Noch ein bisschen mehr Sommerferien 2016 – aktiv, wunderbar und wirklich erholsam | Komplizierte Fragen

Jetzt geht schon die zweite Schulwoche zu Ende. Tenzin ist nun in der 4. Klasse und Yangzom (im Kindergarten) bei den Gummibärchen. Aber die Erinnerungen an unseren dreiwöchigen Sommerurlaub und an die Sommerferien mit den vielen wunderbaren Aktivitäten vor allem draußen sind immer noch sehr präsent.

Aufgrund des nicht erhaltenen Visums mussten wir kurzfristig (aber auch schon lange vorher dunkel geahnt) umplanen und entschieden uns für eine Radtour am Bodensee entlang. Darüber berichtete ich schon. Eine Woche lang radelten wir mit drei Rädern, zwei Anhängern und einem Zelt ca. 180 km um den schönen Bodensee herum, badeten (fast) jeden Tag und zelteten jede Nacht. Das war eine große Aktivität in diesen Sommerferien, aber beileibe nicht die einzige.

In diesen Ferien gab es so viele Berge für uns wie schon lange nicht mehr. Am Bodensee hatten wir ja täglich Blick auf die deutschen, österreichischen und Schweizer Berge. Bestiegen oder befahren haben wir bei dieser Runde jedoch keinen einzigen. Aber es gibt ja auch nicht weit von München schöne Alpen- und Voralpenziele.

Tegernseer Höhenweg
So wiederholten wir alle vier die Wanderung auf dem Tegernseer Höhenweg, die ich vor zweieinhalb Jahren mit den Kindern gemacht hatte. Damals saß Yangzom noch in der Kraxe, diesmal schaffte sie es, fast die ganze Strecke (vielleicht zweieinhalb-drei Stunden) allein zu laufen. Ein paar Mal durfte sie auf unseren Schultern sitzen. Wir sind in einem völlig überfüllten Zug nach Gmund gefahren, erstaunlicherweise waren trotzdem alle Mitreisenden gut gelaunt. Von dort geht es dann hoch zum Höhenweg und dann immer oberhalb des Tegernsees entlang durch den Wald mit Blick auf den Tegernsee bis zur Ortschaft Tegernsee. Am Tegernsee konnten die Kinder dann sogar noch kurz ein wenig in den kühlen See rein und sich abkühlen. Ich kenne ja aus meiner Reintal-Zeit vor allem das Wetterstein und liebe es über alles und denke auch immer als an erstes an dieses Wanderziel und vergesse dabei, dass es ja gar nicht so weit weg von München so wunderbare Ziele gibt. An den Tegernsee fährt man nur eine Stunde mit der BOB-Bahn und fällt dann auch schon auf den Wanderweg, während man von Garmisch-Partenkirchener Bahnhof aus erst noch ein ganzes Stückchen zu gehen hat.

Ammergauer Gebirge und „echtes“ Reiten
Mit einer befreundeten Familie mit Kindern im gleichen Alter (allerdings ohne die dazugehörigen Männer resp. Väter) machten wir einen Ausflug zum Kolbensattel bei Oberammergau. Eigentlich wollten wir Mamas zum Wank rauffahren, aber meine Freundin erwähnte den Alpincoaster, mit dem man vom Kolbensattel nach Oberammergau runtersausen kann, und schon bestimmten die beiden großen Jungs das Ziel. Die beiden kleinen Mädchen hatten zumindest beim Rauflaufen ein wenig das Nachsehen. Denn der Weg, den man ungefähr eine gute Stunde bergauf geht, ist ziemlich steil für kleine Kinderwaden und ist nicht sehr motivierend. Trotzdem haben wir es alle geschafft. Yangzom krabbelte – mehr aus Spaß allerdings – den kurzen Rest des Weges auf allen Vieren über eine Wiese. Nach einer Mittagsrast fuhren wir dann alle mit dem Alpincoaster (Zweisitzer auf Schienen, die man individuell bremsen kann) wieder den ganzen Berg hinunter. Die beiden Jungs zusammen und die Mamas mit ihren jeweiligen Töchtern. Yangzom fand es Klasse, ich war schon etwas aufgeregt – vorher und währenddessen und habe sicherlich auch eher einmal zu viel gebremst. Für mich war es schon ein rechter Nervenkitzel. Am Nachmittag konnten meine zwei endlich auch mal auf „richtige“ Pferde steigen – also nicht auf Jahrmarktpferde, die wahrscheinlich nur einem Brummkreisel im Kopf haben, von den hundert Runden pro Tag. Ehrlich gesagt, war auch das für mich ein rechter Nervenkitzel, denn ich habe einen Heidenrespekt vor solch großen Tieren. Tenzin war da lockerer und hatte kein Problem damit, Yangzom am Führstrick zu führen. Höhepunkt war dann, dass wir fast wie im Wilden Westen mit den Pferden zum Bahnhof gebracht wurden und auf die Kinder auf dem Bahnsteig entlang ritten. Vielen Dank, Doris!!!

Familienfrei im Höllental und am Kreuzeck
Am letzten Freitag während unseres Urlaubes habe ich mir endlich mal wieder familienfrei genommen, habe mich ganz in der Früh, als alle noch schliefen, aus dem Haus geschlichen und bin mit der ersten Bahn nach Garmisch gefahren. Mein Ziel war das Höllental. Leider hatte der Zug Verspätung, so dass ich (und andere Frühaufsteher) die Zugspitzbahn nach Hammersbach verpasste und fast eine Stunde warten musste. Störte mich nicht weiter, ich nutzte die Zeit, um noch die restlichen Urlaubspostkarten zu schreiben. Das erste und letzte Mal war ich vor ca. 25 Jahren auf der Höllentalangerhütte und war damals auch durch die Klamm gelaufen, hatte daran aber keine großen Erinnerungen mehr und die Höllentalangerhütte wurde nun auch komplett neu und größer gebaut (die alte wird im Laufe der nächsten Monate im Garten des Alpinen Museums wiederhergestellt). Deshalb wollte ich die Strecke mal wieder laufen und testen, ob das auch etwas für meine Kinder wäre. Das dann eher weniger. Für Tenzin wäre die Strecke mit der manchmal doch engen und niedrigen Klamm und den kleineren und größeren Sturzbächen und Tropfen in der Klamm von oben, den Resten eines Elektrizitätswerkes und dem manchmal ausgesetzten Weg sicherlich interessant. Aber mit Yangzom (4 Jahre) wäre das Nasse, Niedrige, Schmale und dann die Länge der Strecke leider nichts. Obwohl der Weg passagenweise wirklich sehr schön und reizvoll ist und die Hütte selbst an einem Platz liegt, der Kindern Spaß machen könnte. Ich hätte sie jedoch auch nicht tragen können, dafür war mir die Klamm eben zu niedrig und nass und zu rutschig. Deshalb entschied ich mich dann für eine andere Tour, als wir mit meiner Mutter wandern waren (dazu mehr unten).

Die Höllentalklamm ist ganz anders als die Partnachklamm – länger, wilder, nasser, weniger extrem gesichert. Man muss erst einmal ein ganzes Stückchen hinlaufen, bevor man mit den anderen Massen durch ein winziges Kassenhäuschen an einem winzigen Gasthäuschen vorbei in die Klamm geschleust wird. Und es tropft und spritzt die ganze Zeit. Nach der Klamm ist man dann schnell aus dem Wald heraus und läuft durch Geröll und niedrige Bäume und Sträucher. Spätestens hier verlaufen sich dann auch die Wandermassen. An der Hütte angekommen, gönnte ich mir eine leckere Erbensuppe mit Wiener und ein kühles Radler dazu. Letzteres merkte ich dann doch auf meinem Weiterweg. Ich hatte mich dann doch entschlossen (obwohl anfangs noch unsicher – wo ist meine alpine Selbstsicherheit geblieben???), nicht den schattigen und nassen Weg durch die Klamm zurück zu laufen, sondern weiter bergauf zum Kreuzeck und dann wieder ins Tal hinunter. Auch hier wieder ein schöner Weg am Berg entlang, manchmal mit Drahtseil gesichert, manchmal steil bergauf. Oben auf dem höchsten Punkt rastete ich noch einmal und dann noch einmal kurz hinter dem Kreuzeck, aber da gab es dann jeweils das Selbstmitgebrachte. Vom Kreuzeck runter gibt es leider wirklich keinen schönen Weg, es ging ziemlich steil runter. Und weil ich keine Lust hatte, eine Stunde unten auf die Bahn zu warten, stieg ich schnell ab – meine armen Knien und Zehen. Aber der Tag an sich hat mir so gut getan! Einfach mal raus und machen, was ich will – in meinem Tempo und nach meinem Gusto.

Von Tegernsee nach Schliersee
Mit meiner Mutter, die Tenzin dann mit nach Berlin nehmen wollte, (dafür ohne Gendun) ging es noch einmal an den Tegernsee bzw. vom Tegernsee zum Schliersee. Für diese Tour brauchen Erwachsene etwa vier Stunden. Wir brauchten mit Yangzom, die teils in der Kraxe saß und teilweise selbst tapfer lief, und mit Tenzin, inklusive unserer Pausen gut sechs Stunden, meine ich. Wir fuhren wieder mit der BOB-Bahn, gingen jedoch nicht zum Tegernsee runter, sondern gleich den Berg rauf Richtung Neureuth. Auf der Alm dort mit einer tollen Aussicht Richtung Tegernsee und Voralpen gab es eine etwas längere Pause, um zu trinken. Unsere mitgebrachte Brotzeit konnten wir dort natürlich nicht verspeisen und wanderten weiter zur Gindelalm. Wir kehrten dort diesmal nicht ein, sondern setzten uns auf eine Bank, um Käse, Landjäger und Vitamine zu verspeisen. Bevor wir uns jedoch stärken konnten, mussten wir durch eine Gruppe Kühe durch, die etwas rauflustig waren – zwar nur untereinander, mir aber trotzdem deswegen nicht weniger geheuer. Wir folgten dem sogenannten Prinzenweg nicht ganz Richtung Schliersee, sondern – um abzukürzen – ließen wir die Kreuzbergalm links liegen und gingen die ziemlich steile Forststraße runter zum Schliersee. Nach Ende der Forststraße zog es sich noch einmal ganz schön eine Straße entlang. Aber auch diese nahm ein Ende. Und weil ich meine Mutter mit ihrer Vorliebe für das Konditorn kenne, googelte ich unterwegs schnell nach einer Konditorei am Schliersee. Und so verspeisten wir im Café Mesner leckere Torten nach der schönen Wanderung, bevor es mit der Bahn wieder zurück Richtung München ging.

Noch mehr Radeln
Ansonsten waren wir mit dem Rad unterwegs – ins Schwimmbad, wieder an den Flaucher (Isar) und ganz neu entdeckt haben wir den Unterföhringer See. Wir Eltern wollten an der Isar entlang radeln. Ich hatte gedacht, wir schaffen es irgendwie nach Freising und würden vielleicht unterwegs an der Isar eine Stelle zum Reinspringen finden. Aber da machten uns sowohl die Isar als auch die Kinder einen Strich durch die Rechnung. Es gab keine mir richtig zusagende Stelle flussaufwärts und Yangzom hatte keine Lust, im Anhänger zu sitzen. Also kürzten wir das Ganze ab und – das hatte ich zum Glück noch im Hinterkopf – bogen rechts ab zum Unterföhringer See. Ein kleiner See mit Badestelle ohne großen Schnickschnack. Zumindest als wir dort waren, war es angenehm leer. Eine schöne Alternative, wenn wir mal keine Lust auf Flaucher oder Schwimmbad haben, denn beides kann manchmal ganz schön voll sein.

Schon außerhalb unseres Urlaubes bekamen wir beide noch einen Tag frei und unternahmen mit den Kindern spontan eine weitere Rad-Zelt-Tour. Diesmal mit nur einer Übernachtung am Wörthsee in der Nähe von München. Wir hatten die Idee, nicht mit der Bahn aus der Stadt zu fahren, aber im Nachhinein betrachtet, war das keine so gute Idee. Denn der Weg aus der Stadt heraus ist zumindest auf dieser Strecke überhaupt nicht schön, geht nur an großen Straßen entlang und an Baustellen vorbei. Wir sind bestimmt anderthalb Stunden geradelt, bevor es überhaupt nur ansatzweise ländlich wurde. Ausgeschildert war es auch nicht besonders gut. Trotz Karte wusste ich nicht immer weiter. Am Wörthsee fanden wir einen kleinen Zeltplatz – ganz anders als die riesigen Zeltplätze am Bodensee, aber ganz schön, der Spielplatz war gleich vom Zelt aus in Sichtweite, der Strand ebenso. Wir waren schon mittags da und die Kinder verbrachten die Zeit vor allem im Wasser. Für den nächsten Tag war schlechtes Wetter vorhergesagt und es regnete auch wirklich in Strömen. Jedes Mal, wenn ich im Handy auf den Wetterbericht schaute, verlängerte sich die Schlechtwetterphase. Wir suchten dann kurz Unterschlupf bei Freunden am Wörthsee und bekamen ein schönes Frühstück, in der Hoffnung, dass dann das Wetter besser würde, aber dem war leider nicht. Im strömenden Regen fuhren wir zur übernächsten S-Bahn-Station. Da war das Wetter dann besser, aber wir alle, außer Gendun, waren demotiviert und wollten einfach nur nach Hause. War trotzdem schön!

Was sonst noch?
Für uns Eltern war der Sommerurlaub vorbei, für Tenzin die Ferien noch nicht. Er ging eine gute Woche in den Hort. Einmal war ich mit den Kindern vor Hort und Kindergarten zum Frühstück in der „Frooteria“, wo man leckere Smoothis (oder Schmusis, wie Yangzom sagt) und leckere Bagels gibt. Mit Yangzom habe ich mir zweimal die Zeit genommen und auf dem Weg zum Kindergarten (wenn wir radeln) auf der Wiese hinter dem Rathaus und habe Seifenblasen in die Luft gepustet, die sie versuchte zu fangen. Einmal haben wir noch im Westpark gegrillt.

Zum Schluss kam Mama noch nach Berlin und verbrachte einen Tag mit den Kindern im Deutschen Museum und in der Bibliothek und wir trafen uns zum „Picknicken“ auf dem Viktualienmarkt und am zweiten Tag unternahmen wir oben beschriebene Wanderung. Dann fuhr sie mit Tenzin nach Berlin, der eine gemütliche Zeit mit Lesen, Rtterfest und Wannsee dort verbrachte. Ich fuhr eine Woche später mit Yangzom hin. Und weil das Wetter so schön war, fuhren wir auch an den Wannsee (ich war noch nie vorher dort im Schwimmbad) und am Sonntag schnappte sich der Opa die Kinder und ging mit ihnen auf ein anderes Ritterfest, während Mama und ich durch Kreuzberg streuselten und bei „Mr Minsch“ lecker Torte aßen.

Zum Abschluss meiner heutigen News noch etwas ganz anderes: In der letzten Zeit bin ich viel mit dem Rad unterwegs und Yangzom hintendrin im Anhänger. Und da gilt es immer wieder, schwierige Fragen zu beantworten bzw. manchmal fällt mir auf die Schnelle nichts ein, was ich, gegen den Verkehrslärm anbrüllend, wirklich gut erklären könnte.

Wir passieren die hungerstreikenden abgelehnten Flüchtlinge am Sendlinger Tor: Warum schlafen die da? Wad ist eine Demonstration? Yangzom mit ihrer Perspektive einen Meter unter mir aus dem Anhänger: Was ist das Bild mit schwarz, gelb, blau und weiß. Es dauert eine Weile, bis ich realisiere, dass sie die Fahnen in Schwarz-gelb und Blau-weiß, die momentan wegen des Oktoberfestes an den Straßen hängen und die Trambahnen dekorieren. (Schwarz-gelb für München und Blau-weiß für Bayern). Solche Fragen und Antworten leiten dann gerne über zu „Ist Deutschland in München?“ Warum sieht man den Rathausturm nicht mehr (beim Weiterfahren verschwindet der Turm hinter dem davor stehenden Haus) Warum stehen die Polizisten da? (An der Zufahrt zum Oktoberfest stehen nun mehr Polizisten.) Wieso hast Du eigentlich mich und Tenzin bekommen? Und dann gleich der Zusatz: Ich wollte zuerst kommen. Manche Fragen sind leicht zu beantworten, manche im Fahren unmöglich (z.B. Perspektivefrage mit dem Rathaus), schade, denn abends denkt man doch nicht mehr daran.

Manchmal können diese Fragen anstrengend sein, vor allem wenn sie kein Ende finden. Aber manchmal sind sie einfach nur schön und manchmal auch fast ein wenig philosophisch und existentiell.

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Die verrückte Familie Palden auf Abenteuerreise rund um den Bodensee

Diese Überschrift bedarf doch einer Erklärung. Das Wort „verrückt“ stammt von Gendun, der unsere Idee mit Kind und Kegel, Rädern und Zelt um den Bodensee zu radeln, als ein solches Unterfangen empfand. Dass wir doch nicht so verrückt waren, zeigte sich dann unterwegs. Ein „Abenteuer“ war es für uns alle, denn wir hatten so etwas in dieser Form und Zusammenstellung noch nie gemacht. Wobei man natürlich auch sagen muss, das, was für uns ein Abenteuer ist, ist für andere Pippifax und total unspektakulär. Und „rund um den Bodensee“ ist nicht ganz korrekt als Beschreibung für unsere Tour, weil wir uns die Freiheit herausgenommen haben, auch mal abzukürzen. Aber der Reihe nach, denn geplant war für unseren Urlaub etwas ganz anderes.

Wir unternahmen auch dieses Jahr wieder den Versuch, in Genduns Heimat zu fahren, um endlich die Familie wieder besuchen zu können. Aber nachdem die Botschaft dem Reisebüro mitteilte, dass die Bearbeitung der Visaanträge unabhängig vom Abreisedatum ist und wir mehr als zwei Monate umsonst warteten, forderten wir die Pässe kurzerhand und kurzfristig, nämlich knapp zwei Wochen vor Urlaubsbeginn, zurück. Nachdem die Enttäuschung riesengroß und die Tränen runtergschluckt waren, war nun, wie letztes Jahr, wieder Phantasie und Kreativität darin gefragt, ganz schnell wieder einen tollen Urlaub zu organisieren. Ich gebe zu, dass ich schon parallel zum Ausharren, ob das Visum kommt oder nicht, im Kopf schon ein paar Alternativen durchspielte und sich bei mir eigentlich ein Wunsch herauskristallisierte, den wir dann letztlich auch umgesetzt haben. Genduns Idee, ein Auto zu mieten und durch Deutschland zu touren, wandelte ich ab in einen Gegenvorschlag – nämlich dass wir doch mit Rad und Zelt eine Fahrradtour machen könnten.

Dagegen sprach, dass gerade kurz vorher mein geliebtes Rad geklaut wurde, dass wir keinerlei Campingausrüstung hatten und dass wir so etwas noch nie zusammen als Familie zelten waren. Aber da die Idee bei allen Anklang fand, vor allem bei Tenzin, der dafür sogar auf einen Sonne-Sommer-Strandurlaub verzichtete, waren dies eigentlich keine Hindernisse mehr. Ein neues Rad wurde gekauft und hinterher kam sogar noch die Erstattung durch die Hausratversicherung, so schmerzte der Verlust nicht zu sehr. Ein 3-Mann-Zelt, zwei Schlafsäcke für die Kinder, Isomatten, ein Lastenanhänger für Genduns Rad, Kocher und Kochzubehör waren schnell gekauft. Zumindest ich war schon zelten (nicht oft), wenn auch das letzte Mal in meine Studentenzeit fällt, als ich mit meiner Freundin an der Loire entlang gereist bin und wir die Schlösser besichtigt haben. Und die eine Sorge, die wir noch hatten, ob nämlich unser Anhänger für Yangzom, in dem auch schon Tenzin saß, die Tour noch aushalten würde, diese Sorge blieb, stellte sich jedoch – zumindest für die Dauer dieser Tour als unbegründet heraus.

Ich muss zugeben, dass ich kein großer Campingfan bin. Die Zelte waren immer zu eng, immer wurden die Schlafsäcke vom Kondenswasser feucht, nachts im Dunkeln zum WC tappen, alles mitschleppen. Das war alles nicht so anheimelnd. Die Alternative jedoch wäre gewesen, einen Last Minute-Urlaub zu buchen, wovon uns die Dame im Reisebüro aufgrund der aktuellen Situation abriet.

Und so starteten wir dann am Dienstag nach Ferienbeginn in unser Abenteuer – mit 3 Fahrrädern, 2 Anhängern und 1 Zelt. Die Zeit des ausführlichen Tagebuch-Schreibens ist vorbei. Dafür fehlt die Zeit und Muße, wenn man mit Kindern unterwegs ist und dann auch noch zusammen in einem Zelt schläft, in dem spätestens nach der Dämmerung das Licht aus ist.

DI 02.08. | mit dem Zug nach Lindau, 10 km radeln bis kurz bei Bregenz in Österreich

Wegen Bauarbeiten fuhr der durchgehende Zug nach Lindau leider nicht und wir mussten in Ulm umsteigen. Einstieg und Umstieg und Ausstieg gestalteten sich nicht unbedingt einfach, da ferienanfangbedingt die Züge voll waren und vor allem auch die Fahrradabteile voll mit Rädern. Erstaunlicherweise waren sowohl die anderen Radler als auch die Zugbegleiter gut gelaunt und optimistisch und hilfsbereits, so dass wir alle mitfahren konnten und sogar teilweise Sitzplätze hatten. Am Nachmittag kamen wir am Bodensee an. In Lindau schauten wir nur ganz ganz kurz vom Hafen zum Löwen und schwangen uns dann auf unsere Räder. Den Bodensee-Radweg fanden wir relativ schnell und nach einer kurzen Strecke durch die Stadt (mit vollen, engen Straßen und Tenzins erstem Kreisverkehr) waren wir dann auf dem Weg nach Bregenz. Da es relativ viele Campingplätze am Bodensee gibt, haben wir nie irgendwo reserviert oder vorher angerufen, sondern sind immer drauflos geradelt und bekamen auch immer einen Platz. Auf dem Campingplatz „Seecamping“ starteten wir unsere erste Nacht. Dies war der einzige Zeltplatz, bei dem der Strand nicht direkt dazu gehörte, aber dafür war er auch gleich auf der anderen Seite des Weges. Dafür gab es hohe, schattige Bäume. Auf diesem Zeltplatz gab es WLAN am Rezeptionshaus. Die jüngeren Nutzer standen abends alle an die Hauswand gelehnt, in der Hand Handy, Tablet oder Laptop, um irgendwie online zu gehen.

Unter freiem Himmel – Campingplätze allgemein

Meine letzten Zeltplatzerfahrungen liegen nun wirklich schon über zwanzig Jahre bestimmt zurück. Wie schon oben beschrieben, sind die Erinnerungen zwiespältig. Von den Zeltplätzen am Bodensee (die wahrscheinlich den heutigen Campingplätzen allgemein ähneln) war ich positiv überrascht. Zeltplatz kann man ja nicht wirklich sagen. Bei einem Campingplatz gab es ein paar Informationen zu den Stellplätzen: 220 Plätze sind reserviert für Dauercamper, 180 Plätze vorgesehen für Touristikcamper (die mit Wohnwagen u.ä. unterwegs sind) und dann gab es noch eine kleine Wiese, auf der einige (kleinere) Zelte drauf passten für Leute, die wie wir mit Rad oder Auto unterwegs sind und immer nur eine Nacht blieben. Überall gab es einen kleinen Laden, mal eher wie ein Kiosk, mal fast ein kleiner Supermarkt, überall gab es ein kleines Restaurant (unterschiedlicher Qualität), überall ausreichend Duschen, Toiletten, extra Spülen zum Abwaschen, teils Waschbecken zum Wäsche waschen und Waschmaschinen. Für immer eine Nacht finde ich diese Campingplätze für mich völlig ausreichend, weil mir diese Art des Reisens doch eine preiswerte Flexibilität ermöglicht. Zwei Wochen (oder gar noch länger) mit dem Wohnmobil auf ein und demselben Campingplatz zu stehen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Irgendwie steht man doch immer unter Beobachtung – beim Essen, beim Abwaschen, beim Zähneputzen…. Die Wohnmobile sind zwar relativ groß und bequem, trotzdem ist es eng und teils sitzt man fast auf dem Schoss des Nachbarn. Witzigerweise erschienen mir gerade die männlichen Campingplatzbesucher (Teenager und mittelalte) alle Typen eines Schlages, sie sahen für mich fast alle gleich aus.

Täglicher Bedarf

Richtig stolz war ich auf mein Kalkulieren und Packen. Die Kleidungsstücke für jeden einzelnen von uns passten in einen kleinen Stoffbeutel (vielleicht etwas größer als A4) – ein Minimum an Wechselkleidung mit Jacke, langer und kurzer Hose, T-Shirts, Wäsche zum Schlafen. Auch bei den Handtüchern wurde gespart, zum Baden gab es für alle nur eins. Ich war ganz stolz, dass wir uns so reduzieren konnten. Aber wir hatten natürlich auch Glück insofern, dass Sommer war und wir gar nicht so viel mitnehmen mussten. Die langen Hosen und Regenponchos brauchten wir nicht einziges Mal. Lernergebnis Eins: Man kann wirklich und gut reduzieren! Den ersten Proviant hatten wir von München mitgenommen: Genduns Idee war, dass wir jeden Morgen Tsampa (Mehl aus gerösteter Gerste) verrührt mit heißem Wasser, Butter und Honig essen würden. Dementsprechend nahm er bestimmt zwei Kilo mit. Durchgehalten haben wir es nicht lange. Butter und Honig wurden dann für Brote genommen. Nudeln hatten wir dabei, Marmelade, Speck und Käse. Später kauften wir dann auch Fleisch, Nudeln und Obst im Supermarkt und dann auf der deutschen Seite von Straßenständen. Hier gab es dann die ersten Bodensee-Äpfel. Nur eins hatten wir vergessen: Salz! (Da fiel mir dann das Märchen von der Gänsehirtin am Brunnen ein, die von ihrem Vater verstoßen wurde, weil sie ihm sagte, er sei ihr genauso wichtig wie Salz – und nicht etwa Gold und Edelsteine.) Wir konnten diesen Mangel ein wenig durch Gemüsebrühe kompensieren. Zur großen Freude von Tenzin kauften wir einmal auch einen Einweggrill und grillten lecker Fleisch auf dem Zeltplatz.

MI 03.08. | ca. 50 km durchs Rheindelta bis nach Arbon in der Schweiz

Landschaftlich sehr schön war die Strecke durch das Rheindelta immer mit Blick auf die Berge, Berge und Berge, aber hier wurde dann auch schnell klar, dass der Bodensee-Radweg zwar Bodensee-Radweg, dass dies aber nicht unbedingt und zwangsläufig bedeutet, dass man permanent den Bodensee sieht. Dafür haben wir von der Ferne einen Hundertwasser-Supermarkt gesehen. Da Gendun anfangs noch Kilometer schrubben wollte, habe ich einen kleinen Abstecher dorthin nicht angeregt. Auf dieser Strecke und an diesem Tag hatten wir uns mit dem Trinken vertan und mussten dann in der Mittagshitze noch einen kleinen Umweg zum nächsten Supermarkt machen, um Nachschub zu holen. Danach hatten wir glücklicherweise immer genug zu trinken dabei und haben auch öfter Pause gemacht. Unser Tagesziel war Arbon, eine schöne alte Stadt, die wir allerdings nur passierten und danach zum Campingplatz „Buchholz“ fuhren – einem Zeltplatz mit angeschlossenem Strandbad (für Camper kostenfrei) und einer relativ großen Zeltwiese ohne einen einzigen Schattenbaum. Zum Glück wurde es abends am Bodensee immer – trotz Hitze und Sonne tagsüber – relativ schnell wieder kühl, so dass wir wirklich nachts angenehm schlafen konnten.

Aktiv statt Kultur

Hier wurde schon klar, dass unser Urlaub kein Kultur-Urlaub, sondern wirklich ein Aktiv-Urlaub werden würde. Wir haben uns weder Arbon noch später Konstanz oder Insel Mainau oder das malerische Meersburg angeschaut. Einmal war ich mit den Kindern im Museum (das Pfahlbauten-Museum in Uhldingen) und zum Abschluss sind wir in der Nachmittagshitze durch das touristenvolle Lindau gelaufen. Aber ansonsten sind wir nur geradelt, haben die Landschaft auf uns wirken lassen, waren fast jeden Tag baden. Warum das so war, lag einmal daran, dass Gendun nicht so der Kultur-Mensch ist, er wäre sicherlich am liebsten jeden Tag 50 km geradelt und vielleicht noch mehr. Aber es lag auch daran, dass wir uns für diese Radtour doch recht spät entschieden und ich dann auch nicht mehr den Nerv hatte, noch groß zu recherchieren und zu planen. Bei einer nächsten größeren Radtour würde ich vorher schauen, was sich lohnt anzuschauen, was für die Kinder interessant sein könnte und dann müsste ich vorher mit den Kindern und auch mit Gendun besprechen, was man besichtigen möchte und dann müsste man eben auch die entsprechenden Stopps einplanen. Aber so war es auch mehr als in Ordnung. Und so aktiv war ich in einem Urlaub schon lange (seit die Kinder da sind) nicht mehr.

DO 04.08. | ca. 41 km an Konstanz vorbei bis hinter die Insel Mainau (wieder in Deutschland)

Durch viele Apfelplantagen, schon voll mit fast reifen Äpfeln, über sehr, sehr viele kleine Bahnübergänge und vorbei an kleinen Häfen mit Segelbooten radelten wir am Bodensee entlang Richtung Konstanz. Bei Güttingen konnte ich Gendun zu einer Pause an einem freien Badestrand („Badiplatz“, wie die Schweizer sagen) überreden, so dass die Kinder, vor allem Yangzom, die ja die ganze Zeit untätig im Anhänger saß, sich beim Baden etwas austoben konnten. Und mir tat es auch gut. Denn nach dem gestrigen Tag hatte ich doch gemerkt, dass ich einfach genug Trinken und auch etwas Gescheites zum Brotzeiten brauchte, sonst würde ich durchhängen. In Konstanz versuchten wir Genduns Bruder, der mit seiner Familie gerade in der Schweiz Urlaub machte, zu treffen, aber es klappte leider nicht. Stattdessen aßen wir in einem Restaurant zu Mittag und entschlossen uns zur ersten Abkürzung. Den Zipfel, der die Insel Reichenau einschließt, würden wir am wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen und dann am zweiten Zipfel Richtung Insel Mainau radeln. Wie bei so vielen größeren Orten auch war das Durchqueren Konstanz‘ etwas stressig, aber dann Richtung Mainau ging es durch eine wunderbare Allee am Bodensee entlang. Wir steuerten dann den Campingplatz „Fliesshorn“ an. Hier erlebten wir unsere erste Sturzflutregennacht, Yangzom hatte Durchfall (Ergebnis von zuviel Brausetabletten-Wasser) und musste bestimmt zwanzig Mal aufs Klo (zum Glück alles noch vor dem Regen). Ab 19 Uhr saßen wir in unserem Zelt und waren trotzdem glücklich. Wir spielten ein wenig Uno (Kartenspiel) und ich erzählte abends immer die Geschichte von der verrückten Familie Palden. Oder, wenn ich mich von Yangzom überreden ließ, von Yangzom mit dem Regenbogenhaus und von Tenzin mit dem Zuckerwattehaus.

Children first

Nach dem ersten Tag hatte ich schon gemerkt, dass wir mehr auf die Bedürfnisse der Kinder achten müssten. Eigentlich weiß ich das natürlich, aber trotzdem ist man ja nicht nur Mutter (bzw. Vater), sondern auch ein normaler Erwachsener und möchte – ebenso verständlich – andere Sachen machen als Kinder. Ich weiß das und mir war das auch immer wieder bewusst, Gendun weniger, ihm war es immer wieder wichtig, mal etwas schneller zu radeln oder durchzuradeln oder mehr zu radeln. Aber auch wenn er etwas murrte, setzte ich diese Badistrand-Pause oder auch mal eine Spielplatz-Pause durch. Unsere Radelstrecken wurden immer kürzer, es gab jeden Tag ein Eis, fast jeden Tag waren wir baden. Der Schifffahrt-Wunsch wurde auch erfüllt. Lernergebnis Zwei: Man muss immer wieder mehr auf die Kinder eingehen und sich an deren Tempo anpassen, wenn man mit Kindern unterwegs ist (ist aber auch ein ewiger Lernprozess).

Yangzom hintendran

Yangzom fand den Urlaub toll – mit dem Campen und Baden… Das Sitzen im Anhänger fand sie nicht immer so spannend. Letztlich ist es ja so, dass das Kind ungefähr von einer Höhe von einem Meter in die Landschaft schaut. Wenn ich über eine Böschung oder Hecke hinweg zum Bodensee gucken kann, sieht Yangzom nur grünes Gras oder grüne Blätter. Dementsprechend oft tönte es dann hinter mir (ich zog den Kinderanhänger, Gendun den Lastenanhänger): „Wann sind wir endlich am Zeltplatz?“ Und nicht nur in diesen Situationen war ich der Entertainer für Yangzom und musste vertrösten und ermutigen, noch etwas geduldig zu sein. Ich musste auch zwischendurch immer wieder – obwohl mir fast die Puste ausging – Lieder für Yangzom singen oder tausend Fragen beantworten und teils gegen Wind, weniger gegen vorbeifahrende Autos ankommen. Zwischendurch ist sie dann immer mal eingeschlafen. Witzig oder vielmehr interessant war auch, dass Yangzom anfangs nicht wirklich nachvollziehen konnte, dass wir jeden Tag zu einem anderen Zeltplatz und einem anderen Strand unterwegs waren, aber dass wir trotzdem auch immer am selben See waren.

FR 05.08. | Zweite Abkürzung über den See, ca. 22 km bis kurz hinter Immenstaad

Nach dieser total verregneten Gewitternacht (Abbau des Zeltes bei Regen) und angesichts eines komplett Wolken verhangenem Himmel und dem immer wieder geäußerten Wunsch nach einer Schifffahrt entschlossen wir uns, zur nächsten Anlegestelle zu fahren und von dort auf die andere Seite des Sees überzusetzen. Wir fuhren die zwei Kilometer nach Dingelsdorf. Und da der nächste Dampfer nach Überlingen eine Stunde später kam als der nach Uhldingen, wurde die Abkürzung etwas länger und wir fuhren nach Uhldingen. An diesem Tag sah man fast nichts von den umliegenden Bergen. Es war kühl und bewölkt. In Uhldingen ging ich mit den Kindern ins Pfahlbauten-Museum, ein wirklich sehr spannendes Freilicht-Museum. Allerdings waren wir nicht so warm angezogen und Gendun wartete außerhalb, so dass wir nicht sehr lange dort verweilten und uns danach in einem kleinen Hotel bei Kaffee und heißer Schokolade aufwärmten. Von Uhldingen radelten wir weiter durch zunehmend mehr Weinberge (statt Apfelplantagen), die Altstadt von Meersburg, die Burg oben streiften wir nur mit den Augen und am Hafen dort machten wir eine kleine Pause. Ich gebe zu, dass ich Meersburg gerne angeschaut hätte, aber ich wusste, dass ich Gendun nicht dazu überreden könnte. Wir fuhren weiter bis kurz nach Immenstaad, wo wir auf dem Campingplatz „Schloss Helmsdorf“ Quartier bezogen. Zu diesem Campingplatz gehört nicht nur ein kleiner Strand, sondern auch ein kleiner Hafen, der vollgestellt war mit Segelbooten. Nachmittags regnete es noch einmal, so dass wir nicht baden konnten, ich wollte auch vielleicht noch einmal nach Immenstaad. Deshalb konnte ich Gendun davon überzeugen, doch einen Ruhetag einzulegen.

Sonnenschein und Regenwetter und Bergsicht

Wir hatten die ganze Zeit über eigentlich schönes Wetter. Bis auf die eine Regennacht bei Mainau und den grauen Tag danach. Die letzte Nacht, bevor wir wieder zurück nach München fuhren, regnete es auch noch einmal sehr stark. Ansonsten war es immer sehr warm, teils heiß und sonnig. Unsere Bodensee-Tour war zwar keine bergige Tour (meistens ging es flach entlang), aber wir hatten die Berge immer vor Augen. Über den See waren immer irgendwelche Berge zu sehen. Dieses Motiv See-glitzerndes Wasser-Segelboote-Bergkette habe ich viele etliche Male während dieses Urlaubs auf die Festplatte unserer Kamera gebannt.

SA 06.08. | Ruhetag mit Spaziergang nach Immenstaad

Am Vormittag lief ich mit den Kindern am See entlang nach Immenstaad. Ich brauchte etwas aus der Apotheke, ich wollte mich bewegen und am Hafen sollte es das beste Eis von Immenstaad geben. Endlich war wieder Sonnenschein und wir konnten am Hafen das wirklich leckere Eis verputzen, außerdem gab es noch ein Picknick mit Leckeren vom örtlichen Metzger. Nach dem Baden radelten wir noch schnell zum Rewe, wo Gendun besagten Einweggrill kaufte. Der Himmel verdunkelte sich bedenklich (aber es kam zum Glück kein Regen), Tenzin war vom campen nicht mehr ganz so begeistert und die Wetteraussichten waren für ein paar Tage später nicht mehr so berauschend, so dass wir unschlüssig waren, wie es weitergehen sollte. Wir entschlossen uns, erst einmal noch weiter Richtung Lindau zu fahren, aber auch zu gucken, ob wir mit den Rädern Richtung Ulm fahren würden.

Gut ausgestattet

Da es unsere erste Rad-Zelt-Tour war, mussten wir einiges neu kauften. Das Zelt ist für 3 Personen ausgelegt, aber dadurch dass Yangzom noch klein ist, war es für uns ausreichend. Fasziniert war ich von unserem kleinen Topf, in den zwei Schüsselchen und zwei Trinkbecher reinpassen. Da Gendun keinen Gepäckträger hat, kauften wir einen Lastenanhänger, den wir auch später für Ausflüge nutzen können. Den Kinderanhänger haben wir ja schon seit acht Jahren und haben ihn, bis auf die Zeit, als Tenzin dafür zu groß und Yangzom noch zu klein war, auch wirklich intensiv genutzt. (Unsere Sorge, dass er vielleicht während der Tour den Geist aufgeben würde, war zum Glück unbegründet.) Bei den Isomatten hatten wir uns aus Platz- und Budgetgründen für die dünnsten (nicht aufblasbaren) entschieden. Und hier zeigte sich – Lernergebnis Drei -, dass man manchmal doch nicht sparen sollte. Bis auf Yangzom stöhnten wir alle über diese dünnen Matten und über die daraus resultierenden Rückenschmerzen. Pflaster etc. hatten wir natürlich dabei, brauchten wir jedoch nicht ein einziges Mal. Auch das Reparaturset wurde unversehrt wieder nach München zurückgebracht. Es gab keine Blessuren, keine blutenden Wunden, keine abgesprungenen Ketten und keine Platten!

SO 07.08. | ca. 30 km bis nach Kressbronn

Bei schönem Sonnenwetter radelten wir weiter. Kurz vor Friedrichshafen kauften wir frische Kirschen und ein frisch gebackenes Brot an einem Hofladen. Die Kirschen verputzten wir an einem Spielplatz am Hafen von Friedrichshafen. In Langenargen gab es die Reste vom Grillen – wieder eine Rast mit Blick auf Bodensee, Segelboote, Berge… Kurz vor Kressbronn hielten wir noch einmal an einem Hofladen an, um Erdbeeren, Nektarinen und frische Kartoffeln zu kaufen. Am Campingplatz „Iriswiese“ gab es einen steinigen Strand, der den Kindern aber wunderbar gefiel. Für Tenzin war es der schönste, und Yangzom trocknete unsere Rücken mit den aufgewärmten Steinen. Auf einem Zeltplatz hatte ich einen kleinen Badeball gekauft, mit dem die Kinder – dann endlich auch mal wieder zusammen – spielten.

Tenzin on the road

Die Isomatten waren ein Grund dafür, dass Tenzin irgendwann und teilweise ein bisschen die Motivation verlor. Es wurde dann deutlich, dass er, der unbedingt zelten wollte, sich auch wieder nach Hause sehnte. Ihm war das Zelt zu klein, die Isomatte zu hart, Freunde und Spielsachen fehlten ihm, sagte er uns. Trotzdem hatte er an der Tour im Ganzen großen Spaß und ist auch wirklich immer gut mitgeradelt. Die zurückgelegten Strecken waren kein Problem für ihn. Und ich war auch immer wieder stolz auf ihn, wie gut er das packte. Im Verkehr kam er gut zurecht, aber ein-, zweimal gab es auch etwas brenzlige Situationen, die gut ausgingen, die unser Bewusstsein dafür schärften und aus denen er auch lernte. Er kümmerte sich teils gut um Yangzom (ich denke, die Tour hat die beiden auch wieder etwas näher gebracht), teils gab es bei den beiden Reibereien. Was für uns manchmal stressig war.

Nicht nur heile Welt

Denn eine solche Tour birgt natürlich immer wieder Momente, in denen die Nerven blank liegen. Eben wenn die Kinder wegen Pippifax oder größeren Problemen streiten, wenn man den Weg verloren hat, wenn es zu warm, der Hunger / Durst zu groß ist, wenn der eine radeln will, der andere aber eine Pause braucht, wenn man das Zelt aufbauen wollte, aber der andere herumträumte, die eine immer die größte Portion wollte oder das schönste oder was auch immer. Aber eben so wie im normalen Alltag auch.

MO 08.08. | nach Lindau und hin und her, ca. 24 km

Wie fast jeden Morgen ging ich, die immer als erstes aufwachte, in der Dämmerung zum Strand und genoss die schöne Stimmung und das schöne Licht. Angesichts des vorgesagten schlechten Wetters ab Dienstag und Tenzins Heimweh (wenn man so sagen will) sowie Genduns Rad ohne Gangschaltung entschieden wir uns, wirklich nur noch nach Lindau zu fahren, noch einmal zu campen und dann den Zug Richtung München zu nehmen. In Lindau waren wir schnell. Knapp fünf Kilometer hinter Lindau checkten wir dann beim „Parkcamping am See“ (der übrigens auch Kochkurse anbot) ein. Der Zelt-Zeltplatz war direkt am dazugehörigen Kinderspielplatz, was ich für den Abend, als wir nicht mehr am Strand waren, ganz angenehm fand. Wir fuhren noch einmal in die Stadt zurück, weil wir das Ticket für den nächsten Tag kaufen wollten. Und weil ich dachte, es ist schön, noch einmal durch die Altstadt zu schlendern, aber eigentlich war es viel zu heiß und voll mit Touristen. Ich war ganz froh, dass wir dort noch einmal an den Strand und ins Wasser konnten.

DI 08.09. | 4,5 km nach Lindau und mit dem Zug zurück nach München

In der Nacht regnete es wieder. Am Abend zuvor hatte ich immer wieder auf den sich immer wieder ändernden Wetterbericht geschaut. Gendun und ich hatten beschlossen, so früh wie möglich aufzustehen und in einer am frühen Morgen angekündigten Regenpause zu packen und loszuradeln und dann am Bahnhof zu frühstücken. Gegen acht Uhr waren wir am Bahnhof und kauften beim Bäcker ein schönes Frühstück, Kaffee und heiße Schokolade. Mussten dann aber noch bis 10:40 Uhr warten, bis unser Zug – diesmal durchgehend – kam. Der Zug war nicht voll, wir kamen mit unserem ganzen Geraffel rein, fanden ein freies Abteil und reisten entspannt zurück nach München. Am selben Tag wusch ich noch die ganze Wäsche und somit war das gröbste schon aufgeräumt. Und nach den harten Isomatten und dem Essen auf dem Boden freuten wir uns alle auf unseren Küchentisch und unsere gemütlichen Betten.

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Was bisher geschah… – Mai bis August 2016

Der Rhythmus alle drei Monate scheint sich bei mir einzuschleichen, wenn ich mir das Datum des letzten Berichtes anschaue. Nicht weiter tragisch, nur dass ich die Ereignisse der letzten Monate dann nicht mehr so parat habe.

Das letzte Mal endete ich mit dem bevorstehenden Besuch meines Schwagers aus Paris mit Sohn. Einen Tag waren Gendun und die Kinder mit den beiden unterwegs und wir trafen uns zum Kaffee in der Alten Pinakothek. Für den anderen Tag – der besagte Feiertag – hatten wir eigentlich einen Ausflug in die Berge angedacht. Aber leider war es meinem Schwager zu weit entfernt, stattdessen trafen wir uns mit zwei anderen Tibetern im Englischen Garten. Ich muss zugeben, meine Leidenschaft war nicht unbedingt dabei. Aber ich bin mit den Kindern dann noch zum Eisbach gelaufen wir haben eine Weile den Surfern beim Haus der Kunst zugeschaut, die auf vielleicht acht bis zehn Metern hin und her surfen und dann dem nächsten Platz machen.

Tenzin hat mittlerweile die dritte Klasse vollendet. Dieses Jahr ging es erstmals auch in ein Schullandheim, allerdings nur zwei Nächte und die Rückreise war dann auch gleich in der Früh. Aber es hat wohl Spaß gemacht und war mit HSU-Unterricht (Heimat- und Sachunterricht) zum Thema Wald verbunden. Er hat ein gutes Zeugnis nach Hause gebracht. Manchmal ist er etwas unkonzentriert und lässt sich leicht ablenken. Die Begeisterung eines Erstklässlers hat er nicht mehr, aber das ist wohl auch normal. Wir sind wirklich sehr zufrieden mit ihm. Ich schaue mir weiterhin täglich seine Hausaufgaben durch (auch wenn ich manchmal abends nach um sechs wirklich überhaupt keine Lust mehr dazu habe) und ich muss gestehen, dass mich manche neuen Rechenwege sehr verwirren (wir Eltern aber – laut Elternbrief – dazu angehalten sind, nicht unsere alten Rechenwege weiterzugeben) und dass ich manche Text- und Rechenaufgaben auch überhaupt nicht verstehe. Sein erstes Karate-Jahr ist auch vorbei. Kurz vor den Ferien war Prüfung, die er bestanden hat. Nun ist er Gelbgurt. Die Entscheidung, zu Karate zu wechseln, war genau die richtige. Ihm macht es viel Spaß. Und mit einem Freund aus der Schule geht er nun auch komplett allein hin und zurück. Das ist wirklich eine Erleichterung für uns.

Yangzom ist seit fast einem Jahr Kindergarten-Kind bei einem Städtischen Kindergarten. Als Rückblick nach einem Jahr muss ich sagen, dass die Unterschiede zu Eltern-Initiativen schon groß sind. Im früheren Kindergarten wurde doch mehr geboten und man bekam wirklich viel mehr mit und hatte auch mehr Kontakt zu anderen Familien. Yangzom hat einige Freundinnen gefunden, mit denen sie dann auch ihren vierten Geburtstag feierte. Für uns ist der Kindergarten wirklich praktisch, weil er direkt bei unseren beiden Arbeitsplätzen liegt und im Notfall hatte ich Yangzom auch schon für kurze Zeit bei mir im Büro, wenn Gendun nicht pünktlich Feierabend machen konnte. Jedenfalls ist sie nun kein Raupenkind mehr, sondern gehört nach den Sommerferien zu den Gummibärchen. Dieses Jahr haben wir erstmals richtig ihren Geburtstag gefeiert. Ich habe – wie schon früher bei Tenzin – mit ihr zusammen die Einladungen gebastelt und eine Wimpelkette für das Kinderzimmer. Es gab Schokokuchen und Wiener. Geboten waren Spieleklassiker wie Topf schlagen und Tauziehen (letzteres kannten die Kinder nicht und fanden es toll), der Eierlauf (mit Ü-Eiern) fand aufgrund des schlechten Wetters im Treppenhaus statt.

Nach unserem dreiwöchigen Urlaub (mit Bodenseeumrundung und Ausflügen von München aus) bin ich nun seit dieser Woche wieder arbeiten. Wie jeden August ist es im Büro sehr ruhig und entspannt. Das tut auch gut. Denn das letzte Jahr war doch auch anstrengend, da eine Kollegin länger ausfiel und ich doch einiges auffangen musste. Eine schöne Abwechslung war wieder der Museumstag, an dem ich wie letztes Jahr im Alpinen Museum mitgemacht habe. Leider kamen – wahrscheinlich wegen des schönen Wetters und des Termins (mitten in den Ferien) – kaum Besucher.

Das freitägliche Schwimmen habe ich leider nicht durchgehalten, es waren doch immer zu viele andere Termine (privat, Schule, Kindergarten oder was auch immer), so dass ich diese Schwimm-Zeit nicht in meine Arbeitszeit integrieren konnte. Aber dafür schaffe ich es nun wirklich fast jede Woche einmal zum Joggen zu gehen. Und heute habe ich mir dann auch endlich mal neue Joggingschuhe gekauft. Und ich merke jedes Mal, dass Joggen einfach die richtige Sportart für mich ist, weil ich mich nicht nur körperlich bewege, sondern weil ich auch wirklich abschalten bzw. in Ruhe über etwas nachdenken kann. Besser gelingt mir das nur beim Wandern in den Bergen.

Aber zum Wandern, um Abschalten zu können, muss ich allein unterwegs sein – darüber schreibe ich ein anderes Mal. Im Sommerurlaub habe ich mir nämlich einen familienfreien Tag genommen und war im Wetterstein unterwegs. Aber einen familienfreien Nachmittag hatte ich in den letzten Wochen schon und besuchte eine Verkaufsausstellung einer ehemaligen Nachbarin, spazierte durch das Haus der Kunst (wenn auch nicht lang) und lief dann noch am japanischen Teehaus im Englischen Garten vorbei. Und damit ich mit dem Familienfrei nicht aus der Übung komme, fahre ich im Oktober für ein Wochenende nach Berlin. (Der eigentliche Anlass ist das 25jährigte Abitreffen – für mich allerdings eher zweitrangig, ich will durch das Berlin meiner Jugend und Studentenzeit laufen und bin gespannt, wie ich die drei Tage ohne Familie meistern werde.)

Aber zurück zu den Bergen – Nach den Maiferien waren wir mit einer befreundeten Familie (mit einer ebenfalls vierjährigen Tochter und einem neunjährigen Sohn) aus Ohlstadt auf der Veste Schaumburg. Der Weg dorthin beginnt gleich hinter dem Ort und es geht ein Stück bergauf. Von der Veste (das Wort kommt von Festung) ist eigentlich nichts mehr zu sehen, aber auf dem kleinen Platz ganz oben kann man einerseits schön ins Tal gucken und andererseits, wenn man auf die Löcher achtet, schön picknicken, was wir auch getan haben. Es war eine wunderbare Auszeit für unsere Familie. Und da die Kinder gleich alt sind, passt es einfach wunderbar, zumal sie sich auch verstehen.

Mit dabei war diesmal auch Gendun, der erfreulicherweise doch immer mal wieder bei solchen Unternehmungen mitgeht. Und letztlich gefällt es ihm ja auch immer. Er gehört – was Aktivitäten betrifft – zu der Kategorie Menschen, die man manchmal zu seinem Glück zwingen muss. Und manches macht er nur uns zuliebe – wie zum Beispiel Frühstücken gehen im Café Westend. Oder mit den Kindern und mir zu „Kinder und Buddhismus“ mitgehen – dabei ist er ja der Buddhist in der Familie und es ist seine Kultur. Was für mich das Joggen ist, sind für ihn die Treffen mit seinen tibetischen Freunden. Nachdem sie letztes Jahr um den Starnberger See geradelt sind, waren sie diesmal am Schliersee. Und da die Umrundung wesentlich kleiner ist, war auch Tenzin dabei. Diese Treffen sind immer mit opulenten Picknicken verbunden.

Nachdem Yangzoms und Tenzins Freunde bei uns übernachtet hatten, fand der Gegenbesuch kurz vor den Ferien statt und es klappte alles wunderbar. Es war Yangzoms erste Übernachtung woanders. Aufgrund dessen, dass wir wieder kein Visum bekommen haben, um Genduns Familie besuchen zu können, mussten wir dieses kinderfreie Wochenende nutzen, um einen Alternativurlaub vorzubereiten. Aber von unserem „Abenteuerurlaub der verrückten Familie Palden“ J und auch von unseren Sommerferien erzähle ich in einem anderen Bericht.

Jetzt steht erst einmal noch der Besuch meiner Mutter an. Einen Tag wollen die Kinder allein etwas mit ihr machen. Am zweiten Tag wollen wir, wenn das Wetter mitspielt, in die Berge. Dann fährt sie mit Tenzin nach Berlin. Und ein Wochenende später fahre ich mit Yangzom hin, um Tenzin wieder einzusammeln. Und damit sind wir inklusive Ostern doch ziemlich viel mit der Bahn gefahren, wenn man noch den Oktober mitrechnet: dreimal Berlin, mehrmals Richtung Alpen bzw. Voralpen. Aber dafür kann ich nun (mit den gesammelten Bahncard-Punkten) im September eine Strecke umsonst fahren und im Oktober reise ich eine Strecke in der ersten Klasse.

Momentan ist richtiges Sommerwetter. Ich muss doch mal trotz Arbeit schauen, ob ich nicht mal früher Feierabend mache und meine wenigen Überstunden noch weniger werden lasse und mit den Kindern ins Schwimmbad fahre. Heute jedenfalls war ich mit den Kindern halb acht frühstücken, um doch auch mal etwas anderes zu machen.

Also, genießt den Sommer.

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Familienorganisation im 21. Jahrhundert und last news

Eigentlich wollte ich den heutigen Newsletter „Mama 2.0“ nennen, aber nachdem ich die Bedeutung von Web 2.0 nachgeschlagen habe, musste ich feststellen, dass dieser so schöne Titel doch nicht ganz passt. Mit Web 2.0 (heute sagt man eher „Social Media“ – und so lerne ich eben doch nie ganz aus) ist gemeint, dass die Nutzer nicht nur das Internet konsumieren, sondern via Facebook, Instagram, Twitter, Blogs etc. selbst produzieren. Das eigentliche Thema ist meine Organisation des Familienalltags mittels analogen und digitalen Mitteln. (Aber Mama 2.0 passt insofern zum Teil auch, weil natürlich dieser Newsletter auch online erscheint, ich Fotos über Social Media gerne teile. Das jedoch nur so am Rande.)

Neben meinem Kopf bzw. dem, was drin ist (und das ist ganz schön viel), ist eine ganz wichtige Grundlage meiner Familienorganisation der Kalender – bzw. eigentlich sind es fünf. In der Küche hängt ein sogenannter Familienkalender (mit schönen Fotos für jeden Monat), in den in einer schönen Übersicht alle Termine für jedes Familienmitglied stehen. Der dient auch der Information darüber, ob Bücher in der Bibliothek abgegeben werden müssen, ob ich länger arbeite, ob Gendun mit den Kindern zum Arzt muss. Ich denke, diesen Kalender nutzt mittels Nachschauen am meisten Gendun. Ich schreibe meist nur die Termine rein. Dann gibt es noch ganz klassisch den Taschenbuchkalender in meinem Rucksack, mit einem schönen Einband, vielen Notizseiten. Dieser wird eher stiefmütterlich behandelt, dafür stehen manchmal aber auch schöne Erlebnisse drin. Im Büro gibt es noch einen Wochenkalender vor meinem Schreibtisch, hier stehen meist auch die privaten Termine, aber auch Termine von Pressekonferenzen, Besprechungen usw. Eigentlich identisch mit diesem ist dann mein Outlook-Kalender. Ich muss jedoch zugeben, dass der Kalender in meinem Smartphone am aktuellsten ist – zumindest was die Termine betrifft, die für die Organisation des Familienlebens wichtig sind. Und das tolle an diesem Kalender ist, ich kann die jeweiligen Termine mit den Orten verbinden, mit Notizen und – was eigentlich das wichtigste ist – er kann mich zweimal vorher an den Termin erinnern.

Chat-Apps sind neben SMS und E-Mail aus dem alltäglichen Leben auch nicht mehr wegzudenken: Hat Yangzom etwas Besonderes im Kindergarten mit, schicke ich eine Nachricht an Gendun, damit er dieses eine Besondere auch ja nicht vergisst. Während des Streiks letztes Jahr hatte ich noch keine Smartphone und musste mich mit E-Mails behelfen, bei diesjährigen Hortausfällen (aus welchen Gründen auch immer) geht es natürlich ganz einfach, wenn die beiden Mütter, mit denen ich mich immer kurzschließe und reihum die Jungs betreue, und ich die Betreuung dann über eine solche App regeln. Teilweise haben wir auch schon vergessene Hausaufgaben fotografiert und per App verschickt. Letztens jedoch musste Tenzin, der eine Hausaufgabe vergessen hatte und die von einem Foto nicht abzuschreiben war, sich diese selbst bei einem Freund abholen und auch allein zum Copyshop gehen, um sich eine Kopie zu machen. Die Organisation des gemeinsamen Hausaufgaben-Erledigens (denn dafür hatte der Freund das für die Hausaufgabe notwendige Lehrbuch vergessen) geschah dann doch wieder über App.

In einer Kolumne wurde bedauert, dass durch diese ganzen Apps etc. das Telefonieren ausstürbe. Stimmt, es ist merklich weniger geworden. Aber zum Beispiel am Wochenende, wenn sich meine Kinder verabreden wollen, schicke ich lieber eine kurze Nachricht, so bekommt die andere Familie Zeit und Gelegenheit drüber nachzudenken und entsprechend positiv oder negativ zu antworten. Ich denke mir immer, wenn ich anrufe, dann hat das etwas von einem Überfall. Vielleicht ist das aber auch meine ganz persönliche Wahrnehmung. Zettel, die im Kindergarten herumhängen, kann man mit dem Smartphone auch schön fotografieren und kann sich dann die wichtigen Fakten in Ruhe zu Hause anschauen und abschreiben. (Dies bezieht sich auf die Kontakte zu den Eltern anderer Kinder, die man vielleicht nicht so gut kennt.)

Ich gebe zu, manchmal gehöre ich auch zu den Smombies, die im Gehen am Handy lesen. Aber ich habe auch schon vorher zu den Leuten gehört, die im Gehen ein spannendes Buch oder Zeitung gelesen haben. Der Unterschied ist dann vielleicht auch nicht mehr so groß. Oder? Mein Handy weckt mich auch jeden Morgen um fünf (neben meinem Wecker) und da unser Küchenradio nicht mehr so richtig wird, höre ich übers Handy Internetradio. Trotzdem wird mir auch immer wieder bewusst, dass ich öfter mal Handy-Pausen einlegen sollte.

Was ist in den letzten Wochen (seit Ostern) passiert?

  • Maifest im Kindergarten mit dem Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ – Yangzom war eine (von vielen kleinen) Katzen
  • Tenzin war bei einem tollen Architekturworkshop in der Pinakothek der Moderne
  • An einem verregneten Sonntag waren mit mit zigtausend anderen Familien im Museum „Mensch und Natur“
  • Zu „Kinder und Buddhismus“ haben wir es die letzten Male nicht geschafft – leider, leider
  • Pfingstmontag war ich mit den Kindern im Verkehrszentrum vom Deutschen Museum. Leider ist die tolle lange Rutsche für Kinder an Wochenenden und Feiertagen generell gesperrt – weil unter der Woche ja auch so viele Familien kommen
  • Ich drücke mich vor dem Abschluss meiner Steuererklärung, aber diese Woche dann… – jedoch ist dieses Elster-Formular furchtbar

Tenzin wird (zumindest teilweise) immer selbstständiger und würde sich am liebsten jedes Wochenende mit seinen Freunden verabreden. Mir ist es manchmal zu viel. Und ich denke mir manchmal ich sehe ihn, wenn ich arbeite, ca. 10 Stunden nicht, da möchte ich am Wochenende auch mal ganz normales Familienleben haben, auch wenn nichts Besonderes geplant ist. Manchmal wird nun auch Yangzom etwas eifersüchtig, weil sie nie verabredet ist. Der Wunsch ist jetzt aber auch neu bei ihr und meine letzten Versuche, etwas für sie zu organisieren, sind leider immer fehlgeschlagen. Wird uns auch noch gelingen. Dafür hatte sie letztens eine Freundin über Nacht zu Besuch. Diese schlief mit ihrem Bruder (Tenzins Freund) bei uns, weil die Eltern übers Wochenende weg waren.

Jetzt sind gerade Pfingstferien in Bayern. Tenzin ist seit gestern (und noch bis Freitag) mit dem Hort zur Ferienfahrt in der Gegend von Traunstein. Ich hoffe, sie haben gutes Wetter. Nächste Woche haben Gendun und die Kinder frei (sowohl Hort als auch Kindergarten) haben geschlossen. Spontan kam Gendun dann letzten Donnerstag die Idee, er könne mit den Kindern nach Paris zu seinem Bruder fahren. Nach meinem ersten Erschrecken – schluck – hatte ich mich an den Gedanken mehr als gewöhnt und freute mich riesig auf ein paar Tage ohne Familie, zwar mit Arbeit, aber mit Zeit für mich, ich hatte schon Pläne gemacht – Kino, Shopping, Wandern an Fronleichnam, Joggen unter der Woche. Dann sagte mir Gendun gestern nach einem Gespräch mit seinem Bruder, dass dieser nun nach München kommen wolle. Es steht noch nicht ganz fest, wer wohin fährt, sie telefonieren noch einmal. In diesem Fall hatten wir nun auch schon einen Personalausweis beantragt, weil die Pässe ja bei Visa-Stelle sind. Aber wenn ich so kommunizieren würde, würde wohl einiges schief laufen. Gendun merkte mir meine Enttäuschung dann wohl auch etwas an und konnte nicht ganz nachvollziehen, warum mir ein paar Tage ohne Familie so wichtig wären. Na, Hauptsache ich weiß es J. Und im Oktober fahre ich zum Abi-Treffen nach Berlin und werde dann endlich mein Wochenende ohne haben.

Zum Abschluss noch zweimal Kindermund von Yangzom „Wie wird man alt?“ – eine sehr philosophische Frage, weil es ihr nicht nur um die Äußerlichkeiten ging – sowie mit Blick auf die Frauenkirche „Wo ist die Männerkirche?“

Und damit wünsche ich Euch noch eine schöne zweite Mai-Hälfte!

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Österliche Abenteuerreise nach Berlin (Ende März 2016)

Was für den einen nur ein Familienbesuch ist, ist für die andere eine „Abenteuerreise“. Als wir Ostern – endlich mal wieder zu viert – nach Berlin fuhren, sagte meine Tochter am Morgen des zweiten oder dritten Tages, dass sie keine Abenteuerreise mehr machen wolle. Ich gebe zu, wie immer wenn wir nach Berlin fahren, war der Aufenthalt kurz (resultierend aus den verschiedensten Gründen) und dann auch noch vollgepackt mit Unternehmungen. Hier unsere Berlin-Tage im Kurzdurchlauf:

  • Karfreitag – Zugreise München-Berlin, Einquartierung im Gästezimmer der Nachbarwohnung bei meiner Mutter
  • Samstag – Zugreise nach Leipzig mit Ausflug in den Leipziger Zoo
  • Ostersonntag – S-Bahn-Reise quer durch Berlin nach Petershagen zu meinem Vater
  • Ostermontag – S-Bahn-Reise innerhalb von Berlin zu meiner Schulfreundin
  • Dienstag – Gendun und ich allein in Berlin unterwegs, die Kinder mit den Großeltern
  • Mittwoch – Rückreise nach Berlin, Ankunft gegen 21 Uhr

Was Erwachsene (meist) locker wegstecken, ist für Kleinere (wie unsere Vierjährige) dann eben doch anstrengend, weil sie doch mehr Ruhephasen brauchen. (Trotzdem schien mir Yangzom nicht wirklich unglücklich während dieser Zeit.)

Die Zugreise nach Berlin war normal. Leider hatte ich versehentlich die auf Tenzins Tablet (selbst gekauft vom Gesparten) kopierten Filme wieder gelöscht, worüber vor allem Yangzom enttäuscht war, weil sie unbedingt ihre „Eiskönigin“ sehen wollte. Tenzin hatte noch Spiele drauf, allerdings hat er auch weiterhin seinen Harry Potter gelesen (wir lesen gerade beide alle Bände um die Wette, wobei ich ihn bereits eingeholt habe – aber ich muss auch zugeben, dass ich die Seiten eher scanne und Tenzin sie ganz genau liest – er kann mir auch alle möglichen Flüche benennen, kann ich nicht). Mit Yangzom habe ich dann ein bisschen gelesen, ein bisschen gemalt, wobei sie aber auch länger aus dem Fenster schauen kann, was Tenzin nie so gemacht habe.

Am Samstag sind wir nach Leipzig gefahren. Es war Siegfrieds Vorschlag. Seine Tochter mit Familie (inkl. dreijähriger Enkelin) wohnt dort und sie gehen öfter dort in den Zoo. Es war wunderbares Wetter, Sonnenschein und halb Leipzig schien in den Zoo zu strömen. Ehrlich gesagt, obwohl wir ca. vier Stunden für den Besuch hatten, haben wir wohl nur einen Bruchteil davon gesehen: Raubtiere, Erdmännchen (sehr süß), Nashorn, Zebras und Giraffen, aber bei den Affen war es dann aus. Dort war es so voll, dass wir uns nur durch die Menschen durchquetschen konnten, um heil wieder rauszukommen. Ziemlich lange waren wir dann auf dem wirklich tollen Spielplatz mit Türmen zum Hochklettern, Drahtröhren zum Durchkrabbeln, kleine Kletterwände und was weiß ich nicht noch alles. Die Spielplätze in den Zoos sind heutzutage einmalig – wahrscheinlich die Zoos einfach mehr Finanzen dafür übrig als die Städte / Gemeinden.

Ostersonntag machten wir uns nach einem – wie immer – sehr feinen Frühstück bei meiner Mama auf zu Doris und Papa nach Petershagen, was von Lichterfelde West aus, wo meine Mutter wohnt, fast eine halbe Weltreise scheint und dabei ist man fast immer noch in einer Stadt (wahrscheinlich wird mich jetzt jemand korrigieren, dass Petershagen zu Brandenburg gehört und nicht zu Berlin). Diesmal waren wir (bedingt durch Bauarbeiten und Schienenersatzverkehr) einfach zwei Stunden unterwegs. Der Schienenersatzverkehr hat es dann jedoch wiederum durch das mehrmalige Umsteigen etwas abwechslungsreicher J gemacht. Auch Ostersonntag war wieder allerschönstes Frühlingswetter. Die Kinder (und auch wir Erwachsenen) konnten im Garten dort die versteckten Sachen vom Osterhasen suchen. Und wir konnten wieder die schöne Runde am Mühlenfließ entlang spazieren, was wir eigentlich jedes Mal in Petershaben machen. Gehört einfach mit dazu. Abends war der Osterhase dann auch noch einmal in Lichterfelde gewesen und die Kinder konnten weitersuchen. Das ist wirklich schön, dass meine beiden Eltern einen kleinen Garten am Haus haben und die Kinder also Ostern nicht in der Wohnung suchen müssen.

Meine Freundin mit ihrer kleinen Tochter, die ich noch nicht gesehen hatte, besuchten wir am Montag. Allerdings ohne Tenzin, der mit den Großeltern zum Ritterturnier ging und nachmittags noch Radeln war. Berlin ist mir ziemlich fremd geworden, und diese ganze Fülle an Verkehrsmittellinien ist doch sehr verwirrend. Prompt sind wir dann kurz vor dem Ausstieg noch in eine falsche Bahn gestiegen. Auch meine Freundin hat einen kleinen Garten vor dem Haus, so dass wir wieder bei Sonne (und doch etwas kühlem Wind) draußen sitzen und quatschen konnten. Ich habe es sehr genossen, mal wieder mit ihr ratschen zu können. Begegnungen mit Freunden kommen derzeit eindeutig zu kurz.

Kleiner Höhepunkt unserer Berlin-Reise war für Gendun und mich der Dienstag. Wir hatten es zwar nicht geschafft, dass Yangzom probeweise in der Wohnung von Oma und Opa schläft, so wie Tenzin auch. Aber immerhin hatten wir diesen kompletten Dienstag kinderfrei. Die Kinder waren mit den Großeltern im Naturkundemuseum und haben dort u.a. den neuen T-Rex bewundert. Wir hatten zuerst einen Termin bei dem Reisebüro, das für uns die Visa besorgen soll. Und danach hatten wir einfach nur frei. Wir waren am Ku’damm shoppen und dann sind wir mit unseren Tagestickets ein bisschen kreuz und quer gefahren, was in Berlin nur bedingt gelingt, weil Berlin einfach so groß (so groß im Verhältnis zu München) ist. Vom Wittenbergplatz ging es über den Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor und Reichstag, von dort dann weiter zum Viertel am Hackeschen Markt mit Kuchen essen bei „Barcomi’s“, zu Fuß dann Richtung Friedrichstraße, kurz mit dem Bus ein bisschen quer zur Haltestelle „Märkisches Museum“, auf dem Nachhauseweg noch einmal kurz hoch zum Potsdamer Platz (wo ich dann erkannte, dass wir von dort am morgen locker zum Brandenburger Tor hätten laufen können) und zurück nach Lichterfelde West. Gerade im im Viertel am Hackeschen Markt, wo ich als Studentin oft unterwegs war (meine Fakultäten waren nicht weit weg, abends waren wir dort oft), wurde mir ganz stark bewusst, wie sehr Berlin sich seit meinem Wegzug vor etwa 16 Jahren verändert hat. Die Hackeschen Höfe – früher doch eher alternativ – haben sich zu ganz schicken Plätzen (sogar mit einem kleinen h&m-Laden) entwickelt. Ich will nicht sagen, dass es früher viel besser war, aber das Flair ist heute ein ganz anderes. Im Oktober wird Abitreffen von unserer Klasse sein. Diese Gelegenheit werde ich nutzen und doch mir noch einmal einiges von Berlin anschauen.

Die Rückreise am Mittwoch zog sich dann doch ziemlich. Nach einem kleinen Mittagessen fuhr unser Zug erst gegen 14 Uhr. Yangzom wollte partout keinen kleinen Mittagsschlaf machen, was mir zu einer kleinen Verschnaufpause verholfen hätte. Aber auch die längste Reise hat ein Ende, gegen kurz vor zehn waren wir dann abends in unserer Wohnung und freuten uns schon sehr auf unsere eigenen Betten. Zu Hause schläft es sich eben doch immer auch sehr gut.

Nun sind die Osterferien auch schon wieder vorbei. Der Alltag hat uns wieder – entsetzlich, wie schnell das immer geht. Die letzten Wochenenden waren für meinen Geschmack zu sehr von Tenzin bestimmt – Einladung zum Kindergeburtstag, Verabredung mit Freunden. Das nächste Wochenende werde ich bestimmen, was gemacht wird. Hoffentlich klappt es. Vorsätze macht man ja immer viele. Ich will zum Beispiel in den Botanischen Garten, vielleicht verbunden mit einem Ausflug in den Nymphenburger Schlosspark. Jetzt wo alles so schön blüht, muss man doch mal dahin. Social Media geht ja auch bei mir nicht vorbei, aus beruflicher Neugierde habe ich mich auch bei instagram angemeldet und habe einen japanischen Fotografen angeklickt (neudeutsch: geliket) und bekomme nun auf diesem instagram-account immer wieder wunderschöne Blüten-Impressionen aus Japan. Ich hoffe, dass ich ähnliches im Botanischen Garten finde. Wobei die rosa Blüten des Mandelbaumes (?) vor meinem Bürofenster schon wieder abfallen.

A propos social media – über Facebook hatte ich letztens nach schönen Wörtern mit SCH gefragt, weil ich gerade in letzter Zeit immer mal wieder über schnabulieren und Schlawiner gestolpert bin – zwei Wörter, die ich total schön finde, die aber vielleicht auch etwas altmodisch sind. Jedenfalls haben wir dort (mit Unterstützung meiner Mutter per Mail) folgende Wörter zusammengetragen:

Schnabulieren * Schlawiner * schwadronieren * (herum)scharwenzeln * Schlummerland * schwuppdiwupp * Schlaraffenland * Scharmützel * Schabracke * Schabernack * schwoofen * Schindluder * Schickeria * schickimicki * schlohweiß * Schlagobers * Schnupftuch * Schwarzbrot * Schnarchnase * Schluckspecht * Schlummerrolle * Schwarz-Weiß-Fernsehen * Schnickschnack * Schmarotzer * Schiererei * Schlaumeier * Schnipsel * und – was meine Tochter immer sagt – „Schmusie“ (womit sie eigentlich smoothie meint) * von „Schmusie“ kommt man dann noch auf schmusen

Und wozu diese ganzen Wörter? Einfach so. Aber eigentlich auch, weil ich sie schön finde und ich mir wünsche, dass sie Eingang in den Wortschatz meiner Kinder finden bzw. dort auch bleiben!

Bleiben wir bei SCH: Schöne Woche noch!

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Zwischen Therapie und Auszeit – Mutter-Kind-Kur – Mit den Kindern auf der Insel Poel

Drei Wochen Ostsee mit den Kindern – einfach so zwischendurch. Nun ja, ganz „einfach so“ ist es natürlich nicht, mit den Kindern zur Mutter-Kind-Kur wegzufahren. Da muss zuerst der Hausarzt und vielleicht sogar noch der Kinderarzt ein entsprechendes Formular ausfüllen und diese Kur befürworten, dann muss zum Beispiel die Krankenkasse zustimmen, wenn diese Bedingungen erfüllt sind, wartet man nur noch auf einen Terminvorschlag der Klinik. In unserem Fall bekamen wir erst diesen Termin im Februar (02.-23.02.) – im Nachhinein zum Glück, denn mein Wunschtermin im Oktober / November hätte letztlich wegen der aktuellen Situation im Büro (kranke Kollegin, Vertretung noch nicht da) nicht funktioniert. Aufgrund von Tenzins Infektanfälligkeit wurden quer durch Deutschland an die Ostsee geschickt.

Dann war es endlich so weit. Das Ticket bekamen wir vom Krankenkassenreisebüro zwei Wochen vorher zugeschickt. Die Klinik informierte ich über unsere Ankunft in Wismar (von dort sollten wir dann mit dem Auto abgeholt werden). Eine gute Woche vorher schickte ich schon ein Paket mit einigen Sachen, die in München nicht mehr benötigt wurden, in die Klinik. Denn das Verschicken des ganzen Gepäcks mit dem Gepäckservice der Bahn wäre nicht gegangen, weil die als Abholtermin eine mehrstündige Zeitspanne angeben (ist für uns mit meiner Arbeit nicht realisierbar, rückzu konnten wir es dann einen Koffer schicken). Trotzdem hatten wir auf beiden Fahrten noch einen riesigen Rucksack dabei, der über meinen Kopf hinausragte, die Kinder ihre kleinen Rucksäcke, den Kinderkoffer und noch meinen kleinen Rucksack und noch eine Umhängetasche. Wahnsinn! (Und mit diesem ganzen Gepäck mussten wir in Hamburg zum nächsten Bahnsteig hetzen, weil der Zug Verspätung hatte.) Letztlich waren wir jeweils ca. 10 Stunden in drei Zügen und einem Auto unterwegs. In dem Fall muss ich sagen – ob pädagogisch sinnvoll oder nicht – ich war froh, dass wir ein Tablet mit Kinderfilmen dabei hatten und jedes Kind jeweils einen Film schauen durfte.

Die Klinik liegt am nördlichsten Ende der Insel Poel in einem Ferienort, der wie ausgestorben war. Ich glaube, nur im Sommer ist dort etwas los. Der schöne Sandstrand fast menschenleer. Ein kleines Geschäft um die Ecke war geöffnet, die Restaurants alle zu. Der nächste Supermarkt in Kirchdorf war vielleicht eine halbe Stunde zu Fuß entfernt. Dort waren wohl noch Restaurants offen. Aber die kleinen Häuschen „Am Schwarzen Busch“ standen größtenteils leer und warteten auf Feriengäste.

Die Klinik selbst war ein ziemlich großes Gebäude, in dem ca. 100 Mütter (in unserem Fall auch zwei Väter) plus die dazugehörigen Kinder (meistens kamen sie mit einem oder zwei Kinder, aber es waren auch drei oder vier Kinder dabei, Alter: etwa 2-13 Jahre). Im Haus selbst war ein kleines Schwimmbad, eine Sauna, eine Sporthalle, ein Gymnastikraum, Physiotherapie, Entspannungsräume, Kreativräume, eine kleine Bibliothek. Neben der eigentlichen Therapie gab es die verschiedensten Angebote (Basteln, Ausflüge, Kino etc.). Wir hatten ein kleines Appartment mit Wohnzimmer inkl. Schlafnische für mich und ein kleines Kinderzimmer, wobei für Yangzom ein Babybett drin stand und sie eh lieber bei mir schlafen wollte. Um die Klinik herum gab es einen großen Park mit schönem Spielplatz. Und direkt danach gleich ein Zugang zum Ostseestrand. Natürlich gab es noch einen großen Speisesaal. Das Essen war abwechslungsreich, wenn auch nicht immer so wahnsinnig lecker. Aber das Buffet morgens und abends fand ich schon gut, auch wenn ich während der Mahlzeiten dann oft wegen der Kinder (die erst ab zehn allein ans Buffet durften) fünfmal hinlaufen musste. Außer am Wochenende oder wenn die Kinder krank waren, aßen die Erwachsenen mittags ohne Kinder. Das einzige, worum man sich kümmern musste, war die Wäsche und darum, pünktlich zu den Anwendungen zu erscheinen.

Anreisetag war in unserem Fall der Dienstag. Termin zur Aufnahmeuntersuchung war am Donnerstag und dann bekam man schon den ersten Therapieplan für die ersten Tage. In unserem Fall war alles etwas anders. Tenzin und ich waren vor der Kur bereits krank und blieben auch jeweils einen Tag zu Hause. Es stellte sich heraus, dass wir uns hätten richtig auskurieren sollen. Denn Tenzin reiste bereits mit Fieber an, ein paar Tage später bekam ich Fieber und zum Schluss auch noch Yangzom. Jeder von uns hatte mehrere Tage hohes Fieber und lag wirklich flach, so dass ich dann die ganzen verschriebenen und freiwilligen Therapie- und Sportangebote die ersten zehn Tage nicht nutzen konnte. Irgendwann hatte ich herausgefunden, dass man kranke Kinder, die nicht in die Kinderbetreuung dürfen, im Patientenzimmer bei den Schwestern lassen kann. Das habe ich dann in den Zeiten, in denen ich fit war, auch teilweise so gemacht, um noch das Beste rauszuholen.

Ich war mit großen Vorsätzen zur Kur gefahren: Wollte jeden Tag Sport machen, joggen, in die Sauna gehen und möglichst viel für mich und mein Wohlbefinden machen. Die Krankheitszeit belehrte mich dann eines Besseren. Ich habe es irgendwann akzeptiert und auch irgendwie positiv gesehen, denn zu Hause hätte ich uns (mit Kindergarten, Schule und vor allem Arbeit) nicht so die Zeit gegeben, um wieder gesund zu werden. Trotz Fieber waren wir jeden Tag wenigstens kurz draußen an der frischen Luft, meistens sind wir zum Ostseestrand gelaufen und haben dort Muscheln und Steine (keine Hühnergötter und keine Bernsteine) gesammelt, haben den Wellen zugeschaut, im Sand gebuddelt und ich war jedes Mal davon fasziniert, wie unterschiedlich die Ostsee und der Himmel und alles drumherum aussehen kann. Spiegelglatt und hellgrau-blau, rauschende Wellen, dunkles Wasser, blauer Himmel, Wolkenspiele, Sonnenuntergang, Caspar David Friedrich-ähnliche Stimmungen usw. Als die Kinder wieder gesund waren, habe ich mich trotzdem nicht ans Joggen gewagt, weil es einfach oft auch zu kalter und schneidender Wind war und ich nicht gleich wieder eine Erkältung haben wollte, aber ich war (mit und ohne Stöcke) walken oder spazieren. Irgendwann waren wir auch wieder fit genug fürs Schwimmbad und haben die Zeit dort sehr genossen. Nur zur Sauna konnte ich Yangzom leider partout nicht überreden. Und allein für mich hat es dann von den Zeiten her nicht mehr gepasst.

Die Kinder waren tagsüber in der Betreuung. Tenzin hatte dann nach den bayerischen Faschingsferien noch eine Woche Schule. Das konnte man aber unter Ulk verbuchen, es war letztlich nur eine Stunde pro Tag. Aber zum Glück ist er ein guter Schüler, ich denke, er hat es gut aufgeholt. Die Kinder waren in nach Alter getrennten Gruppen. Yangzom hatte eine wunderbar nette Erzieherin namens Hildi, die auch noch Gitarren spielen konnte und viele Lieder mit den Kindern gesungen hat. Die anderen Erzieherinnen kamen manchmal etwas nordisch-kühl rüber, aber Tenzin fand seine auch nett. Die größeren Kinder durften dann auch allein von der Betreuung aus allein zum Tischtennis oder Kicker spielen. Und sie hatten auch Sport und Schwimmen mit der ganzen Gruppe. Nach dem Mittagessen bis zum frühen Nachmittag waren die Kinder bei den Eltern. Vormittags war Yangzom gerne bei ihrer Erzieherin, aber nachmittags, wenn dann die Gruppen zusammengelegt wurden, wollte sie dann oft nicht mehr in die Betreuung und ich habe mit ihr etwas gemacht. Tenzin fand dann nach seiner Gesundung auch Anschluss und ging nachmittags manchmal wieder in die Betreuung. Oder ich habe ihn auch manchmal noch zum Sport angemeldet. Das hat ihm Spaß gemacht.

Was hatte ich noch für Therapien / Anwendungen? Massage natürlich, Fango, medizinische Sporttherapie (auf diesen großen Bällen – fand ich nicht so toll), irgendeine Wackelmassage auf einer Art Wasserbett (habe ich wieder abgegeben, wahrscheinlich als die einzige), Walking habe ich einmal mitgemacht, aber nachdem die nur auf der Straße lang sind und ich lieber am Strand entlang laufen wollte, bin ich lieber allein gelaufen. Ergometer bin ich gefahren, einmal auch mit Tenzin, der einmal ziemlich lange mitgestrampelt ist. Die Gestaltungstherapie (statt psychologischer Einzel- oder Gruppengespräche) war mal interessant mitgemacht zu haben, aber brauche ich nicht immer. Ich habe einfach gemerkt, dass ich am besten beim Sport entspannen kann. Wassergymnastik – fand ich diesmal sogar ziemlich gut (bei meiner ersten Kur vor ca. sieben Jahren fand ich Wassergymnastik total doof – hängt aber sicherlich auch vom Trainer ab).

An den Wochenenden haben wir uns so beschäftigt oder nutzten die Angebote des Hauses. Den letzten Samstag bekamen wir auch Besuch von den Berliner Großeltern und spazierten durch starken Wind an der Ostsee entlang und wurden in Wismar zum Mittag essen eingeladen. Das war eine schöne Abwechslung zum Klinik-Alltag.

Fazit: Den Kindern hat es im Großen und Ganzen gefallen, mir auch. Ich habe es sehr genossen. Freundschaften habe ich keine geschlossen, was auch dadurch erschwert wurde, dass wir anfangs alle krank waren, aber auch dadurch, dass die Familien ja aus ganz Deutschland kamen und ich es vielleicht nicht so forciert habe. Aber ich habe sympathische Frauen getroffen mit ganz verschiedenen Geschichten. Manche hatten es leichter im Leben als ich, viele aber doch auch schwerer.

Ich werde auf jeden Fall noch einmal eine solche Kur beantragen. Aber dann nicht mehr an der Ostsee (Reizklima gibt es ja nicht nur dort, sondern auch in den Bergen).

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Vater und Mutter – Zwei Kinder – wie unterschiedlich Kinder gleicher Eltern sein können?

Eine Gegenüberstellung, die im steten Wandel ist (und sicherlich auch mal fortgeführt wird). Und nicht nur wie unterschiedlich Kinder sind, sondern wie unterschiedlich wir auch mit ihnen sind:

  • Anziehen, was hingelegt wird vs. Ausschließlich ein Kleidungsstück anziehen und am liebsten nie wechseln
  • Sich ausschließlich von Kohlenhydraten, Butterbrot und auserlesenen Früchten ernähren vs. Eigentlich alles essen, selbst Sushi, Shrimps und Oliven – aber Salat, der nicht knackig ist, wird nicht gegessen
  • Die gängigen Schlaflieder abends gesungen von der Mama anhören vs. „Hänsel und Gretel“ als Schlaflied höchstens, oder ein selbst gedichtetes Lied mit Prinzessin und goldenem Juwelen oder Einhorn oder was auch immer
  • Früh aufstehen vs. Lange schlafen (oder sagen wir mal „länger schlafen“)
  • Mit drei beim großen Bruder auf Kika schon mitgucken dürfen vs. Mit drei Jahren war nur das „Sandmännchen“ drin
  • Viel Zeit für Spielplatz vs. Mitlaufen müssen, wenn der Bruder zum Sport geht
  • Sich nur Pixi-Bücher vorlesen lassen vs. Sich für alle möglichen Bücher interessieren (aber die künstlerisch anspruchsvollen, die Müttern wie mir so gefallen, sind für beide nicht sooo interessant)
  • Klar: In Büchern Jungsthemen (Dinosaurier, Ritter etc.) vs. Mädchenthemen (Prinzessin, Feen)
  • Rollenspiele vs. Vielleicht finden die Rollenspiele nur im Kopf statt?
  • Einzelkind bis zu einem gewissen Alter vs. Geschwisterkind

Wird fortgeführt

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