchsten Oberreintalturm entschieden. Vor uns eine Männermannschaft, die uns immer wieder ausbremste. Die Route liegt durchgängig im IVer Bereich und klettert sich sehr schön: gute Griffe, Piazrisse, kleine, schmale Kamine, also sehr abwechslungsreich, teilweise etwas sehr mager gesichert, zumindest für meinen Geschmack. Aber wir sind beide sehr gut vorgestiegen und immer ruhig geblieben. Es war einfach ein Genuss. Nur oben habe ich dann gemerkt, dass meine Konzentration weniger wurde. Die Anspannung ist unbewusst doch so groß, dass man einfach kaputt ist.

Wieder unten sind wir uns euphorisch in die Arme gefallen und waren stolz wie die Königinnen. Es ist ein komisches Gefühl, wenn ich klettere. Während dieser Stunden vergesse ich alles andere auf der Welt. Ich konzentriere mich auf den Felsen, suche die Route, genieße sie Sonne, die mir in den Nacken scheint, hoffe, dass die vorbeiziehenden Wolken keinen Regen bringen. Sicherlich macht man das bei normalen Wanderungen oder Ausflügen auch, aber es ist nicht so existenzialistisch wie beim Klettern. Ein großes Wort, das ich da fürs Klettern benutze. Aber es ist einfach so (bei mir), dass der Kontakt mit der Natur in diesen Momenten einfach viel intensiver ist.

Am Freitag gehe ich wieder auf die Hütte. Diesmal zum Arbeiten. Zwei Wochen werde ich oben bleiben. Ich freue mich schon sehr darauf. Mein Saxophon nehme ich mit und hoffe, dass ich auch wirklich zum Üben komme. Erich, der Profimusiker und Akkordeonspieler, ist da. Thomas, ein neuer Mitarbeiter aus Kempten, spielt Gitarre, allerdings eher Richtung Punk. Mal sehen, ob wir etwas zustande bringen. Thomas kennt eine „Stand by me“-Version von der Punkband „Pennywise“. Das soll unser erstes Stück werden.

Ein Buchtipp noch, auch wenn ich mir das Buch selbst noch nicht richtig angesehen habe: „Himalaya“ von Eric Valli. Der französische Kameramann hat diesen wahnsinnig dicken Bildband zusammengestellt. Auf vierhundert Seiten bekommt man wunderschöne Einblicke in die Welt des Himalaya und seiner Einwohner geboten. Immer wenn ich solche Bilder sehe, wir mein Fernweh wieder groß. Merkwürdigerweise kommt diese Sehnsucht besonders bei Bildern von Asien hoch. Ich könnte auf der Stelle meinen Rucksack packen und losreisen. Beeindruckt hat mich auch das Buch „Mein Leben in Bhutan. Als Frau im Land der Götter“ von Jamie Zeppa. Die 24jährige Kanaderin beschließt, für zwei Jahre als Englischlehrerin nach Bhutan zu gehen. Sie bleibt länger. Es ist eine Zeit, die ihr Leben und ihr Einstellung zum Leben verändert. Mit schönen und ihre Eindrücke vermittelnden Worten schildert sie ihr Leben und die Menschen in diesem Königreich im Himalaya.

26. Juni 2002

August

Der Monat Juli war für mich ein sehr schöner. Am letzten Juni-Wochenende schon ging ich auf die Hütte hoch. Glücklicherweise holte Musikchef Erich am gleichen Tag einen Freund am Bahnhof ab, so dass er Simon und mich ebenfalls mit dem Auto wenigstens bis zum Umschlagplatz mitnehmen konnte.

Als diesmal einzige Frau in der Hüttencrew habe ich mit fünf Männern zusammengearbeitet. Ich muss sagen, durchaus auch eine schöne Erfahrung. Tom aus Kempten ist fast den ganzen Sommer oben. Er erarbeitet sich das nötige Kleingeld für eine größere Reise durch Asien. Simon arbeitet wie ich schon seit vielen Jahren auf der Hütte. Er war mit in Nepal zum Musiktrekking. Erich war bereits Mitte Juni für einenMonat gekommen, um auf seinem Akkordeon neue Stücke zu schreiben und uns jeden Abend fürstlich zu bekochen. Eine Woche später kam noch André hinzu. Und natürlich Charly nicht zu vergessen.

Die zwei Wochen auf der Hütte waren aus verschiedenen Gründen so schön. Das Wetter war fast durchweg gut, so gut, dass die Gäste mich fragten, ob ich Urlaub gemacht hätte, weil ich so braun war. Mit den fünf Männer bzw. Jungs bin ich (fast) immer gut ausgekommen. Wir haben viel Spaß zusammen gehabt, viel gelacht. An einem furchtbar verregneten Wochenende wurde das 90jährige Hüttenjubiläum gefeiert. Es kamen sogar vier Alphornbläser aus dem Allgäu und fünf Blechbläser aus Ohlstadt sowie ein katholischer Pfarrer und eine Vikarin zu einem ökumenischen Gottesdienst hoch.

Einen neuen Musikgeschmack musste ich mir aneignen, denn es lief fast die ganze Zeit nur Ska und Punk. Ich muss zugeben, dass die Musik so schlecht nicht ist. Außerdem war Erichs Band „Bazooka Cain“ aus Hamburg für eine gute Woche da. Max, Marcel und Matthias machten jeden Abend für uns (und die Gäste) Musik. Es ist eine ganz andere Musik als unsere „Stubenmusi“, geht vielleicht etwas in Richtung Chanson. Mein Saxophon hatte ich natürlich auch dabei und habe mich in der Mittagspause oft auf den kleinen Anger direkt hinterm Haus verzogen und dort die hohen Berge des Wettersteins beschallt.

Leider waren die beiden Wochen viel zu schnell vorbei. Tom meinte einmal im Spaß, er hätte den Faden zur Realität verloren. So unwahr ist der Satz gar nicht, denn dort oben ist man so von der anderen Welt abgeschnitten, dass man wie in einer zweiten Welt lebt. Danach musste ich mich schnell wieder an den Stress gewöhnen. Ich war bei Carolin in Tübingen wegen der Website für ihre Band, habe etwas für die Zeitung geschrieben, gekellnert. War im Allgäu, um einen Filmemacher zu treffen wegen einer evtl. Zusammenarbeit ab Herbst. Ab September werde ich auch eine dreiviertel-Stelle in Baden-Baden antreten für drei oder vier Monate. Das heißt dann Pendeln.

Nach zwei Wochen Nichtstun in sportlicher Hinsicht bin ich etwas unfit geworden. Trotzdem war ich vor zwei Wochen wieder einmal mit Paloma zum Klettern im Oberreintal. Wir sind die Radlkante geklettert, eine Route mit zwei Stellen im V- Bereich, die ich jedoch nicht vorgestiegen bin, weil ich mich nicht so fit fühlte. Mit dabei war ein Freund von Paloma, der gerade an einem neuen Kletterführer arbeitet und deshalb noch Fotos brauchte. Also mussten wir als Motive herhalten. Es war ein wunderschöner Tag, der trotz Schlechtwetter-Vorhersage uns noch im Trocknen ließ. Abends regnete es etwas, aber das war uns dann auch egal.

1. August 2002

September 2002

Ist das nicht ein schönes Alpenpanorama? Das Foto ist nicht von mir, sondern es ist ein Motiv einer Postkarte, die man in Garmisch-Partenkirchen am Bahnhof kaufen kann. Es ist fast etwas kitschig, aber es gibt durchaus Momente, da sieht es genauso aus. Und wenn ich dann wieder im Zug zurück nach München sitze und einen Blick auf die hinter mir liegenden Berge werfe, dann danke ich immer: „Die Menschen müssen hier so glücklich sein mit dieser Umgebung.“ Ob sie es auch wirklich sind und ob sie die Landschaft überhaupt noch wahrnehmen, das weiß ich nicht.

Diesen Monat war ich wieder einige Male im Reintal und auch im Oberreintal. Mit zu den schönsten Momenten im Tagesablauf auf der Hütte gehört das gemeinsame Frühstück. Bei schönem Wetter draußen auf der anderen Flussseite. Tischdecke, Teller und Tassen, Joghurt und Obst, Käse- und Wurstteller werden hinüber getragen. Dann wird die Küche abgesperrt und die Gäste müssen eine halbe Stunde warten. Dann ertönt irgendwann Charlys Stimme: „Auf, Leute, wir müssen weiter machen!“

Mit Jan, einem Berliner Schulfreund, war ich im Oberreintal verabredet. Wir hatten vor Jahren schon einmal versucht, eine Kletterroute zu gehen. Damals fanden wir den richtigen Einstieg nicht. Auch diesmal hatten wir nicht mehr Glück, das Wetter war zu schlecht. Die Nebelwolken hingen so tief, dass wir den Weg nicht gefunden hätten. Aber da wir nun schon einmal im Felsental waren, kletterten wir wenigstens am Plattenschuss, dem Klettergarten gleich gegenüber. Eine Woche später war ich mit Franzi wieder im Reintal. Diesmal musste ich alle acht Seillängen vorsteigen, weil Franzi so gut noch nicht klettert. Es war ein Erlebnis und eine Erfahrung. Ich habe es geschafft, so schwer war die Route nicht (bis Schwierigkeitsgrad IV+), ein paar Mal habe ich mich verstiegen. Aber vielleicht war es doch eine Nummer zu groß für uns beide. Sechs Stunden brauchten wir vom Einstieg hoch, abseilen und zurück zum Einstieg, das ist ziemlich viel für eine solche Route.

Sherpa Gyalzen ist seit Mitte Juli wieder bei uns im Reintal. Irgendwann sagte er mal, dass dieses Jahr wohl das letzte sein wird. Was wir alle sehr bedauern werden, denn mit seinem ewigen Lächeln und seiner gleichbleibenden Freundlichkeit, Ruhe und Gelassenheit ist er zu einem festen Bestandteil der Hüttencrew geworden. Genau wie ich ist er nun auch schon zehn Jahre jeden Sommer im Reintal.

Beruflich tut sich auch einiges. Im „Atzinger“, einer Kneipe in der Maxvorstadt, habe ich nach acht Monaten aufgehört zu kellnern. Denn ab September werde ich für etwa drei Monate zwischen Baden-Baden und München pendeln. Die Redaktion „Schätze der Welt“ beim SWR, in der ich mein erstes Praktikum gemacht habe, braucht dringend eine Redaktionsassistentin zur Vorbereitung einer 24-Stunden-Sendung. Es ist eine dreiviertel-Stelle, d.h. ich werde drei oder vier Tage in der Woche in Baden-Baden sein und an den Wochenenden in München. Außerdem werde ich in den nächsten Wochen mehr mit dem Allgäuer Bergfilmemacher Gerhard Baur zusammen arbeiten. Deshalb muss ich meine Arbeit für den „Münchner Merkur“ erst einmal ruhen lassen. Im August hatte ich so viele Termine nicht. Es gab Pressekonferenzen, Vorträge im Zusammenhang mit der bevorstehenden Wahl am 22. September.

Letztens war ich mal wieder nach sehr langer Zeit im Kino. Zuerst habe ich mir „8 Frauen“ angeschaut – witzig, dass die Synchronsprecherinnen teilweise von der Ausstrahlung und dem Aussehen her ihren Figuren ähnelten. Senta Berger sprach Cathérine Deneuve, Katja Riemann Isabelle Hupert, Cosima Hagen die jüngste Tochter. Wenn auch die Gesangseinlagen manchmal etwas komisch waren, dafür war die Story um so witziger und die Auflösung/Pointe wirklich die Krönung. Ein paar Tage später habe ich mir „About a boy“ angesehen – diesmal sogar auf Englisch ohne Untertitel. Ich habe sicherlich nicht alles verstanden, aber es reichte aus. Es ist kein Muss-Film, aber trotzdem sehr amüsant.

Und für mich ist ein Flug nach Indien reserviert. Wenn alles klappt, fliege ich am 30. November zusammen mit Simon nach Delhi, wo wir Tom treffen werden. Einen Monat möchte ich bleiben, die anderen beiden bleiben länger. In diesem einen Monat soll es vor allem nach Nord-Indien gehen, Richtung Daramsala, ins Exil der tibetischen Flüchtlinge. Nächstes Wochenende treffen wir uns auf der Hütte – mal wieder, um erste Details zu besprechen.

Heute habe ich mit dem Arbeitsamt telefoniert. Vor über zwei Monaten hatte ich Überbrückungsgeld beantragt. Dieses Geld (sechs Monate lang in den Höhe des Arbeitslosengeldes plus 68 Prozent) bekommt man, wenn man sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig macht. Dies war ja bei mir der Fall. Telefonisch hat mir die Dame das Geld angekündigt. Aber ich glaube es erst, wenn es auf meinem Konto ist.

27. August 2002

Oktober 2002

Wo fange ich an? Am besten dort, wo meine letzten News aufhörten. Nämlich beim Überbrückungsgeld und meiner Indien-Reise. Das Überbrückungsgeld wird gezahlt. (Sieht gut auf dem Konto aus.) Mein Abflug nach Indien hat sich um drei Tage nach vorn verschoben. Ich fliege am 27. November. Von Delhi geht es nach Amritsar, dann weiter in den Himachal Pradesh nach Dharamsala. Mal sehen, ob der Dalai Lama da ist und uns eine Audienz gewährt. Spaß beiseite. In Dharamsala möchte ich etwas länger bleiben, möchte ein Nonnenkloster besuchen und, wenn das Wetter es zulässt, wandern. Von dort nach Reshikesh (auf den Spuren der Beatles) und Pushkar, wo wir Weihnachten verbringen wollen.

Seit Anfang pendele ich nun zwischen München und Baden-Baden. Dienstags nehme ich den ersten Zug (5:30 Uhr, in Worten halb sechs!) und komme dann gegen zehn ziemlich müde noch im SWR an. Das Hinfahren ist immer noch einigermaßen in Ordnung. Ich bekomme immer einen Wunschplatz, d.h. an einem Tisch und am Fenster. Aber wenn ich Freitag nachmittag in den Zug steige – une catastrophe. Der Zug aus Interlaken hat in Baden-Baden grundsätzlich Verspätung. Aber bist jetzt habe ich den Anschlusszug in Karlsruhe noch nicht verpasst. In Stuttgart muss ich noch einmal umsteigen. Immer sind die Züge voll. Und ich hasse es einfach, wenn ich eingeklemmt zwischen zig anderen Menschen bin. Indien kann heiter werden. Letztens hätte ich fast den ersten Zug verpasst. Ich stand im Bus – auch unbequem, weil ich ständig auf mein Gepäck aufpassen musste. Naja, trotzalledem las ich einen Krimi-Schmöker und merkte erst, als der Bus das Bahnhofsgelände verließ, dass ich hätte aussteigen müssen. Entsetzt packte ich mein schweres Ziehköfferchen, hetzte im wackligen Bus zum Fahrer vorn. Der war so freundlich und hielt für mich an. Gestern fand ich keinen Platz mehr im normalen Abteil, saß also im Raucherabteil. Gut, das kann man noch ertragen. Aber es war auch ein Abteil mit sehr gutem Handy-Empfang. So klingelte fast jede Minute irgendein Handy. Und hinter fühlte sich ein Mann bemüßigt, einer Freundin Ehe- und Scheidungsberatung zu geben, von Stuttgart weg fast bis nach Augsburg, was über eine Stunde Fahrt ist. Danach rief er noch diesen und jenen an. Ich bin dann irgendwann in den Speisewagen geflüchtet und habe mir eine heiße Schokolade gegönnt. Zur Krönung hatte der Zug Verspätung. In Stuttgart kam er bereits 15 Minuten zu spät. Er holte die Verspätung nicht ein, sondern fuhr noch 15 Minuten langsamer. Also kam ich eine halbe Stunde zu spät in München an. In dem Fall kann man sagen, dass mich zum Glück keiner abholte (wogegen ich sonst nichts hätte).

Dort bin wieder bei „Schätze der Welt“, also dort wo meine „Fernsehkarriere“ begann. Ich bereite eine 24 Stunden-Sendung mit vor. Kann ich nur empfehlen. Am 1. November sind wir ab 7 Uhr einen Tag lang auf Sendung mit einer Weltreise quer über alle Kontinente und durch die Geschichte unseres Planeten. Die letzten Tage habe viele schöne Filme gesehen, die bearbeitet werden müssen: Wüste Ténéré. Kakadu-Nationalpark, Taos Pueblo, Darjeeling-Bahn, Arles, Roeros, die Lehmhochhäuser von Shibam, Djenné in Mali usw. Eine gute Entschädigung, wenn man keinen Urlaub machen kann oder noch Inspirationen für die nächste Weltreise sucht. Schade, dass ich eine solche Arbeit nicht in München habe. Anfang Oktober sind wir für einige Tage in Heidelberg. Im Historischen Seminar drehen wir dort die Moderation. Der Schriftsteller Raoul Schrott trifft auf Weltenbummler, Geographen, Kartographen, Journalisten…

Von Baden-Baden bekomme ich nicht viel mit. Abends gegen sechs verlasse ich das Büro, laufe die 30 Minuten durch die Lichtenthaler Allee zu meinem dortigen Domizil, dann gehe ich vielleicht noch joggen durch den Baden-Badener Wald. Nach der Dusche und etwas Lesen falle ich meist bald ins Bett. Ob das das Alter ist?

An den Wochenenden gibt es auch kaum Erholung zumindest bis jetzt. Unter anderem war wieder klettern angesagt. Im Juli schrieben wir noch ins Hüttenbuch „Gesangsverein Oberreintal auf Fotoshooting in der Radlkanten“. Nun hätten wir schreiben können „unterwegs zum Dreh“. Das ergab sich ganz einfach. Anfang September war ich mit Paloma klettern. Wir sind die „Altherren-Partie“, die in der Milka im Oberreintal mündet, geklettert. Morgens ging es ganz früh los. Gegen zehn waren wir oben und frühstückten erst einmal. Plötzlich kommt Gerhard Baur, der Filmemacher, rein, der noch etwas mit dem Hüttenwirt bereden wollte. Momentan dreht er einen Film übers Wetterstein. Irgendwie war er von uns beiden als Frauenseilschaft ganz angetan. Ließ auch eine Bemerkung fallen, dass er uns gerne filme würde. Aber wir nahmen das für nicht ganz ernst. Aber dann rief er plötzlich den Mittwoch darauf an, ob wir Lust und Zeit hätten am Wochenende im Oberreintal zu drehen. Naja, logisch hatten wir das! So etwas lässt frau sich doch nicht entgehen.

Freitags kam ich abends in München an, hatte anderthalb Stunden Zeit zum Duschen, Waschmaschine anschmeißen, Augenbrauen zupfen, Beine rasieren. Jaja, so eitel ist frau dann doch. Ich verzweifelte noch fast an meiner Garderobe, denn Gerhard hatte uns die Order gegeben, nichts Schwarzes oder Weißes anzuziehen. Dann fuhr ich mit der Bahn nach Murnau, wo Paloma mich vom Bahnhof abholte. Wir kruschelten noch eine Weile herum, gingen dann gegen 12 ins Bett. Halb sechs klingelte dann der Wecker. Wir wollten noch mit dem Rad durch die Klamm radeln. Und nach acht Uhr sitzt dort eine Gemeinde-Angestellte, die einem notfalls mit Krücke die Durchfahrt untersagt.

Gegen zehn wieder Ankunft im Oberreintal bei strahlendem Sonnenschein. Gerhard und seine beiden Helfer (Plum, Kletterer aus Garmisch-Partenkirchen und dessen Frau Cordula) waren schon abends hochgelaufen. Nach einem Frühstück ging es dann los. Immer wieder stehen bleiben, Gerhard drehte eine Einstellung. Dann ging es weiter zum Einstieg. Relativ langsam ging es weiter. Wir waren ja zu fünft in der Wand. Plum kletterte voraus mit einem Fixseil für Gerhard, an dem er sich mit einem Jümar hinaufhangelte. Cordula kletterte dann hinterher. Danach waren wir gefragt. Wir kletterten ganz normal die Route. Gerhard daneben an seinem Fixseil. Zwischendurch dann kleine Stopps, damit er interessante Stellen drehen konnte. Usw., usf. Leider blieb die Sonne uns nicht hold. Während das ganze Tal Sonnenschein hatte, versteckte sich die Sonne hinter einer Wolke am Zundernkopf. Dadurch wurde es wahnsinnig kalt, mir klapperten die Zähne an den Ständen. Wir waren alle heilfroh, als wir endlich am Gipfel standen.

Der Abend wurde noch lang. Es waren einige Bekannte aus GAP da. Man saß am Stammtisch, redete, alberte, trank sein Bier. Halb zwei, als es dann doch immer mehr Männergespräche wurden, verzogen wir zwei „Damen“ uns ins Bett. Nach dem schönen Wetter am Vortag erstaunte uns der Regen am nächsten Morgen, der auch nicht aufhörte. Zumindest nicht so lange wie wir oben waren. Trotz Wartens mussten wir dann doch noch ein Interview im Regen über uns ergehen lassen. So saßen wir auf einem nassen Stein und philosophierten über das Klettern und das Besondere des Oberreintals. Und wie es immer ist, die besten Antworten fallen einem natürlich erst hinterher ein.

Für mich war es einfach interessant zu sehen, wie man solche Szenen dreht. Schon allein von der Klettertechnik. Vorher hätte ich es mir einfach nicht vorstellen können, wie das Ganze funktionieren soll. Für uns war es auch etwas anderes. Es dauerte alles länger, dadurch wurden wir müder. Zwischendurch warten, damit Gerhard seine Kamera aus dem Rucksack holen konnte. Einige Stunden Arbeit für vielleicht zwei Minuten Film. Aber so ist es beim Fernsehen. Der Film übers Wetterstein wird wahrscheinlich um die Osterzeit im Bayrischen Rundfunk zu sehen sein.

Carolins Homepage bzw. die ihrer Band „Three Times A Lady“ ist fertig. Unter www.threetimesalady.de könnt Ihr Euch Termine und Infos anschauen. Meine Homepage habe ich auch etwas aktualisiert, es gibt neue Fotos und Geschichten. Viel Spaß!

28. September 2002

November 2002

Es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht bzw. wie viel in relativ kurzer Zeit passieren kann. Eigentlich ist es erst drei gut Wochen her, dass wir zu den Dreharbeiten nach Heidelberg fuhren. Nun ist der Dreh schon vorbei und der Schnitt auch. Aber der Reihe nach.

Ich bin ja gerade in Baden-Baden beim SWR zur Vorbereitung der 24-Stunden-Sendung/Weltreise. Die Reise führt einmal quer über alle Kontinente und durch die Geschichte unseres Planeten. Zu den einzelnen Schwerpunkten Reisepunkten wurden verschiedene Gäste eingeladen, die zur Aufzeichnung der Moderation nach Heidelberg kamen. Gäste waren u.a. Felicitas Hoppe, eine Schriftstellerin, die vier Monate auf einem Containerschiff unterwegs war. Axel Brümmer und Peter Glöckner, zwei Ostdeutsche, die nach der Wende mit dem Rad die Welt umrundeten und immer noch reisend in der Weltgeschichte unterwegs sind. Helga Besler, eine Geographin, Gregor Borg, ein Geologe, Friedemann Schrenk, eine Paläoanthropologe, Gert Kähler, ein Architekturkritiker. Antje Vollmer, Bundestagsvizepräsidentin, die zum Themenschwerpunkt Mahnmale sprach. Dann Tim Severin, der mich am meisten beeindruckte. Zu dem auch nachher noch mehr. Moderator war Raoul Schrott, ein österreichischer Schriftsteller, an einen Tiroler Skilehrer erinnernd, der mittlerweile in Irland lebt.

Wir waren also in der schönen Stadt Heidelberg, von der wir selbst, außer den wahnsinnig vielen Touristen, nichts mitbekamen. Ich hatte mich aufs Hotel gefreut, weil für mich Übernachtungen im Hotel immer noch etwas besonderes sind. Aber letztlich sind die Zimmer doch immer klein. Und es gab keine Badewanne. Schade. Aber dafür war das Frühstücksbuffett sehr gut.

Ich musste extra einen SWR-Führerschein machen, d.h. ich musste eine kurze Belehrung über mich ergehen lassen, damit ich ein SWR-Dienstauto fahren durfte. Ich musste nämlich mit dem Auto nach Heidelberg fahren und am Freitag Frau Vollmer vom Flughafen abholen. Mein Gott, war ich aufgeregt. Beim Ausparken im Hotel am frühen Morgen, meine Kollegen schliefen noch ruhig und selig in ihren Betten, fuhr ich erst einmal einen Papierkorb auf dem Hotelgelände um. Und am Flughafen wurde ich immer aufgeregter. Schließlich holt man nicht alle Tage hochrangige Politiker ab. Mir war nicht wohl bei dem Gedanken. Sicherlich fahre ich ganz ordentlich Auto, aber lass irgendetwas passieren und die Vizepräsidentin des Bundestages im Auto… Ich sah förmlich die BILD-Schlagzeilen vor mir. Naja, es ging alles gut. Das Flugzeug kam etwas zu spät und an einem anderen Gate an als erwartet. Frau Vollmer war etwas erkältet, aber trotzdem sehr freundlich. Sie setzte sich zu mir nach vorne, schrieb SMSen, telefonierte und machte zwischendurch Politik – „Dass müssen Sie jetzt aber vergessen“, war dann irgendwann ihre Bemerkung. Soviel zu meinem Ausflug in die reale Politik.

Wir drehten die Moderationen und Gespräche im Historischen Seminar der Universität Heidelberg. Dort war dann eine provisorische Maske eingerichtet, ein Tisch war das Buffett mit Kaffee und Essen. Im anderen Raum zwischen zwei Bücherregalen der Tisch für Raoul Schrott und die jeweiligen Gäste, jeweils für Nacht- oder Tagsituationen ausgeleuchtet. Ich hatte soviel gar nicht zu tun. Entweder ich schaute beim Dreh selbst zu. Man durfte sich kaum bewegen, weil der Boden immer so knarrte. Oder ich unterhielt mich mit den Gästen am Buffett-Tisch. Oder ich war in der Stadt unterwegs, um irgendetwas zu besorgen. Abends waren wir dann irgendwo in der Stadt essen mit Raoul Schrott, Tim Severin war auch zweimal dabei, einmal Felicitas Hoppe.

Tim Severin, der einzige ausländische Gast, kam aus Irland. Er wurde in Indien geboren, ist in England aufgewachsen und studierte dann in Oxford Geschichte. Schon während seines Studiums begann er mit seiner Art zu reisen: Er versucht anhand alter Legenden, Geschichten, Mythen deren Wahrheitsgehalt herauszufinden. Zum Beispiel baute er eine Galeere wie Jason und die Argonauten, folgte den Spuren des irischen Mönches St. Brendan, der im 7. Jahrhundert nach Neufundland gesegelt sein soll. Suchte die Ursprünge von Robinson Crusoe oder Moby Dick. Tim ist „very british“, aber dies nie im negativen Sinne. Er war immer in ein Jackett gekleidet, trug ein Hemd mit Manschettenknöpfen und dazu immer ein Tuch um den Hals. Er sprach ein sehr schönes Englisch, wahrscheinlich Oxford-Englisch. War an allem und jedem interessiert. Es machte einfach Spaß, sich mit ihm zu unterhalten und seinen Geschichten zuzuhören. Er war auch schon öfter in Japan, so dass wir uns auch über dieses Land unterhalten konnten. Wir mochten ihn alle ziemlich gerne.

Noch ein paar Worte zu Raoul Schrott: Ich weiß gar nicht genau, wie alt er ist. Vielleicht Mitte dreißig. Was ich sehr beeindruckend fand, war sein Allgemeinwissen. Sicherlich hatte er extra für diese Moderation viel gelesen, aber er wusste wirklich zu jedem Thema etwas, kannte irgendwelche Anekdoten. Einfach wahnsinnig gut belesen. Und so etwas imponiert mir immer sehr.

Nach den Dreharbeiten verstreuten sich alle ziemlich schnell. Ich fuhr für zwei Tage nach München. Charly, der Reintalangerhüttenwirt, hatte Geburtstag, außerdem stand ein Auftritt im Alpin-Museum an. Dann ging es wieder nach BB – Endspurt. Der Schnitt musste vorbereitet werden.

Gut zwei Wochen blieb ich am Stück in Baden-Baden. Und die zwei Wochen waren für den Schnitt berechnet. Anfangs dachten wir, wir würden es nie in den zwei Wochen schaffen, aber dann, nachdem einiges umorganisiert worden war, lief es wie am Schnürchen. Alle etwa 90 Filme und die ganzen Moderationen und Gespräche mussten aneinander gefügt werden. Nun, wir haben es geschafft, sind sogar einen Tag vorher fertig geworden. Am 1. November um 7 Uhr startet die Reise „In 24 Stunden um die Welt“ auf 3sat. Dass es eine gute Sendung wird, dessen sind wir uns sicher. Nun sind wir gespannt, wie die Einschaltquoten und die Resonanzen sind.

Am Samstag während des Schnitts habe ich mir den Besuch im Römisch-Irischen Thermalbad und die dazugehörige Seifenbürstenmassage gegönnt und geleistet (29 Euro sind kein Pappenstiel). Aber wenn man in BB ist, muss man wenigstens einmal dort gewesen sein. Es ist ein altes Bad, drinnen mit schönen Jugendstilmotiven gekachelt. Man muss nichts mitnehmen. Nach dem Duschen bekommt man ein Laken zum Abtrocknen und Drauflegen, dann geht man durch diverse Warmluft- und Dampfbäder, unterzieht sich der wohltuenden Massagen, steigt in verschiedene Bäder. Bekommt dann wieder ein angewärmtes Laken, kann sich mit duftenden Cremes eincremen. Dann kommt der Höhepunkt – zumindest für mich – der Ruheraum. Man wird wie eine Mumie in kuschelige Decken eingewickelt. Dann liegt man auf seiner Liege, riecht die duftende Creme auf seiner eigenen Haut und kann sich von seinen Gedanken forttragen lassen. Genial!

Jetzt bin ich gerade in München. Wie habe ich mich auf mein Bett gefreut, auf mein Zimmer, wo meine Sachen sind. Dabei habe ich es in BB auch sehr gut. Ich habe nur gefaulenzt. Heute bin ich nur zum Zeitung kaufen hinausgegangen. Morgen steht dafür einiges an. Es bleibt eben doch immer einiges liegen, was man erledigen muss. Dienstag früh halb sechs geht es wieder nach BB. Und am Wochenende fahren Paloma und ich übers Wochenende an den Garda-See. D.h. ich selbst kann „meine“ Sendung gar nicht sehen. Aber das könnte ich auch so nicht, denn leider bekomme ich 3sat nicht rein.

Das war mein spannender Monat. Ich habe viel gelernt. Schade, dass ich eine solche Arbeit wie beim SWR nicht in München habe. Aber wer weiß…

26. Oktober 2002

Dezember 2002

Die News werden diesmal sehr kurz. Da ich am 27. November nach Indien geflogen bin und ich nicht erreichbar bin, habe ich mir für Euch einen Weihnachtskalender ausgedacht, auf dem Ihr meinen Weg durch Nordindien etwas nachverfolgen könnt. (Den Kalender habe ich im Januar 2003 wieder aus dem Internet rausgenommen).

Meine Zeit in Baden ging am 22. November zu Ende. Unsere Sendung „In 24 Stunden um die Welt“ war ein großer Erfolg: hohe Einschaltquoten als sonst, hunderte von positiven Mails/Briefen, Nachfragen nach Sendemitschnitten. Wenn ich mir die Zahlen richtig gemerkt habe, dann haben im Schnitt 180.000 zugeschaut. Die meisten Zuschauer (470.000) gab es bei der Reise von den Pyramiden zur Weihrauchstraße. Und selbst nachts um vier haben noch 50.000 zugeschaut. Also, wer es verpasst haben sollte, kann sich eine VHS irgendwann bestellen. Für uns war es natürlich spannend. Die Sendung ist absolutes Neuland, für den Sender, für die Redaktion, für uns. Insofern wussten wir nicht, wie die Reaktion der Zuschauer sein würde. Naja, aber diese Reaktion war ein Gläschen Sekt schon wert.

Ende Oktober bekam ich vom Verein Meditibet (Infos siehe unter www.meditibet.de) ein rotes Band, eher eine roten Faden mit einem Knoten drin. Gesegnet wurde dieses Band durch einen buddhistischen Lama, den Trulshig Rinpoche, einem ehemaligen Lehrer des Dalai Lama, der jetzt in Tengboche, also im Everest Gebiet sein Kloster hat. Man sollte es drei Tage mindestens um den Hals tragen. Nach außen tue ich zwar immer rationalistisch, aber im Grunde meines Herzens bin ich für solche Dinge doch empfänglich. Also band ich mir den Faden um. Ob das so eine gute Entscheidung war, weiß ich noch nicht, denn seitdem bin ich irgendwie vom Pech verfolgt: Drucker kaputt, Gardasee-Wochenende platzte. Regenwetter und verspätete Züge kann man da vielleicht nicht mit einbeziehen, da dies ja auch zig andere Menschen betrifft. Dann blieb das Auto, in dem ich mitfuhr stehen usw.

Andererseits dachte ich mir dann, als ich begann, in Selbstmitleid zu vergehen, ist das ja nun wirklich keine richtige Pechsträhne. Schließlich bin ich gesund, habe Arbeit, Freunde. Und ich kann doch auch gute Dinge nachweisen: Die Sendung, an der ich mitgearbeitet habe, hatte großen Erfolg. Und ich wurde von „meinem Chef“ hier in Baden-Baden für meine Arbeit gelobt. Das ist doch auch was. Und wahrscheinlich mehr wert als ein Drucker, der seinen Geist aufgibt. Wir hoffen auf eine Fortsetzung und dann auch Zusammenarbeit. Und die Krönung vom Ganzen: Ich bin als Gasthörerin an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film angenommen worden. Jaja, da kann nicht jeder, der möchte ein rein und zuhören, sondern man muss sich richtig bewerben. Ich hatte mit einer Zusage gar nicht gerechnet. Aber nun bin ich oberglücklich. Und irgendwie auch stolz – auf mich!

Und ich war am 10. November bereits beim Ski fahren! So früh im Jahr stand ich noch nie auf Skiern. Ich war zu Besuch bei Freunden im Allgäu. Das Wetter war zwar nicht wirklich gut. Aber am Sonntag sollte es dann wenigstens nicht regnen. Also bekam ich von Maria, die mit Sohn Silas zu Hause blieb, Skischuhe und Skier geliehen und fuhr mit Christian nach Grasgehren am Riedberger Horn (für Allgäu-Fremde, dies liegt in der Nähe von Fischen, Sonthofen, Oberstdorf…). Tja, und dort im Skiparadies Grasgehren wurde gerade an diesem Wochenende die Skisaison eröffnet. Allerdings nur für dieses Wochenende. Wie ich der sympathischen Stimme auf dem Anrufbeantworter des Liftbetreibers (Tel.: 08326-7774) entnehmen konnte, mussten die Lifte am Montag danach wieder außer Betrieb genommen werden, weil der Regen einfach zu stark war. Aber das Ski fahren war klasse! Irgendwann hatte ich dann auch endlich wieder ein Gefühl für die Skier, für meine eigenen Beine, fürs Bewegen auf den Brettern. Jedoch – ohne Sturz wäre es ja nur halb so schön. Bei der letzten Abfahrt wurde ich wohl zu übermütig, (Christian meinte, zu unkonzentriert) und fiel unsanft auf meine Hüfte. Nun ziert ein schöner blauer Fleck dieselbe. Egal! Ich jedenfalls freue mich schon wieder aufs Ski fahren.

Die letzten wenigen Tagen vor meinem Abflug musste ich noch die restlichen Dinge wie Batterien, Dia-Filme, Micropur, Vitamintabletten einkaufen, Weihnachtsbriefe wollten geschrieben sein (ich werde sie meiner Mama schicken, damit sie sie rechtzeitig für mich einsteckt bzw. in der Verwandtschaft verteilt). Die Aufregung wurde immer größer. Schließlich habe ich zuletzt vor vier Jahren, nachdem ich meinen Magister gemacht hatte, die letzte große Reise gemacht.

Vorbereiten konnte ich mich nicht allzu sehr auf die Reise. Aber ich habe mir den Lonely Planet gekauft. Heutzutage ja fast schon ein Muss. Aber solche Bücher liest man je nicht wirklich. Wichtiger waren da für mich eher folgende Bücher, die ich Euch auch empfehlen kann: Ilja Trojanow: „Der Sadhu an der Teufelswand. Reportagen aus einem anderen Indien“. Dieter Riemenschneider (Hg.): „Shiva tanzt. Das Indien-Lesebuch“. V.S.Naipaul: „Land der Finsternis. Fremde Heimat Indien“.

Liebe Gesine, extra für Dich gibt es auch einige neue Nepal-Fotos, eingebaut bei „Fotos und Collagen“.

25. November 2002

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